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5. Mai 2017

Veränderter Arbeitsmarkt wirkt sich auf Sozialhilfe aus

Der Schweizer Arbeitsmarkt nimmt schlecht ausgebildete Menschen immer weniger auf. Dies zeigen Zahlen des Sozialdepartements der Stadt Zürich und eine Studie der Universität Basel. Sozialvorsteher Raphael Golta fordert darum ein gewisses Umdenken in der Sozialhilfe.

Trotz guter Situation auf dem Arbeitsmarkt steigt die Zahl der Empfängerinnen und Empfänger von Sozialhilfe leicht an. Die Gründe sind vielfältig, doch einer tritt immer deutlicher hervor: Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ohne oder mit geringer Ausbildung laufen Gefahr, aus dem Arbeitsmarkt ausgeschlossen zu werden. Dies bestätigt eine Studie, die im Auftrag des Sozialdepartements der Stadt Zürich von George Sheldon, Professor an der Universität Basel, erarbeitet wurde. 

Die Sozialhilfequote in der Stadt Zürich blieb 2016 gegenüber dem Vorjahr praktisch stabil, sie betrug 2016 5,2 Prozent (2015: 5,1). In absoluten Zahlen ist sie gestiegen: 14 159  Haushalte wurden in der Stadt Zürich ganz oder teilweise von der Sozialhilfe unterstützt, im Jahr davor waren es 13 765. Die Zunahme wurde durch das Bevölkerungswachstum fast vollständig kompensiert, weshalb die Quote nur leicht stieg. 

Zürcherinnen und Zürcher verbleiben länger in der Sozialhilfe als früher

Veränderungen stellt das Sozialdepartement bei den Ablösungen und der Unterstützungsdauer fest. 2016 beantragten mehr neue Haushalte Unterstützung (plus 4 Prozent), während gegenüber dem Vorjahr weniger bestehende Fälle abgelöst werden konnten (minus 2,6 Prozent). Zudem stieg die Unterstützungsdauer an. Noch immer kann ein grosser Teil der Fälle innerhalb weniger Monate abgelöst werden – das heisst, die Mehrheit der neu in die Sozialhilfe eintretenden Personen finden innerhalb eines Jahres wieder einen Weg, ihren Lebensunterhalt anders als durch die Sozialhilfe zu bestreiten.

Sorgen bereitet dem Sozialdepartement, dass diese Kurve immer mehr abflacht: Es dauert im Durchschnitt immer länger, bis Fälle wieder abgelöst werden können. 

Jobs für Geringqualifizierte verschwinden oder werden internationalisiert

George Sheldon, Professor an der Forschungsstelle für Arbeitsmarkt- und Industrieökonomie der Universität Basel, hat im Auftrag des Sozialdepartements eine Studie zu Geringqualifizierten durchgeführt. Diese belegt, dass die Anzahl Stellen für Geringqualifizierte in den vergangenen Jahren markant abgenommen hat und dass vor allem diese Personengruppe gefährdet ist, von der Sozialhilfe abhängig zu werden. Sie würde zunehmend vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen. Einerseits lösen die neuen Technologien eine steigende Nachfrage nach Höherqualifizierten zu Lasten von Un- und Angelernten aus und andererseits werden immer mehr anspruchslose Tätigkeiten in Billiglohnländer verlagert, nannte Sheldon als Gründe. 

Geplante Anpassungen an die heutige Realität

Wie der Zürcher Sozialvorsteher, Stadtrat Raphael Golta, ausführte, ist ein gewisses Umdenken in der Sozialhilfe nötig. Es sei zu akzeptieren, dass nicht alle, die eigentlich arbeiten könnten, auch einen Platz im Arbeitsmarkt finden. Hier gelte es Druck wegzunehmen, ohne diese Menschen aufzugeben. Hingegen müssten die Mittel und Wege neu gedacht werden, die Arbeitsmarktchancen für jene zu erhöhen, die Voraussetzungen mitbringen, eine Stelle zu bekommen. Zudem muss man laut Golta Risikogruppen früher erkennen. Und zwar jene Menschen, die eine Stelle haben, aber kaum eine Ausbildung. Bei ihnen müsse man an der Qualifikation arbeiten, bevor sie auf Sozialhilfe angewiesen sind.

Das Sozialdepartement will nun in den kommenden Monaten Anpassungen prüfen und Massnahmen ausarbeiten, um besser auf die Veränderungen im Arbeitsmarkt reagieren zu können.




Thema: Arbeiten, Soziales, Bevölkerung

Organisationseinheit: Sozialdepartement