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Entlisberg: Nicht nur eine Überdeckung

Viele Hände schaffen eine neue Landschaft

Brunnen auf dem Entlisberg (Foto: asp Landschaftsarchitekten AG, Zürich)

Um in städtischen Naherholungsräumen die Bedürfnisse von Erholungssuchenden, Natur und Unterhaltsverantwortlichen unter einen Hut zu bringen, ist Kommunikation in einem breit abgestützten Team eine wichtige Voraussetzung.

Die Gestaltung der Überdeckung Entlisberg ist dafür ein gelungenes Beispiel.

Neu geschaffener Erlebnisraum

Im Süden der Stadt Zürich befindet sich eine Grossbaustelle: Durch den Uetlibergtunnel wird die A3 mit der A4 verbunden. Der dadurch bedingte Ausbau der A3 auf sechs Spuren zwischen der Autobahnausfahrt Wollishofen und dem Verkehrsdreieck Zürich-Süd war der Anlass, den Autobahneinschnitt in Zürich-Wollishofen zu überdecken und das Quartier wieder an das Naherholungsgebiet Entlisberg anzubinden. Die Überdeckung dient jedoch nicht nur als Verbindung in den Entlisbergwald, die wieder gewonnene Fläche von 50'000 m² lädt auch zum Spazieren oder zum Verweilen ein.

Die Überdeckung Entlisberg wird vielseitigen Bedürfnissen gerecht: Es entstehen Freiräume für die Quartierbevölkerung, die Wohnqualität der Anwohner erhöht sich mit dem neu gewonnenen Lärmschutz, das entzweigeschnittene Familiengartenareal Paradies kann zusammengeführt werden, neue Lebensräume für Pflanzen und Tiere bieten Ersatz für Verlorengegangenes und bereichern die Erlebniswelt.

Zurückgewonnene Landschaft

Aussichtskanzel

In der Projektidee aus den 90er-Jahren steckte das erklärte Ziel, den Autobahneinschnitt im Moränenzug zu kitten und das Landschaftsbild wieder herzustellen. Wiese und Wald in geneigter Topografie, durchzogen von Spazierwegen, schaffen eine Neuinterpretation des Dagewesenen. Die Künstlichkeit des Bauwerks wird an diesem Übergang des urbanen Raums in die Landschaft bewusst nicht thematisiert. Die Gestaltung der Erholungselemente betont durch eine schlichte Materialwahl den Aspekt der Naturnähe und setzt einen Kontrast zum unterirdischen Autobahnbauwerk.

Nur die Aussichtskanzel tritt mit ihren mächtigen, kantigen Sandsteinquadern als Bauwerk in Erscheinung und wirkt als Anziehungspunkt.

Die Kanzel stellt neben der Aussicht den besinnlichen Punkt auf der Überdeckung dar, der den Besuchern und Besucherinnen die neue Aufenthaltsqualität über der Autobahn bewusst werden lässt; hier befindet sich auch der Gedenkstein für den Baubeginn des Gesamtbauwerks.

Vielfältige Naturräume

Pflanzaktion mit der Bevölkerung

Auf der Überdeckung Entlisberg werden Ersatzflächen für die durch das Autobahnbauwerk zerstörten Lebensräume angeboten. Darüber hinaus werden die Chancen genutzt, den Lebensraum für verschiedene Tiere und Pflanzen aufzuwerten.

Der mittlere Teil wurde als lichter Eichenwald aufgeforstet. Der Entlisbergwald wird so wieder mit dem quartierseitigen Waldrest verbunden.

Auch die Portale werden von Waldstreifen gesäumt, um das Bauwerk optisch einzurahmen. Als Übergang zur Allmendwiese werden mit Initialpflanzungen natürliche Waldentwicklungsprozesse in Gang gesetzt.

Die Magerwiesen werden mit einheimischem Saatgut begrünt, z.B. indem Heu von wertvollen Flächen aus der näheren Umgebung ausgelegt wird. Den Eidechsen werden Unterschlüpfe angeboten, indem Mauern mit Fugen gebaut werden und nischenreiche Drahtschotterkörbe als Stützelemente dienen. Frösche und Molche erhalten ein Laichgewässer.     

Nisthilfen für Wildbienen

Auf Wunsch der städtischen Grünverantwortlichen werden Nistmöglichkeiten für Wildbienen angeboten, die in das Landschaftsbild eingepasst werden. Beim Spazieren können so mit etwas Glück verschiedene Kleintiere beim Sonnenbaden, beim Brutgeschäft oder auf der Jagd beobachtet werden. Im Rahmen des Projekts «10'000 Obstbäume für Zürich» wird ein Teil der Magerwiese als Streuobstfläche angelegt.

Wiedervereinigtes Paradies für Familiengärten

Der Autobahneinschnitt erhielt einen Deckel. Dieser dämmte nun nicht nur den Lärm ein, sondern vereinigte auch die beiden durch den Autobahneinschnitt getrennten Gebiete «Oberes» und «Unteres Paradies» - so hatten die Familiengärten vor dem Bau der Autobahn geheissen. 30 neue Parzellen sind hier entstanden, die im Frühjahr 2005 bezogen werden konnten.

Vielfalt auf dem Entlisberg

Auf der neu gestalteten Überdeckung Entlisberg haben Kanton und Stadt Zürich dafür gesorgt, dass sich im Laufe der nächsten Jahre und Jahrzehnte eine wertvolle und spannende Naturvielfalt entwickeln kann. Die Magerwiesen sind eingesät, ein Teich angelegt, Wald und Waldrand gepflanzt, Nisthilfen für Wildbienen stehen bereit und ein Obstgarten wird gepflanzt. Verschiedene Tier- und Pflanzenarten können bereits beobachtet werden, andere werden sich nach und nach einstellen. Viel Vergnügen bei Ihren eigenen Beobachtungen.

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