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Strategie berufliche und soziale Integration

Seit 2018 ist im Sozialdepartement bei der beruflichen und sozialen Integration von Sozialhilfebeziehenden eine neue Strategie im Einsatz. Deren Kern ist ein Paradigmenwechsel von der Sanktionierung hin zu Befähigung und Motivation der Betroffenen.

Die positive Entwicklung des Schweizer Arbeitsmarkts in den letzten zwanzig Jahren hat neue Arbeitsplätze geschaffen und für eine vergleichsweise tiefe Arbeits- und Erwerbslosigkeit gesorgt. Infolge der zunehmenden Technisierung und Spezialisierung der Schweizer Wirtschaft ist dieses Beschäftigungswachstum aber vor allem in Bereichen mit hohen Bildungsanforderungen entstanden.

Berufe in der Industrie, im Gewerbe, der Landwirtschaft oder auf dem Bau, die früher von Ungelernten ausgeübt wurden, haben über die Zeit hingegen stark an Bedeutung verloren. Im Vergleich zu besser Qualifizierten haben sich die Beschäftigungschancen von Niedrigqualifizierten in der Schweiz darum in den letzten zwanzig Jahren deutlich verschlechtert. Dieser Trend wird sich weiter fortsetzen, denn auch in Zukunft werden sich die Beschäftigungsaussichten für Ungelernte und schlecht Qualifizierte nicht verbessern.

Hohe Hürden für Sozialhilfebeziehende

Wer heute mit einem kleinen Bildungsrucksack und eingeschränkter Leistungsfähigkeit Arbeit sucht, hat es im Schweizer Arbeitsmarkt sehr schwer. Dies gilt ganz besonders für Sozialhilfeempfängerinnen und -empfänger: Sie bekommen oftmals keine Chance, ihren Lebensunterhalt über Erwerbsarbeit zu finanzieren – ganz einfach, weil sie zu wenig Qualifikation mitbringen oder gesundheitlich zu stark eingeschränkt sind, um einen Job zu erhalten.

Neue Strategie für die berufliche und soziale Integration

Als Antwort auf die neue Realität am Arbeitsmarkt verfolgt das Sozialdepartement seit Juli 2018 eine neue Strategie im Bereich der beruflichen und sozialen Integration von Sozialhilfebeziehenden.

Alle grundsätzlich arbeitsfähigen Personen, die auf Unterstützung durch die Sozialhilfe angewiesen sind, werden nach einer fundierten Analyse ihres ganz persönlichen «Rucksacks» in verschiedene Zielgruppen eingeteilt – entsprechend ihrer realistischen Chancen auf einen zeitnahen Wiedereintritt in den ersten Arbeitsmarkt. Je nachdem wie arbeitsmarktfähig jemand ist, unterscheiden sich Ziele und Massnahmen.

Verpflichtung nur bei ungenutzten Integrationschancen

Nur wer nahe am Arbeitsmarkt ist, aber aus welchen Gründen auch immer keine Bereitschaft zum Stellenantritt zeigt, wird im Sinne einer Schadensminderung zur beruflichen Integration verpflichtet. Diese Menschen müssen an einem Arbeitsintegrationsprogramm teilnehmen. Die Erfahrungen zeigen, dass davon nur sehr wenige Personen betroffen sind – die überwiegende Mehrheit der Sozialhilfeempfängerinnen und -empfänger ist hoch motiviert, ihre berufliche Situation zum Positiven zu verändern.

Fairness gegenüber den Schwächsten

Wer keine reale Chance auf einen Stellenantritt im ersten Arbeitsmarkt hat, wird nicht mehr zur Teilnahme an einem der Beschäftigungsprogramme verpflichtet. Niemand soll dazu gezwungen werden, ein völlig unrealistisches Ziel zu erreichen. Wo keine Jobs sind, können auch keine gefunden werden.

Diese Realität des Arbeitsmarktes gilt es anzuerkennen, ohne die betroffenen Menschen aufzugeben: Sie können die Beschäftigungsprogramme jederzeit im Sinne der sozialen Integration besuchen. Denn einer regelmässigen Arbeit nachzugehen, hat für das Selbstwertgefühl einen nicht zu unterschätzenden Wert und hilft allenfalls aus den Fugen geratene Lebenssituationen wieder zu stabilisieren.

Gezielte Förderung und Qualifikation

Menschen, die aufgrund ihrer beruflichen Erfahrungen und persönlichen Eigenschaften eine grosse Nähe zum ersten Arbeitsmarkt aufweisen und auch daran glauben, dass sie den Wiedereintritt in das Erwerbsleben erfolgreich bewerkstelligen können, werden hingegen ganz gezielt und in hohem Masse unterstützt. Sei es durch Bewerbungs-Coachings, Weiterbildungsangebote oder gezielte Fachkurse. Für sie gilt als oberstes Ziel: Wiedereintritt in den ersten Arbeitsmarkt – und dies dauerhaft und zu einem existenzsichernden Lohn.

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