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Wer ist katholisch?

17. April 2013 - Judith Riegelnig

Die katholische Kirche steht zurzeit wegen ihres neu gewählten Oberhauptes im Lichte der Öffentlichkeit. Papst Franziskus lenkt die Geschicke einer Kirche mit weltweit 1,2 Milliarden Mitgliedern. Wie steht es um die Zürcher Katholiken? Mit über 117 000 Mitgliedern – rund 30 Prozent der Stadtzürcher Bevölkerung – ist die katholische Kirche  die grösste Konfessionsgemeinschaft in der Stadt Zürich. Im Folgenden wird beleuchtet, welche Faktoren zur Entwicklung der Mitgliederzahlen beitragen, wie es um Kirchenaustritte steht, woher am meisten katholische Personen zuziehen und wo sie in der Stadt wohnen.

Leichte Abnahme der Mitgliederzahlen

Die Zahl der Katholiken in Zürich hat seit den 1960er-Jahren abgenommen. Von 2002 bis 2012 fand ein Mitgliederschwund von durchschnittlich 630 Personen pro Jahr statt. Die katholische Kirche hatte relativ viele Austritte zu verzeichnen. Die Abnahme war über die Jahre ungefähr konstant. Sie wurde aber durch den überdurchschnittlich grossen Anteil katholischer Personen unter den Zuzügerinnen und Zuzügern abgeschwächt.

Katholische Bevölkerung und Gesamtbevölkerung seit 1934
Grafik 1: Katholische Bevölkerung und Gesamtbevölkerung seit 1934

Eine von drei zugezogenen Schweizer Personen ist katholisch

Von den katholischen Personen, die zwischen 2005 und 2011 nach Zürich zogen, besass ein grosser Teil einen Schweizer Pass (37 %). Von den in diesem Zeitraum zugezogenen Schweizerinnen und Schweizer war ein Drittel katholisch. 27 Prozent der zugezogenen Ausländerinnen und Ausländern waren katholisch.

Betrachtet man die ausländischen Zuzügerinnen und Zuzüger, zogen absolut gesehen am meisten katholische Personen aus Deutschland zu: Es zogen mehr als doppelt so viele Katholiken aus Deutschland (2100 Personen pro Jahr) wie aus Italien nach Zürich. Prozentual waren die Zugezogenen aus Portugal (85 %), Italien (75 %) und Polen (69 %) am häufigsten katholisch.

Bei zugezogenen Schweizerinnen und Schweizern konnten die höchsten Anteile an Katholiken bei Zuzügen aus den Kantonen Appenzell Innerrhoden (80 %), Wallis (77 %) sowie Uri (73 %) festgestellt werden. Die Summe der katholischen Zuziehenden aus diesen drei Kantonen war mit knapp 220 Personen pro Jahr relativ gering; aus dem Kanton Zürich zogen pro Jahr über 1500 Katholiken in die Stadt Zürich.

Zuzüge aus ausgewählten Zuzugsländern, Jahresdurchschnitt 2005-2011
Grafik 2: Zuzüge aus ausgewählten Zuzugsländern, Jahresdurchschnitt 2005-2011

2012 gab es bei der Bevölkerung unter 70 Jahren weniger katholische Personen als im Jahr 2000. In vielen Quartieren der Stadt Zürich konnten bei den über 70-Jährigen jedoch eine Zunahme der Anteile katholischer Personen beobachtet werden; ein Zuwachs wurde unter anderem in den Quartieren Albisrieden, Altstetten, Affoltern und Oerlikon verzeichnet. Der Grund dafür ist unter anderem, dass die einstigen Zuwandererinnen und Zuwanderer aus traditionell katholischen Ländern wie Italien oder Portugal nun in diesem Alter sind.

Katholiken wohnen in der ganzen Stadt

Im Jahr 2012 wohnten die Katholiken zu ähnlichen Anteilen in allen Quartieren der Stadt Zürich. Einzig in den Quartieren Rathaus, Lindenhof und City waren sie im Vergleich mit anderen Quartieren etwas untervertreten. Das war nicht immer so: 1993 war der Anteil der katholischen Bevölkerung in den Quartieren Hard, Altstetten, Langstrasse, Sihlfeld und Escher Wyss mit 40 bis 46 Prozent deutlich höher als in der restlichen Stadt. 2012 lag der Anteil der katholischen Bevölkerung in diesen Quartieren nur noch leicht über oder sogar unter dem gesamtstädtischen Durchschnitt von 30 Prozent. Am höchsten war 2012 der Anteil der Katholiken im Quartier Hard (35 %). In einigen Quartieren wie Enge oder Fluntern, in denen der Anteil der Katholiken traditionell eher tief war, nahm er von 1993 bis 2012 weniger stark ab. 

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Austritte mit 30 Jahren am häufigsten

Von 2001 bis 2011 traten im Durchschnitt 1100 Personen pro Jahr aus der katholischen Kirche aus. Im Jahr 2010 wurden besonders viele Austritte verzeichnet. Am häufigsten wandten sich Personen im Alter von 27 bis 36 Jahren von der katholischen Kirche ab. Rund 14 Prozent der Zürcher Katholiken in diesem Alter traten von 2005 bis 2011 aus der Kirche aus. Ein Teil der ausgetretenen Personen ist einer anderen Konfessionsgemeinschaft beigetreten. Zwischen 2005 und 2011 sind beispielsweise 129 Personen der evangelisch-reformierten Kirche beigetreten.

Anteil der Austritte nach Alter aus der katholischen Kirche, 2005-2011
Grafik 3: Anteil der Austritte nach Alter aus der katholischen Kirche, 2005-2011

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