Fast alle Kakteen und viele weitere Sukkulenten ruhen im Winter. In dieser Zeit herrscht in ihrer Heimat Wassermangel, denn Regen fällt mehrheitlich in den Frühlings- und Sommermonaten. Trotzdem beginnen viele Arten, erste Blütenknospen bei uns schon Ende Februar/ Anfang März auszutreiben. Zu diesen Frühblühern gehören etwa die kleinen Kugelkakteen der Gattung Rebutia aus den Anden, oder der Osterkaktus (Kulturformen der Gattung Hatiora). Die Urformen der Osterkakteen stammen aus dem südbrasilianischen Bundesstaat Rio Grande do Sul, wo sie als Aufsitzerpflanzen im Wald leben.
Wie schaffen es diese Kakteen, ihre Blüten noch in der Ruhephase anzulegen? Das ist nur möglich dank der Wasserreserven aus dem Vorjahr, die für die Blütenbildung angezapft werden können. In dieser Hinsicht haben die Kakteen mit unseren Zwiebelgewächsen einiges gemeinsam: Dank der in den Zwiebeln angelegten Nährstoff- und Wasservorräte können Schneeglöckchen, Winterling und frühe Tulpen gleich nach der Schneeschmelze blühen. Aber nicht nur Kakteen beginnen früh zu blühen, sondern auch viele mexikanische Dickblattgewächse, z. B. Sedum palmeri im Nordamerikahaus.
Im Gegensatz zum Weihnachtskaktus und anderen «Kurztagpflanzen» sind die Frühlingsblüher unter den Sukkulenten sogenannte Langtagpflanzen. Auch sie nutzen die Dauer des Tageslichts als Zeitgeber. Nur sind es nun die ab Januar länger werdenden Tage, welche die Blütenbildung auslösen. Die «Hochblüte» der Kakteen und anderer Sukkulentenarten liegt im April und Mai. Dabei kann die Blütezeit von Jahr zu Jahr etwas variieren – je sonniger und wärmer der Frühling, desto früher beginnen die Kakteen mit der Blütenbildung. Besonders beeindruckend sind die Kugelkakteen (Rebutia), die zu dieser Zeit in den Frühbeetkästen um die Wette blühen!