Global Navigation

Auf den Hund gekommen

Veröffentlicht am Donnerstag, 1. Oktober 2015 um 14.44 Uhr
Von Marco Sieber
Bibi

Was «Candyboy vom alten Zoll» mit «Daisy vom Hochmoor» zu tun hat? Wusste ich bis vor kurzem auch nicht. Und nein, keine schlüpfrige Seifenoper.

Sondern ein gutes Beispiel dienstabteilungsübergreifender Zusammenarbeit für Open Data.

Angefangen hat alles mit einer Kundenanfrage: Ob es stimme, dass es in der Stadt Zürich mehr Hunde als Kinder gebe. Und warum die Stadt nicht gleich die Daten des Hunderegisters öffentlich mache – schliesslich sei jeder Hund gechipt und registriert.

Tolle Anfrage, dachte ich mir. Grund genug, der Sache einmal nachzugehen.

Städtische Zusammenarbeit

Das Vorgehen bei Anfragen dieser Art ist immer dasselbe:

  1. Herausfinden, wer Daten-Owner ist

  2. Anfragen, welche Daten verfügbar sind

  3. Abklären, welche Daten sich als Open Data veröffentlichen lassen

Die neuen städtischen Gremien, die mit dem Stadtratsbeschluss «Statistikstrategie und offene Verwaltungsdaten» entstanden sind, erleichterten diese Abklärungen massiv.

Die Kontaktperson im Polizeidepartement konnte uns schnell die Daten-Owner nennen: Abteilung Hundekontrolle der Stadtpolizei Zürich. Sie erfasst und pflegt die Hunderegisterdaten. Datenhaltung und Auswertung erledigt wiederum die (OIZ) Organisation und Informatik der Stadt Zürich.

Die Hundefachleute der Stadtpolizei hatten grundsätzlich keine Einwände gegen eine Veröffentlichung der Daten. Wir wurden eingeladen, zusammen mit den Verantwortlichen der OIZ einen Vorschlag für eine Datenlieferung zu erstellen.

Datenschutz

Kein Problem, dachte ich mir. Was ist an Hunden – aus Sicht des Datenschutzes – schon sensibler als an anderen Fällen? So einiges, wie ich von den Daten-Ownern bei der Präsentation meiner Datenstruktur lernen sollte. Dabei sah alles so simpel aus: Informationen zu Rasse, Rassentyp, Geschlecht, Alter, Farbe und dem Namen des Hundes; ausserdem Angaben zu den Halterinnen und Haltern pro statistischer Zone nach Altersgruppe und Geschlecht. Alles in einem Datensatz.

Doch genau die Kombination von kleinräumigen Informationen zum Wohnort und dem Hundenamen erlaubt zum Teil Rückschlüsse auf hundehaltende Personen.

Sie runzeln die Stirn? Ich tat es zunächst auch. Geschlecht, Alter und statistische Zone sind aus Datenschutzsicht problemlos. Auch in diesem Fall. Doch der Hundename enthält oft auch den Züchternamen. «Candyboy vom alten Zoll», «Daisy vom Hochmoor» oder «Aly von den Sarazentürmen». Szenenkennern entlocken diese Namen kein Schmunzeln mehr. Und das Internet liefert entsprechend schnell Details zu einzelnen Züchtern und oft auch zu ihren Abnehmern. Kombiniert mit den erwähnten Daten zu statistischer Zone, Alter und Geschlecht sind so Rückschlüsse auf einzelne Personen möglich.

In meinen Stichproben gelang es mir – noch – nicht, systematisch mehr über die Hundehalter herauszufinden. Aber ich will ja keine schlafenden Hunde wecken. Im Laufe meiner Abklärungen habe ich erlebt, dass das Thema «Hund» enorm viele Emotionen auf allen Seiten weckt.

Deshalb sind die Datensätze jetzt getrennt: einer für Hundenamen und einer für den Hundebestand. Eine Verknüpfung besteht nicht mehr. Und die Bedenken bezüglich Datenschutz sind aus dem Weg geräumt.

Mehr Hunde als Kinder?

Um die ursprüngliche Frage zu beantworten: Nein, die Hunde sind nicht in der Überzahl. Es gibt rund viermal so viele Kinder im Alter von 0 bis 6 Jahren wie Hunde. Im Moment sind 6981 Hunde registriert – 48 Prozent davon sind Rüden. Und die beliebteste Hunderasse? Zu meinem Erstaunen der Chihuahua, am häufigsten im Kreis 11 zuhause.

Und die Top 10 der beliebtesten Hundenamen? Das verraten wir nicht. Werten Sie die Daten aus und sehen Sie selbst! Soviel allerdings vorweg: Keiner der Top 10 enthält den Züchternamen...

Nachtrag

Nur gerade ein halber Tag (!) nach Veröffentlichung der Daten und dieses Posts ist auf dem Datenblog vom Tagesanzeiger folgender Artikel mit ersten Analysen der Hunderegisterdaten erschienen: Bello ist tot und Herrchen eine Frau.

Das gefällt uns schon mal sehr! Aber keine Angst, bei diesen Daten hat es noch mehr «Fleisch am Knochen» und wir sind bereits gespannt auf weitere Resultate aus der Arbeit mit den Daten.

Weitere Informationen