Eine Netzhautablösung ist eine ernsthafte Augenerkrankung, bei der sich die Netzhaut von der darunterliegenden Schicht ablöst. Die Netzhaut ist die lichtempfindliche Schicht im Inneren des Auges und entscheidend für das Sehen. Ohne rasche Behandlung kann eine Netzhautablösung zu bleibendem Sehverlust führen.
Die häufigste Ursache ist ein Netzhautriss, durch den Flüssigkeit unter die Netzhaut gelangt. Dies tritt häufig im Zusammenhang mit altersbedingten Veränderungen des Glaskörpers auf. Weitere Ursachen und Risikofaktoren sind:
- starke Kurzsichtigkeit
- frühere Augenoperationen (z. B. Kataraktoperation)
- Verletzungen des Auges
- familiäre Veranlagung
- diabetische Netzhauterkrankungen
- entzündliche Augenerkrankungen
Die Netzhautablösung ist insgesamt selten und betrifft etwa 1 von 10’000 Personen pro Jahr. Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter, insbesondere zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr.
Symptome
Typische Warnzeichen sind:
- plötzlich auftretende Lichtblitze
- neue schwarze Punkte oder „Russregen“
- Schatten oder dunkler Vorhang im Gesichtsfeld
- plötzliche Verschlechterung des Sehens
Diese Beschwerden sollten immer umgehend augenärztlich abgeklärt werden.
Eine unbehandelte Netzhautablösung kann zu schwerem und dauerhaftem Sehverlust führen. Besonders wichtig ist eine rasche Behandlung, bevor die Netzhautmitte (Makula) betroffen ist.
Die Diagnose erfolgt durch eine augenärztliche Untersuchung mit erweiterter Pupille. Dabei wird die Netzhaut sorgfältig untersucht. Ergänzend können bildgebende Verfahren wie Ultraschall eingesetzt werden.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach dem Ausmass der Veränderung:
- Kleine Netzhautrisse können häufig mit einer Laserbehandlung oder Kältebehandlung (Kryotherapie) behandelt werden.
- Bei einer bestehenden Netzhautablösung ist eine Operation notwendig.
Die operative Behandlung der Netzhautablösung erfolgt abhängig von Ursache, Ausdehnung und Lokalisation der Ablösung. Zu den wichtigsten Verfahren zählen die Vitrektomie sowie die eindellenden Operationsverfahren mit Plombe oder Cerclage.
Vitrektomie
Bei der Vitrektomie handelt es sich um ein mikrochirurgisches Verfahren, bei dem der Glaskörper aus dem Augeninneren entfernt wird. Der Glaskörper kann durch Zugkräfte Netzhautrisse verursachen oder eine Wiederanlage der Netzhaut verhindern. Nach Entfernung des Glaskörpers werden vorhandene Netzhautrisse meist mittels Laserbehandlung oder Kryotherapie verschlossen.
Tamponade mit Gas oder Silikonöl
Im Anschluss wird das Auge häufig mit einem Gasgemisch oder Silikonöl gefüllt. Diese sogenannte Tamponade drückt die Netzhaut von innen wieder an die Augenwand an und unterstützt die Heilung. Gas wird vom Körper innerhalb von Tagen bis Wochen selbst resorbiert, während Silikonöl in einer späteren Operation entfernt werden muss. Nach einer Gasfüllung ist oft eine spezielle Kopfhaltung notwendig, damit die Tamponade optimal wirken kann.
Eindellende Operationen: Plombe und Cerclage
Bei eindellenden Operationsverfahren wird die Augenwand von aussen gezielt eingedellt, damit sich die Netzhaut wieder anlegen kann. Diese Verfahren werden insbesondere bei bestimmten Formen der rhegmatogenen Netzhautablösung eingesetzt.
Plombe
Bei der Plombenoperation wird ein kleines Silikonkissen (Plombe) von aussen auf die Lederhaut des Auges genäht. Dadurch entsteht eine lokale Eindellung der Augenwand im Bereich des Netzhautrisses. Die Zugkräfte auf die Netzhaut werden reduziert und die Netzhaut kann sich wieder anlegen. Zusätzlich werden die Netzhautrisse meist mittels Laser oder Kryotherapie dauerhaft verschlossen.
Cerclage
Bei der Cerclage wird ein schmales Silikonband ringförmig um den Augapfel gelegt. Dadurch wird der Umfang des Auges leicht verkleinert und die Zugwirkung des Glaskörpers auf die Netzhaut vermindert. Die Cerclage wird häufig bei mehreren Netzhautrissen oder ausgedehnten Veränderungen eingesetzt und kann mit einer Vitrektomie kombiniert werden.
Nach der Operation sind regelmässige Kontrollen wichtig. Teilweise ist eine spezielle Kopfhaltung für mehrere Tage notwendig, insbesondere bei Verwendung eines Gasgemisches im Auge. Körperliche Anstrengung sollte vorübergehend vermieden werden.
Vorbeugung
Regelmässige augenärztliche Kontrollen sind insbesondere bei Risikopatient*innen sinnvoll. Wer plötzlich Lichtblitze, neue schwarze Punkte oder einen Schatten bemerkt, sollte sofort eine augenärztliche Untersuchung durchführen lassen.
Prognose
Die Prognose hängt wesentlich davon ab, wie rasch die Netzhautablösung behandelt wird und ob die Makula bereits betroffen ist. Bei frühzeitiger Behandlung kann häufig ein gutes Sehvermögen erhalten oder wiederhergestellt werden. Trotzdem können bleibende Einschränkungen des Sehens bestehen bleiben.