Wussten Sie, dass Frauenfussball bereits vor über 100 Jahren riesige Stadien füllte? Anfang des 20. Jahrhunderts zog der Sport in England Zehntausende Fans an – doch 1921 stoppte der englische Fussballverband den Erfolg abrupt: Frauen durften nicht mehr auf offiziellen Plätzen spielen, angeblich sei Fussball «für Frauen ungeeignet». Vermutlich fürchtete man die wachsende Konkurrenz zum Männerfussball. Erst 50 Jahre später wurde das Verbot aufgehoben.
Auch in der Schweiz war der Weg lang: 1968 entstand mit dem Damen-Fussball-Club Zürich (DFCZ) der erste offizielle Verein – gespielt wurde jedoch schon lange vorher, meist abseits der Öffentlichkeit, auf Wiesen oder Schulhöfen.
Heute erlebt der Frauenfussball einen regelrechten Boom. Die Stadt Zürich war eine von acht Host Cities der Fussball-Europameisterschaft der Frauen und blickt auf einen unvergesslichen Fussballsommer zurück. Die Stimmung in den Stadien und auf den Fanmeilen war friedlich, fröhlich und inspirierend – ein Fest für alle.
Trotz des Aufschwungs und des Erfolgs bei der EURO 2025 sind noch nicht alle Hürden genommen. Mädchen- und Frauenteams kämpfen oft um Trainingszeiten, da bei der Platzvergabe Buben- und Männerteams bevorzugt werden. Auch die Löhne von Profispielerinnen liegen weit hinter denen ihrer männlichen Kollegen. Diese Herausforderungen und Chancen haben wir im Sommer 2025 aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet: Etwa im Rahmen eines BiblioTalks mit Dr. Karolin Heckemeyer zum Thema «Geschlechtergerechtigkeit und Sport». Oder zusammen mit Sporthistorikerin Marianne Meier und Geschlechterforscherin Monika Hofmann an einer Podiumsdiskussion zum Thema «Frauenfussball in der Schweiz: Entwicklung, Gegenwart, Ausblick». In einem weiteren Beitrag können Sie zudem ein spannendes Interview mit der Nationalspielerin und Captain des FC Basel Coumba Sow zur Wichtigkeit von Vorbildern, Humor und der Zukunft des Frauenfussballs lesen.
Während Europas beste Frauenmannschaften auf dem Rasen um den Titel kämpften, setzte die Stadt Zürich gemeinsam mit Bern und Luzern ein Zeichen für Fairness abseits des Spielfelds. Kampagnen im analogen und digitalen Raum machten in den drei Host-Cities darauf aufmerksam, dass sexistische, homo- oder transfeindliche Sprüche, Diskriminierungen und Übergriffe keinen Platz haben: nicht im Stadion, nicht auf Fanmeilen, nicht im Alltag.
Im digitalen Meldetool können sexistische, homo- und transfeindliche Belästigungen schnell, einfach und anonym gemeldet werden – unabhängig davon, ob man selbst betroffen ist oder etwas beobachtet. Denn nur, was sichtbar wird, kann auch verändert werden.