Gewalt gegen Frauen und Mädchen sowie gegen queere Personen ist kein Einzelfall. Sie beginnt dort, wo Kontrolle, Abwertung und Einschüchterung als «männlich» gelten. Die Kampagne «Gewalt macht dich nicht zum Mann. Zuhören schon.» macht diesen Zusammenhang sichtbar. Sie lädt dazu ein, gängige Vorstellungen von Männlichkeit zu hinterfragen und Verantwortung zu übernehmen.
Auf dieser Webseite finden Sie:
- Informationen zu verschiedenen Formen von Gewalt
- Beratungs- und Unterstützungsangebote in Zürich
- Möglichkeiten, selbst Haltung zu zeigen und ein sichtbares Zeichen gegen Gewalt zu setzen
Gewalt beginnt nicht erst mit körperlichen Übergriffen. Sie beginnt dort, wo Kontrolle, Abwertung und Einschüchterung normalisiert werden – und als «männlich» gelten. Genau hier setzt die Kampagne «Gewalt macht dich nicht zum Mann. Zuhören schon.» an. Sie sensibilisiert für Ursachen und Formen von Gewalt und stärkt gewaltfreie Formen von Männlichkeit.
Respekt, Mitgefühl, Zuhören und Fürsorge bilden die Grundlage eines gewaltfreien Zusammenlebens. Die Kampagne lädt dazu ein, eigene Haltungen und Verhaltensweisen zu reflektieren und sich klar gegen Gewalt zu positionieren.
Mit dieser Initiative setzt die Stadt Zürich die Istanbul-Konvention des Europarats um. Diese verpflichtet staatliche Stellen, Angebote zur Prävention, zum Schutz vor und zur Bekämpfung von Gewalt konsequent umzusetzen.
Bei der Lancierungsaktion der Kampagne haben sich viele Zürcher*innen fotografieren lassen und Haltung gegen Gewalt gezeigt. Jedes einzelne Bild macht sichtbar, dass Gewalt keinen Platz hat, und stärkt gewaltfreie Formen von Männlichkeit. Die Bilder sind in der Galerie zu sehen.
Weitere Beteiligungsmöglichkeiten:
- Eigenes Bild erstellen: Eine Vorlage herunterladen und mit einem Bildbearbeitungsprogramm, wie z. B. Photoshop, GIMP oder Canva, gestalten.
- Kampagnensujets bestellen: Die zehn Sujets der Kampagne können bei der Fachstelle für Gleichstellung im Format A3 bestellt werden – zum Aufhängen am Arbeitsplatz, in der Lieblingsbeiz oder an anderen gut sichtbaren Orten.
- Auf Instagram mitmachen: Dem Instagram-Kanal der Stadt Zürich folgen und sich über die Story-Funktion «Du bist dran» aktiv an der Kampagne «Gewalt macht dich nicht zum Mann» beteiligen, indem Inhalte geteilt und weitere Personen zum Mitmachen eingeladen werden.
Ein eigenes Bild zu gestalten und Teil der Kampage zu werden ist ganz einfach:
Vorlage auswählen und herunterladen
Aus der Sammlung eine Vorlage auswählen und auf den Computer oder das Gerät herunterladen.
Eigenes Bild einfügen
Die Vorlage in einem Bildbearbeitungsprogramm, wie Photoshop, GIMP oder Canva, öffnen und ein eigenes Foto einfügen.
Bild teilen
Das Bild kann auf Social Media veröffentlicht oder per E-Mail an gleichstellung@zuerich.ch gesendet werden, damit es in die Galerie aufgenommen wird.
So entsteht ein immer grösseres kollektives Zeichen für Respekt, Mitgefühl, Gewaltfreiheit und Gleichstellung.
Gewalt ist jedes Verhalten, das eine Person körperlich oder seelisch verletzt, bedroht, einschüchtert oder kontrolliert. Gewalt kann sichtbar oder unsichtbar sein. Sie dient oft dazu, Macht auszuüben oder Kontrolle über eine andere Person zu gewinnen. Gewalt kann überall stattfinden – zu Hause, in Beziehungen, am Arbeitsplatz, in der Öffentlichkeit oder online.
Geschlechtsbezogene Gewalt bezeichnet jede Form von Gewalt, die sich gegen eine Person aufgrund ihres Geschlechts, ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer Geschlechtsidentität richtet. Von geschlechtsbezogener Gewalt spricht man auch, wenn Personen eines bestimmten Geschlechts besonders stark von Gewalt betroffen sind.
Diese Gewalt kann verschiedene Formen annehmen, zum Beispiel körperliche, sexualisierte oder sexuelle, psychische oder ökonomische Gewalt.
Geschlechtsbezogene Gewalt steht immer im Zusammenhang mit ungleichen Machtverhältnissen. Am häufigsten sind Frauen betroffen, aber grundsätzlich kann jede Person davon betroffen sein. Sie kann überall stattfinden – etwa zu Hause, in der Schule, am Arbeitsplatz oder im öffentlichen Raum.
Häusliche Gewalt ist eine Form von geschlechtsbezogener Gewalt. Viele Menschen erleben Gewalt innerhalb der Familie oder in einer (Ex-)Partnerschaft. Dies wird als häusliche Gewalt bezeichnet.
Gemeint sind körperliche, psychische, sexuelle oder ökonomische Übergriffe zwischen nahestehenden Personen. Häusliche Gewalt dient häufig dazu, Macht und Kontrolle auszuüben.
Sexualisierte Gewalt ist eine Form geschlechtsbezogener Gewalt. Sie umfasst alle Handlungen mit sexuellem Bezug, die ohne die Einwilligung der betroffenen Person stattfinden. Es geht um Macht und Kontrolle. Sexualisierte Gewalt kann viele Formen annehmen: von unerwünschten oder abwertenden Bemerkungen über aufgedrängte oder erzwungene Handlungen bis hin zu Vergewaltigung.
Psychische Gewalt ist im Gegensatz zu körperlicher Gewalt oft nicht sichtbar.
Sie umfasst Verhaltensweisen und Strategien, die darauf abzielen, eine Person zu schwächen, zu verunsichern oder abhängig zu machen. Dazu gehören wiederholte Abwertungen durch Kritik oder Beleidigungen, Drohungen, bewusstes Schweigen als Druckmittel, soziale Isolation, extreme Eifersucht oder sogenanntes Gaslighting.
Gaslighting bedeutet, dass eine Person einer anderen Person wiederholt einredet, ihre Wahrnehmung oder Erinnerung sei falsch, zum Beispiel indem Gesagtes oder Geschehenes abgestritten wird. Dadurch beginnt die betroffene Person, an sich selbst zu zweifeln und wird verunsichert.
Von ökonomischer Gewalt spricht man, wenn finanzielle Abhängigkeit genutzt wird, um Personen – meist Frauen – zu kontrollieren. Betroffenen wird beispielsweise der Zugang zu Geld oder Erwerbsarbeit verweigert, eingeschränkt oder überwacht. Die ausübende Person kann die Entscheidungsfreiheit in finanziellen Angelegenheiten entziehen oder den Zugang zu gemeinsamen Ressourcen verhindern. Dazu gehört auch, eine Arbeitsaufnahme zu verbieten oder eine bestehende Tätigkeit gezielt zu sabotieren, etwa durch ständige Störungen am Arbeitsplatz.
Gewalt kann viele Formen annehmen und beschränkt sich nicht auf körperliche Übergriffe. Digitale Gewalt – auch Cybergewalt genannt – umfasst das Verschicken unerwünschter oder anstössiger sexueller Inhalte per E-Mail oder über soziale Netzwerke. Auch Hassrede, Beleidigungen oder Belästigungen können online stattfinden. Dazu gehören zudem sogenannte Deepfakes: KI-generierte, täuschend echte Medieninhalte, mit denen Personen ohne Einwilligung in schädliche oder erniedrigende Situationen hineinversetzt werden – etwa durch falsche Nacktaufnahmen.
In Zürich gibt es verschiedene Beratungs- und Unterstützungsangebote für gewaltbetroffene Personen, Angehörige sowie für Personen, die selbst Gewalt ausüben und ihr Verhalten verändern möchten. Die Beratungen sind vertraulich und in der Regel kostenlos.
Polizeinotruf 117
Wenn Sie sich bedroht fühlen oder in akuter Gefahr sind, rufen Sie die Polizei unter der Notrufnummer 117 an.
Anzeige bei sexualisierter Gewalt
Anzeigen sind rund um die Uhr möglich bei der Stadtpolizei Zürich:
Kriminalabteilung, Förrlibuckstrasse 120, 8005 Zürich
Unterstützung im persönlichen Umfeld
Es kann hilfreich sein, mit einer Vertrauensperson über das Erlebte zu sprechen. Eine nahestehende Person kann Sie unterstützen und bei Bedarf Hilfe organisieren.
Meldetool «Zürich schaut hin»
Mit dem Meldetool «Zürich schaut hin» können Sie sexistische, queerfeindliche oder grenzverletzende Vorfälle im öffentlichen Raum melden. Meldungen sind anonym möglich.
Polizeinotruf 117
Rufen Sie die Polizei unter der Notrufnummer 117 an.
So können Sie unterstützen
- Hören Sie der betroffenen Person zu und nehmen Sie ihre Situation ernst.
- Weisen Sie auf Beratungs- und Unterstützungsangebote hin.
- Bieten Sie Unterstützung bei der Kontaktaufnahme an.
Meldetool «Zürich schaut hin»
Mit dem Meldetool «Zürich schaut hin» können Sie sexistische, queerfeindliche oder grenzverletzende Vorfälle im öffentlichen Raum melden. Meldungen sind anonym möglich.
- Suchen Sie frühzeitig Unterstützung bei einer Fachstelle.
- Sprechen Sie mit einer Vertrauensperson.
- Ziehen Sie sich aus Konfliktsituationen zurück, wenn Sie merken, dass diese eskalieren.
- Entscheiden Sie sich gegen Gewalt.
1995 lancierte der Stadtrat in einer gemeinsamen Medienkonferenz die Kampagne «Männergewalt macht keine Männer». Die Kampagne rückte häusliche Gewalt als gesellschaftliches und politisches Thema ins Zentrum – weg vom privaten Tabu. Die Kampagne war ein Pionierinnenprojekt. Mit eindrücklichen Plakaten, provokanten Botschaften und breiter politischer Unterstützung wurde Gewalt in Partnerschaften sichtbar gemacht und aktiv bekämpft. Die Kampagne führte zu konkreten Massnahmen wie der Gründung einer Beratungsstelle, polizeilichen Schulungen und ersten Gewaltschutzstrukturen in Zürich.
Die heutige Kampagne knüpft daran an. Sie greift zentrale Erkenntnisse von damals auf und übersetzt sie in eine zeitgemässe Präventionsbotschaft: Gewalt ist keine Frage von Männlichkeit, sondern eine Entscheidung.
Häusliche Gewalt ist auch in Zürich Realität. Im Kanton Zürich rückt die Polizei durchschnittlich 21-mal pro Tag wegen Gewalt oder schwerer Konflikte in Partnerschaft, Familie oder Verwandtschaft aus. In der Stadt Zürich wird die Stadtpolizei im Durchschnitt sechsmal täglich wegen häuslicher Gewalt gerufen. Diese Einsätze zeigen: Gewalt findet häufig im privaten Umfeld statt – dort, wo Menschen eigentlich Schutz und Sicherheit erwarten.
Häusliche Gewalt kann tödlich enden. In der Schweiz stirbt etwa alle zwei Wochen eine Person infolge häuslicher Gewalt, insgesamt rund 25 Menschen pro Jahr. Rund 75 Prozent der Opfer sind Frauen und Mädchen. Von einem Femizid spricht man, wenn eine Frau oder ein Mädchen aufgrund ihres Geschlechts getötet wird, häufig durch einen (Ex-)Partner oder einen anderen nahestehenden Mann.
Geschlechtsbezogene Gewalt hat viele Formen, und ein grosser Teil bleibt unsichtbar, weil er nicht gemeldet wird.
In der Stadt Zürich können Betroffene und beobachtende Personen seit 2021 Vorfälle im Meldetool «Zürich schaut hin» erfassen. Dazu gehören Sexismus sowie Homo- und Transfeindlichkeit im öffentlichen Raum. Im Durchschnitt gehen rund eineinhalb Meldungen pro Tag ein. Am häufigsten gemeldet werden geschlechtsspezifische Belästigungen. Diese Meldungen zeigen, dass Gewalt nicht nur körperlich ist. Auch Belästigungen, abwertende Bemerkungen oder unerwünschte Kommentare – zum Beispiel Catcalling – sind Formen von geschlechtsbezogener Gewalt.
Gleichzeitig ist ein Anstieg von Hate Crimes gegenüber LGBTI-Personen zu beobachten. Zahlen der LGBTIQ-Helpline zeigen, dass rund die Hälfte der eingehenden Meldungen von trans Personen stammt. Ein neuer nationaler Aktionsplan will Hate Crimes gegenüber LGBTI-Personen gezielt reduzieren.