Veloförderung in Zürich 2021.

Das Jahr 2021 im Rückblick: Es war geprägt durch Sofortmassnahmen, politische Entscheide und viel Planung für die Zukunft des Velos in Zürich. In unserem Jahresrückblick beleuchten wir einzelne Projekte und Aktivitäten.

Begonnen hat das Jahr mit der Vorstellung der «Velostrategie 2030». Sie löste den «Masterplan Velo» als Grundlage für die Veloförderung ab. Mit dem Velo sicher und einfach durch Zürich – das ist die Vision der Strategie für die nächsten Jahre. Sie fokussiert auf die Umsetzung eines durchgehenden Netzes von Velovorzugsrouten. Weiter sollen eine positive Velokultur in der Stadt sowie die Veloförderung durch eine gesamtheitliche Herangehensweise sichergestellt werden. Damit die komplexe Strategie einfacher verständlich wird, hat unsere Lernende Mediamatikerin Yerinia Martinelli als Abschlussarbeit ein Erklärvideo für die «Velostrategie 2030» erstellt.

Der Blick ist aber nicht nur zurück gerichtet. Unter anderem werden uns die neuen Richtpläne, die Umsetzung der ersten Velovorzugsrouten sowie das Projekt Stadttunnel auch im 2022 begleiten.

Viel Spass bei der Lektüre des ersten digitalen Jahresrückblicks über das Velo. 

Projekte und Verbesserungen an der Infrastruktur

Verbesserungen für das Velo

Die Grüngasse in Zürich nach den Velomassnahmen.
Die Grüngasse nach den Velomassnahmen.

Gemäss der «Velostrategie 2030» fördern wir das Velo durch einfache, aber effektive Massnahmen wie Anpassungen der Signalisation und Markierungen. Zudem setzen wir Verbesserungen weiterhin konsequent im Zuge von Bauprojekten um. Im letzten Jahr haben wir gegen 50 Massnahmen umgesetzt. Auch für das Jahr 2022 und die Zukunft arbeiten wir an einer Vielzahl von Projekten für den Veloverkehr.

Projekt im Fokus: Langstrassenunterführung

Markierungsarbeiten an der Langstrassenunterführung.
Markierungsarbeiten an der Langstrassenunterführung.

Im Frühsommer 2021 haben wir an der Langstrassenunterführung den Belag erneuert und zwei Meter breite Velostreifen markiert. Seither haben die Velofahrenden die Wahl: Entweder durch die grosse Unterführung fahren oder die beiden seitlichen Unterführungen benutzen. Wie sich die Situation an der Langstrassenunterführung seit den Anpassungen entwickelt hat, erklärt Projektleiter Thomas Frey im Video.

Neue Richtpläne beschlossen

Die Abstimmung über die beiden Richtpläne Ende November 2021 war auch für die Veloförderung in Zürich entscheidend. Denn seit dem Inkrafttreten des letzten kommunalen Richtplans im Jahr 2004 hat sich die Verkehrssituation in der Stadt stark verändert. Mit 57,4 % Ja-Stimmen hat das Stimmvolk den kommunalen Richtplan Verkehr angenommen.

Er gibt der Förderung des Fuss- und Veloverkehrs viel Gewicht, denn in ihm ist das neu konzipierte Velonetz, das die Anforderungen der Veloinitiative umsetzt, als Zielbild verankert. Dazu gehören auch die Velovorzugsrouten, die ein durchgehendes Netz auf mehrheitlich verkehrsarmen Quartierstrassen bilden werden. 

Schneeräumungs-Priorität für künftige Velovorzugsrouten

Schneeräumung in Zürich im Januar 2021
Schneeräumung in Zürich im Januar 2021.

Bis zu 45 Zentimeter Neuschnee innert 24 Stunden – Mitte Januar 2021 erlebte Zürich einen Wintereinbruch wie schon lange nicht mehr. Die letzten Schneeflocken waren noch nicht zu Boden gerieselt, da erhielt Velokoordinatorin Kathrin Hager die ersten E-Mails betreffend Velowegen, die noch nicht vom Schnee befreit waren.

Das Grossereignis beschäftigte die Stadt über Tage hinweg und verlieh einem Thema, das schon länger in Vorbereitung war, weiter Schub: die Organisation der Schneeräumung bei den künftigen Velovorzugsrouten. Dabei entstand ein neuer Prozess für die Handhabung des Winterdienstes.

Rechtsabbiegen bei Rot

Rechtssabbiegen bei Rot wurde im Januar 2021 eingeführt.
Rechtssabbiegen bei Rot wurde im Januar 2021 eingeführt.

Die Ampel springt auf Rot, der Verkehr ruht. Nicht aber die Velos: Diese dürfen seit Anfang 2021 bei entsprechender Signalisation rechts abbiegen bei Rot (RABR). Zürich war eine der ersten Schweizer Städte, die RABR eingeführt hat.

Wir waren mit Projektleiter Dave Durner unterwegs und haben in einem Video die Erfolge und Zukunftsaussichten von Rechtsabbiegen bei Rot in Zürich festgehalten. 

Die Velokultur in Zürich

CYCLE WEEK 2021 - 4. bis 7. August 2021

Überblick über die Cycle Week
Überblick über die Cycle Week

Auch im vergangenen Jahr war Zürich Host City der CYCLE WEEK, dem grössten Velofestival der Schweiz. Das Festival fand dezentral, live, online und coronakonform statt. Was das bedeutet, konnten die Besuchenden während fünf Tagen erleben. Velokultur stand im Zentrum, sowohl für Sport, Freizeit und Mobilität in der Stadt. Von Testfahrten, Events, Rennen und einer grossen Ausstellung an der Europaallee liessen sich rund 50 000 Besuchende begeistern.

Mit dem Velo sicher und einfach durch Zürich – um das zu üben, haben wir an der CYCLE WEEK einen Teil der Lagerstrasse für den Safety Parcours gesperrt. Gemeinsam haben wir vom Tiefbauamt, der Dienstabteilung Verkehr und der Stadtpolizei die Bevölkerung sensibilisiert. Beim Veloquiz vermittelten wir den Leuten die Theorie, auf Virtual-Reality-Velos simulierten wir brenzlige Situation im Strassenverkehr, erklärten das richtige Linksabbiegen und schufen ein Bewusstsein für die limitierten Sichtverhältnisse am Steuer eines Lastwagens. Auch ein Promiquiz mit Fragen zur Sicherheit führten wir während der CYCLE WEEK durch.

Am Donnerstag fand der Mobilitätstag statt. In diesem Rahmen diskutierten Expertinnen und Experten Fragen zur Mobilität und Sicherheit im Strassenverkehr. Das Video zum Mobilitätstag mit Velokoordinatorin Kathrin Hager und Wernher Brucks, dem Leiter Verkehrssicherheit der Dienstabteilung Verkehr, ist online verfügbar.

Wir freuen uns auf die nächste CYCLE WEEK vom 12. bis 15. Mai 2022.

Unsere Partnerschaft mit Bikeable.ch

Unsere Partnerschaft mit Bikeable
Die Stadt Zürich ist seit Anfang April 2021 Partner von Bikeable.ch

Seit Frühling 2021 hat die Stadt einen eigenen Account bei Bikeable.ch. Die Anliegen der Bevölkerung aufnehmen und mit den Menschen in Dialog treten – das waren die erklärten Ziele. Unsere Velokoordinatorin Kathrin Hager und Projektleiter Velosicherheit Dave Durner haben im vergangenen Jahr 386 sogenannte Bikeable-Spots kommentiert. Daraus sind oft rege Diskussionen entstanden. «Die Bevölkerung ist interessiert, wie es mit der Veloförderung in Zürich weitergeht und bringt gute Ideen ein. Dieses Engagement ist sehr erfreulich», sagt Kathrin Hager. Dave Durner ist ebenfalls von Bikeable überzeugt: «Selbst wenn der Umgangston manchmal etwas gar rau ist und Kathrin und ich die Ungeduld der Velofahrenden zu spüren bekommen, bleiben doch die positiven Erfahrungen haften. Es freut mich, dass die Velofahrenden der Stadt eine Anlaufstelle mit zwei echten Menschen dahinter haben. Wir haben oft mitbekommen, dass die Leute dies zu schätzen wissen.»

Zu Spitzenzeiten bearbeiteten die beiden im Jahr 2021 rund 30 bis 40 Spots pro Woche. «Die ganzen Abklärungen und das Verfassen der Antworten sind ein enormer zeitlicher Aufwand, welcher meiner Ansicht nach von den Leuten oft etwas unterschätzt wird», so Kathrin Hager. Bei einem Teil der Spots konnte die Stadt bereits mit Sofortmassnahmen Verbesserungen erzielen, andere befinden sich derzeit noch in weiteren Abklärungen.

Die von der Stadt kommentierten Bikeable-Spots sind auf unserer Website zu finden. 

Kandidatur für die Velo-city-Konferenz 2024

Nicola Kugelmeier Velo-city 2021
Projektleiterin Verkehrsplanung Nicola Kugelmeier sprach an der Velo-city 2021 über die «Velostrategie 2030».

2021 haben wir unsere Kandidatur als Austragungsort für die Velo-city-Konferenz 2024 eingereicht. Das Bewerbungsdossier wurde von einem breit abgestützten Gremium, bestehend aus mehreren Velo-Verbänden und Interessengruppen, den Fachstellen des Kantons und des Bundes, der ETH, der Fachhochschule OST sowie verschiedenen Dienstabteilungen der Stadt Zürich erarbeitet.

Die Velo-city ist die grösste internationale Fachtagung zum Veloverkehr. Zürich könnte sich in einem internationalen Umfeld präsentieren, die Vernetzung fördern und von den Erfahrungen anderer Städte im Hinblick auf die Veloförderung profitieren.

Der Stadtrat beantragte im Oktober 2021 dem Gemeinderat einen Kredit von drei Millionen Franken, wobei sich die prognostizierten Nettoausgaben auf rund 1,5 Millionen belaufen. Der Kredit wurde am 9. Februar 2022 vom Gemeinderat gesprochen.

Ende Dezember 2021 bekamen wir die Nachricht, auf der Shortlist der European Cyclists' Federation (ECF) zu sein. Das bedeutete, dass eine Delegation der ECF Zürich besuchte und sowohl den Austragungsort der Tagung, das mögliche Programm sowie sämtliche weiteren Voraussetzungen prüfte. Im Mai 2022 entscheidet die ECF, in welcher Stadt die Velo-city-Konferenz 2024 stattfinden wird.

Die Zukunft des Velos in Zürich

Velotunnel: der Erfolg an der Urne und unser Blick in die Zukunft

Nicolas Marz, Projektleiter im Fachbereich Realisierung des Tiefbauamts
Nicolas Marz, Projektleiter im Fachbereich Realisierung des Tiefbauamts

80 % Ja-Stimmen: Mit einem überzeugenden Resultat wurde im Juni 2021 der Velotunnel angenommen. Viel wurde über ihn bereits geschrieben und kommuniziert. Aber wo steht das Projekt derzeit? Wir haben Nicolas Marz, Projektleiter im Fachbereich Realisierung des Tiefbauamts, drei Fragen gestellt.

Wie ist der Status des Velotunnels. Woran wird gearbeitet?

Im Moment läuft die Ausschreibungsphase der Hauptarbeiten. Parallel dazu erstellen wir die Ausführungsplanung und tätigen Abklärungen für die Arbeitsvorbereitung. Im September 2022 sollen die Bauarbeiten beginnen. Da gibt es noch viele Planungen und Entscheidungen zu erledigen.

Was sind die grössten Herausforderungen für die kommende Bauzeit?

Der Baustart beinhaltet einige Hürden. Dies gilt besonders für die Haltestelle «Sihlquai/HB». Dort stellen wir den Verkehr um und auch die Haltestelle wird verschoben. Weiter ändern wir die Fussgängerführung. Am Sihlquai wird von Beginn weg sehr intensiv der Einbau der ersten unterstützenden Hilfsbrücke vorbereitet.

Auf der Seite Kasernenstrasse beginnen wir mit der Baugrube und der damit verbundenen Umlegungen der Werkleitungen.

Freuen Sie sich auf die Fahrt mit dem Velo durch den Tunnel?

Ich freue mich, dass der Tunnel nach so langer Zeit der Bevölkerung zur Verfügung stehen wird und seinen Teil zur Entwicklung unserer Stadt beiträgt. Natürlich werde auch ich mich auf den Sattel schwingen und die direkte Verbindung unter dem Hauptbahnhof nutzen. 

Die Velovorzugsrouten, ihr Netz und wie es weitergeht

Das Netz der Velovorzugsrouten
Das geplante Netz der Velovorzugsrouten.

Das Netz der geplanten Velovorzugsrouten ist seit Sommer 2021 auf dem Stadtplan digital einsehbar und wird laufend aktualisiert. Wir planen die Velovorzugsrouten in den nächsten zehn Jahren in Etappen umzusetzen. Zuerst werden wir die Routen signalisieren und mit Markierungen sichtbar machen. Weitere Massnahmen umfassen die Aufhebung des Rechtsvortritts an Kreuzungen oder die Aufhebung respektive Versetzung von Parkplätzen. Auf anspruchsvollen Abschnitten werden wir die Umsetzung der Vorzugsrouten im Rahmen von Strassenbauprojekten vorantreiben.

Die Vorzugsrouten verlaufen primär auf Quartierstrassen abseits der Hauptverkehrsstrassen und wichtiger ÖV-Achsen: Denn auf Quartierstrassen mit wenig Autoverkehr können wir den Velofahrerinnen und Velofahrern mit einfachen Massnahmen ein sicheres Vorwärtskommen ermöglichen. Der Anteil an Autos ist tief und wird für die Umsetzung der Velovorzugsrouten weiter reduziert, so dass die Quartierstrassen frei von Durchgangsverkehr sein werden. Mit Piktogrammen mit Zielangaben am Boden werden wir die Velovorzugsrouten sichtbar machen.

Alles zum aktuellsten Stand der Umsetzung der einzelnen Routen haben wir online bereitgestellt.