Die endokrine Orbitopathie (EO), auch Thyroid Eye Disease (TED) genannt, ist eine autoimmune entzündliche Erkrankung der Augenhöhle (Orbita), die im Zusammenhang mit Morbus Basedow auftritt. Dabei kommt es zu Entzündungen und Volumenzunahmen von Augenmuskeln, Fett- und Bindegewebe hinter dem Auge.
Die Erkrankung kann zu hervortretenden Augen, Lidveränderungen, Doppelbildern und in schweren Fällen zu einer Sehverschlechterung führen.
- Hervortreten der Augen (Exophthalmus)
- Druckgefühl hinter den Augen
- Trockene, brennende oder tränende Augen
- Lichtempfindlichkeit
- Doppelbilder
- Schwellung der Lider
- Rötung der Augen
- In seltenen Fällen Sehverschlechterung
Risikofaktoren
- Rauchen
- ungenügend eingestellte Schilddrüsenfunktion
- hohe TRAK-Antikörper
- Diabetes mellitus
- Stress
- Radiojodtherapie ohne Kortisonschutz
Rauchen gilt als wichtigster beeinflussbarer Risikofaktor und verschlechtert sowohl Krankheitsverlauf als auch Therapieansprechen.
Die Abklärung erfolgt interdisziplinär in Zusammenarbeit mit der Endokrinologie
- ausführliches ärztliches Gespräch
- Sehschärfenprüfung
- Beurteilung der Augenbeweglichkeit und Doppelbilder
- Messung des Exophthalmus (Hertel-Exophthalmometrie)
- Untersuchung der Hornhaut und Augenoberfläche
- Kontrolle des Sehnervs
- Fotodokumentation
- MRI oder CT der Orbita bei Bedarf
- Blutuntersuchungen inklusive Schilddrüsenparameter und Antikörper
Therapie gemäss EUGOGO-Leitlinien
Die Behandlung richtet sich nach Aktivität und Schweregrad der Erkrankung und erfolgt interdisziplinär in Zusammenarbeit mit der Endokrinologie gemäss aktuellen internationalen EUGOGO-Leitlinien.
Allgemeine Massnahmen
- Rauchstopp
- optimale Einstellung der Schilddrüsenfunktion
- Tränenersatzmittel bei trockenen Augen
- UV- und Windschutz
- Selen-Supplementation bei mild aktiver Erkrankung
Intravenöse Kortisontherapie und Mycophenolat mofetil
Bei moderater bis schwerer aktiver endokriner Orbitopathie erfolgt gemäss EUGOGO-Empfehlungen eine hochdosierte intravenöse Kortisontherapie, meist einmal wöchentlich über insgesamt zwölf Wochen auf unserer medizinischen Tagesklinik. Ziel ist die Reduktion von Entzündung, Schwellung, Schmerzen und Doppelbildern. Häufig wird die Kortisontherapie mit Mycophenolat mofetil kombiniert. Mycophenolat wirkt immunsuppressiv und kann das Therapieansprechen verbessern sowie das Risiko eines Rückfalls reduzieren.
Orbitabestrahlung (Orbitaspitzenbestrahlung)
Bei ausgeprägten Doppelbildern (Diplopie), schmerzhaften Augenbewegungen oder entzündlich verdickten Augenmuskeln kann zusätzlich eine niedrig dosierte Orbitabestrahlung eingesetzt werden. Diese erfolgt häufig in Kombination mit intravenösem Kortison. Die Bestrahlung reduziert entzündliche Veränderungen der Augenmuskeln und kann insbesondere die Augenbeweglichkeit und Doppelbilder verbessern. In speziellen Fällen, insbesondere bei einer drohenden Kompression des Sehnervs im Bereich der Orbitaspitze, kann die Bestrahlung eine wichtige ergänzende Therapie darstellen.
Bei ausgewählten Patient*innen kommen moderne biologische Therapien zum Einsatz. Tepezza® (Teprotumumab) ist ein monoklonaler Antikörper gegen den IGF-1-Rezeptor und die erste spezifisch zugelassene zielgerichtete Therapie für die endokrine Orbitopathie.
- deutliche Reduktion des Exophthalmus
- Verbesserung von Doppelbildern
- Rückgang der Entzündungsaktivität
- Verbesserung der Lebensqualität
- mögliche Reduktion späterer chirurgischer Eingriffe
Die Behandlung erfolgt mittels insgesamt acht intravenösen Infusionen im Abstand von jeweils drei Wochen. Tepezza® wurde 2025 von Swissmedic für Erwachsene mit moderater bis schwerer aktiver Thyroid Eye Disease zugelassen.
Weitere Immuntherapien
- Tocilizumab
- Rituximab
- Mycophenolat mofetil
- Prismenbrillen
- orthoptische Betreuung
- operative Korrektur der Augenmuskeln
Operative Behandlung
Operative Eingriffe erfolgen in der Regel erst nach Stabilisierung der Erkrankung.
- Orbitadekompression
- Augenmuskeloperationen
- Lidoperationen
Prognose
Die Prognose ist insgesamt gut, insbesondere bei frühzeitiger Diagnose und interdisziplinärer Betreuung. Moderne Therapien ermöglichen heute eine deutlich verbesserte Behandlung der endokrinen Orbitopathie.