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Interview mit einem Lernenden Geomatik (3. Lehrjahr)

Interview mit einem Lernenden Geomatik

Ruben Sigg, Geomatiker EFZ Fachrichtung amtliche Vermessung im 3. Lehrjahr

«In meinem Beruf kann ich meine Begabungen voll einsetzen»

Ist dir der Berufsentscheid schwer gefallen?

Ich habe von Anfang an ziemlich gezielt einen Beruf gesucht, bei dem ich meine Vorliebe für Mathematik und Geometrie ausleben kann. Bald schon stiess ich auf Geomatiker, und je länger ich mich mit dem Beruf befasste, umso klarer war für mich, dass es der richtige für mich war.

Wozu braucht es deine Fachrichtung, die amtliche Vermessung?

Wir vermessen alles, was im Grundbuch eingetragen wird, zum Beispiel die genaue Lage von Gebäuden, Liegenschaftsgrenzen, Strassen, Mauern, Wiesen, Wäldern, Flüssen oder Seen. Dank diesen Grundbucheintragungen können die Eigentümer ihre Besitzansprüche geltend machen.

Bekommst du auch etwas von den beiden anderen Fachrichtungen mit?

Von der Kartografie bekomme ich nur wenig mit, von der Geoinformatik aber schon. In meinem Lehrbetrieb, Geomatik und Vermessung der Stadt Zürich, deckt meine Grundbildung auch die Geoinformatik ab. Geoinformatiker sind mehr mit der Datenstruktur befasst. Sie werten Geodaten aus, analysieren sie und erstellen beispielsweise 3-D-Karten oder Geländemodelle fürs Internet. Diese Berufsleute sind mehr oder weniger die ganze Zeit im Büro, während wir von der amtlichen Vermessung rund die Hälfte unserer Arbeitszeit beim Erheben von Daten «im Feld», also draussen sind.

Woran bist du im Moment?

Letzte Woche habe ich die Feldarbeit für eine Gebäudemutation gemacht. So nennen wir die Vermessungsarbeiten, wenn ein Gebäude gebaut worden ist und die Grundbuchdaten entsprechen geändert werden müssen. Ich habe das Gebäude und zwei Unterstände vermessen. Bei dieser Gelegenheit habe ich auch die Grenzpunkte des Grundstücks überprüft, deren Lage bei Bauarbeiten manchmal aus Unachtsamkeit verschoben wird. In solchen Fällen müssen wir sie rekonstruieren. Wir schlagen dann einen Bodenpfahl oder einen Nagel ein, der später von einem Vermessungsassistenten durch einen Bolzen oder einen Grenzstein ersetzt wird, damit die Grenzmarkierung wieder definitiv ist. Zurzeit bearbeite ich die erhobenen Daten im Büro und bereite sie für den Eintrag im Grundbuch vor. 

Du sprichst von «vermessen». Wie funktioniert das genau?

Wir haben überall, in Stadt und Land, ein feinmaschiges Netz von Lagefixpunkten. Das sind Punkte, deren genaue Koordinaten bekannt sind. Diese Fixpunkte liegen an Orten, die von möglichst vielen Positionen aus eingesehen werden können. In Städten sind sie oft an Strassenkreuzungen zu finden. Es ist mit genauen Vorschriften geregelt, in welchem Gelände es wie viele Punkte haben muss. Wenn ich nun einen konkreten Auftrag habe, stelle ich das Vermessungsinstrument an einem solchen Lagefixpunkt auf und vermesse von dort aus. Manchmal ist es günstiger, das Gerät irgendwo im Gelände aufzustellen. In solchen Fällen muss ich von diesem Hilfspunkt aus drei bekannte Lagefixpunkte anpeilen, die mich dann die genaue Position meines Hilfspunktes ermitteln lassen. Danach kann ich von diesem neuen Punkt aus vermessen – das Gerät ermittelt also die genauen Koordinaten aller neuen Punkte.

Dann musst du also nichts mehr selbst berechnen?

Im Grunde genommen nein. Aber selbstverständlich muss ich alles nachvollziehen können. Beim Vermessen im Feld muss ich immer eine genaue Skizze mit Bleistift und Lineal anfertigen, aus der hervorgeht, wo das Vermessungsinstrument stand und welche Punkte von dort aufgenommen wurden. So entsteht eine genaue Dokumentation, mit der auch jemand, der nicht im Feld war, die Berechnungen nachvollziehen und überprüfen kann.

Was gefällt dir besonders am Beruf?

Mir gefällt besonders gut, dass es kein reiner Bürojob ist und ich oft draussen arbeiten kann. Zudem kann ich meine Fähigkeiten und Begabungen ideal einsetzen. Seitdem ich im 3. Lehrjahr bin, habe ich auch mehr Verantwortung bekommen. Ich bin jetzt für die Vermessungsarbeiten, die mir anvertraut werden, selbst verantwortlich. So bestimme ich zum Beispiel, von welchen Fixpunkten aus ich eine Vermessung vornehmen will, aber ich muss natürlich auch garantieren können, dass alles seine Richtigkeit hat. Das ist eine grosse Aufgabe, die ich aber gerne übernehme und die mich sehr befriedigt.

Hast du dir schon Gedanken über deine berufliche Zukunft gemacht?

Ich gehe davon aus, dass ich ein oder zwei Jahre im Beruf arbeiten und Geld verdienen werde. Danach kann ich mir gut vorstellen, an der Fachhochschule Geomatikingenieur zu studieren. Ich habe mir sagen lassen, dass diese sehr gesucht sind und keine Probleme haben, eine Stelle zu finden.

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