Kiluanji Kia Henda

The Fortress, 2014/2015

The Fortress, 2014/2015
Skulptur aus Eisenprofilen, 800 x 800 x 400 cm (H/L/B) / Friedhof Eichbühl, Friedhofstrasse 94, 8048 Zürich

The Fortress bildet zusammen mit The Palace, The Temple und The Ministry die Buildings-Reihe. Jedes Werk kombiniert eine Fotografie und einen Siebdruck. Die Siebdrucke sind Nachstellungen der Sona, der traditionellen Sandzeichnungen, die zur Kultur der Lunda-Chokwe (Ostangola) gehören. Die Geschichtenerzähler der Chokwe zeichnen die Sona üblicherweise in den Sand, während sie alte Fabeln erzählen. Diese Zeichnungen sind erzählerische Schemata, die erzählerische Wege darstellen. In seinen dreidimensionalen, in der Maleha-Wüste in Schardscha angeordneten Metallobjekten, die in den Bildern des jeweils zweiten Diptychonteils dargestellt sind, verwandelt Kia Henda (*1979, AO) solche vergänglichen Schemata. Während die Geschichten der Chokwe jedoch zum Ziel haben, uns etwas über eine ferne Vergangenheit zu vermitteln, versuchen Kia Hendas Diagramme, die Zukunft aufzuzeichnen: durch das Schaffen von Strukturen, die auf virtuelle Phänomene hinweisen, die erst noch formuliert werden müssen.

Die metallischen Linien der Skulpturen lassen sie wie Zeichnungen aussehen, die sich von der Landschaft abheben, leere Silhouetten einer imaginären Stadt. In der Buildings-Reihe (wie auch in seinen neueren Arbeiten) bewegt sich Kiluanji Kia Henda allmählich weg von historisch lokalisierbaren Aspekten hin zu universellen, nicht lokalisierbaren Themen. Während er sich vormals auf die Hände der Geschichtenerzähler konzentrierte, die eine abstrakte Linie in den Sand zeichneten, weitet sich sein Fokus zusehends aus und verschlingt alle Wüsten der Welt (die psychologischen wie auch die tatsächlichen). Und während sich die früheren Arbeiten von Kia Henda mit den Wunden befassten, die von der europäischen Vorherrschaft in Afrika hinterlassen wurden, insbesondere mit jenen, die während des Kalten Krieges entstanden sind, wendet er sich jetzt einer neuen Art von Hegemonie zu, einer neuen Art von Krieg. Wenn die Fotografie in seinen Arbeiten über Luanda ein Fussabdruck einer im tiefsten Inneren liegenden Stadt war, scheinen seinen aktuelle Fotoarbeiten reine Äusserlichkeiten zu porträtieren: Skylines in der Wüste, die wie Cyber-Skulpturen aussehen. Solche Arbeiten nähern sich

der reinen Virtualität und hinterfragen den dokumentarischen Aspekt der Fotografie. Während das Stadtbild in die Landschaft übergeht, löst sich die Fotografie selbst in einem abstrakten Schema auf.

Von Computern entworfene Städte wie Dubai vervielfachen sich auf der ganzen Welt, machen sich in der Wüste breit. Die Arbeit von Kia Henda scheint die Dubaiisierung von Luanda anzuprangern. Der Künstler verwendet hybride Formate, ohne klare Grenzen zu definieren, und befasst sich mit dem Fehlen von Grenzen zwischen einer materialisierten Stadt und ihrem 3D-Modell. In den Buildings-Diptychen schafft die Beziehung zwischen Diagramm, Skulptur und Landschaft einen Raum der Transparenz und der Erhabenheit und prägt somit eine in der Wüste entstehende virtuelle Realität, in der die Bedrohung des Monolithen aus 2001: Odyssee im Weltraum mitschwingt. Lucas Parente

Courtesy the artist und Galleria Fonti, Neapel

Dank an: Bruno Müller und Béla Hasler (m3 metallbau, Zürich)

English Version

The Fortress is part of the Buildings series, together with The Palace, The Temple and The Ministry. Each work combines a photograph and a serigraphy. The serigraphies are recreations of the sona, traditional drawings on the sand which are part of the culture of Lunda Tchokwé (East Angola). Tchokwé storytellers usually draw the sona (plural of lusona) in the sand as they narrate ancient fables. Those drawings are narrative schemes that synthesise narrative paths. Kia Henda (b. 1979, Angola) transforms such ephemeral schemes in tridimensional metallic objects arranged in the desert of Maleha, in Sharjah, which are portrayed in the pictures that compose the second part of the diptych. But whereas Tchokwé stories aim to tell us about an ancient past, Kiluanji’s diagrams attempt to trace the future, creating structures which point out to virtual phenom-ena still to be enunciated.

The metallic lines of the sculptures make them look like drawings standing out of the landscape, empty silhouettes of an imaginary city. In the Buildings series (as well as in his more recent works) Kiluanji Kia Henda gradually shifts from historically localisable issues to universal, not localisable themes. Whereas he used to concentrate on the hand of the Tchokwé storyteller who traced an abstract line in the sand, his focus opens up to engulf all the deserts in the world (psychological as well as actual ones). While the previous work by Kia Henda touched the wounds left in Africa by the European domination, particularly those emerging during the Cold War period (which was not exactly cold in countries like Angola, Guatemala and Vietnam) we now pass to a new kind of hegemony, a new kind of war. If, in his works about Luanda, photography was a footprint of an innermost city, his recent photographs seem to portrait pure exteriorities: skylines in the desert looking like cyber sculptures. Such works approach pure virtuality, therefore questioning the documental aspect of photography. As the cityscape fades into landscape, photography itself dissolves into an abstract scheme.

Cities like Dubai, designed by computers, are multiplying worldwide, spreading the desert with them. Kiluanji’s work seems to denounce the dubaisation of Luanda. The artist uses hybrid formats without clearly delimitating frontiers, dealing with the absence of boundaries between a materialised city and its 3D model. In the Buildings diptychs, the relationship between diagram, sculpture and landscape creates a space of transparency and grandeur, therefore shaping a virtual reality arising in the desert, resonating the threat of the 2001: A Space Odyssey monolith. Lucas Parente

Courtesy of the artist and Galleria Fonti, Naples

Thanks to Bruno Müller und Béla Hasler (m3 metallbau, Zürich)