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Das Bestattungs- und Friedhofamt erbringt alle Dienstleistungen rund um die Bestattung eines verstorbenen Menschen und organisiert nach den Wünschen der Hinterbliebenen die Abschiedsfeier. Für die Beisetzung der Verstorbenen auf den städtischen Friedhöfen wird eine breite Palette von Grab- und Nischentypen inkl. Grabpflege angeboten.

Bestatter Michael im SRF Virus «True Life»

Bestatter Michael vom Bestattungs- und Friedhofamt der Stadt Zürich wird durch das SRF Virus «True Life» begleitet. Er gewährt einen Einblick in seinen Job und zeigt welche Faszination dahintersteckt.

0:00 Die Totenstarre hat schon eingesetzt
0:02 und der Körper ist schon relativ steif geworden in den Gelenken.
0:19 Ich heisse Michael, bin 37 Jahre alt und bin Bestatter.
0:34 Guten Morgen Michi - Guten Morgen Christoph.
0:37 Da haben wir ein Altersheim. Die Grösse ist drauf. - Danke vielmals
0:46 So, ... wir holen jetzt in einem Altersheim eine verstorbene Person ab.
0:50 Als nächstes wird das Material dazu bereitgestellt.
0:54 Ein Sarg mit der richtigen Grösse
0:56 und ein Kleid mit dem wir die verstorbene Person einkleiden können.
1:02 Vielfach nehmen die Leute einfach den Sarg der ihnen kostenlos zur Verfügung gestellt wird
1:07 weil leider nicht mehr soviel Wert darauf gelegt wird was für einen Sarg man hat.
1:12 Es gibt aber auch Leute, welche ein spezielleres Modell auswählen
1:16 und das ist dann kostenpflichtig.
1:20 Das wäre eigentlich mein Lieblingsmodell.
1:25 Es ist eigentlich so der Klassiker,
1:28 der aber leider nicht mehr soviel gebraucht wird.
1:30 Aber mir gefällt er von den Farben her am besten.
1:44 Wir machen eigentlich die ganze Stadt Zürich. Jeder Einwohner von Zürich wird von uns abgeholt
1:50 und bereitgemacht.
1:52 Das gibt mit diesen ungefähr 100 Altersheimen in der Stadt
1:57 und noch diversen Spitälern und Privatfälle, ungefähr 15 pro Tag.
2:04 Das heisst im Team sind das etwa 5 bis 7 Todesfälle die wir pro Tag haben.
2:16 Jetzt sind wir vor einem Altersheim.
2:19 Da ist es so, dass wir hier nicht filmen dürfen.
2:22 Man muss das sehr diskret behandeln.
2:25 Es mag niemand, wenn man so Sachen filmt.
2:28 Ich gehe jetzt in dieses Heim und hole die verstorbene Person ab.
2:36 Ich habe schon das Gefühl, dass das Thema «Tod» immer noch ein Tabuthema ist.
2:42 Wenn man privat unterwegs ist oder Serien im TV schaut,
2:49 dann ist es ein Thema.
2:50 Aber sobald es jemanden persönlich betrifft, wird das Thema wieder diskret behandelt.
2:58 Und es wird nicht gross etwas herumerzählt.
3:05 Jetzt sind wir im Aufbewahrungsraum,
3:07 wo wir die Verstorben bereit machen und anziehen.
3:12 Und so bereit machen, dass die Angehörigen sie besuchen können.
3:31 Ich bin jetzt 11,5 Jahre auf diesem Beruf
3:34 und wenn man das erste Mal eine verstorbene Person sieht ist das ungewohnt.
3:39 Man hat am Anfang auch die eine oder andere Berührungsangst.
3:43 Aber mit der Zeit kennt man seine Handgriffe und der Ablauf der Arbeit.
3:50 Dann kann man sich auf die Angehörigen konzentrieren.
3:55 Auf ihre Wünsche und Anliegen.
3:59 Diese Person ist jetzt relativ bleich
4:03 Aber das ist ein natürlicher Ablauf einer verstorbenen Person, da das Blut an den tiefsten Punkt gelangt.
4:13 Somit wird der Körper einfach bleicher und die Haut weisser.
4:25 Der Geruch ist etwas, was nicht immer sehr angenehm ist – das kann einem manchmal etwas Mühe bereiten.
4:34 Aber auch das gibt es und auch diese Personen müssen gut betreut werden.
4:40 Da können weder sie noch ich was dafür.
4:54 Weil die Person schon eine Weile verstorben ist, wurde sie etwas kühler.
4:59 Die Körpertemperatur ist nicht mehr da.
5:01 Die Totenstarre hat schon eingesetzt und der Körper wurde bei den Gelenken schon relativ steif.
5:34 Jetzt frisieren wir sie noch, damit die Frisur wieder schön aussieht.
5:41 Eigentlich machen wir am Schluss dasselbe wie die verstorbene Person es auch immer gemacht hat.
5:48 Wir übernehmen das in dem Moment für sie.
5:57 Damit nicht alles so steril und weiss wirkt, kann man noch eine gute Farbe reinbringen
6:03 und das Ganze etwas freundlicher gestalten.
6:20 Es gibt aufwändigere Fälle bei Suiziden oder bei Unfällen.
6:27 Da gibt es Verbandsmaterial für die Wunden und vor allem auch Sachen, um den Köper zu reinigen.
6:38 Die aussergewöhnlichen Fälle mache ich eigentlich gerne.
6:44 Weil es eine grosse Herausforderung für mich ist.
6:47 Es ist vor allem für die Angehörigen wichtig dass, sie eine Person die sie gerne hatten,
6:55 wieder besuchen können und zwar in dem Zustand wie sie war oder zumindest ähnlich.
7:40 Der Aufbahrungsraum ist wichtig für die Angehörigen.
7:46 Manche kommen fast täglich zu Besuch.
7:49 Andere Leute werden gar nie besucht.
7:53 Wenn ich andere trauern sehe, dann ist es nicht unbedingt ein schöner Anblick.
7:59 Ich kenne in vielen Fällen hier in der Aufbahrung nicht jeden Hintergrund und nicht jede Geschichte der Leute.
8:10 Ich muss mich in dem Moment einfach wirklich auf meine Arbeit konzentrieren und für sie da sein.
8:15 Selber traurig macht es mich ja nicht. Sonst wäre ich am falschen Ort wenn das so wäre.
8:26 Das Gefühl wenn ich mit der aufgebahrten Person alleine im Raum bin, ist eigentlich ganz normal.
8:35 Wie wenn die Person schlafen würde oder lebendig wäre.
8:38 Das ist für mich normal geworden.
8:42 Ich habe kein Problem damit, mit der Person alleine zu sein.
8:59 Also meine Eltern haben mir erzählt,
9:00 dass mich Friedhöfe schon immer interessiert haben.
9:04 Wenn irgendwo eine Urne auf einem Friedhof beigesetzt wurde, wollte ich zuschauen.
9:09 Das Ganze wusste ich aber eigentlich gar nicht mehr.
9:14 Irgendwie kam dann das Thema per Zufall wieder auf.
9:20 Ich arbeitete am Anfang im Detailhandel.
9:24 Habe dort einen Stammkunden kennengelernt der eine private Firma hatte und Bestatter war.
9:31 Ich fing dann selber an, mich dafür zu interessieren und habe darüber gelesen und Sendungen geschaut.
9:36 Und wo er mich dann das nächste Mal sah,
9:39 sagte er mir, ich solle doch als Nebenjol bei ihm arbeiten.
9:42 Er hatte seine Firma in Einsiedeln.
9:44 Ich machte das dann zwei Jahre lang als Nebenjob.
9:48 Neben der 100%-Arbeit bin ich nochmals arbeiten gegangen.
9:53 Und hab dann in dieser Zeit gemerkt, dass das eigentlich der Beruf ist, den ich zu 100% ausüben möchte.
10:04 Die Faszination ist auch, dass an jedem Ort eine andere Situation anzutreffen ist.
10:09 Man kann sich nicht drauf vorbereiten. Es ist eine grosse Herausforderung.
10:14 Das ist etwas was ich mag und auch brauche.
10:35 Der Gedanken, dass in meinem Umfeld einmal etwas mit Unfall passieren könnte –
10:38 ein Todesfall –
10:40 geht mir schon auch durch den Kopf. Ich hatte auch mal ein Erlebnis:
10:43 Eine Freundin von mir hat Suizid begonnen und ich habe sie dann abgeholt.
10:51 Ich wusste nicht, dass es sie war.
10:53 Das war ein prägendes Ereignis.
10:58 Aber im Nachhinein auch nicht etwas, das einem belastet. Sondern etwas, das
11:03 wahrscheinlich so sein musste.
11:06 Ich konnte meinen Teil beitragen und es war ihr eigener Wille.
11:10 So kann ich auch nichts daran ändern. Es ist so passiert.
11:17 Bei den Leuten, die ich kenne bin ich sehr gerne selber dabei.
11:20 Damit ich das letzte Bild auch noch für mich habe.
11:37 Todesfälle von Kindern gibt es auch. Das gehört auch dazu.
11:42 Wie die anderen Todesfälle alle zusammen auch.
11:44 Irgendwie kann ich mit dem umgehen. Ja, es belastet mich nicht mehr als sonst.
11:51 Aber ich sage mir halt einfach:
11:53 Das passiert auch. Es kommt halt auch vor.
11:56 Es gehört zu meiner Arbeit, auch wenn sich das niemand wünscht.
12:01 Aber vorkommen tut es.
12:07 So, .. - ist es gut? - Ja.
12:13 Bereit den Match zu schauen?
12:16 Wollen wir dann mitfiebern?
12:19 Ich bin mit meiner Familie da.
12:21 Die Älteste hat einen Fussballmatch, den wir uns alle zusammen anschauen.
12:26 Das machen wir jeweils so gut es geht und fiebern mit.
12:35 Ich habe keine Angst vor dem Tod.
12:36 Ich habe, wenn ich dann mal anfange darüber nachzudenken, schon Respekt
12:41 und denke, dass ich so ein schönes Leben habe und dass es jetzt nicht sein muss.
12:46 Aber - ähm.. ich beschäftige mich eigentilch neben der Arbeit nur selten mit dem Thema.
12:54 Nur, wenn mich Leute danach fragen.
13:03 Super!
13:04 Ich hab mir schon ein paar Mal Gedanken dazu gemacht, wie ich mir den Tod vorstelle.
13:08 Aber ich komme für mich auf keine Lösung.
13:13 Was für mich die richtige Vorstellung ist.
13:16 Meiner Meinung nach ist es etwa dasselbe wie vor der Geburt.
13:21 Ich wusste vor der Geburt nichts und ich werde nach dem Tod wahrscheinlich auch nichts wissen.

Mitarbeitende des Bestattungs- und Friedhofamts geben in der Sendung Puls «Todesfall – Was muss, was kann?» vom 9. Januar 2017 auf SRF 1 Auskunft zur Ihrer Arbeit und den vielfältigen Bestattungsmöglichkeiten.

Woran sterben ZürcherInnen?

Aufschlussreiche Statistiken zum Thema Tod finden Sie hier.

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