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Carsten Höller: Denkmal für Hans Künzi

Carsten Höller: Denkmal für Hans Künzi

Auf Einladung der Hans-Künzi-S-Bahn-Stiftung hat der international bekannte Künstler Carsten Höller im September 2017 das Denkmal zu Ehren von Hans Künzi geschaffen. Hans Künzi (1924-2004) war Zürcher Regierungsrat und Nationalrat und gilt als «Vater der Zürcher S-Bahn». Die Evaluation des Künstlers erfolgte durch eine Fachjury und basierte auf einem Einladungswettbewerb, den die Fachstelle Kunst im öffentlichen Raum der Stadt Zürich begleitete.

Denkmal für Hans Künzi, «Vater der Zürcher S-Bahn»

Der in Stockholm lebende Konzeptkünstler Carsten Höller (*1961) ist bekannt geworden durch seine interaktiven Interventionen, welche die Kunstbetrachter zum Mitmachen auffordern. Durch diese Teilnahme am Kunstwerk werden bei den Menschen auf ganz direkte Weise ästhetische, körperliche und emotionelle Erfahrungen hervorgerufen. Zuletzt realisierte Höller zusammen mit Anish Kapoor die längste Rutschbahn der Welt: Das 76 Meter hohe und 178 Meter lange Kunstwerk dient den Besuchern des Accelor-Mittal-Towers als Alternative zum Lift. Das Werk ist ein faszinierendes Spielobjekt, aber auch eine aussergewöhnliche Ingenieurleistung.

Mit der Verbindung von Wissenschaft, Technik und Kunst hat der promovierte Biologe Höller ein sehr eigenständiges Tätigkeitsfeld entwickelt, das weit über die eigentliche Kunstszene hinaus Beachtung gefunden hat. Höller setzt das Experiment als Verfahren in seinen künstlerischen Arbeiten ein.

Vor diesem Hintergrund wurde Carsten Höller eingeladen, ein Kunstwerk zu entwickeln, das sich mit dem Lebenswerk des Mathematikers und Politikers Hans Künzi (1924 – 2004) auseinandersetzt. Künzi wirkte ab den späten 1950er Jahren an der Universität Zürich als Professor für Ökonometrie und betriebs-wirtschaftliche Verfahrensforschung mit Schwerpunkt Operations Research und elektronische Datenverarbeitung – ab 1966 in der seltenen Einrichtung der Doppelprofessur gleichzeitig an der ETH Zürich. Von 1970 bis 1991 war Künzi Zürcher Regierungsrat und von 1971 bis 1987 vertrat er den Kanton als Nationalrat auf der eidgenössischen Ebene. Unter Künzis Aegide entstanden das Zürcher S-Bahn-System und der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV). Er gilt als Vater der volkswirtschaftlich und kulturpolitisch eminenten S-Bahn.

Carsten Höllers künstlerische Reflexion basiert auf der Idee eines Hans-Künzi-Denkmals. Allerdings werden Persönlichkeit und Verdienste von Künzi nicht mittels eines klassischen Personenstandbildes gewürdigt, sondern mit einer abstrakten, aber atmosphärischen Auseinandersetzung mit dessen Tätigkeitsfeldern: Mathematik, Datenverarbeitung, Verkehr. Höller thematisiert die enormen Personenströme, die im Zürcher Hauptbahnhof durch die täglich fast 3000 Zugsbewegungen stimuliert werden. Das Ineinandergreifen von Individuum und Kollektiv, von Technik und Mensch manifestiert sich in einem grossen Licht-Kunstwerk, das Höller am neuen Aufgang zum Europaplatz installieren liess.

Rund 400 Neonkreise mit 60 Zentimeter Durchmesser sind am Dach des Bauwerks in einem L-förmigen Raster angebracht. Gesteuert von einem Programm, das der Künstler speziell entwickelt hat, gleiten die Kreise in unterschiedlichen Tempi und Richtungen poetisch über den Dachhimmel und symbolisieren den im Hauptbahnhof tagtäglich zu beobachtenden, chaotisch-geordneten Transportfluss von Waren und Menschen – eine mathematisch und ästhetisch präzise Fassung von Bewegungssystemen, wie sie einst Hans Künzi mit der S-Bahn geschaffen hatte.

Text: Christoph Doswald (Vorsitzender Arbeitsgruppe Kunst im öffentlichen Raum)

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