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Allergien, Ekzeme

In Kürze

Der Begriff Allergie wird recht unterschiedlich verwendet. Umgangssprachlich wird die Aussage «Ich habe eine Allergie» oft in Bezug auf Hautausschläge oder Unverträglichkeiten verwendet, die eine ganz andere Ursache haben können: Nesselfieber kann beispielsweise durch eine Infektion, Übelkeit nach Milchgenuss durch einen Enzymmangel bedingt sein. In beiden Fällen handelt es sich nicht um eine Allergie.

Im medizinischen Sprachgebrauch versteht man unter Allergie eine spezifische Überempfindlichkeitsreaktion. Je nach den beteiligten Elementen des Immunsystems lassen sich diese Überempfindlichkeitsreaktionen weiter unterteilen.

Sind vor allem Antikörper des Typs IgE und Mastzellen beteiligt, die den juckreizauslösenden Stoff Histamin freisetzen, so spricht man von einer Soforttyp- oder Typ-I-Reaktion (z. B. Heuschnupfen, Nahrungsmittelallergie). Handelt es sich um eine Reaktion der T-Lymphozyten, so spricht man von einer Spättyp- oder Typ-IV-Reaktion (z. B. allergisches Kontaktekzem, manche Medikamentenallergien).

Welche Form von Allergie vorliegt, ist manchmal aus dem zeitlichen Ablauf ablesbar: Bei der Soforttyp-Reaktion kommt es, wie der Name sagt, sofort bis zu 6 Stunden später zur Reaktion, bei der Spättyp-Reaktion erst nach 24 bis 48 Stunden. Aussagekräftig für den untersuchenden Arzt oder die Ärztin ist die genaue Beschreibung der abgelaufenen Reaktion. Die Details werden jeweils mit dem folgenden Allergie-Fragebogen erfasst.

Soforttyp-Allergien

Soforttyp-Allergien werden meist durch Eiweissstoffe – Pollen, Tierhaare, Nahrungsmittel – oder auch Medikamente ausgelöst. Die ursächlichen Stoffe, das Allergen, die Allergene, sind in der Regel harmlose Substanzen. – Krankmachend im Allergie-Mechanismus ist die übersteigerte Reaktion des Körpers.

Damit sich eine allergische Reaktion entwickeln kann, ist eine Sensibilisierung notwendig, d. h. man muss mindestens einmal mit der fraglichen Substanz in Kontakt gekommen sein. Nahezu 40% der Schweizer Bevölkerung weisen Sensibilisierungen auf Inhalationsallergene wie Pollen, Tierhaare oder Hausstaubmilben auf. 20–25% zeigen auch allergische Symptome. Wieso Allergien zunehmen, ist noch nicht definitiv geklärt. In Ländern mit hohem Lebensstandard liegen die Gründe wahrscheinlich zumindest teilweise in der guten Hygiene.

Heuschnupfen (Allergische Rhinitis)

Der allergische Schnupfen bei Pollenkontakt betrifft ungefähr 15% der Bevölkerung. Ursache sind nicht die Pollen, die sich oft als gelber Staub auf Strasse und Autos finden, sondern mikroskopisch kleine Pollen, die tiefer in die Atemwege eindringen können. Aufgrund ihrer Pollenmenge und allergenen Eigenschaften haben in der Schweiz nur etwa 20 Pflanzen für Allergikerinnen und Allergiker eine Bedeutung. Je nach Beschwerdezeitraum lässt sich abschätzen, welche Pollen als Ursache eines Heuschnupfens in Frage kommen.

Leitpollen

MonatPollenart
Januar(Hasel- und Erlenpollen)
FebruarHasel- und Erlenpollen
MärzEschen- und Birkenpollen
AprilBirken- und Eschenpollen
Mai(Birken-) und Gräserpollen
JuniGräser- und Roggenpollen
JuliGräser- und Beifusspollen (Ambrosia, auch Artemisia oder Traubenkraut genannt)
AugustBeifuss- und (Gräserpollen)
SeptemberBeifusspollen

Hinweis: Falls Sie sich über den genauen Zeitraum nicht im Klaren sind, ist das Führen eines Beschwerdekalenders mit täglichem Eintrag der jeweiligen Symptome während einer Pollensaison hilfreich.

Die Beschwerden äussern sich als Augenjucken, Fliessschnupfen, Niesattacken, manchmal auch als Reizhusten oder Atemnot (allergisches Bronchialasthma). Zudem können Pollenallergiker über Kreuzreaktionen zwischen Pollen und Nahrungsmitteln (siehe «Häufige Kreuzreaktionen») auch auf Nahrungsmittel mit Symptomen reagieren.

Häufige Kreuzreaktionen

Birkenpollen-Nuss-KernobstHaselnuss, Walnuss, Mandel, Apfel, Kirsche, Pfirsich, Aprikose, Kiwi, Karotte, Sellerie, Kartoffel
Beifusspollen-Sellerie-GewürzeSellerie, Karotte, Fenchel, Anis, Dill, Paprika, Koriander, Kümmel, Kamille, Petersilie,
Gräserpollen-Tomate-Melone-Erdnuss 
Ambrosia-Bananen-Melone-Gurke 

Nahrungsmittelallergien

Nahrungsmittelallergien können sich lokal mit Juckreiz und Schwellung der Lippen, der Zunge oder des Rachens (Orales Allergiesyndrom) oder auch mit Allgemeinsymptomen wie Rötung, laufender Nase, Juckreiz, Nesselfieber, Erbrechen, Durchfall, bis hin zu Asthma/Atemnot und einem allergischen (anaphylaktischen) Schock äussern.

Je nach Alter von Patientin, Patient und Sensibilisierungsweg sind es verschiedene Nahrungsmittel, die häufig allergieauslösend sind:

Klassifikation nach Pichler

Typ A: Sensibilisierung via Darm (bei Kindern)

  • z. B. Milch, Ei
  • verliert sich häufig beim Aufwachsen
  • andere wie z. B. Erdnuss bestehen lebenslang

Typ B: Sensibilisierung gegen Pollen

  • Nahrungsmittelallergie durch Kreuzreaktion (siehe vorangegangene Tabelle)
  • z. B. Apfel, Nüsse

Typ C: Primäre Sensibilisierung

  • prinzipiell jedes Nahrungsmittel möglich (selten, Mechanismus unbekannt)

Nicht alle Reaktionen auf Nahrungsmittel sind allergiebedingt. Nur bei ungefähr einem Fünftel der Patientinnen und Patienten, die uns wegen einer Nahrungsmittelallergie konsultieren, lässt sich tatsächlich eine solche finden. Auch sogenannte Intoleranzen – Reaktionen mit im Gegensatz zu Allergien unbekanntem Mechanismus – können teilweise ähnliche Symptome hervorrufen, z. B. wenn Additiva (Nahrungsmittelzusatzstoffe, E-Nummern) im Spiel sind. Daneben können auch andere Erkrankungen vorliegen, z. B.

  • Autoimmunerkrankungen wie Zoeliakie (auch Sprue, glutensensitive Enteropathie genannt),
  • Enzymmangel (z. B. Laktoseintoleranz, Milchunverträglichkeit),
  • Nahrungsmittelvergiftungen oder
  • Reizdarm.

Hinweis: Falls Sie vermuten, dass ein bestimmtes Nahrungsmittel die Allergie auslöst, ist es hilfreich, wenn Sie eine Probe davon zur Konsultation mitbringen.

Atopisches Ekzem, Neurodermitis

Das atopische Ekzem (Neurodermitis, endogenes Ekzem) ist eine multifaktorielle Erkrankung. Als Atopie bezeichnet man die genetische Veranlagung, im Lauf des Lebens an Heuschnupfen, allergischem Asthma oder eben einem atopischen Ekzem zu erkranken. Im Gegensatz zu Heuschnupfen und allergischem Asthma lassen sich die Auslöser nicht allein mit einem Allergietest feststellen.

Neben Allergien gibt es weitere Auslöser für das Ekzem. Solche Faktoren sind z. B.:

  • Eine schlechtere Abwehr der Haut gegen Erreger wie Bakterien, Viren und Pilze
  • Trockenheit und Reizbarkeit der Haut
  • Klimatische Faktoren
  • Psychische Befindlichkeit

Da es sich um eine chronische Erkrankung handelt, erschöpfen sich Untersuchung und Behandlung nicht allein in einem Allergietest und der Abgabe einer Kortison-Crème. Um den auslösenden Faktoren auf die Spur zu kommen, sind regelmässige Betreuung und stadiengerechte Therapien notwendig. Solche Therapien reichen von individuellen Hautpflege-Empfehlungen über zeitlich begrenzt eingesetzte Kortisonpräparate (bei akut entzündlichen Veränderungen) bis hin zur kortisonfreien Behandlungen mit

  • Immunmodulatoren (Tacrolimus, Pimecrolimus),
  • Lichttherapie oder
  • Entspannungstherapie.

Auch komplementäre Behandlungsmethoden wie Klimatherapie, Akupunktur und die Gabe von Gamma-Linolen-Säure (Nachtkerzenöl) können hilfreich sein.

Diagnostik

Das wichtigste Instrument bei der Abklärung allergischer Erkrankungen ist die Krankengeschichte (Anamnese). Dies nicht nur, weil z. B. Heuschnupfensymptome bei einer Abklärung im Winter fehlen oder die Symptome eines Nesselfiebers (Urticaria) sich häufig verflüchtigen und bei der Konsultation gerade nicht zu sehen sind: Anhand der Anamnese lässt sich abschätzen, wie wahrscheinlich ein Stoff oder Kontakt als Auslöser in Frage kommt.

Pricktest
Z. B.: Pricktest auf Fenchel am Unterarm

Darüber hinaus werden Hautteste (Pricktest, Scratchtest) durchgeführt, da sie preiswert und einfach durchzuführen sind und das Austesten einer grossen Anzahl von Allergenen erlauben. Voraussetzung ist jedoch eine gesunde Haut an der Innenseite der Unterarme.

Antiallergische Medikamente, d. h. Antihistaminika sollten 3 Tage vor dem Test abgesetzt werden. In speziellen Situationen kann auch eine Blutentnahme mit Bestimmung spezifischer IgE-Antikörper hilfreich sein. Selten werden Provokationstests, häufiger Auslassversuche, durchgeführt.

Symptome oder Ursachen behandeln?

Die Antwort lautet: Am besten beides. Auch wenn eine ursächliche Behandlung sicher die ideale wäre, ist sie bei allergischen Krankheiten nicht immer möglich. In jedem Fall benötigt eine Abklärung Zeit. Symptome wie entzündete Haut oder Juckreiz sollten daher auch symptomatisch behandelt werden.

Vor allem beim Heuschnupfen und in besonderen Situationen auch bei Milben- und Tierhaarallergien besteht die Möglichkeit einer Desensibilisierung (spezifische Immuntherapie), welche den Körper langsam wieder an die allergieauslösenden Substanzen gewöhnt. Während der Pollensaison können und sollen jedoch gleichzeitig die Symptome behandelt werden.

Beachten Sie auch unsere weiterführenden Ratschläge bei pollenbedingten Beschwerden.

Kontaktallergien

Allergische Kontaktekzeme entstehen durch zellulär vermittelte Spättyp-Reaktionen. Die auslösenden Substanzen sind kleine Moleküle, sogenannte Haptene, welche die Hautbarriere aufgrund ihrer geringen Grösse gut durchdringen können. Erst in Verbindung mit körpereigenen Eiweissen werden sie zu vollständigen Allergenen. Bis zum Auftreten der Symptome (Ekzem) vergehen 24 bis 48 Stunden.

Da ein direkter Kontakt bestanden haben muss, lassen sich aus der Lokalisation der Veränderungen Rückschlüsse auf den möglichen Auslöser ziehen (Abb. 1a und 1b).

Entzündetes Ohrläppchen
Abb. 1a: Entzündetes Ohrläppchen – Reaktion auf Goldlegierung Natriumthiosulfatoaurat des Ohrringes
Reaktion auf Natriumthiosulfatoaurat
Abb. 1b: Positiver Epikutantest am Vorderarm (Unterseite). Die Reaktion auf Natriumthiosulfatoaurat ist gut sichtbar.

Hinweis: Wenn Sie einen bestimmten Auslöser vermuten (Arbeitsmaterial, Kosmetika etc.), erleichtern Sie die genaue Abklärung, wenn Sie eine Probe davon oder möglichst genaue Angaben über die Zusammensetzung zur Konsultation mitbringen. Bei beruflichen Substanzen chemischer Natur ist zur Abklärung auch das Sicherheitsdatenblatt hilfreich, das zur jeweiligen Substanz im Betrieb erhältlich ist.

Zur Abklärung einer Kontaktallergie wird ein Epikutantest (epikutan = auf der Haut) durchgeführt. Bei diesem Test werden verdünnte Eigenproben mit hautfreundlichen Heftpflastern meist am Rücken aufgeklebt (Abb. 2). Die Ablesungen erfolgen nach 48 und 72 Stunden. Während dieser Zeit sollte nicht geduscht und eine dunkle Unterwäsche getragen werden, da die mit Filzstift markierten Testfelder abfärben können.

Epikutantest am Rücken

Abb. 2: Epikutantest am Rücken

Mit speziellen Heftpflastern werden mögliche Substanzen in einem Rastersystem auf die Haut gebracht. Nach 2 bis 4 Tagen ist sichtbar, auf welche Substanz die Haut allergisch reagiert.

Medikamentenallergien

Beim Abklären einer Medikamentenallergie oder eines arzneimittelbedingten Exanthems (Hautausschlag) ist die Krankengeschichte das wichtigste Element. Wissenswert ist:

Welche Reaktion (genaue Beschreibung)

  • trat wann auf,
  • dauerte wie lange,
  • heilte wann ab?

Welche Medikamente wurden

  • von wann bis wann eingenommen,
  • wann abgesetzt?

Welche Medikamente wurden seither wieder eingenommen?

Mit den Angaben des Patienten, der Patientin oder mit ärztlichen Angaben im Überweisungsschreiben lässt sich abschätzen, ob eine Allergie, eine Intoleranzreaktion oder eine Nebenwirkung vorliegen könnte. Gleichzeitig lässt sich mit der Art der Reaktion beurteilen, welche Testung durchgeführt werden soll.

Bei Narkosezwischenfällen ist eine Kopie des Anästhesieprotokolls hilfreich. Bei Reaktionen auf Lokalanästhetika, etwa bei zahnärztlichen Behandlungen, ist von Interesse:

  • Welches lokale Betäubungsmittel verabreicht wurde,
  • welche Behandlung durchgeführt wurde,
  • ob weitere Medikamente eingesetzt wurden.

Viele Reaktionen auf Schmerzmittel oder lokale Betäubungsmittel sind sogenannte Intoleranzreaktionen: Die Symptome unterscheiden sich nicht von einer allergischen Reaktion, sind jedoch durch einen anderen Mechanismus verursacht und können oft nicht im Hauttest untersucht werden.

In diesem Fall bleibt nur die Möglichkeit eines Provokationstests, d. h. die Einnahme des Medikamentes unter ärztlicher Überwachung. Ob ein solcher Provokationstest durchgeführt werden soll, muss individuell – je nach Art des Medikaments, Reaktion und Verfügbarkeit von Ausweichmedikamenten – abgeschätzt werden.

Das Abklären von Medikamentenallergien ist oft sehr aufwendig, sollte aber trotzdem immer versucht werden: Auch wenn die Testungen nicht immer ein klares Ja-Nein-Resultat ergeben, lässt sich das Risiko doch genauer eingrenzen.

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