Von Frühdemenz spricht man bei einem Krankheitsbeginn vor dem 65. Altersjahr. Davon betroffen ist rund jede 20. erkrankte Person.
Je nach Art der Demenzerkrankung treten andere Symptome auf.
Bei jüngeren Menschen ist es oft schwieriger, eine Demenz zu erkennen. Denn bei Anzeichen wie Vergesslichkeit oder Konzentrationsproblemen denken Betroffene oft zuerst eher an Depression oder Burnout.
Im (Arbeits)alltag können sich Probleme wie folgt zeigen:
- Betroffene vergessen Termine und machen vermehrt Fehler.
- Es kann ihnen schwerfallen, Abläufe zu verstehen, Arbeiten zu planen oder neue Dinge zu lernen.
- Die Konzentration lässt schneller nach und Betroffene ermüden schneller.
- Öfter wird nach Worten gesucht.
- Auch kann es zu Veränderungen im Verhalten kommen. Betroffene sind gereizt, ziehen sich zurück oder sind weniger motiviert.
- Es kann zu Missverständnissen und mehr Stress in der Zusammenarbeit kommen.
- Viele Betroffene bemerken die Veränderungen auch selbst und sind verunsichert und verängstigt.
Eine Frühdemenz stellt das Leben plötzlich auf den Kopf. Für Betroffene ist es wichtig, früh zentrale Fragen zu klären. Das hilft, länger selbst zu entscheiden und Sicherheit für die Zukunft zu gewinnen.
Medizinische Betreuung und Behandlung aufgleisen: Am Anfang steht die medizinische Situation. Betroffene sollten mit dem*der Ärzt*in besprechen, welche Form der Demenz vorliegt, wie sich die Krankheit entwickeln kann und welche Behandlungen oder Therapien möglich sind. Wichtig ist auch zu klären, wer die weitere ärztliche Betreuung übernimmt und welche spezialisierten Angebote es gibt.
Über die Diagnose sprechen kann helfen: Die Diagnose löst bei Betroffenen und Angehörigen oft Gefühle wie Angst, Trauer und Wut aus. Gespräche mit der Familie oder ausgewählten Personen können helfen, die Diagnose besser zu verarbeiten.
Alltag und Beruf: Neben der Gesundheit spielt der Alltag eine grosse Rolle. Viele Betroffene fragen sich, wie sie künftig ihren Alltag bewältigen und ihre Freizeitaktivitäten ausüben können. Jüngere Betroffene sorgen sich zudem um ihren Arbeitsplatz und wissen oft nicht, ob und wann sie ihren Arbeitgeber informieren sollen. Es ist sinnvoll, früh über Unterstützung am Arbeitsplatz und über Anpassungen im Alltag nachzudenken. Eine gute Organisation kann helfen, länger selbständig zu bleiben.
Rechtliche Vorsorge organisieren: Betroffene sollten früh festlegen, wer sie später vertreten darf. Dazu gehören ein Vorsorgeauftrag und eine Patientenverfügung. Diese Regelungen geben Sicherheit und entlasten die Angehörigen. Eine Beratung kann dabei helfen.
Finanzen klären: Es ist wichtig zu wissen, wie lange das Einkommen gesichert ist, welcher Anspruch auf finanzielle Hilfe besteht und welche Versicherungen relevant sind. Viele Betroffene lassen sich bei Abklärungen und Anträgen unterstützen.
Austausch und Unterstützung nutzen: Die Diagnose betrifft auch Familie und Freunde. Betroffene sollten überlegen, wem sie davon erzählen möchten und welche Unterstützung sie sich wünschen. Niemand muss diesen Weg allein gehen. Es gibt Beratungsstellen und Selbsthilfeangebote für Betroffene und Angehörige.
Eine frühzeitige Beratung hilft, wichtige Entscheidungen in Ruhe zu treffen und passende Unterstützung anzunehmen:
Die Demenz eines Elternteils hat grosse Auswirkungen auf die Kinder. Es besteht die Gefahr, dass sie zu kurz kommen und von der Situation überfordert sind. Es braucht deshalb offene Gespräche mit den Kindern. Auch sollen sich betroffene Familien nicht scheuen, rechtzeitig Unterstützung anzunehmen.
- Schweizerischer Verband alleinerziehender Mütter und Väter
- Alzheimer Zürich – Entlastungsdienst
- Nachbarschaftshilfe
- KESB
Bei Paaren mit Kindern übernimmt bei Urteilsunfähigkeit der erkrankten Person der andere Elternteil die volle Verantwortung für die Kinder.
Auch wenn eine Demenzerkrankung nicht sofort zur Arbeitsunfähigkeit führt, sollten Arbeitgeber*in und Kolleg*innen bald informiert werden. Das Verschweigen führt zu unnötigem Stress. Zudem geht wertvolle Zeit verloren, die für die Planung der weiteren Beschäftigung im Betrieb genutzt werden könnte.
Eine Reduktion des Arbeitspensums, eine Kündigung oder eine frühzeitige Pensionierung hat grosse finanzielle Einbussen zur Folge. Es ist deshalb wichtig, sich vor dem Gespräch mit dem Arbeitgeber gut beraten zu lassen. Verschiedene Institutionen bieten Beratungen durch Fachpersonen an:
Für Demenz gelten arbeitsrechtlich die gleichen Regeln wie bei jeder anderen Erkrankung. Kündigungsschutz und Lohnfortzahlung sind gesetzlich geregelt. Die Fristen sind unterschiedlich und abhängig von Anstellungsdauer, Vorhandensein eines Gesamtarbeitsvertrags (GAV), eines Einzelvertrags und einer Krankentaggeldversicherung. Es wird dringend empfohlen, sich von Expert*innen beraten zu lassen.
Für jüngere Demenzbetroffene gibt es Selbsthilfegruppen, Wohngruppen usw.:
Damit Menschen mit Demenz im Arbeitsleben weiter zurechtkommen oder einen guten Abschluss für ihr Berufsleben finden, können Arbeitgeber*innen sie unterstützen.
- Arbeitgeber*innen und Kolleg*innen sollen sich aufmerksam und verständnisvoll zeigen. Hilfreich ist dabei ein Basiswissen zum Thema Demenz.
- Massnahmen wie z.B. ein ruhiger Arbeitsplatz, feste Abläufe oder eine Anpassung von Aufgaben können sich positiv auswirken. Konkrete praktische Tipps enthält die Broschüre Demenz und Arbeitsleben: Informationen für Arbeitgeber und Berufstätige von Alzheimer Schweiz.
- Arbeits- und sozialrechtliche Aspekte wie Lohnfortzahlung, Krankentaggeld oder Kündigung des Arbeitsverhältnisses gilt es frühzeitig zu klären.