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Renovation der Max Bill «Pavillon-Skulptur»

Über 1300 Kunstwerke stehen im öffentlichen Raum der Stadt Zürich. Sie sind Wind und Wetter ausgesetzt, Umwelteinflüsse und Verkehr setzen den Materialien zu. Für den Unterhalt der Werke hat die Arbeitsgruppe Kunst im öffentlichen Raum AG KiöR eine Strategie entwickelt. Dieses Jahr wird Max Bills «Pavillon-Skulptur» an der Bahnhofstrasse renoviert, in fachmännischer Zusammenarbeit mit Jakob Bill, dem Sohn des Künstlers.

Die «Pavillon-Skulptur» von Max Bill an der Ecke Bahnhofstrassse / Pelikanstrasse, fotografiert 2013.

Seit 1983 steht eine monumentale Granitskulptur des Schweizer Künstlers Max Bill (1908-1994) an der Zürcher Bahnhofstrasse. Die sogenannte «Pavillon-Skulptur» ist ein Hauptwerk des Zürcher Konkreten. Zwischen April und 0ktober 2013 wird die Bahnhofstrasse nun umfassend saniert. Um sie vor dem Werksverkehr zu schützen, soll Bills «Pavillon-Skulptur» teilweise abgebaut werden. Dabei können einzelne Elemente des Kunstwerks einer längst fälligen Renovation unterzogen werden. Denn bereits vor einigen Jahren ist ein Lastwagen mit dem Kunstwerk kollidiert und hat ein Granit-Element massiv beschädigt.

Die Skulptur 1983, im Jahr der Platzierung. Fotos und Situationsplan: Archiv Stadt Zürich.

Die Renovation der Bill-Skulptur ist ein Teil einer Gesamtstrategie für den Unterhalt von Kunstwerken, die die Arbeitsgruppe Kunst im öffentlichen Raum (AG KiöR) im Umgang mit dem städtischen Kunstbesitz entwickelt hat. Mehr als 1300 Kunstwerke befinden sich im öffentlichen Raum der Stadt Zürich. Der Unterhalt des städtischen Kunstbesitzes soll systematisiert, der Zustand der Kunstwerke umfassend katalogisiert werden.

Bei einzelnen Werken besteht unmittelbarer Handlungsbedarf. Nach der Sanierung von Tinguelys Heureka ist jetzt Max Bills «Pavillon-Skulptur» an der Reihe. Die Renovation wird in enger Zusammenarbeit mit Bills Sohn, dem Künstler Jakob Bill, an die Hand genommen. Der ehemalige Luzerner Kantonsarchäologe ist selber Künstler – seine Retrospektive im Museum Haus Konstruktiv geht am 17. Februar zu Ende. Jakob Bill betreut zusammen mit seiner Frau Chantal die Bill-Stiftung, wo sich, neben dem städtischen Archiv, glücklicherweise viele wichtige Unterlagen für diese Renovationsarbeiten finden liessen.

«Er hielt sich für unsterblich»

Jakob Bill über die Renovation von Max Bills «Pavillon-Skulptur»

Der Künstler Jakob Bill gibt Auskunft. Foto: © Doris Kessler, Museum Haus Konstruktiv.
Der Künstler Jakob Bill gibt Auskunft. Foto: © Doris Kessler, Museum Haus Konstruktiv.

Max Bill hat viele Skulpturen geschaffen. Und diese Kunstwerke kommen jetzt in die Jahre. Wie gehen Sie mit diesem Renovationspotenzial um?
Jakob Bill: Wir werden ab und
zu mit Renovationsanfragen konfrontiert. Gerade Werke, die sich im öffentlichen Raum befinden, sind besonders davon betroffen. Solche Werke sind ein Sonderfall.

Warum?
JB: Weil die Besitzer dieser Werke sich beim Kauf häufig nicht bewusst sind, dass der Unterhalt im öffentlichen Raum besonders aufwändig und allenfalls teuer ist.

Die Renovation der «Pavillon-Skulptur» in Zürich erfolgt jetzt im Rahmen eines grösseren Projektes, des Umbaus der Bahnhofstrasse.
JB: Die Problematik von Zürich ist kein Einzelfall. Momentan kämpfen wir zum Beispiel um die Renovation der Bill-Skulptur, die sich vor und hinter dem Bauhaus-Archiv in Berlin befindet. Diese aus farbig emaillierten Metallplatten bestehende Säulenskulptur ist in die Jahre gekommen. Die Leuchtkraft der Farben ist zurückgegangen, weil die Oberfläche von starkem Schmutz überzogen ist. Das könnte relativ einfach von einer Hebebühne aus gereinigt werden. Hinzu kommt, dass ein Säulensockel durch einen Autofahrer beschädigt wurde und ersetzt werden müsste – das verchromte Blech weist wegen des Unfalls eine grosse Beule auf. Die «Pavillon-Skulptur» in Zürich ist zwar aus Granit, weist aber ebenfalls einen Riss auf, der durch eine Auto-Kollision verursacht wurde. Das soll jetzt im Rahmen der Bahnhofstrasse-Sanierung endlich in Ordnung gebracht werden.

Hat Max Bill sich übers Alter der Werke und über ihren Unterhalt Gedanken gemacht?
JB: Ich glaube nicht – er hielt sich für unsterblich und entsprechend selber immer zuständig.

Der Fall der Zürcher «Pavillon-Skulptur» ist also typisch. Mit minutiöser Recherche müssen Pläne und die ausführenden Handwerker eruiert werden ...
JB: Zürich steht sogar besser da als viele andere Käufer von Bill-Skulpturen. Denn Bill war hier zuhause, und es existieren verhältnismässig viele Fotos und Zeichnungen. Die Konstruktionspläne konnten jetzt im Tiefbauamt gefunden werden.

Wie ist das Archiv Ihrer Bill-Stiftung dokumentiert?
JB: Wir besitzen das Grundkonzept und die ersten Varianten in Zeichnungen, die als Ausgangspunkt für die Skulptur dienten. Die technische Umsetzung hingegen ist nicht im Archiv.

Wie ist Bill normalerweise bei der Produktion eines solchen Werks vorgegangen?
JB: Es muss zuerst ein «Bedarf» bestanden haben, der zu einem Studienauftrag oder einem Wettbewerb führte. Dann hat er in der Regel die Situation vor Ort studiert und sich eine oder
mehrere Möglichkeiten ausgedacht. Bei den Pavillonskulpturen hat er aus kleinen Holzelementen dann Modelle davon zusammengestellt und den Auftraggebern präsentiert. Bei Gefallen wurden dann Kostenvoranschläge und Steinmaterialien geprüft. Die Ausführung haben in der Regel Steinhauerunternehmer gemacht, und das Aufstellen stand unter persönlicher Kontrolle von Max Bill.

Wie viele der sogenannten Pavillonskulpturen wurden überhaupt gebaut?
JB: Rund ein Dutzend. Und es gibt noch einige unrealisierte Projekte – aber die werden nicht mehr ausgeführt.

Welche Idee steckt dahinter?
JB: Bill wollte Orte schaffen, wo die Menschen sich niederlassen und wohlfühlen konnten. Die Pavillonskulpturen bilden also einen Raum, formulieren eine leicht wirkende, bauliche Konstruktion, die dem Innehalten und Ausruhen dient. Es handelt sich um die architektonischste Skulptur in seinem gesamten Oeuvre ...

Architektur ohne Dach, ohne Schutz vor Sonne und Regen ...
JB:  Das Dach gab es tatsächlich nie; die Entwicklung ging eher Richtung Redukion. Der minimalistischste Pavillon steht auf der Furkapasshöhe: Vier auf dem Boden liegende Elemente bilden die «Furkart ’94 Feuerstelle», einen Grillplatz ohne Grill.

Jede Pavillonskulptur wurde aus einem eigenen Stein hergestellt. Welche Überlegungen waren in Zürich im Spiel?
JB: Das ist eine interessante Frage. Tatsächlich hat Bill mit den unterschiedlichsten Steinen gearbeitet. Das hing häufig mit dem Kontext oder mit dem Auftragsgeber zusammen. Als er zum Beispiel eingeladen wurde, in Berlin eine Pavillonskulptur als Symbol der deutsch-französischen Freundschaft zu entwickeln, mussten Steine in den Farben Weiss, Rot, Blau und Rot, Schwarz, Gelb gefunden werden. Für Zürich wählte er einen ganz speziellen Granit aus einem Steinbruch im Schwarzwald, der schon lange geschlossen war und extra für diese Skulptur nochmals aufgemacht wurde. Zum Glück konnte jetzt noch ein letzter Block genau dieses Granits aufgefunden werden, mit dem das defekte Element ersetzt werden kann.


Text und Interview: Christoph Doswald

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