Rund 50 Expert*innen aus der gesamten Wertschöpfungskette des Bauens – von Bauherrschaften über Planer*innen und Architekt*innen bis hin zu Baufirmen, Baustofflieferant*innen und Fachpersonen aus der Stadtverwaltung – kamen Ende September am Klimaforum zusammen. Ausgehend von bereits identifizierten Lösungsansätzen, konzentrierten sie sich auf drei Handlungsfelder, die sich in der Analyse als besonders wirkungsvoll gezeigt hatten:
- Wie können Bauherrschaften beim klimafreundlichen Bauen unterstützt werden?
- Wie können Politik und Verwaltung klimafreundliches Bauen zusätzlich fördern?
- Was hilft in Bezug auf Normen, Richtlinien und Praktiken?
In kleineren Gruppen wurden acht Projektvorschläge erarbeitet und für deren Umsetzung die ersten Grundsteine gelegt.
Projektvorschläge für Handlungsfeld 1:
- Sensibilisierung der Besteller*innen für die Chancen von treibhausgasreduziertem Bauen: Durch eine überzeugende Aufbereitung und ein Ranking erfolgreicher Best-Practice-Beispiele werden wirtschaftliche, soziale und ökologische Nutzen des klimaschonenden Bauens und Erhaltens sichtbar gemacht. Die Verbreitung dieser Daten über etablierte Branchenkanäle richtet sich direkt an private, öffentliche und genossenschaftliche Bauherrschaften. Ein verstärkter Informationsfluss unter den Entscheidungsträger*innen fördert das Verständnis für klimafreundliche Lösungsansätze.
- Hilfestellungen für die Netto-Null-Bestellung in Wettbewerb und Planung: Netto-Null soll als Standardvorgabe in Ausschreibungen und Wettbewerben etabliert werden. Dazu unterstützt eine Wissensplattform Entscheidungsträger*innen mit praxistauglichen Werkzeugen, Leitfäden und Schulungsangeboten für alle Entwicklungsphasen. Die Planungshilfen begleiten den gesamten Prozess von der ersten Bedarfsanalyse über die Ausschreibung bis zur Bewertung der Angebote. Dadurch erhalten Bauherrschaften die notwendige Orientierung und Methodik, um klimafreundliche Vorgaben von Beginn an konsequent durchzusetzen.
- Netzwerk für die gemeinsame Materialbeschaffung der öffentlichen Hand: Öffentliche Bauträger schliessen sich zusammen, um nachhaltige Baumaterialien gemeinsam und koordiniert zu beschaffen. Durch die Bündelung der Nachfrage entstehen verlässliche Absatzmärkte, die Herstellern Anreize für die Skalierung von emissionsarmen Baustoffen bieten. Das Konzept basiert auf dem Prinzip von Beschaffungsallianzen und soll nach dem Vorbild bestehender Initiativen auf weitere Materialgruppen ausgeweitet werden. Als Organisations- und Kommunikationsplattform dienen bestehende Gefässe wie die Charta für kreislauforientiertes Bauen.
Klimaforum: Klimafreundlich bauen in Zürich. September 2026, Impact Hub Viadukt, Zürich.
Projektvorschläge für Handlungsfeld 2:
- Anreize durch Erleichterungen bei der Parkplatzbereitstellung: Das Projekt «Parkierung Smart Regulation» koppelt klimaschonendes Bauen an flexiblere Parkplatzvorschriften. Unterschreiten Bauprojekte ambitionierte Treibhausgas-Grenzwerte, erhalten Bauherrschaften regulatorische Erleichterungen bei den Parkierungspflichten. Konkret könnten diese ermöglichen, Parkplätze weiter entfernt bereitzustellen, Parkierungsanlagen auf dem Dach zu errichten oder das Parkplatzproblem gegen eine Gebühr an die Stadt abzugeben. Mit diesem «Deal» kann klimafreundliches Bauen durch die Möglichkeit, CO2-intensive Tiefgaragen zu vermeiden, gefördert werden.
- Lobbying für CO2-Grenzwert: Das Projekt beschreibt ein Vorgehen für die Einführung eines ambitionierten «MuKEn 2025»- Grenzwerts im Kanton Zürich. Dank guter Koordination mit der Baudirektion und dem Kantonsrat können potenzielle Synergien mit laufenden Prozessen und Geschäften optimal genutzt werden. Eine datengestützte Argumentation belegt die technische Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit emissionsarmer Bauten. Diese wiederum kann eine breite «Allianz der Willigen» aus Bauwirtschaft und relevanten Verbänden überzeugen, ihren Einfluss politisch rechtzeitig geltend zu machen.
- Policy Lab für die Entwicklung von Regulierungen: Mit diesem iterativen Test- und Simulationsverfahren können Regulierungspläne auf ihre ökologischen und städtebaulichen Folgen hin sowie auch auf ihre Auswirkungen für die Bevölkerung und deren Akzeptanz dafür getestet werden. Das Verfahren beruht auf dem Zusammenspiel eines virtuellen Simulationsmodells der baulichen Realität einerseits sowie einer analogen Repräsentation der Stadtbevölkerung anderseits. Dabei repräsentiert der «digitale Zwilling» der baulichen Realität sowohl die relevanten Bauten als auch die relevanten Regulierungen. Der «analoge Zwilling» der Bevölkerung wird durch einen randomisiert erstellten Bürgerrat repräsentiert.
Projektvorschläge für Handlungsfeld 3:
- Marktskalierung mit dem «ReUse Booster»: Das Projekt «ReUse Booster» etabliert durch die Zusammenarbeit von Kantonen, Städten und Bauwirtschaft einen schweizweiten Markt für wiederverwendbare Bauteile. Eine überregionale Infrastruktur für Lagerung, Logistik und Qualitätsprüfung soll Verfügbarkeitsengpässe überwinden und Kosten senken. Der Einstieg konzentriert sich auf die wirkungsstarken Produktkategorien Stahl, Fenster und Beton. Durch Skaleneffekte können so die Planungssicherheit und die Wirtschaftlichkeit für zirkuläre Bauprojekte deutlich gesteigert werden. Als nächste Umsetzungsschritte sind die gezielte Vernetzung lokaler Akteure, eine gemeinsame Absichtserklärung der öffentlichen Akteure sowie die allfällige Gründung einer Trägergesellschaft vorgesehen.
- Interoperabilität zwischen Bilanzierungs-Frameworks herstellen: Bislang erschweren methodische Unterschiede bei der Erfassung und Bilanzierung indirekter Treibhausgasemissionen Investitionen in klimaschonende Bauten. Ziel des Projekts ist das einfachere Übersetzen zwischen Schweizer Bau-Ökobilanzen und internationalen Portfolio-Reporting-Standards wie dem GHG Protocol. Dadurch werden eingesparte graue Emissionen in den ESG-Ratingfaktoren institutioneller Anleger direkt anrechenbar und bewertungsrelevant. Dies schafft finanzielle Anreize für Investor*innen und legitimiert den Mehraufwand für nachhaltiges Bauen. Das Projekt schlägt als ersten Schritt die Initialisierung eines institutionalisierten Austausches zwischen Standardisieren (SIA, KBOB, Minergie), Grossbestellern und Tool-Anbietern vor.
Das zweite Klimaforum mit Fokus Bauen hat gezeigt, dass vielfältige und wirkungsvolle Pfade existieren, um klimafreundliches Bauen in der Praxis zu etablieren. Diese bilden mit der hohen Motivation und dem ausgeprägten Tatendrang der beteiligten Fachleute ein starkes Fundament, um die erarbeiteten Projektansätze schnell in die Realität umzusetzen. Für 2028 ist ein nächster Austausch im Rahmen des Klimaforums vorgesehen.