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Neue Bildungsstrategie für Geringqualifizierte

Medienmitteilung

Damit geringqualifizierte Menschen innerhalb wie ausserhalb der Sozialhilfe ihre Arbeitsmarktfähigkeit erhöhen können, ist die gezielte Förderung von Aus- und Weitbildung nötig. Die Stadt Zürich hat deshalb eine neue Bildungsstrategie verabschiedet, Neben Sozialhilfebeziehenden soll neu auch Menschen, die zwar heute noch im Erwerbsleben stehen, deren Arbeitsplatz in Zukunft aber als gefährdet gilt, Weiterbildung ermöglicht werden.

28. Oktober 2019

Menschen mit geringer Qualifikation sehen sich im heutigen Arbeitsmarkt grossen Hürden gegenüber: Sie sind einerseits deutlich häufiger von Jobverlust betroffen. Andererseits nehmen auch die Chancen auf einen Wiedereintritt ins Erwerbsleben nach einem Stellenverlust mit sinkendem Qualifikationsniveau ab. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den Sozialhilfezahlen wieder: So verfügen schweizweit gut die Hälfte der erwachsenen Sozialhilfebeziehenden über keinen Berufsbildungsabschluss. Ein weiteres Problem der Geringqualifizierten: Sie erzielen, wenn sie einer Erwerbsarbeit nachgehen, einen deutlich tieferen Lohn als höher Qualifizierte und sind unter Umständen auf ergänzende Leistungen der Sozialhilfe angewiesen. 

Die neue Bildungsstrategie der Stadt Zürich widerspiegelt die zentrale sozialpolitische Bedeutung von Aus- und Weiterbildung für den Erhalt der Arbeitsmarktfähigkeit und die damit einhergehende finanzielle Selbstständigkeit. Sozialvorsteher Raphael Golta beschränkt die Zielgruppe der neuen Massnahmen aber nicht auf Sozialhilfebeziehende: «Wir richten den Fokus unserer neuen Bildungsstrategie nicht nur auf Sozialhilfebeziehende, sondern auf alle Zürcherinnen und Zürcher, die nicht über die am heutigen Arbeitsmarkt nachgefragten Kompetenzen verfügen: Darin eingeschlossen sind Jugendliche, die grosse Mühe beim Übertritt von der Schule ins Erwerbsleben haben, sowie diejenigen, die heute im Erwerbsleben stehen, deren Job in der nahen Zukunft aber gefährdet ist».

Mit einem Paket aus Präventions- und Sensibilisierungsmassnahmen sowie neuen Möglichkeiten der finanziellen Unterstützung im Bereich Weiterbildung sollen diese Menschen darin unterstützt werden, ihre Chancen am Arbeitsmarkt langfristig zu verbessern. «Es geht darum, das Prinzip des lebenslangen Lernens auch für Menschen ohne Ausbildung oder mit nur niedrigen Bildungsabschlüssen zu ermöglichen».

Nationale Weiterbildungsoffensive für Sozialhilfebeziehende

Die gleiche Stossrichtung verfolgt auch eine nationale Initiative der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe SKOS und der Schweizerische Verband für Weiterbildung SVEB. Diese haben letztes Jahr mit demselben Ziel die gemeinsame Weiterbildungsoffensive «Arbeit dank Bildung» lanciert. Um die Qualifizierung von Sozialhilfebeziehenden mit oftmals fehlenden oder nur gering ausgeprägten Grundkompetenzen zu ermöglichen, braucht es niederschwellige Förder- und Bildungsangebote. Um die Sozialdienste bei dieser anspruchsvollen Aufgabe zu unterstützen, starten SKOS und SVEB Ende Oktober 2019 ein Pilotprojekt in zehn Städten und Gemeinden mit dem Ziel, geeignete Förderstrukturen im Bereich Grundkompetenzen und Weiterbildung zu entwickeln und in der Praxis zu erproben. SKOS-Präsident Christoph Eymann will Weiterbildung als Integrationsmassnahme in den Fokus der Sozialdienste stellen: «Das Potenzial von gezielter Förderung wird bis anhin nur unzureichend genutzt. Wir gehen davon aus, dass rund 70 000 Sozialhilfebeziehende ihre Chancen am Arbeitsmarkt durch Bildungsmassnahmen nachhaltig verbessern könnten». Die im Projekt entwickelten Massnahmen sollen in einem zweiten Schritt dann allen interessierten Sozialdiensten in der Schweiz zur Verfügung gestellt werden. 

(Gemeinsame Medienmitteilung der Stadt Zürich, SKOS und SVEB)