«Kunst und Quartier» ist ein Format der Kunst im öffentlichen Raum (KiöR), das sich über einen Zeitraum von vier Jahren jeweils mit einem ausgewählten Zürcher Quartier beschäftigt. Jährlich wird eine künstlerische Position eingeladen, ein ortsspezifisches Projekt zu realisieren. In enger Auseinandersetzung mit den räumlichen, sozialen und ökologischen Strukturen des Quartiers entstehen Arbeiten, die urbane Transformationen beobachten, begleiten und kommentieren.
Von 2026 bis 2029 liegt der Fokus auf Altstetten – einem Quartier im Wandel, geprägt von Verdichtung, Infrastruktur, Alltagsleben und vielfältigen Gemeinschaften.
17. April – 5. Juli 2026
Verschiedene Standorte in Zürich-Altstetten
«Altstetten Alphabet» versammelt Pflanzen, Stimmen und Erzählungen wie Buchstaben eines Alphabets. 26 Fahnen mit Pflanzenmotiven verteilen sich im Quartier Altstetten auf Strassenlaternen im öffentlichen Raum und verbinden sich mit hörbaren Beiträgen zu einer poetischen Annäherung an das vielstimmige Quartier.
Im Zentrum stehen Pflanzen, die im Alltag von Altstetten präsent sind und für das Quartier eine ökologische oder kulturelle Bedeutung haben. Für die Auswahl der Pflanzen und die Erarbeitung von begleitenden Erzählungen arbeitete die Künstlerin Riikka Tauriainen mit Akteur*innen zusammen, die sich in künstlerischen, forschenden oder kollektiven Praxen mit Pflanzen beschäftigen und einen Bezug zu Altstetten haben.
Zu den Mitwirkenden gehören Personen aus dem Umfeld des ETH SAE Greenhouse, des Asian Future Collective und der F+F Schule für Kunst und Design. In ihren Beiträgen nähern sie sich, den Pflanzen aus unterschiedlichen Perspektiven. Die Inhalte reichen von Anbau und Nutzung über Koch- und Fermentationspraktiken bis hin zu persönlichen Erinnerungen und Reflexionen über ökologische Zusammenhänge und globale Verflechtungen – erzählt in unterschiedlichen Sprachen.
Diese Mehrsprachigkeit bestimmt die Struktur von «Altstetten Alphabet»: Jede Pflanze ist einem Buchstaben des lateinischen Alphabets zugeordnet. Für die Zuordnung werden aber nicht nur deutsche oder wissenschaftliche Namen verwendet, sondern auch Namen aus verschiedenen Sprachräumen. Die Arbeit bricht so mit gewohnten Ordnungen und öffnet das Alphabet für vielfältige Lesarten.
In diesem Nebeneinander werden Fragen von Veränderung und Zugehörigkeit verhandelbar. Pflanzen im Quartier zeigen sich als Teil eines Geflechts aus ökologischen, kulturellen und persönlichen Bezügen.
Fahnen prägen das Stadtbild und lenken die Wahrnehmung des öffentlichen Raums – sei es als Zeichen eines Festes oder als Hinweis auf ein besonderes Ereignis. Traditionell stehen sie für nationale, staatliche oder institutionelle Repräsentation und definieren Zugehörigkeit. Mit Pflanzenmotiven verschiebt die Künstlerin diese Bedeutungsebene und öffnet das Medium für eine poetische Auseinandersetzung mit Vielfalt und Zusammenleben im Quartier. Diese Verschiebung betrifft nicht nur das Bildmotiv, sondern auch die räumliche Setzung der Fahnen. Riikka Tauriainen befestigt sie nicht an den dafür vorgesehenen Masten, sondern an alltäglichen Strassenlaternen. Während Fahnen üblicherweise repräsentativ sichtbar platziert werden, sind Laternen meist unbeachtete Elemente der städtischen Infrastruktur. Als Träger der Fahnen rücken sie ins Blickfeld – und mit ihnen das Erleben des Stadtraums.
Altstetten erlebt eine Phase intensiver städtebaulicher Transformation. Neubauten, Verdichtung und neue Nutzungen führen zu Verschiebungen in der räumlichen und sozialen Struktur des Quartiers. Mit diesen Entwicklungen gehen Fragen nach Zugehörigkeit und Diversität einher. Auch die ökologische Vielfalt steht unter Druck: Flächenversiegelungen und die Fragmentierung von Lebensräumen wirken sich auf die Biodiversität und damit auf die Pflanzenvielfalt aus. In diesem Spannungsfeld zwischen baulichem Wandel, sozialer Veränderung und ökologischen Prozessen verortet sich das «Altstetten Alphabet».
Die Fahnen tauchen im Quartier nahezu organisch auf. Ihre Setzung ist jedoch bewusst gewählt: Wie ein unterirdisches Rhizom zieht sich das «Altstetten Alphabet» durch das Quartier und tritt an unterschiedlichen Orten in Erscheinung. Es sind Orte, die zentrale Aspekte Altstettens sichtbar machen. So entstehen Verbindungen, die auf den ersten Blick nicht ersichtlich sind.
- Werdinsel (Fischerweg, 8049 Zürich)
Die Werdinseln sind ein Naherholungsgebiet an der Limmat, wo Stadt und Natur unmittelbar aufeinandertreffen. Zwischen Fluss, Ufervegetation und Freizeitnutzung entstehen Übergänge, in denen unterschiedliche Lebensräume nebeneinander bestehen. - Grünauring & Tüffenwies (8064 Zürich)
Am Grünauring stehen neue Wohnüberbauungen neben älteren Wohnblöcken und Schrebergärten. Unterschiedliche Formen des Wohnens und der Raumnutzung verdichten sich hier auf engem Raum. - Busrampe Europabrücke (8048 Zürich)
Die Busrampe an der Europabrücke ist ein Ort kontinuierlicher Bewegung. Über den Bahnhof Altstetten pendeln an Werktagen bis zu 34'000 Personen. Ströme von Ankommenden und Weitereisenden prägen diesen Knotenpunkt des Quartiers. - Pfarrhausstrasse (8048 Zürich)
Zwischen Lindenplatz und Kirche liegt ein kleines Stück Wiese, das einen ruhigen Gegenpol zum geschäftigen Quartierzentrum bildet. Der Ort eröffnet eine andere Perspektive auf den öffentlichen Raum und lädt zum Verweilen ein. - Dachslernstrasse 6-48 (8048 Zürich)
An der Dachslernstrasse befinden sich Schulhaus, Hallenbad und Ortsmuseum. Als Bildungs- und Begegnungsort verbindet sie unterschiedliche Generationen und schafft Schnittstellen zwischen Quartier und Stadt. - Kreuzung Loorgartenstrasse / Salzweg u. Loorgartenstrasse / Am Suteracher (8048 Zürich)
Die Gemeinschaftszentren sind wichtige soziale Treffpunkte im Quartier. Der Salzweg führt weiter in den Wald am Fuss des Üetlibergs und am Grünhölzli vorbei, wo gemeinschaftliches Gärtnern sowie Engagement für Biodiversität und Landschaftsschutz stattfinden. Hier verbinden sich soziale Initiativen mit ökologischen Anliegen. - Flurstrasse 89 (8047 Zürich)
An der Flurstrasse liegt am Eingang des Quartiers die F+F Schule für Kunst und Design. Als Ausbildungs- und Produktionsort für Kunst und Gestaltung bildet sie einen Bezugspunkt für das Projekt. In unmittelbarer Nähe wachsen auf dem Koch-Areal zwei Pflanzen des «Altstetten Alphabets».
Riikka Tauriainen ist eine international tätige Künstlerin mit Wohn- und Arbeitsort in Altstetten. Ihre Praxis bewegt sich an der Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft. Seit 2023 ist sie Teil des EcoArtLabs, eine interdisziplinäre Plattform der Hochschulde der Künste Bern (HKB), das Kunst und Forschung mit Nachhaltigkeit verknüpft.
Donnerstag, 16. April 2026, 18-21 Uhr
Ort: Bistro ufem Chilehügel, Pfarrhausstrasse 21, 8048 Zürich
Mit anschliessendem Apéro
Kenza Benabderrazik, Hala Beydoun, Vanessa Bosch, Stanford Chen, Bassma El Adisey, Nika Kostiuk, Luz Belén Moreno, Thi My Lien Nguyen, Maxwell Awinikagise Nsoh, Eleonit Smajli, Thapong Srisai, Riikka Tauriainen, kira van eijsden für die Hörbeiträge
Greenhouse Reading Group, The Asian Future Collective, F+F Schule für Kunst und Design (Gökçe Ergör und Latefa Wiersch) für die Unterstützung
Kate Lim und Kay Zhang für den Ton für die Audioproduktion
Xenia Meier für die Produktionsassistenz
Chiara Zarotti für die grafische Aufarbeitung der Fahnen