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Fallätsche: Aufwertung des Naturschutzgebietes

Schutzgebiet Fallätsche

Die Fallätsche ist ein Erosionstrichter am Uetliberg, der nach dem Rückzug des Linthgletschers im Anschluss an die letzte Eiszeit entstand. Sie weist eine grosse Vielfalt an Pflanzen und Tieren auf. Viele von ihnen sind auf der Roten Liste der bedrohten Arten zu finden. Im November 2009 stellte der Stadtrat von Zürich die Fallätsche unter Schutz.

Entstehung durch Erosion

Der Zürcher Hausberg hält viele Überraschungen bereit. Der von weit her sichtbare Erosionstrichter der Falletsche, am südwestlichen Ende der Stadt Zürich bei Leimbach, gehört dazu. Mit seiner markanten Erscheinung ist die Falletsche für das Schweizer Mittelland einzigartig.

Nach dem Rückzug des Linthgletschers (Würmeiszeit) übernahm der Rütschlibach zusammen mit Wind und Wasser seine Arbeit. Der zur Sihl abfallende Steilhang wurde abgetragen und der lehmige Mergel bei Leimbach (Lehm, Bach) wieder abgelagert. Während sich die kahle Albiskette langsam mit Alpenpflanzen und Bäumen begrünte, blieb die Falletsche wegen der anhaltenden Erosion über Jahrtausende weitgehend baumfrei.

Vielfalt im Trichter

Dank der trichterförmigen Gestalt weist die Fallätsche eine grosse Vielfalt verschiedener Lebensräume auf. Sonnig-trockene, sich rasch und stark erwärmende Südlagen wechseln mit schattig-kühlen feuchten Nordexpositionen ab. Diese unterschiedlichen Umweltfaktoren ändern die Lebensbedingungen innerhalb weniger Meter so stark, dass sich eine breite Palette ökologischer Nischen ergibt. Spezialisierte Pflanzen- und Tierarten sind Nutzniesser, eine hohe Biodiversität stellt sich ein -  zum Beispiel lichtbedürftige Pionierpflanzen wie Karpatischer Wundklee, Zwerg-Glockenblume, Alpenmassliebchen und 300 weitere Pflanzenarten.

Bedrohte Vielfalt

Seit rund hundert Jahren ändern sich diese Umweltbedingungen. Mit der zunehmenden Besiedlung von Leimbach und Adliswil, dem Strassen- und Bahnbau wurden die stetigen Rutschungen zur Gefahr für die Bevölkerung. Hundertjährige Hochwasser im 18. und 19. Jahrhundert haben für zusätzliche Gefahren gesorgt. Der normalerweise so harmlose Rütschlibach wurde mit Holzschwellen bis weit hinauf verbaut, so dass die Erosion ab dem 20. Jahrhundert weitgehend unterbunden wurde.

Und die Natur reagierte in rasantem Tempo. Innerhalb weniger Jahrzehnte etablierten sich erste Bäume. Pionierstandorte verwandelten sich in lichte Pfeifengras-Förenwälder und heute haben sich bereits grosse Teile in geschlossene Buchen-, Ahorn- und Eschenbestände entwickelt. Die Folgen sind offensichtlich. Während unsere Grosseltern die Fallätsche noch als felsige schroffe Alpenlandschaft kannten, sehen wir heute nur noch spärliche Sandsteinbänder, deren Dimension erst aus der Nähe erkennbar ist.

Auch die machtlos diesen Veränderungen ausgesetzte Tier- und Pflanzenwelt reagiert. Die seit Jahrtausenden hier gedeihenden lichtbedürftigen Alpenpflanzen nehmen in Anzahl und Dichte ab. Schlingnatter, Gelbbauchunke, Berglaubsänger, Bergzikade, Gelbring- oder Perlgrasfalter und viele weitere Arten haben hier ihre letzten Kleinstpopulationen, deren Überleben mit zunehmender Verwaldung in Frage gestellt ist.

Holzen für die Biodiversität

Die Fallätsche ist in den vergangenen Jahren durch Bäume und Büsche immer mehr zugewachsen. Dadurch ging die Artenvielfalt im Gebiet zurück. Schon seit den 1950er Jahren wird die zunehmende Verwaldung moniert. Im Waldnutzungsplan Uetliberg von 1995 hat die Stadt Zürich die Fallätsche als Artenförderungsgebiet bezeichnet und festgehalten, innerhalb den nächsten Jahre Eingriffe zur Erhaltung und Förderung der Biodiversität zu ergreifen. Um Tieren wie dem Gelbringfalter oder der Schlingnatter ihren Lebensraum zurückzugeben und um seltene Pflanzen wie den prächtigen Frauenschuh zu erhalten, werden Bäume und Büsche gefällt.

Etappierte Holzerarbeiten

Die Arbeiten erfolgen unter der Federführung des Waldreviers Uetliberg über mehrere Jahre in drei Etappen I, II und III (siehe mittleres Bild oben). Der erste Holzschlag erfolgte von Januar bis Anfang April 2010.

  • Bereich I (Jahre 2009/2010): Massnahmen eher zurückhaltend umsetzen
  • Bereich II (Jahre 2012/2013): Massnahmen eher grosszügig umsetzen
  • Bereich III (Jahre 2015/2016): Massnahmen erst nach den Erfahrungen aus Bereich I und II planen

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