Laut dem Bundesamt für Statistik ist Verschuldung in der Schweiz weit verbreitet: Im Jahr 2023 lebte 14.1% der Bevölkerung in einem Haushalt mit mindestens einem Zahlungsrückstand. Das bedeutet, dass Rechnungen nicht rechtzeitig bezahlt werden konnten. Am häufigsten sind es Rechnungen für Steuern und Krankenkassenprämien. Diese Zahlen zeigen: Finanzielle Schwierigkeiten sind weit verbreitet und betreffen auch viele Familien mit Kindern und Jugendlichen.
Schulden haben nicht nur finanzielle Folgen, sondern wirken sich auch stark auf die Gesundheit und das soziale Leben aus: Menschen mit Überschuldung berichten häufiger von Stress, Schlafproblemen und depressiven Symptomen. Die ständige Sorge um Geld kann dazu führen, dass sich Betroffene zurückziehen und Kontakte meiden. Studien zeigen zudem, dass Überschuldung mit einem höheren Suizidrisiko und einer tieferen Lebenserwartung zusammenhängt.
Trotz dieser Belastungen holen sich viele Betroffene erst sehr spät oder gar keine Hilfe. Scham- und Schuldgefühle halten viele davon ab, Unterstützung zu suchen. In der Schweiz ist fast die Hälfte der Personen, die eine professionelle Schuldenberatung aufsuchen, bereits seit über fünf Jahren verschuldet. Das zeigt deutlich, wie wichtig Prävention ist.
Schuldenprävention setzt nicht erst bei bestehenden Schulden an. Ziel ist es, die finanzielle Gesundheit von Menschen präventiv zu stärken, indem in die Finanzkompetenz investiert wird. Die OECD beschreibt finanzielle Gesundheit mit vier einfachen Punkten:
- Man kann seine finanziellen Pflichten erfüllen.
- Man kann mit unerwarteten finanziellen Ereignissen umgehen.
- Man kann seine persönlichen Ziele verfolgen und Chancen nutzen.
- Man fühlt sich mit seiner finanziellen Situation gut und sicher.
Finanzielle Gesundheit ist kein fixer Zustand. Sie kann sich im Laufe des Lebens verändern. Ereignisse wie ein Job-Wechsel, Krankheit, Trennung oder ein Umzug wirken sich oft direkt auf das Budget und die finanzielle Gesundheit aus. Deshalb ist es wichtig, schon früh Finanzkompetenz zu lernen.
Die Schule ist ein wichtiger Ort, um Kinder und Jugendliche zu stärken. Sie kann einen Beitrag zur Schuldenprävention leisten: direkt bei den Schüler*innen und indirekt über die Eltern und Erziehungsberechtigten. Die Schuldenprävention Stadt Zürich bietet dafür verschiedene kostenlose Angebote an.
Gibt es Schüler*innen, die ihr Konsumverhalten oder ihr Budget überprüfen sollten? Oder zeigen sich in Elterngesprächen Fragen rund ums Thema Geld? Die Angebote Money Chat (Online-Chat und Wissensplattform) und die Moneythek bieten einfache und anonyme Unterstützung bei Fragen zu Geld, Budget oder Geld-Erziehung.
Eltern tragen eine grosse Verantwortung beim Thema «Umgang mit Geld». Wer zu Hause lernt, mit Geld umzugehen, hat es später einfacher. Online-Elternveranstaltungen und Videos informieren zu Taschengeld und Jugendlohn. Auf Wunsch kann auch ein Elternabend an der Schule durchgeführt werden.
Ordnung in den persönlichen Dokumenten ist wichtig. Schüler*innen sollen lernen, Rechnungen und wichtige Dokumente sinnvoll abzulegen. Lehrpersonen können sie beim Aufbau eines einfachen Ablagesystems unterstützen. Informationen und ein Film dazu finden sich im Geld-Kompass.
Für die 3. Klasse der Sekundarstufe I gibt es einen interaktiven Workshop mit drei Lektionen:
- Was passiert, wenn ich eine Rechnung nicht bezahlen kann?
- Budget erstellen und Hilfsangebote kennenlernen
- Eigene Geldgeschichte, Konsum, Wünsche und Bedürfnisse.
Das Thema Geld lässt sich gut in den Unterricht oder ein Klassenlager integrieren. Auf der Plattform feel-ok.ch hat es verständliche Inhalte für Jugendliche sowie didaktische Angebote für Lehrpersonen.
Die Geld-Presse liefert aktuelle und einfache Infos rund um das Thema Geld. Der Online-Newsletter erscheint 4x im Jahr und kann abonniert werden.
Der Geld-Kompass richtet sich an Fachpersonen und unterstützt dabei, Menschen im Umgang mit Geld zu stärken und Schulden wirksam vorzubeugen. Das Online-Magazin bietet verständliche Informationen sowie Beiträge und Interviews zu verschiedenen Themen.
Finanzkompetenz zu stärken, hilft Kindern und Jugendlichen später selbstbestimmt mit Geld umzugehen. Schulen können dazu beitragen, indem sie Wissen vermitteln, praktische Übungen anbieten oder auf Beratungsangebote hinweisen.