Wie wird man Leiter eines Pflanzgartens?
Ich habe meine Laufbahn als Forstwart-Lernender bei Grün Stadt Zürich begonnen. Danach habe ich ein Jahr in einem anderen Revier gearbeitet, das hat meinen Horizont stark erweitert. Unterschiedliche Wälder, andere Arbeitsweisen und mehr Kontakt mit Kund*innen haben mir gezeigt, wie vielseitig der Beruf ist. Nach einem Zwischenstopp in der Holzkooperation Küssnacht und der Weiterbildung als Berufsbildner habe ich den Schritt zurück zur Stadt gewagt – durchaus mit Respekt, weil ich mich damals für die ausgeschriebene Stelle eigentlich zu jung fühlte. Dass mir diese Chance trotzdem gegeben wurde, hat meinen weiteren Weg entscheidend geprägt.
Was machst du heute genau?
Als Vorarbeiter bin ich verantwortlich für den Pflanzgarten, die Weihnachtsbäume, die Seminarräume und die Holzprodukte wie beispielsweise Brennholz. Im Pflanzgarten ziehen wir aus Samen Jungbäume und Wildsträucher für den Eigenbedarf. Ein Teil der Produktion geht an Externe. Klimabaumarten werden im Wald immer wichtiger, deshalb auch der Pflanzgarten – besonders für Standorte wie den «Lichten Wald» oder Bäume in der Stadt.
Von Beginn weg im Fokus stand die Sicherstellung der Nachzucht der am Uetliberg heimischen Eiben. Sie ist eine besondere Baumart, denn sie ist robust gegenüber Klimaveränderungen und wird bis zu 3000 Jahre alt. Unser Ziel ist es, die Eibe für den Wald der Zukunft zu erhalten und deren Nachwuchs zuverlässig sicherzustellen. Für das grösste natürliche Eibenvorkommen Europas hier am Uetliberg, die Schweiz, aber auch über die Landesgrenzen hinaus. Damit leisten wir einen sichtbaren Beitrag für kommende Generationen. Da lohnt sich auch der Aufwand, denn die Eibenaufzucht ist anspruchsvoll und dauert lange: bis ein Setzling im Wald gepflanzt werden kann, vergehen bis zu sechs Jahre.
Es braucht also Geduld. Fällt es dir schwer, so lange auf die Früchte deiner Arbeit zu warten?
Heute weniger als früher. In unserer Arbeit denkt man in sehr langen Zeiträumen und jeder Fortschritt ist das Resultat von Geduld. Man lernt laufend dazu und wir sind im Waldrevier Süd ein super Team, das sich gegenseitig unterstützt. Mein Start war herausfordernd: Im ersten Jahr hat der Frost grosse Teile der nachgezogenen Pflanzen zerstört. Das war hart, gleichzeitig aber ein wichtiger Lernprozess. Wir haben darum neue Wege gesucht, beispielsweise mit kältegeschützten Saatbeeten oder Schutzmassnahmen wie Netze gegen Schädlinge. Vieles habe ich mir selbst erarbeitet. Theorie hilft, aber entscheidend ist die Praxis.
Was hat sich seit deiner Ausbildung bei Grün Stadt Zürich verändert?
Vieles – aber im Guten! Klar, meine Rolle hat sich stark verändert. Früher war ich mehr draussen im Wald, nun führe ich ein elfköpfiges Team, koordiniere Projekte und übernehme administrative Aufgaben. Trotzdem bleibt mir die Freiheit, bewusst Zeit im Freien einzuplanen, das ist mir wichtig. Und auch die Zusammenarbeit hat sich verändert: Heute arbeiten wir viel intensiver über Abteilungsgrenzen hinweg zusammen. Zum Beispiel mit der Stadtgärtnerei, die uns beim Topfen unterstützt, dem Fachbereich Naturschutz bei Fragen rund um die Biodiversität oder der Freiraumplanung, wenn es um zukunftsfähige Stadtbäume geht. Das bringt neue Perspektiven und stärkt die Qualität unserer Arbeit.
Was schätzt du besonders an deiner Arbeit?
Das mir entgegengebrachte Vertrauen. Ideen werden ernst genommen und man bekommt die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen. Hinzu kommt die Arbeit mit den Jahreszeiten, das Beobachten der Entwicklung im Pflanzgarten – das motiviert mich jeden Tag. Am Ende ist es für mich die Kombination aus Natur, Verantwortung, Entwicklungsmöglichkeiten und Zusammenarbeit. Und das gute Gefühl, etwas Bleibendes zu schaffen.
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