Seit der Fertigstellung des Ueberlandparks auf der Einhausung Schwamendingen im Jahr 2024 hat sich viel verändert: Der Betondeckel, der einst den Lärm der Autobahn dämpfen sollte, ist zur lebendigen Lebensader für eine Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten geworden. Und der jüngste Monitoringbericht bestätigt, dass die Natur regelrecht aufblüht.
Um die langfristige Entwicklung der Fauna zu beobachten, wird im Ueberlandpark ein wissenschaftliches Langzeit-Monitoring durchgeführt. Dabei werden folgende Tiergruppen erfasst: Brutvögel, Reptilien, Amphibien, Tagfalter, Nachtfalter, Heuschrecken, Libellen, Wildbienen, Fledermäuse und Kleinsäuger.
Wer vor zwei Jahren durch die entstehende Einhausung fuhr, sah vor allem Beton, Stahl und Bauarbeiten. Heute sieht man statt dessen blühende Wildkräuter, sonnige Kiesflächen, Totholzstapel, Trockenmauern und viele, viele Insekten. Der Park ist kein gewöhnlicher Grünraum, sondern ein gezielt gestalteter Lebensraum für Arten, die sonst in der Stadt kaum noch eine Chance haben.
Im Jahr 2024 konnten in einem ersten Fauna-Monitoring insgesamt 166 Tierarten nachgewiesen werden. Ende 2025 sind es schon 200 und damit 34 Arten mehr als noch im Vorjahr. Besonders erfreulich: Der Anteil an sogenannten stenöken Arten – also Arten mit sehr spezifischen Lebensraumansprüchen – stieg von 29 auf 37. Das ist ein klares Zeichen dafür, dass die gestalteten Strukturen funktionieren.
Die grösste Sensation ist das Vorkommen der Senf-Blauschillersandbiene (Andrena agilissima). Diese seltene Wildbiene, die in der Schweizer Roten Liste als stark gefährdet eingestuft ist, ist erstmals im Ueberlandpark aufgetaucht. Sie ist auf eine spezifische Pflanze angewiesen: den Ackersenf. Und genau dieser wurde bewusst in bestimmten Bereichen des Parks stehen gelassen. Nicht etwa als Unkraut, sondern als lebenswichtige Nahrungsquelle. Denn die Biene legt ihre Eier in steile, sandige Abbruchkanten – genau dort, wo 2024 extra Sandflächen und Lehmwände angelegt wurden. Die Kombination aus Blüten und Nistplätzen hat funktioniert, die Bienen nehmen den nachgebauten Lebensraum dankbar an.
Doch nicht nur die Bienen profitieren. Die Mauereidechse sonnt sich nun auf den warmen Betonplatten, die Distelfinken picken Samen aus den abgeblühten Wiesen, und Kleiner und Grosser Abendsegler – zwei Fledermausarten – jagen nachts über den Park, wo sie genügend Insekten finden.
Besonders wichtig: Die Lichtverschmutzung wurde bewusst reduziert. Die Beleuchtung entlang der Einhausung ist gedimmt und auf die notwendigsten Bereiche beschränkt – damit die Fledermäuse und Nachtfalter nicht verwirrt werden.
Es braucht keine grosse Fläche, um der Natur unter die Arme zu greifen. Auch im Garten oder auf dem Balkon kann man mit kleinen Massnahmen viel erreichen:
- Gewisse «Unkräuter» als Begleitflora stehen lassen – besonders Ackersenf, Leimkraut oder Natternkopf
- Kleine Nisthilfen schaffen – ein Steinhaufen, ein Totholzstapel oder eine sandige Ecke können für Wildbienen zur Oase werden
- Auf chemische Mittel verzichten – Insekten brauchen keine Pestizide, sondern Blüten
- Im Herbst etwas «Wildnis» stehen lassen – abgeblühte Pflanzen sind Nist- und Überwinterungsplätze für viele Arten
Grün Stadt Zürich fördert mit dem Programm Stadtgrün das Engagement von Privatpersonen und Unternehmen für ein besseres Stadtklima. Interessierte können Beratung und finanzielle Beiträge anfordern. Das Team von Grün Stadt Zürich bietet kostenlose Erstberatungen für alle Fördermassnahmen im Programm Stadtgrün an.