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Persönlich-Kolumne: Kehricht geht, Kamin bleibt, Raum entsteht

Publikationen & Broschüren

Publikation im Tagblatt der Stadt Zürich

Februar 2021

Richard Wolff, Vorsteher des Tiefbau- und Entsorgungsdepartements
Richard Wolff, Vorsteher des Tiefbau- und Entsorgungsdepartements

Er ist ein Wahrzeichen von Zürich-West. Wer hier lebt, arbeitet, Party feiert oder im Zug auf dem Viadukt vorbeifährt, kennt den Kamin der Kehrichtverwertungsanlage (KVA) Josefstrasse. Und er ist Wohnort von Falken. Dank einer Webcam, der Falkenkamera, haben die Greifvögel eine richtige Fangemeinde.

Abfall wurde auch in der Schweiz noch lange deponiert. Heute wird Kehricht verbrannt und verwertet. Das Werk Josefstrasse war 1904 die erste KVA des Landes. Mit der CO2-neutralen Abwärme, die beim Verbrennen entsteht, liefern KVAs Wärme und Strom.

Die KVA Josefstrasse ist am Ende ihrer Lebensdauer. Sie wird Ende März stillgelegt und teilweise abgerissen. Ich werde oft gefragt, ob damit auch der Kamin verschwinde. Nein. Denn Zürich-West soll weiterhin Fernwärme erhalten. Dafür gibt es eine neue Energiezentrale auf dem Josefareal. Diese erhält das für die Fernwärme benötigte Heisswasser ab 2022 via Verbindungsleitung aus der KVA Hagenholz. Bis dahin läuft die Energiezentrale fossil. Ab 2022 werden Gas und Öl nur noch zu Spitzenzeiten eingesetzt, und dafür braucht es noch den Kamin. Das Wahrzeichen und Falken-Heim bleibt also erhalten.

Die Energiezentrale benötigt nur ein Fünftel des Platzes der bisherigen KVA. Die restliche Fläche bildet zusammen mit der ehemaligen Zentralwäscherei nebenan ein Areal von 20 000 m2 Platz für einen neuen Stadtraum. Das Amt für Städtebau hat im Quartier ein Dialogverfahren gestartet. An der ersten Veranstaltung setzten die Leute Wünsche nach Freiraum und die Verbesserung des Stadtklimas weit oben auf die Liste. Da passt die Fernwärme vor Ort, leistet sie doch einen wichtigen Beitrag an den Klimaschutz.

Richard Wolff
Vorsteher Tiefbau- und Entsorgungsdepartement

Departement: Tiefbau- und Entsorgungsdepartement