Gertrud Heinzelmann

Vorkämpferin für die Gleichberechtigung in Staat und Kirche
Gertrud Heinzelmann (1914–1999) war Anwältin und Frauenrechtlerin. Sie forderte die Gleichstellung der Geschlechter im Staat und in der katholischen Kirche sowie die Frauenordination.

Videoporträt Gertrud Heinzelmann

Dorothee Rempfer vom Frauenstadtrundgang Zürich erzählt über das Leben und Wirken von Gertrud Heinzelmann.

00:06 Wer war Gertrud Heinzelmann?
00:08 Gertrud Heinzelmann hat in den 1930er-Jahren
00:11 Rechtswissenschaften an der Universität Zürich studiert.
00:15 In ihrer Doktorarbeit beschäftigt sie sich
00:17 mit dem Verhältnis von Kirche und Staat.
00:20 Der Glaube und die Kirche übten eine ungeheure Anziehungskraft
00:24 auf die Frau aus.
00:26 Allerdings war sie mit dem von der Kirche propagierten Frauenbild
00:30 nicht einverstanden.
00:31 Deshalb hat sie 1962 die Chance genutzt
00:35 und im Vorfeld des Zweiten Vatikanischen Konzils
00:38 Veränderungsvorstellungen eingereicht
00:41 und die Ordination von Frauen gefordert.
00:43 Es sollten also auch Frauen zum Priesteramt zugelassen werden.
00:48 Mit ihrer Forderung nach einer Gleichstellung von Mann und Frau
00:51 in der katholischen Kirche
00:53 hat sie eine internationale Diskussion ausgelöst.
00:56 Sie hat sich aber nicht nur stark gemacht
00:58 für die Gleichstellung von Mann und Frau innerhalb der katholischen Kirche,
01:02 sondern hat auch die Gleichstellung im Schweizer Staat gefordert.
01:03 Schon als junge Frau
01:08 wird sie Mitglied des Frauenstimmrechtsvereins Zürich, dessen Präsidentin
01:12 sie in den 1960er-Jahren gewesen ist.
01:15 Nachdem 1959 das Stimm- und Wahlrecht für Frauen abgelehnt wurde,
01:20 ernannte der Verein den 1. Februar zum Frauenstimmrechtstag.
01:26 Von nun an organisierte er jedes Jahr am 1. Februar einen Fackelumzug,
01:31 der auf diese vorherrschenden Ungerechtigkeiten aufmerksam machen sollte.
01:36 Gertrud Heinzelmann nahm aber noch
01:38 in einer ganz anderen Position
01:40 Einfluss auf vorherrschende Strukturen.
01:42 In ihrer Position
01:43 als Leiterin des Büros gegen Verbands- und Amtswillkür
01:47 des Migros-Genossenschafts-Bunds
01:49 unterstützte sie Menschen,
01:51 die unter die Räder der Justiz und Verwaltung geraten waren.
01:54 Insbesondere unterstützte sie hier Frauen,
01:56 die aufgrund ihres Geschlechts mit Diskriminierung zu kämpfen hatten.
02:03 1971 wurde dann das Stimm- und Wahlrecht für Frauen eingeführt.
02:08 Für Gertrud Heinzelmann war aber damit der Kampf noch nicht zu Ende.
02:12 Vielmehr engagierte sie sich in der Initiative
02:15 «Gleiche Rechte für Mann und Frau», die, wenn auch in veränderter Form,
02:19 am 14. Juni 1981 angenommen wurde.
02:25 Mit dieser Initiative
02:27 sollte die Gleichberechtigung von Mann und Frau
02:30 in der Verfassung verankert werden.
02:32 Dass die tatsächliche Gleichberechtigung noch lange nicht erreicht war
02:36 zeigte der grosse Frauenstreik von 1991.
02:40 Auch heute sind wir immer noch nicht am Ziel.
02:43 Darauf haben am 14. Juni 2019
02:46 über eine halbe Million Menschen aufmerksam gemacht,
02:49 die wieder gleiche Rechte für Mann und Frau gefordert haben

Über Gertrud Heinzelmann

Gertrud Heinzelmann besuchte die Schule und studierte Jura in Zürich. 1942 promovierte sie. Von 1956 bis 1976 war sie im Zentralvorstand des Schweizerischen Verbands für Frauenstimmrecht, den sie 1959/60 präsidierte. Von 1963 bis 1976 arbeitete sie als Leiterin des Büros gegen Amts- und Verbandswillkür im Migros-Genossenschafts-Bund. 1962 forderte Heinzelmann mit einer Eingabe an das Zweite Vatikanische Konzil die Gleichstellung der Geschlechter in der katholischen Kirche und die Frauenordination. 1964 gründete sie den Verlag Interfeminas, der feministische Schriften herausgibt. 1972 wurde sie in die Synode 72 des Bistums Chur berufen. Gertrud Heinzelmann wurde 1981 mit dem Binet-Fendt-Preis und 1991 mit dem Ida-Somazzi-Preis ausgezeichnet.

Foto: Gertrud Heinzelmann, ca. 1970. Sozialarchiv Zürich, F Fb-0009-027.