Jedes Jahr zieht eine Gruppe von Personen vom Ausland nach Zürich, die so gross ist wie die Bevölkerung eines kleineren Quartiers: rund 18 000 Personen. Etliche bleiben, die meisten aber ziehen wieder weg. Von jenen, die zum Beispiel 2018 ankamen, lebten Ende 2024 nur noch 29 Prozent in der Stadt.
Mit welchen Erwartungen, Hoffnungen oder Träumen die Zuzüger*innen nach Zürich kamen, ob diese erfüllt wurden oder nicht, das lässt sich nicht aus Statistiken herauslesen. Dennoch sagen sie erstaunlich viel über die Zuziehenden aus. Was genau, wollte die Fachstelle Diversität, Integration, Antirassismus wissen und gab bei Statistik Stadt Zürich eine Analyse in Auftrag.
Woher kommen sie?
Das erzählen die Zahlen über jene rund 125 000 Personen, welche zwischen 2018 und 2024 aus dem Ausland in die Stadt Zürich gekommen sind: Die grösste Gruppe bilden deutsche Staatsangehörige (24 033), die zweitgrösste Schweizer Staatsangehörige (11 650). Von diesen wiederum verfügen 3500 Personen über das Bürgerrecht der Stadt Zürich. Danach folgen italienische, spanische, französische, indische und chinesische Staatsangehörige.
Wie alt sind sie und wie leben sie?
Die grosse Mehrheit der Zugewanderten (72 Prozent) ist jung – zwischen 20 und 39 Jahre alt. Und berufstätig.
Manche zogen nicht nur in ein Land, sondern auch in eine Familie, die meisten sind volljährig, die meisten weiblich: gemäss Statistik in den letzten Jahren rund 1800 Personen pro Jahr. Tatsächlich dürften es aber bedeutend mehr gewesen sein, denn Konkubinatspaare oder Familiennetzwerke werden statistisch nicht als Familien erfasst. Die grössten Gruppen waren hier Staatangehörige aus der Schweiz, aus Deutschland und aus Indien.
Was tun sie?
Das Qualifikationsniveau der Zürcher*innen, die im Ausland geboren sind, hat sich in den vergangenen zwanzig Jahren stark verändert. Personen, die länger als zwanzig Jahre in der Schweiz leben, arbeiten heute häufiger als Hilfskräfte, solche, die noch keine zehn Jahre in der Schweiz wohnen, häufiger als Führungskräfte, in akademischen Berufen oder als Techniker*innen.
Gerade bei Züricher*innen mit Geburtsort im Ausland muss eine gute Qualifikation nicht bedeuten, dass sie auch in einem Beruf arbeiten, der eine solche erfordert. Da für viele Berufe ein Schweizer Abschluss unerlässlich ist, werden etliche Gut- oder gar Hochqualifizierte unter ihrer Qualifikation arbeiten.
Die Zahlen zeigen auch: Etwa sieben von zehn Personen mit Geburtsort im Ausland arbeiten Vollzeit, jede zehnte Person durchläuft eine Ausbildung und ist nicht erwerbstätig. Ein kleiner Teil gibt an, Hausfrau oder -mann oder Rentner*in zu sein.
Wie sahen ihre Pläne aus?
Die Aufenthaltsbewilligung B erlaubt es Ausländer*innen, die zu einem längerfristig angelegten Zweck in die Schweiz kommen wie Arbeit oder Nachzug zu ihrer Familie, für bis zu fünf Jahren mit einer Option auf Verlängerung in der Schweiz zu bleiben. Dafür müssen sie unter anderem nachweisen, dass sie mindestens für ein Jahr eine Anstellung haben oder aber ausreichend finanzielle Mittel, um unabhängig in der Schweiz zu leben. Für Personen von ausserhalb der EU/EFTA gelten strengere Anforderungen.
18'500 Personen blieben aber nur für ein paar Wochen, für ein paar Monate oder höchstens für ein Jahr in Zürich: Sie verfügten lediglich über eine Kurzaufenthaltsbewilligung.
Weitere 3900 Personen waren aus dem Ausland in die Schweiz geflüchtet.
Bleiben sie oder ziehen sie weiter?
Die Fachstelle DIA wollte auch wissen: Wie viele Personen, welche 2018 aus dem Ausland nach Zürich gekommen sind, lebten Ende 2024 noch hier? Nur noch 29 Prozent, wie die Analyse zeigt. 22 Prozent sind in eine andere Gemeinde im Kanton Zürich gezogen, neun Prozent in eine Gemeinde in der übrigen Schweiz. Und 34 Prozent hatten die Schweiz wieder verlassen. Bleiben sechs Prozent. Von diesen Zugezogenen ist nicht bekannt, wo sie wohnen, oder sie sind verstorben.
Dabei zeigt sich: Am längsten unter allen Zuzügerinnen bleiben Schweizer*innen in Zürich; 67 Prozent von ihnen wohnen nach einem Jahr noch immer hier. Danach folgen Staatsangehörige von den Nachbarsländern der Schweiz (über 55 Prozent). Von den indischen Staatsangehörigen hingegen war nach einem Jahr mehr als die Hälfte wieder aus der Schweiz ausgereist.
Ankommen, leben, arbeiten, weiterziehen
Diese Zahlen deuten darauf hin, dass die Stadt Zürich ein Migrationshub für den ganzen Kanton ist. Von den 125 000 Personen, die zwischen 2018 und 2024 nach Zürich gekommen sind, sind später fast 24 000 in einer anderen Gemeinde im Kanton Zürich weitergezogen, gegen die Hälfte von ihnen bereits innerhalb der ersten vier Monate.
Wollen Sie wissen, aus welchen weiteren Ländern die meisten Personen nach Zürich kommen? Diese und weitere Informationen sowie die Grafiken dazu, finden Sie hier.