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Seelsorge im Spital: Weihnachten kann jeden Tag sein

Veröffentlicht am Dienstag, 19. Dezember 2017 um 08.16 Uhr
Von Stadtspital Triemli
Festsaal im Stadtspital Triemli
Festsaal im Stadtspital Triemli

Sie geschehen tatsächlich: die Wunder im Spital. Zum Beispiel dann, wenn die Spitalseelsorgenden zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind – im Bewusstsein, dass dies nicht immer der Fall sein kann. Wenn ältere Menschen erfüllt von ihrer Lebens- und Liebesgeschichte erzählen. Oder wenn speziell traurige Situationen letztlich zu einer grossen Freude werden. – Weshalb die Spitalseelsorge für die Menschen am Triemli unverzichtbar ist, haben wir von den Leitern der Katholischen und der Reformierten Seelsorge erfahren.

Am Stadtspital Triemli leisten speziell ausgebildete Spitalseelsorgende Patientinnen und Patienten, Angehörigen und Mitarbeitenden seelsorgerischen Beistand. Ermöglicht wird dies durch die Partnerschaft mit den beiden Landeskirchen. Vier katholische und drei reformierte Seelsorgende sowie ein Sekretariat bilden zusammen die Triemli-Seelsorge. Von Montag bis Freitag, 7.30 bis 17.30 Uhr, ist von beiden Konfessionen je mindestens ein Seelsorgender bzw. eine Seelsorgende vor Ort. Pikett-Dienste gewährleisten, dass die vom Spitalbetrieb finanziell und organisatorisch unabhängige Seelsorge jeden Tag rund um die Uhr für die Menschen am Triemli da ist.

Vernetzungsarbeit über seelsorgerische Pikettdienste

  • Die Reformierte wie auch die Katholische Spitalseelsorge am Stadtspital Triemli ist durch Pikettdienste mit Partnerinstitutionen in Zürich verbunden: den Seelsorgenden des Stadtspitals Waid, der städtischen Pflegezentren, aber auch anderer Spitäler im Raum Zürich.
  • Für beide Konfessionen gilt: Haben Patientinnen oder Patienten eine besonders enge Bindung zu einer bestimmten Pfarrei respektive Kirchgemeinde, wird diese kontaktiert. Umgekehrt unterstützt die Triemli-Seelsorge auch die Seelsorgenden anderer Spitäler und Gemeinden. Auf katholischer Seite spielt zudem die Migrantenseelsorge eine wichtige Rolle, damit Patientinnen und Patienten Besuch ihrer Landsfrauen oder -männer erhalten können.

Weihnachten im Juli: Das Leuchten in den Augen

Ereilt jemanden ein schweres Schicksal ausgerechnet an Weihnachten, ist die Betroffenheit besonders gross, aufgeladen mit enttäuschten Erwartungen. Gerade randständige Menschen benötigen in der Weihnachtszeit oftmals eine spezielle Versorgung. – Im Vergleich zum Gesamtjahr ist die Beanspruchung der Seelsorge, entgegen der gängigen Annahme, zur Adventszeit jedoch nicht signifikant höher.

Weihnachtsbaum im Wartezimmer

Im Spital kann eigentlich immer «Weihnachten» sein: manchmal im Juli, wenn keine Christbaumkugeln hängen, aber die Augen der Menschen leuchten. Zum Beispiel, weil das Gebet des Seelsorgers «Führe mich zu den Leuten, die mich wirklich brauchen», erhört wird. Oder wenn es der Seelsorgerin, dem Seelsorger gelingt, durch ihre bzw. seine Anwesenheit einen Menschen in einer Krisensituation zu beruhigen und aufzufangen.

«An Ihrer Seite» – im Auftrag der Patientinnen und Patienten

Als «Anwälte» der Patientinnen und Patienten haben die Spitalseelsorgenden das volle Vertrauen des Stadtspitals. Zusammen mit der Pflege unterstützen sie die Patientinnen und Patienten gemeinsam als Partner: Dies nicht nur – aber auch – in Situationen, in denen es um Leben und Tod geht. Mit den Pflegefachleuten über das Erlebte zu sprechen, gehört ebenfalls zu ihrer Aufgabe.

Die Spitalseelsorgenden stellen Nähe zwischen den medizinischen Expertinnen und Experten, den Angehörigen, den Patientinnen und Patienten her. Sie sind Vermittler und Verstärker im Guten, aber auch, wenn etwas nicht im Lot ist. Lob und Dankbarkeit von Patientinnen und Patienten geben sie an die Pflegefachleute weiter. Sie sprechen Schwierigkeiten an, haken wenn nötig nach und vertreten Anliegen.

Gelebte Ökumene

Jeden Sonntag und an hohen kirchlichen Feiertagen sind Patientinnen, Patienten und ihre Angehörigen zum christlichen Gottesdienst im Triemli-Festsaal eingeladen, abwechslungsweise geleitet von einem Mitglied der beiden Seelsorgeteams. Dies gilt auch für den Oster- und Weihnachtsgottesdienst. Am Tag der Kranken und am eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag steht je ein Teammitglied der beiden Konfessionen der Feier vor. Gemeinsame Aufgabe der beiden Seelsorge-Teams ist auch die Personalweihnachtsfeier im Dezember.

Bei Bedarf werden Patientinnen und Patienten zum Gottesdienst begleitet: Freiwillige Begleitpersonen holen sie im Patientenzimmer ab, verbringen den Gottesdienst mit ihnen und sind für sie einfach als Menschen da. Einige davon seit über 40 Jahren, darunter auch ein 90-Jähriger.

Auch in der Seelsorge hält die Digitalisierung Einzug: Seit Mitte Dezember können sich Patientinnen und Patienten direkt über das Patienten-Universal-Terminal (PUT), dem Multimedia-Center am Patientenbett, für den Gottesdienst und Abholservice anmelden.

Begleitung in Krisen, Gedenkfeier für Verstorbene

Ebenfalls im Dienst der Patientinnen und Patienten stehen die Freiwilligen der Krisenbegleitung (Kribe). Sie sind für Schwerkranke da, stehen ihnen während der Nacht bei. Die Seelsorgenden sind gemeinsam mit dem Spitalpersonal Ansprechpartner. Intervisionen ermöglichen den Kribe-Freiwilligen das Verarbeiten ihrer oftmals erlebnisintensiven Nachteinsätze.

Im November finden sich jeweils bis zu 300 Personen zur Gedenkfeier für Verstorbene im Festsaal zusammen. Sie nehmen Abschied von ihren im Stadtspital Triemli verstorbenen Nächsten. Durch das Ritual erhalten sie die Möglichkeit, in ihrer Trauer einen Schritt weiter zu gehen.

Raum für Einkehr und Stille

Die Zusammenarbeit des Spitals mit den Landeskirchen wird auch ersichtlich im Projekt Raum der Stille. Als überkonfessioneller Ort bietet er allen Menschen die Möglichkeit zu Meditation, Reflektion, Gebet und Besinnung.

Spiritualität und Medizin

Spitalseelsorgende werden nach ihrer klassischen Ausbildung – Theologiestudium mit praxisbezogenen Fächern – in Zusatzausbildungen, dem CPT Clinical Pastoral Training, auf ihre Aufgaben im Spital vorbereitet. Palliative Care gehört heute selbstverständlich dazu. Bei der täglichen Arbeit im Krankenhaus lernen die Seelsorgenden bei medizinischen Themen laufend dazu. Ihre Fragen zu Krankheitsbildern wie Demenz, Delir (Verwirrtheit), Gebrechlichkeit oder Multimorbidität beantworten die spitalinternen Fachpersonen direkt vor Ort.
 

Martin Rotzler, Leiter Katholische Seelsorge
Martin Rotzler, Leiter Katholische Seelsorge

«Energie tanke ich mit der Familie. Ich nehme bewusst Abstand. Das hat viel mit Professionalität zu tun. Wenn ich merke, dass mich ein Erlebnis zu sehr beschäftigt, kann ich Supervision beanspruchen. Das Pendeln mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nehme ich am Morgen zum Anlauf in den Tag und am Abend, um wieder Distanz zu gewinnen.»

 

Thomas Grossenbacher, Leiter Reformierte Seelsorge
Thomas Grossenbacher, Leiter Reformierte Seelsorge

«Meine private Erholung und Seelenhygiene pflege ich gezielt. Als 'bekennender' Automobilist höre ich im Auto mit Hingabe klassische Musik. Das Erlebte hat schon Resonanz in mir, bei aller Professionalität. Wir leben eine aufsuchende Seelsorge.»

Im Spital werden Seelsorgende nicht nur mit Krankheit, Tod und Sterben konfrontiert. Sie begegnen auch «vielen Menschen mit goldigem Humor, trotz Extremsituationen», sagt Martin Rotzler, Leiter der Katholischen Seelsorge. «Wir lachen viel, werden auch aufgebaut.» Und Pfarrer Thomas Grossenbacher sekundiert: «Manchmal sind Freude und Trauer ganz nah beieinander. Es gibt klar eine Häufung von sehr traurigen, tragischen Situationen. Aber nicht nur daraus besteht der Alltag. Wir erleben viel Frohes und Heiteres, hören wunderbare Lebensgeschichten. Das ist ein wichtiger Teil unserer Arbeit.»

Martin Rotzler: «Ob glücklich oder traurig, wir sind diejenigen, die den Menschen die Möglichkeit geben, über ihr Leben zu sprechen. Darüber, was gelungen und was weniger gelungen ist. Auch wenn es schlimm ist, blüht oftmals etwas auf. Ich habe noch an keinem anderen Ort so viele Liebesgeschichten gehört wie hier im Spital. Auch von älteren Menschen, die immer noch erfüllt sind von ihrer Partnerschaft.»

  

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