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Ausstellung: 50 Jahre Theater Stok

THEATER LEBEN: 50 Jahre Theater Stok – eine Retrospektive

«Persönlichkeit statt Farbe bekennen, nicht recht haben, sondern wahr sein»

Die Ausstellung im Stadtarchiv Zürich als Gastgeberin zeigt ab 18. Juni für drei Monate die aussergewöhnliche, 50-jährige Geschichte des Theaterhauses am Hirschengraben 42 in der Altstadt von Zürich. Die Besuchenden werden mitgenommen auf eine Zeitreise, die 1970 begann und bis heute weitergeht. Neben anschaulichen Erläuterungen und Geschichten auf Informationstafeln wird der Kosmos des Theater Stok mit originalen Masken, Kostümen und Plakaten aus den über 80 Eigenproduktionen präsentiert.

«Das Theater ist aus Bitterkeit entstanden», gab Zbigniew Stok in einem Interview preis. Aus Bitterkeit über die unbefriedigenden Probebedingungen, das gehetzte Zustandekommen von Aufführungen, den Geldmangel und auch über die fehlende Nähe zwischen Schauspieler*innen und Publikum bei den grossen Theaterhäusern. Mit dem Stück «Zwei auf der Schaukel» begann am 4. April 1970 die Geschichte des Theater Stok. Der Titel könnte auch für das Theater selbst stehen: immer in Bewegung sein, keinen sicheren Boden unter den Füssen haben, die Welt auch von oben sehen und manchmal übermütig hochschwingen. Die unruhigen 68-er Jahre hallen nach und setzten ein immenses Potential an Gewalt, aber auch an Kreativität und Schaffenslust frei. Man schlug in der Musik, in der Literatur und ganz besonders auch im Theater neue Töne an. Die ersten Jahre des Theater Stok waren von einer Aufbruchsstimmung geprägt.

Nach einem Provisorium an der Leonhardstrasse 25 begann nach intensiven Renovationsarbeiten ab Oktober 1971 das Abenteuer im Keller am Hirschengraben, wo das Theater bis heute beheimatet ist. Aus einem ehemaligen Weinkeller entstand ein Raumtheater. Das Projekt wurde von namhaften Kulturtätigen und Gemeinderäten unterstützt.

Theater Stok
Theater Stok im Keller am Hirschengraben, seit Oktober 1971

Stoks Idee war ein Labortheater mit eigenem Ensemble, das er bis 1979 in unterschiedlicher Besetzung führte. Drei bis sieben Produktionen wurden jährlich gespielt, mit Erfolg. Das Theater wurde im In- und Ausland eingeladen. Doch Einsatz und Hingabe allein reichten nicht: der permanente Geldmangel und die unsichere finanzielle Basis führte dazu, dass die Schauspielerinnen und Schauspieler nach und nach das Ensemble verliessen. Erica Hänssler, die Lebensgefährtin von Stok, blieb: Sie hatte ihr Element und das Theater eine neue Seele gefunden.

Tod und Leben

1990 starb Zbigniew Stok nach langer Krankheit. Das Theater kämpfte und lebte weiter. 1992 stiess Peter Doppelfeld dazu: für Erica Hänssler war er ein Glücksfall und eine Ermutigung, die sie ins Theater und in ihr Leben willkommen hiess.

Doppelfeld wurde in die Theaterarbeit eingeführt und arbeitete neben seiner Rolle als Co-Autor auch als Haustechniker und Beleuchter. Und immer wieder stand er auch auf der Bühne. Sie machten alles zu zweit: vom ersten Buchstaben der Stücke bis zum letzten Satz auf der Bühne, vom Plakatieren vor der Tür bis zum Entkorken des Rotweins nach der Vorstellung, vom telefonischen Vorverkauf bis zur Jahresabrechnung lag der komplette Betrieb in ihren Händen. Auch die Kostüme, die Masken und das gesamte heutige Inventar des Theatermuseums, bestehen aus selbst hergestellten oder zumindest für die Bühne verwandelten Objekten.

2014 bis 2018 wurde das Theater schrittweise renoviert. Nebst den vielen, bereichernden Gastspielen und Festivals entstehen auch heute noch eigene Produktionen.

Theatermuseum Zürich

Aus ihren Eigenproduktionen, von denen alles - Kostüme, Eintrittskarten, Masken, Programme und Plakate, Rezensionen, Zuschauerbriefe und anderes mehr - aufbewahrt wurde, wuchs nach und nach ein grosser Fundus. Manchmal bekam ein Kostüm oder eine Maske einen zweiten Auftritt. Ansonsten aber fand jedes Stück seinen Platz im Treppenhaus oder der Wohnung von Hänssler und Doppelfeld. So entstand ein aussergewöhnliches Museum, das «Haus der Feen und Faune». Viele Geschichten und Abenteuer werden bei einer Führung erzählt, und als Besuchende verlässt man das Haus völlig verzaubert.

Die Ausstellung wurde am 18. Juni in den Ausstellungsräumen des Stadtarchivs Zürich eröffnet und dauert bis am 28. August 2020.

Die Ausstellung wurde vom Theater Stok gestaltet, Gastgeberin ist das Stadtarchiv Zürich.

Weitere Informationen und Texte finden Sie auf der Homepage www.theater-stok.ch

Kontakt: Peter Doppelfeld 044 271 20 64 oder theater_stok@bluewin.ch

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