Global Navigation

Allmend Brunau (Nutzungskonzept)

Ausgangslage

Mit der Allmend Brunau besitzt die Stadt Zürich einen Erholungsraum, der in seiner Art einmalig ist: Eine zusammenhängende und frei zugängliche Fläche dieser Grösse, in unmittelbarer Stadtnähe, hat heutzutage Seltenheitswert.

Die Weite der Landschaft, die ausserordentliche Naturvielfalt, aber auch das Nebeneinander unterschiedlichster Nutzungen machen die einzigartige Qualität dieses Freiraumes aus. Die Allmend, die Jahrhunderte lang als Waffenplatz genutzt wurde, steht erst seit 1987 der Bevölkerung zur freien Benutzung zur Verfügung.

Die grossen Baustellen für SBB-Tunnel und Uetlibergtunnel beeinträchtigen die Erholungsqualität seit einigen Jahren. Doch ein Ende ist absehbar: Ab 2006 wird mit dem Rückbau begonnen. Auch das Umfeld der Allmend ist grossen Veränderungen unterworfen, welche Auswirkungen auf die Nutzung haben. Verschiedene aktuelle Fragestellungen erfordern eine übergeordnete Strategie, welche im Rahmen der Entwicklungsplanung erarbeitet wurde und im vorliegenden Nutzungskonzept dargestellt ist. Das «Nutzungskonzept Allmend Brunau» wurde vom Stadtrat festgesetzt und ersetzt das «Nutzungs- und Unterhaltskonzept Allmend» von 1988.

Es bildet die Grundlage für die nachfolgende schrittweise Konkretisierung und Umsetzung in Form von Teilprojekten.

Das Bild zeigt Menschen beim Baden in der Sihl.
Naturnahes Ufer der Sihl bei Langnau
Auf dem Bild sieht man das naturnah gestaltete Sihlufer mit einem geschotterten Uferbereich.
Naturnah gestaltetes Sihlufer

Leitideen

Das Nutzungskonzept basiert auf vier Leitideen:

  1. Die Allmend ist ein Naherholungsraum: Die Allmend, unmittelbar am Stadtrand, soll der Bevölkerung als Naherholungsraum zur Verfügung stehen.
  2. Die Allmend ist offen und multifunktional: Der Grundgedanke der Allmend, also eine gemeinschaftliche, vielfältige und flexible Nutzung, wird gestärkt.
  3. Grosszügigkeit der Landschaft und Vielfalt der Natur erhalten: Die einzigartigen Qualitäten der Allmend - die Weite des Raumes, abwechslungsreiche Topographie und die ausserordentlichen Naturwerte - werden bewahrt.
  4. Die Allmend ist gut erreichbar: Die Allmend ist mit allen Verkehrsmitteln gut erreichbar. Velo- und Fusswege sollen optimiert werden. Das bestehende Parkplatzangebot wird nicht erhöht.

Rahmenbedingungen

Schon zu Beginn der Planung wurde festgelegt, welche bestehenden Nutzungen, Bauten und politische Beschlüsse als unveränderbare Vorgaben angesehen werden müssen:

  • Grundsatz aus Stadtratsbeschluss von 1984 und 1988: Allmend steht der Bevölkerung als allgemeines Erholungsgebiet zur Verfügung
  • Schützenhaus, Schiessplatz, Polizeischiessanlage und Diensthundezentrum im Albisgütli
  • Knabenschiessen
  • Saalsporthalle und bestehende Fussballplätze
  • Restaurant «Kantine», allenfalls in neuer oder erweiterter Form
  • Eiswehr
  • Altlastenflächen bleiben (auf Anordnung des Kantons) eingezäunt, ausser es ergeben sich bezahlbare Verfahren für die Sanierung
  • Renaturierungszonen an der Sihl im Rahmen des Autobahnbaues (ökologische Ausgleichsmassnahmen)

Beteiligungsprozess

Mit den unterschiedlichen Gruppen von Beteiligten und Interessierten fand ein intensiver Dialog statt. Ende 2002 formulierten in vier Zukunftswerkstätten etwa 250 Kinder und Jugendliche aus Schulhäusern im Kreis 2 und 3 ihre Anliegen an die Allmend. Sie kritisierten vor allem die vielen Hunde und den Hundekot, und dass es auf der Allmend langweilig sei. Sie wünschten sich einen attraktiven Treffpunkt und zusätzliche Spielmöglichkeiten im Freien.

Im Juni 2003 diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aller relevanten Nutzergruppen, des Quartiers, des Gemeinderats und der Verwaltung unter dem Motto «Allmend für Alle!» über ihre Vorstellungen und Bedürfnisse in Bezug auf die Entwicklung der Allmend. Die Ergebnisse flossen in das Nutzungskonzept ein, das mit allen Beteiligten zum Schluss nochmals diskutiert wurde.

Nutzungsschwerpunkte

Im Zentrum des Nutzungskonzepts steht das Erhalten des Allmendcharakters, der im Wesentlichen durch die Weite der Flächen, die freie Zugänglichkeit, die Naturbelassenheit und Naturvielfalt sowie das Nebeneinander verschiedener Nutzungen ohne kleinräumige Zonierungen gekennzeichnet ist. In Zukunft sollen jedoch stärkere Nutzungsschwerpunkte gesetzt werden:

1. Allmend I - IV

Auf den weitläufigen Wiesen der Allmend I steht eine freie Nutzung für Spiel und Freizeit im Zentrum, in der Allmend II und III organisierter und freier Sport, in der Allmend IV Erholung an den Flussufern. Der Raum Höckler-Gänziloo sowie der Wald dienen vorwiegend der ruhigen Erholung auf Wegen. Im Albisgütli werden Nutzungen mit einem gewissen Flächenanspruch konzentriert.

Nächste Ebene: Beschreibung der Teilräume
Sämtliche Bauten und die Infrastruktur sollen auf die Randbereiche der verschiedenen Landschaftsräume konzentriert und mit schon bestehenden Bauten verknüpft werden. Dies betrifft auch den Badeinselkiosk, welcher einen neuen Standort erhalten soll. Die Allmend selbst bleibt somit in der Zukunft frei von Bauten und Möblierung und aufwändige Erschliessungen können vermieden werden.

Neue Spezialnutzungen wurden nur sehr zurückhaltend zugelassen. Als wichtige Bedürfnisse zur Attraktivitätssteigerung der Allmend für Jugendliche sind ein Geschicklichkeitsparcour für die IG Mountainbike im Albisgütli sowie eine Skater-Anlage im Randbereich der Sportplätze vorgesehen.

2. Sihlrenaturierung

Der Kanton will die Chance, welche der Rückbau der Installationsplätze bietet, nutzen, um die Sihl zwischen Eiswehr und Restaurant Kantine zu renaturieren und damit ökologisch aufzuwerten, wie das oberhalb des Eiswehrs bereits umgesetzt wird. Dadurch entstehen auf beiden Flussseiten flache Ufer mit Kiesinseln und Buchten, die auch für Erholungsuchende sehr attraktiv sind.

3. Freier Hundeauslauf und hundefreie Zone

Dass sich viele Erholungsuchende von Hunden belästigt fühlen, wurde immer wieder thematisiert. Als direkte Folge davon wird die Allmend von immer mehr Erholungsuchenden, ganz besonders aber von Familien und Kindern, gemieden. Dennoch soll der freie Hundeauslauf im heutigen Umfang möglich bleiben. Die Hundehalter können auch in der Zukunft den ganzen Raum Allmend III, IV, Höckler-Gänziloo und Albisgütli nutzen, der ihnen seit Beginn der Grossbaustellen, also seit rund 8 Jahren, zur Verfügung steht. Im Gegenzug wird die Allmend I als Spiel und Badewiese speziell auf die Bedürfnisse von Familien und Kindern ausgerichtet, was zur Folge hat, dass dieser Bereich gemäss § 9 des kantonalen Gesetzes über das Halten von Hunden mit einem Betretverbot belegt ist.
Für den freien Hundeauslauf steht zukünftig das ganze linke Sihlufer zur Verfügung. Das rechte Sihlufer inkl. Badeinsel gehört dagegen zur hundefreien Zone. Das Restaurant Kantine kann auch von Hundehaltern besucht werden. Mit dem Fussgängersteg existiert ein optimaler Zugang von Wollishofen auf die Allmend III.

4. Veranstaltungen

Das Nutzungskonzept sieht klare Rahmenbedingungen für (bewilligungspflichtige) Veranstaltungen vor. Ein neuer Veranstaltungsplatz wird nicht erstellt. Damit wird bekräftigt, dass das Naherholungsgebiet Allmend kein geeigneter Ort für Grossveranstaltungen wie Gross-Zirkusse, Openairs etc. ist.

Im Albisgütli sollen der vorhandene Kiesplatz und die Infrastruktur in Zusammenhang mit der Sanierung des Schützenhauses optimiert werden. Die Nutzung des Kiesplatzes soll im Wesentlichen so weitergeführt werden wie heute, d.h. dass hier länger dauernde Veranstaltungen stattfinden können, welche eine Infrastruktur benötigen. (Beispiele: Knabenschiessen, Elefantenzirkus, Raubtierschau, Zeltmission oder Camping-Ausstellung). Ausserdem dient der Platz weiterhin als Parkplatz bei Veranstaltungen in der Saalsporthalle oder als Abstellmöglichkeit für Schaustellerwagen.

In der Allmend I, II und III sind nur kürzere Anlässe von wenigen Tagen Dauer möglich, die keine fixe Infrastruktur benötigen. Dabei liegt der Schwerpunkt in der Allmend II und III auf den Sportveranstaltungen (Beispiele: Grümpelturniere, Sporttage, Pfaditreffen, Segelflieger). In der Allmend I kommen nur Kleinanlässe sowie kurze Veranstaltungen, die vor allem grosse freie Wiesen benötigen in Frage (Beispiele: Modellflugmeisterschaft, Hängegleiter oder Frisbee-Club).

In der Allmend IV sowie im Höckler-Gänziloo finden keine Veranstaltungen statt. Ausnahmen sind Anlässe, die ausschliesslich auf bestehenden Wegen stattfinden (Beispiel: Uetliberglauf) oder eindeutig ortsbezogene Veranstaltungen (Beispiel: Mostfest im Höckler-Obstgarten).

Im Wald finden Veranstaltungen nur auf bestehenden Wegen statt (Beispiele: Biker-Anlässe wie das «Züri Derby», Uetliberg Volkslauf).

5. Helikopterlandeplatz

In Zusammenarbeit mit der Stadtpolizei wurde für die Helikopterlandungen ein neuer Standort festgelegt: Statt bei der Saalsporthalle landen die Helikopter in der Zukunft im Albisgütli auf der Wiese unterhalb des Diensthundezentrums. Angestrebt wird zudem eine Reduktion der Starts und Landungen auf das absolut Notwendige. In der Zukunft sollen deshalb Personentransporte nur noch restriktiv bewilligt werden.

Erreichbarkeit und Zugänglichkeit der Allmend

Als attraktiver Zugang von Wollishofen her soll der Fussgänger/Velosteg über die Allmend I erhalten bzw. im Zuge der Renaturierung der Sihl erneuert und verlängert werden.

Eine neue Fussgänger- und Velounterführung unter der Allmendstrasse hindurch im Zuge der Realisierung von Sihlcity verbessert die Zugänge zur Allmend vom Bereich Utobrücke her.

Der Bereich Saalsporthalle ist bezüglich ÖV-Anbindung und Ausrichtung zum Siedlungsgebiet der wichtigste Zugang zur Allmend. Hier stehen Massnahmen für eine übersichtliche Veloführung und direktere Wegbeziehungen im Vordergrund.

Im Gebiet Manegg sind die Fusswege im Rahmen der Entwicklungsplanung Manegg zu optimieren.

Im Albisgütli wird eine bessere Anbindung der drei Wegbeziehungen von Friesenberg her angestrebt, die heute für Fussgänger unklar an der Uetlibergstrasse enden.

Das bestehende Parkplatzangebot wird nicht vergrössert, zumal im Nahbereich neue Parkplätze entstehen (Sihlcity). Die Parkplätze entlang der Gfellstrasse werden im Zuge der Sihlrenaturierung aufgehoben. Sämtliche Parkplätze werden bewirtschaftet.

Spaziergänger mit Hund oberhalb des Eiswehr
Spaziergänger oberhalb Eiswehr
Das Bild zeigt wieviel Wasser die Sihl anlässlich des Hochwassers im Jahr 2005 führt.
Hochwasser im 2005

Information

Die Wege aus den Quartieren auf die Allmend sollen durch entsprechende Wegweiser besser auffindbar werden. Auch die Orientierung auf der Allmend selbst über Wegverbindungen zu verschiedenen Zielorten ist zu optimieren.

Damit das Nebeneinander der verschiedenen Nutzungen möglichst gut funktioniert, müssen die neu festgelegten Nutzungsschwerpunkte und Nutzungsangebote den Erholungsuchenden kommuniziert werden.

Die Infopoints dienen daher als wichtiges Kommunikationsmittel: neben Orientierungsplänen mit den wichtigsten Nutzungsschwerpunkten können sie auch Verhaltensregeln oder Hintergrundinformationen zu speziellen Themen (z.B. Renaturierung) vermitteln. Die «Infopoints» (die als attraktiver Blickfang ausgestaltet werden sollen) stehen jeweils an wichtigen Zugängen und markieren somit den eigentlichen Erholungsraum Allmend.

Altlasten

Wo es eine zukünftige Nutzung verlangt, sollen Altlastenflächen saniert werden, beispielsweise im Albisgütli. Im Höckler gilt es vor allem, die Naturvielfalt des sehr wertvollen Gebiets zu erhalten. Eine Sanierung der am stärksten belasteten Flächen soll eine extensive landwirtschaftliche Nutzung ermöglichen.

Umsetzung

Das Nutzungskonzept bildet die Grundlage für die nachfolgende schrittweise Konkretisierung und Umsetzung der Entwicklungsabsichten in Form von Teilprojekten:

  • Renaturierung Sihl mit angrenzenden Gebieten Allmend I und III (inkl. Fragestellungen wie Fussgängersteg, Aufwertung Kantine, Umgebung Saalsporthalle, Optimierung bestehender Sportplätze, Skaterplatz, Wegverbindungen, WC, Kiosk etc.)
  • Konzept für die zukünftige Bewirtschaftung und Pflege der Alllmend
  • Projekte für die Verbesserung der Zugänge, Federführung Tiefbauamt
  • Sanierung und Aufwertung Kiesplatz Albisgütli
  • Konzept für Infopoints, Beschilderung
  • Sanierung Allmendschule

Einzelprojekte mit intensiver Beteiligung der Nutzergruppen
  • Konzept für Information/Kommunikation der interessierten Kreise
  • Skaterplatz, gemeinsam mit Jugendlichen aus den Quartieren 2 und 3
  • Bikepark, gemeinsam mit IG Mountainbike
  • Evtl. Hundetreff, gemeinsam mit Stadtpolizei und Hundehalterinnen und -haltern

Downloads zu «Nutzungskonzept Allmend Brunau»

Weitere Informationen

Kontakt