Der geplante Neubau des Recyclingzentrums Juch-Areal von Entsorgung + Recycling Zürich (ERZ) in Zürich-Altstetten steht im Zeichen der Strategie «Circular Zürich» zur Kreislaufwirtschaft und soll ein Sinnbild der Wiederverwendung von (Bau-)Materialien sein. Das Amt für Hochbauten Stadt Zürich will beim Pionierprojekt Recyclingzentrum Juch-Areal gemeinsam mit Entsorgung + Recycling Zürich und dem Planungsteam das Potenzial des zirkulären Bauens mit Re-Use-Bauteilen zur Reduktion der Treibhausgasemissionen bei öffentlichen Bauten maximal ausloten.
- Bauherrschaft Stadt Zürich
- Eigentümervertretung Entsorgung + Recycling Zürich (ERZ)
- Bauherrenvertretung Amt für Hochbauten
- Generalplanung und Architektur Graber Pulver Architekt:innen AG, Zürich
- Baumanagement Perita AG, Basel
- Bauingenieurwesen Weber + Brönnimann AG, Bern
- Fachplanung Kreislaufbauen Zirkular GmbH, Basel
- Auswahlverfahren Architekturwettbewerb im selektiven Verfahren nach SIA 142 mit 10 Teams (einstufig, anonym), März 2023
- Politischer Prozess Vorlage zum Ausführungskredit von Stadt- und Gemeinderat angenommen. Volksabstimmung: Juni 2026
- Ausführungskredit CHF 33,1 Mio.
- Bauzeit 2026–2027
Vergleicht man die Treibhausgasbilanz der Erstellung des Recyclingzentrums Juch-Areal aus Re-Use-Bauteilen mit einem konventionellen Neubau aus neu produzierten Bauteilen lässt sich eine Einsparung von fast 600 Tonnen CO2 erzielen. Dies entspricht einer Reduktion von gut 40 Prozent. Vor allem wenn tragende Re-Use-Bauteile aus Beton oder Stahl zum Einsatz kommen, die in der Neuproduktion sehr energieintensiv sind, ist die Wiederverwendung von Bauteilen eine äusserst wirksame Massnahme zur Reduktion der indirekten Treibhausgasemissionen.
Das Planen und Bauen mit Re-Use-Bauteilen verlangt ein Umdenken bei der Bauherrschaft, bei Planenden und Unternehmen. Re-Use ist ein Gemeinschaftswerk und gelingt nur im Miteinander: Konventionelle Abläufe in Planung und Bau müssen hin zu einem iterativen Prozess angepasst, Unsicherheiten gemanagt und die rechtlichen Rahmenbedingungen geklärt werden.
Betrachtet man die frühen Planungsphasen, ist es wichtig, dass Re-Use bereits mitgedacht wird und ein entsprechendes Budget für die frühe Beschaffung von Schlüsselbauteilen vorliegt, wenn diese verfügbar sind. Ein wichtiger Meilenstein war die Ausschreibung des ersten öffentlichen Re-Use-Architekturwettbewerbs. Gemeinsam mit den Spezialist*innen für das kreislauforientierte Bauen von Zirkular wurden bereits vor dem Wettbewerbsstart Bauteile evaluiert, in einem digitalen Bauteilekatalog aufgelistet und den Teilnehmenden am Architekturwettbewerb zur Verfügung gestellt. Dies mit dem Ziel, das Projekt konsequent an der Verfügbarkeit real existierender Bauteile auszurichten.
Da der grösste Hebel zur Reduktion der Treibhausgasemissionen im Tragwerk liegt, wird auch die Stahlstruktur der ehemaligen städtischen Recyclinghalle Hagenholz beim Neubau wiederverwendet. Die einzelnen Hallenbauteile wurden beschriftet, sorgfältig demontiert und auf einem Areal von ERZ eingelagert, bis die Halle am neuen Standort wieder 1:1 aufgebaut werden kann. Im Verlauf der Planung konnten zudem gut erhaltene Pilzstützen aus Beton aus einem Abbruchgebäude gewonnen werden. Nebst Re-Use-Leitplanken an der Fassade sollen im Projekt auch Betonplatten aus dem Kerenzerbergtunnel wiederverwendet werden. Sämtliche Bauteile wurden durch Spezialisten auf ihre Eignung geprüft und die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Wiederverwendung geklärt.
Um den Materialkreislauf auch in Zukunft zu gewährleisten, wird der Bau so geplant, dass die Bauteile auch künftig wiederverwendet werden können (Design for Disassembly). Zudem sorgt der Einsatz eines digitalen Bauwerks-Informations-Modells (Building Information Modelling BIM) bei der Umsetzung des Bauvorhabens für ein durchgängiges digitales Daten- und Informationsmanagement, das effiziente Prozesse ermöglicht.
Beim Projekt von Graber Pulver Architekt:innen zeigt sich, dass das Bauen mit Re-Use-Bauteilen keine Einschränkung, sondern eine Bereicherung darstellt. Das neue Recyclingzentrum besteht aus einem überdachten Aussenbereich, bei dem die ehemalige Recyclinghalle Hagenholz 1:1 zum Einsatz kommt und wieder aufgebaut werden soll. Ergänzt wird der Bau durch ein dreigeschossiges, beheiztes Betriebsgebäude, das mit Re-Use-Betonpilzstützen als tragende Elemente ausgestattet ist. Unter dem Dach der Recyclinghalle befinden sich die Kundenparkplätze sowie die Grossmulden für das Recycling. Im Verlauf des Vorprojekts wurde ein zusätzliches Geschoss in der Halle ergänzt, um so einen effizienteren und sichereren Betriebsablauf zu ermöglichen. Die angrenzende Lagerhalle beherbergt einen Werkplatz, Lagerflächen und eine Recyclingstelle für Velofahrende und Fussgänger*innen.
Zum künftigen kreislauforientierten Betrieb im Recyclingzentrum Juch-Areal läuft bereits heute ein Pilotprojekt als Zwischennutzung auf dem Josef-Areal. Im Josy können gut erhaltene Alltagsgegenstände gratis weitergegeben oder mitgenommen werden. Statt Dinge wegzuwerfen oder neu zu beschaffen, wird dort gezeigt, wie Dinge mit reparieren, teilen oder weitergeben zur Schonung von Ressourcen und Klima länger nutzbar bleiben.
- Landschaftsarchitektur manoa Landschaftsarchitekten GmbH, Meilen
- Bauphysik + Energie EK Energiekonzepte AG, Zürich
- HLK-Planung Raumanzug, Zürich