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Freiraumkonzept 1999

1. Ein prägendes Freiraumgerüst

See und Flüsse, Hügelzüge und Wald, Landwirtschaftsflächen, Allmenden, Naturschutzgebiete und Gleisareale sind die tragenden Freiraumelemente des Stadtbildes. Sie müssen erhalten und lokal aufgewertet werden.

Ziele in Kürze

  • An den Flussufern von Limmat, Sihl und Glatt sind ausgedehnte Erholungsflächen zu schaffen.
  • Fehlende Fusswegverbindungen an Fluss- und Seeufern sind zu ergänzen.
  • Flussufer sind an dafür geeigneten Stellen zu renaturieren.
  • Frei werdende Bahnareale sind vorwiegend der Erholung und Ökologie vorzubehalten.
  • Es sind breite und abgestufte Waldränder mit einem Krautsaum zum Landwirtschaftsland hin zu schaffen.

2. Ein wirkungsvolles Netz

Freiräume können ihre Funktionen erst vernetzt vollumfänglich erfüllen. Ausgehend vom übergeordneten Freiraumgerüst sind grosse und kleine Freiräume im gesamten Stadtgebiet engmaschig miteinander zu verknüpfen.

Ziele in Kürze

  • Das Bachöffnungs- und das Alleenkonzept sind nach ökologischen, ökonomischen und gestalterischen Kriterien zu realisieren.
  • Vernetzungsstrukturen innerhalb der Bauzone sind durch Beratung im Rahmen von Baubewilligungsverfahren und Festsetzung in Sondernutzungsplanungen gemäss Vorgaben der Richtpläne zu realisieren.
  • Naturschutzflächen, insbesondere auf Gleisarealen und an Flussufern, sind gezielt zu vernetzen.

3. Eine Chance für die Nachhaltigkeit

Auf lokaler Ebene gewinnt die Idee der Nachhaltigkeit zunehmend an Bedeutung. Mit Massnahmen im Umweltbereich - etwa der Wiederherstellung von Kreisläufen und der Schonung der natürlichen Lebensgrundlagen Boden, Wasser und Luft - soll eine nachhaltige, ökologisch orientierte Stadtentwicklung angestrebt werden.

Ziele in Kürze

  • Natürliche Kreisläufe sind möglichst vor Ort zu schliessen.
  • Bauprojekte sind nach ökologischen Gesichtspunkten zu optimieren. Versickerungsflächen, Flachdach- und Fassadenbegrünungen (mit entsprechender Beratung) sind zu fördern.
  • Frischluftkorridore, die der freien Luftzirkulation dienen, sind zu erforschen und zu schützen.
  • Die Entstehung von Altlasten ist zu verhindern, und bestehende Altlasten sind umweltgerecht und ökonomisch vertretbar zu behandeln.

4. Gestaltete Freiräume als Kulturgut

Fachgerecht gepflegte Garten- und Parkanlagen aus unterschiedlichen Epochen zeugen von der langen Tradition der Gartenkunst, die in der anspruchsvollen Gestaltung zeitgenössischer Anlagen ihre Fortsetzung finden soll.

Ziele in Kürze

  • Bei der Realisierung von neuen öffentlichen und privaten Freiräumen sind Planungs- und Beratungsverfahren zu wählen, die zu gestalterisch hochwertigen Lösungen führen.
  • Bedeutende Anlagen sind durch geeignete Schutzmassnahmen zu erhalten.
  • Pflegewerke sind für alle Anlagen zu deren fachgerechter Pflege zu erarbeiten.
  • Mit Öffentlichkeitsarbeit ist das Verständnis für die Gartendenkmäler und die gesamte Gartenkultur zu fördern.

5. Öffentliche Räume in allen Quartieren

Parks und Plätze von unterschiedlicher Grösse verbessern die Lebensqualität und tragen zur städtebaulichen Gliederung und Gestaltung bei. In allen Quartieren soll ein gutes und ausreichendes Angebot an öffentlichen, vielfältig nutzbaren Freiräumen vorhanden sein.

Ziele in Kürze

  • In unterversorgten Quartieren und in Umnutzungsgebieten sind ausreichend öffentliche Freiräume zu schaffen.
  • Vorhandene aber für die Öffentlichkeit schlecht nutzbare Freiräume sind in unterversorgten Quartieren zu sichern, zugänglich zu machen und aufzuwerten.

6. Siedlungen mit Gärten und Höfen

Private Freiräume schaffen eine wertvolle und offene Siedlungsstruktur, die das Wohl von Mensch und Natur erhöht und den Quartieren ihren Charakter verleiht. Durchgrünte Wohn- und Arbeitsgebiete sind zu erhalten und zu fördern.

Ziele in Kürze

  • Gut durchgrünte Quartiere sind mit angemessenen Rechtsmitteln (BZO) vor einer übermässigen Verdichtung zu schützen.
  • Die Stadt soll Wohnbauprojekte und Sanierungen von Wohnsiedlungen mit vorbildlicher Aussenraumgestaltung fördern und realisieren.
  • Die Grünräume in Wohnsiedlungen sollen für die Bewohnerinnen und Bewohner nutzbar sein und von ihnen betreut und gepflegt werden können.

7. Freiräume vor der Haustüre

Das unmittelbare Wohn- und Arbeitsplatzumfeld beinhaltet sowohl im privaten als auch im öffentlichen Bereich ein beachtliches Freiraumpotenzial. Diese Räume sollen einer vielfältigen Nutzung zugänglich gemacht werden.

Ziele in Kürze

  • Ein sicheres und bespielhaftes Wohnumfeld unter Einbezug verkehrsberuhigter Strassenbereiche ist zu fördern und Strassenraum für die Kinder soll zurückgewonnen werden.
  • Vielfältige «Freiräume vor der Haustür» sind in Wohn- und Arbeitsgebieten zu erhalten und zu fördern.

8. Flexible Freizeiträume

Eine vielfältige Freizeitgestaltung gewinnt in unserer Gesellschaft zunehmend an Bedeutung. Für Freizeitaktivitäten wird ein sinnvolles Angebot an geeigneten Räumen geschaffen, das auch die rasch wechselnden Ansprüche berücksichtigt.

Ziele in Kürze

  • Freizeitaktivitäten mit baulicher Infrastruktur sind ausserhalb der Freihaltezone, d.h. in der Bauzone anzusiedeln.
  • Freizeiträume sollen so beschaffen sein, dass sie mit dem Wandel der Freizeitaktivitäten Schritt halten können.
  • In den Wohnsiedlungen sind Pflanzgärten zu realisieren.

9. Lebensräume für die Stadtnatur

Eine charakteristische und artenreiche Tier- und Pflanzenwelt hat sich auf städtische Lebensräume spezialisiert. Sie ist sowohl auf genügend grosse, dauerhafte als auch vorübergehende Lebensräume angewiesen, die ihren Fortbestand ermöglichen.

Ziele in Kürze

  • Der Lebensraum für Pflanzen und Tiere ist zu erhalten und aufzuwerten.
  • Die Summe der Flächen von Lebensräumen soll auf Zeit konstant sein.
  • Bei der Freiraumgestaltung sind, wo dies sinnvoll und möglich ist, einheimische Pflanzen zu bevorzugen.
  • Pflanzen und Tiere sollen mit ihren Lebensräumen der Bevölkerung ein sinnliches Naturerlebnis ermöglichen.
  • Das Verständnis für die Natur ist in der Bevölkerung durch Information, Bildungsangebote und Projektarbeit zu fördern.

10. Eine vielseitige Landwirtschaft

Die Landwirtschaft in einer Stadtgemeinde ist mit vielfältigen Nutzungen konfrontiert. Neben ihrer Produktionsfunktion hat sie wichtige Aufgaben im Natur- und Landschaftsschutz zu übernehmen und der Bevölkerung Möglichkeiten für Erholung und Bildung zu bieten.

Ziele in Kürze

  • Landwirtschaftsflächen und -betriebe sind gemäss dem Landwirtschaftskonzept zu sichern und zu fördern.
  • Ein grosser Anteil an naturnahen Landschaftselementen (Ausgleichsflächen, Vielfalt an Pflanzen- und Tierarten) und an biologisch verträglichen Bewirtschaftungsformen ist anzustreben.
  • Es sind räumliche Entwicklungkonzepte für die von der Landwirtschaft geprägten Landschaftskammern zu erarbeiten.
  • Die Bevölkerung soll die Möglichkeit erhalten, Landwirtschaftsbetriebe in Quartiernähe kennenzulernen

11. Weiterentwicklung des Freiraumkonzepts

Die Freiraumkonzepte von 1986 und 1999 wurden im Grünbuch der Stadt Zürich weiterentwickelt. Der heutige Standard im Grün- und Freiraum der Stadt und die daraus resultierende Grünwirkung basieren auf diesen Grundlagenwerken.

Das Grünbuch der Stadt Zürich

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