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Krisenbegleitung am Stadtspital Triemli – einfach da sein

Veröffentlicht am Freitag, 19. Mai 2017 um 15.00 Uhr
Von Stadtspital Triemli
Krisenbegleitung am Triemli
Die Kribe entlastet Betroffene und Angehörige in schweren Stunden

Nachts, wenn es still wird im Spital, wachsen die Ängste und Sorgen schwer kranker Menschen oft ins Unendliche. Dann jemanden von der «KriBe» (Krisenbegleitung) an seiner Seite zu wissen, bringt Trost und nicht selten den ersehnten Schlaf. – Lesen Sie den Erfahrungsbericht einer Mitarbeitenden der «Freiwilligen Krisenbegleitung» am Stadtspital Triemli in Zürich.

«Choschted Si öppis?», begrüsste mich der 87-jährige Patient bei meinem ersten Einsatz als freiwillige Krisenbegleiterin am Stadtspital Triemli. Auf mein beruhigendes «Nein» meint er: «Dänn chönd Si grad mini Memoire schriibe». Ein kurzer Satz, das Eis war gebrochen. Verflogen war auch das Kribbeln im Bauch, das mich trotz Einführungskurs und einer «Gotte» im Hintergrund befallen hatte.

Kribe, seit über 20 Jahren am Stadtspital Triemli

Die Idee der Begleitung in der Nacht durch freiwillige Mitarbeitende brachte ein Chefarzt vor mehr als 20 Jahren von einer Kanadareise mit ans Stadtspital Triemli. «Die Einsätze der rund 50 Freiwilligen sind heute genauso notwendig wie damals», erklärt Thomas Grossenbacher, Seelsorger und Leiter der KriBe am Triemli.

Ein Spitalaufenthalt bringt viele Menschen an ihre Grenzen. Trotz aufmerksamer Betreuung durch Pflege und Ärzteschaft fühlen sich Patientinnen und Patienten im Spital oft sehr allein. Insbesondere in der Nacht. Sorgen um die Gesundheit und die Angehörigen rauben ihnen den Schlaf und lassen Ängste nicht selten ins Unendliche wachsen. Durch ihr Dasein und ihr Dableiben geben ihnen die rund 50 KriBe-Mitarbeitenden menschliche Präsenz. Ein- bis zweimal monatlich begleiten sie kranke oder unruhige Menschen durch die Nacht und geben an Demenz erkrankten Menschen Sicherheit in der ungewohnten Umgebung.

Krisenbegleitung am Triemli
Geborgenheit und Erleichterung durch die Krisenbegleitung

Grosse Wertschätzung und Dankbarkeit

Nach zwei Jahren Kribe hat das Kribbeln im Bauch dem Respekt vor den Menschen und den Schicksalen, die ich am Krankenbett antreffe, Platz gemacht. Trotz Schwerem, mit dem wir freiwilligen Mitarbeitenden konfrontiert werden, erleben wir sehr viel Schönes: gute Gespräche, Wertschätzung und eine oft grosse Dankbarkeit. Mit dabei ist auch das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun und so ein kleines Stück des Positiven zurückzugeben, das wir im Leben erfahren. Gewachsen ist in dieser Zeit auch die Bewunderung für die Pflegefachpersonen, die mit immer gleicher Ruhe, Geduld und viel Respekt für die Patientinnen und Patienten da sind.

Übrigens bin ich in meiner ersten Nacht nicht zum Schreiben der Memoiren gekommen. Mitten im Gespräch ist der Patient eingeschlafen. Ein schönes Gefühl, das nur noch von einem gemeinsamen Lachen übertroffen werden kann.

Text: Lena Tobler, Mitarbeitende der Freiwilligen Krisenbegleitung


Informationen zur Freiwilligen Krisenbegleitung finden Sie unter www.triemli.ch/kribe.

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