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Die Expertin Intensivpflege: Einsatz ganz nah am Menschen

Ich bin Stephanie Bürgi. Schon mit neun Jahren wusste ich, dass ich Krankenschwester werden will. 20 Jahre später bin ich in der Weiterbildung zur Pflegeexpertin auf der Intensivstation und noch lange nicht an meinem Ziel.

Stephanie Bürgi, Dipl. Pflegefachfrau WB IPS, Intensivpflegestation im Stadtspital Waid

In meinem Leben gibt es ein paar Dinge, die mich geprägt haben. Zum Beispiel Internationalität. Als Tochter einer amerikanischen Mutter und eines Schweizer Vaters verbrachte ich meine Kindheit und Jugend in den USA, in der Türkei, in Deutschland und in der Schweiz. Das war nicht nur «multi-kulti», sondern auch recht aufregend. Bisweilen haben wir nahe an Armenvierteln gelebt und Menschen in Not zum Beispiel bei uns duschen lassen. Da ist meine Haltung entstanden, einen Menschen nach seinen inneren Werten und nicht nach seinem Status zu bewerten.

Meine Mutter war damals öfter als Patientin im Spital und in mir wuchs der Wunsch, dass ich Menschen beistehen und ihnen in schwierigen Situationen helfen will. Das hat mich bis heute nicht losgelassen.

Nach der dreijährigen Ausbildung zur Pflegefachfrau HF (Höhere Fachschule) hat mich eine Schulkollegin gedrängt, auf der Intensivstation zu schnuppern. Sie war überzeugt, dass mir diese spezielle Situation gefalle. Ich habe mich lange gewehrt, bevor ich endlich zusagte. Doch dann spürte ich sofort, dass dieser Ort genau richtig ist für mich. Die Intensivstation – wir sagen nur IPS – ist eine eigene kleine Welt. Im Team von Ärztinnen und Ärzten und Pflegenden, über alle Hierarchiestufen hinweg, sind wir extrem gut aufeinander eingespielt. Die Abteilung funktioniert in den oft schwierigen Situationen nur, wenn alle offen kommunizieren und sich absolut aufeinander verlassen können. Die Atmosphäre in unserem Team ist sehr persönlich, das gefällt mir. Es ist wohl auch das Verdienst unseres Chefs: Der Leitende Arzt Dr. Christian Giambarba führt die Abteilung mit menschlicher und fachlicher Kompetenz gleichermassen. Für mich in Weiterbildung ist das sehr wertvoll, erhalte ich doch ab und zu eine kleine, hilfreiche Zusatzlektion, zum Beispiel über die genaue Funktionsweise eines Medikaments. Ausserdem geniessen wir Studierenden einen gewissen Vorrang bei der Zuteilung von besonders interessanten Fällen – natürlich immer mit der nötigen Hilfe durch erfahrene Fachpersonen.

Innerhalb des Spitals gelten die IPS-ler manchmal als eher streng und verschlossen. Das ist wohl einfach unserer sehr konzentrierten Arbeitsweise zuzuschreiben. Denn wir sind genauso freundlich und fröhlich wie andere Mitarbeitende. Unter unserer bisweilen harten Schale steckt ganz bestimmt ein weicher Kern.

Im Zentrum stehen bei uns immer die Patientinnen und Patienten. Den Menschen, die zu uns gebracht werden, geht es wirklich nicht gut. Viele kommen vom Notfall oder mit schweren und schwersten Erkrankungen. Da ist viel Dramatik im Spiel, und ja, es geht manchmal auch um Leben und Tod. Im Unterschied zu einer «normalen» Station im Spital gibt es auf der IPS eine noch engere Betreuung. In besonders kritischen Situationen kümmert sich eine Pflegefachperson sogar eins zu eins um eine Patientin oder einen Patienten. Die Bezeichnung «Intensivstation» ist also gerade punkto Pflege richtig gewählt.

Ich lerne die Menschen ganzheitlich kennen uns weiss nicht nur sehr viel über ihren aktuellen Gesundheitszustand, sondern auch über ihre soziale Situation und ihren Umgang mit der schwierigen Lebensphase im Spital. Es entsteht manchmal in kürzester Zeit ein enges Verhältnis und wir Pflegenden sind froh, wenn es den Patientinnen und Patienten gelingt, uns ihr Vertrauen zu schenken. Ein Patient hat mir anvertraut, er hätte meine Gegenwart auch im Koma gespürt und sich deshalb geborgen gefühlt. Solche berührenden Erlebnisse sind nicht einfach Episoden, das geht schon unter die Haut. Dazu gehört leider auch, dass wir ein Leben nicht in jedem Fall retten können. Wenn es dazu kommt, dass wir einen Menschen verlieren, ist das gemeinsame Verarbeiten im Team extrem wichtig. In solch traurigen Momenten zeigt sich, dass wir miteinander harmonieren und uns gegenseitig tragen. Das Abschalten gelingt mir zum Glück auch an weniger guten Tagen. Beim Sport oder auf einem Spaziergang mit meinem Hund kann ich das Erlebte meist gut verarbeiten.

Während man als Pflegefachperson allgemein ein breites Wissen braucht, ist in der Intensivstation vertieftes Wissen entscheidend. Wenn es «brennt», können wir nicht warten, bis ein Arzt oder eine Ärztin kommt – wir müssen manchmal handeln wie die Feuerwehr: schnell und professionell. Besonders hilfreich ist für uns, ein feines Sensorium zu haben. Wir begleiten die Patientinnen und Patienten so nah, dass wir manchmal schon vor den vielen Geräten in unserer Umgebung spüren, wenn sich der Zustand verändert. Überhaupt lernte ich auf der IPS, mich über kleine Erfolgserlebnisse zu freuen. Wenn zum Beispiel ein Organ wieder besser funktioniert, mag das keine riesige Sache sein, aber es ist ein Erfolg und vielleicht der Anfang einer weiteren Verbesserung. Und wenn wir schliesslich eine Patientin oder einen Patienten nach dem Aufenthalt bei uns an die Bettenstation überweisen können, geht es auch unserem Team besser.

In ein paar Monaten schliesse ich meine Weiterbildung zur Dipl. Expertin Intensivpflege ab. Bei der Arbeit auf unserer Station habe ich gemerkt, dass die Intensivpflege exakt «mein Ding» ist. Das passt zu meinem innigsten Berufswunsch, als Flight Nurse bei der Rega an Bord zu helfen.

Steckbrief

NameStephanie Bürgi 

Alter

30 Jahre

 

Stellenantritt  im Stadtspital  Waid

seit 2015

 

Einsatzgebiet im Stadtspital Waid

Intensivpflegestation (IPS)
 

In 20 Jahren

… habe ich eine eigene Familie und bin als Flight Nurse bei der Rega (oder an einer anderen Ecke der Welt) im Einsatz.

 

Hobbys

Sport, Fitness, Hund, Familie und Freunde (nicht zwingend in dieser Reihenfolge).

 

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