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Architekturportraits

Öffentliche Bauten sind Identifikationspunkte in der Stadt Zürich. Sorgfältig und gemeinsam mit Fachleuten aus verschiedenen Disziplinen entwickelt und gebaut, leisten sie einen wichtigen Beitrag zu Zürichs Baukultur. Die Architekturportraits vermitteln auf anschauliche Weise die sorgfältige Herangehensweise an vielschichtige öffentliche Bauaufgaben und deren Umsetzung im wachsenden Stadtkontext.

Schulpavillon Allenmoos II

Architekturportrait mit Roger Boltshauser – Der 1958 von Jacob Padrutt erbaute Schulpavillon Allenmoos II wurde zwischen 2011–2012 von Boltshauser Architekten AG im Auftrag der Stadt Zürich umfassend instandgesetzt. Eine natürliche Materialisierung sorgt für ein gesundes Raumklima. Lehmputze im Innern sowie Klinker und Stampflehm an der Fassade –zu einem grossen Teil aus dem Aushub vor Ort gewonnen – verleihen dem Pavillon einen erdigen, natürlichen Ausdruck.

0:09 Uns interessierte an diesem Ort, der ein Stück Natur in der Stadt ist
0:15 und nahe beim alten Schulhaus Allenmoos, etwas zu machen, das einen Bezug zur Natur hat.
0:20 Da lag uns das Thema Lehm natürlich am Herzen.
0:25 Wir fanden, das sei ein Ort, wo Lehm sehr gut passen könnte.
0:48 Es war ein bestehendes Gebäude, dessen Fundament wir übernahmen.
0:53 Oben drauf waren eine Schul- und eine Erschliessungsschicht.
0:57 Das nahmen wir wieder auf, weil wir das Fundament übernahmen.
1:05 Wir spielten die Schichtigkeit weiter aus, fügten Arkaden aus Stampflehmpfeilern hinzu.
1:11 Wir stellten die Schulräume wieder her, schufen uns aber auch ein Lichtproblem.
1:16 Die Arkade schützt zwar, nimmt aber auch Licht weg.
1:20 Die Oberlichter im hinteren Teil der Schulräume
1:24 bringen mehr Licht in die Schulzimmer.
1:28 Das ist für Schulzimmer unüblich und geht nur, wenn das Gebäude eingeschossig ist.
1:33 Die Oberlichter lassen aber auch Licht in die Korridore fallen.
1:37 Der Korridor blieb gleich, bekam aber eine neue Lichtquelle,
1:41 von der anderen Seite her.
1:45 Das Ganze wurde rhythmisiert angeordnet.
1:47 Das Prinzip besteht also aus Schichten,
1:49 die sich addieren und immer wieder andere Rhythmen haben.
1:52 Durch die Verschiebung entstehen schöne Lichtsituationen
1:56 und auch Spannungsmomente im Grundriss.
2:00 Das ist in etwa das Thema dieses Hauses.
2:10 Uns ist es wichtig, wie in der Renaissance auch,
2:14 dass man das Gebäude mit dem Kontext bewertet,
2:17 dass die innere Struktur mit dem Äusseren zu tun hat
2:20 und die Arkade mit dem umliegenden Raum.
2:26 Dass die Öffnung des Eingangs etwas mit dem Platz zu tun hat,
2:29 dass man spürt, wenn ein Gebäude fertig ist,
2:31 vielleicht bei einer Seitenfassade, die rhythmisiert oder wegbegleitend ist.
2:36 Ich finde es wichtig, dass man solche Themen aufgreift.
2:40 Damit eine Beziehung entsteht, die aussen wie innen verbindlich ist.
2:50 Ein weiterer Aspekt ist die Landschaft, die wir mit André Schmid realisieren konnten.
2:55 Er hat die Elemente der Fassade übernommen, die gestampfte Form des Lehms.
3:01 Er nahm zwar nicht Lehm, sondern stampfte Zement,
3:05 hat aber die Ziegellager übernommen.
3:07 Das Thema, das wir bereits räumlich anstrebten,
3:10 der Bezug zwischen innen und aussen,
3:12 fand so auch in der Landschaft seinen Niederschlag.
3:16 Er hat das organischer formuliert, sich in die Landschaftskammern eingebettet.
3:21 Die Synergie mit der Umgebung ist nun spannend, auch dank des Landschaftsarchitekten.
3:27 Das ist wichtig und nicht ganz selbstverständlich.
3:31 Ein Kompliment von uns an André Schmid, das hier ist sehr gelungen.
3:41 Nicht jeder Kontext verträgt Lehm.
3:44 Hier aber fanden wir, es wäre ein spannendes Thema.
3:47 Vor allem wegen der Nutzung als Kinderhort.
3:49 Es ist ein haptisches Material.
3:52 Es hat viele gute Eigenschaften.
3:54 Es tritt sehr gut in Beziehung mit dem Grünbestand hier.
3:58 Es hat auch innen gute Qualitäten bezüglich Behaglichkeit.
4:02 Wir fanden die Nutzung und den Ort geeignet, um mit dem Material Lehm zu arbeiten.
4:11 Das Material hat auch an sich,
4:13 dass es kurz nach Fertigstellung schon wirkt, als sei es 100 Jahre alt.
4:17 Das rührt auch daher,
4:19 dass man mit Lehm massiv bauen muss.
4:22 Für eine tragende Wand braucht man 45 bis 50 cm.
4:26 Man kriegt es also unweigerlich mit Masse, mit Plastizität zu tun.
4:30 Mit Räumlichkeit und räumlichen Themen.
4:34 Lehm gab mir ein Mittel in die Hand,
4:39 um meine räumlichen Anliegen
4:42 im Zusammenhang mit einer starken Materialität umzusetzen.
5:20 Das war unser erster öffentlicher Bau mit dieser Technik in Lehm.
5:25 Nicht alles ist Lehm, es gibt auch konventionelle Materialien.
5:28 Innen haben wir viel Lehmverputz und Lehm-Kasein-Böden.
5:31 Dass man bei einer öffentlichen Nutzung einen Schritt weiterkommt,
5:35 dass wir das bei einem Schulhaus testen durften, ist sehr gut.
5:40 Das bringt die Lehmbautechnik weiter.
5:44 Lehm hat 150 Jahre Rückstand.
5:48 Beton hat vor 150 Jahren den Lehmbau abgelöst.
5:53 Seit da hat sich der Lehmbau kaum entwickelt. Man hat nicht viel geforscht.
5:59 Das wird nun langsam aufgearbeitet.
6:02 In den nächsten 150 Jahren
6:06 wird da einiges an Wissen wieder erarbeitet und so die Technik weitergebracht werden.

Schulanlage Blumenfeld

Architekturportrait mit Reto Pfenninger – Der Neubau Schulanlage Blumenfeld wurde zwischen 2013–2016 von Oester Pfenninger Architekten AG im Auftrag der Stadt Zürich errichtet. Das Schulhaus präsentiert sich mit seinen umlaufenden Fassadenbändern als breit gelagertes Gebäude und verströmt Ruhe und Gelassenheit in dem sich im Aufbruch begriffenen Quartier. Im Inneren besteht die Schulanlage aus einem Gefüge von unterschiedlichen Räumen, Zonen und Nischen.

0:09 Wir wollen eigentlich ein Schulhaus planen,
0:13 das ein bisschen Werkstatt-Charakter hat.
0:15 Sozusagen ein Gewerbebau ist.
0:18 Der hat einerseits viele Möglichkeiten in der Funktionalität eines Schulhauses.
0:23 Zudem beinhaltet er auch den geschichtlichen Aspekt dieses Areals.
0:40 Die Herausforderung bestand darin, in einem Neubaugebiet,
0:43 das noch nicht so belebt ist,
0:45 den öffentlichen Bau in diesem Quartier zu implementieren.
0:49 Das beschäftigte uns. Wir gingen dann auch ganz klassisch vor.
0:53 Wir fragten uns, wie man das früher in den Städten gemacht hat.
0:57 Da hatte man eine Parzelle und stellte ein Haus in die Mitte.
1:02 Weil wir es so tief und flach gebaut haben
1:05 gegenüber den anderen Bauten, die hier teilweise sieben Etagen hoch sind,
1:12 entstand der Charakter des Institutionellen durch diesen tiefen, flachen Bau.
1:16 Und rund um das Schulhaus ergaben sich öffentliche Freiräume.
1:25 Dieser erwähnte Aspekt des Äusseren, die öffentlichen Freiräume, Durchwegungen,
1:32 die informellen Wege über den Bach,
1:34 durchs Quartier, der Bahn entlang
1:37 oder die klassisch gestalteten Strassenräume...
1:40 Die Idee dieser Durchwegung und Vernetzung des Areals
1:44 haben wir im Schulhaus weitergeführt. Es ist wie in einem kleinen Dorf.
2:12 Da hinten sieht man die Hauptgasse.
2:15 Sie zweigt links und rechts auf diese Plätze ab.
2:17 Da gibt es auf einer Seite Garderoben. Das sind die kleinsten Häuser.
2:23 Die sind so gemacht, dass die Kinder da drin ihren eigenen Massstab haben.
2:28 Sie können sich dahin zurückziehen, in kleinen Gruppen sein.
2:31 Und die Lehrer sehen sie nicht. Das ist so ein Aspekt.
2:36 Bei diesem Schulhaus im Blumenfeld war ein wichtiger Aspekt -
2:41 das war schon in der Ausschreibung durch die Stadt Zürich so formuliert -,
2:45 dass man versuchen möchte, "Lernlandschaften" zu implementieren.
2:51 Ein Lehrer ist auch ein Lernbegleiter.
2:53 Er ist für verschiedene Aspekte des Unterrichts da.
2:57 Beim Gruppenunterricht gibt es bis zu drei Lehrpersonen im Zimmer.
3:03 Die holen dann gewisse Schüler raus und gehen mit ihnen in die Gruppenräume.
3:07 Das ist auch die Idee hinter Dorf, Gasse und Platz:
3:12 Man kann die Kinder in Gruppen einteilen.
3:14 Vor den Schulzimmern gibt es grosse Plätze, auf denen man unterrichten kann.
3:19 Die kann man aber auch sonst benützen.
3:23 Sie sollen auch einen anderen Aspekt des Unterrichtens ermöglichen
3:27 als den klassischen Frontalunterricht.
3:30 Dort gibt es auch Begegnungszonen.
3:34 Klassische Gruppenräume gibt es nach wie vor.
3:38 Aber die Landschaften sollen so sein, dass es wie in einer Gesellschaft ist:
3:43 Man begegnet sich, man tauscht sich aus.
3:46 Man schaut, was die andern tun; man kann sich konzentrieren,
3:49 wenn man sich zurückzieht usw.
3:59 Dann war die Frage, wie sich die Kinder in dem grossen Schulhaus zurechtfinden.
4:03 Wir hatten die Vorstellung, und die hat sich bestätigt,
4:08 dass Kinder sehr schnell lernen, wo sie hin müssen.
4:13 Wir boten Hilfestellungen wie diese Kacheln.
4:16 Die haben etwas Haptisches. Sie sind bombiert
4:20 oder konkav, konvex. Sie haben drei Rillen, oder zwei.
4:24 Das sind Feinheiten, die Kindern eher auffallen als Erwachsenen.
4:28 Solche Dinge versuchten wir zu integrieren.
4:31 Das sind Dinge, die man vielleicht erst beim zweiten Hinsehen entdeckt.
4:35 Kinder sind da sehr viel wacher und offener dafür, solche Dinge zu erkennen.
4:39 Sie nutzen das auch.
4:41 Was uns besonders Freude macht:
4:43 Durch die Konfiguration der quergestellten Klassenzimmer,
4:48 bei denen nicht die Längsseite am Fenster liegt, sondern die Breitseite,
4:52 konnten wir höher bauen, mehr Raum umfassen.
4:55 Die höchsten Räume sind die Kindergärten.
4:58 Die haben bis 4 m hohe Räume. Das ist eine tolle Sozialisierung zum Raum hin,
5:03 wenn man im Kindergarten die höchsten Räume hat.
5:06 Im Verhältnis haben sie viermal ihre Körpergrösse über sich.
5:14 Wir haben versucht, das Geld für ein Schulhaus dieser Grösse,
5:20 für 450 bis 500 Kinder, in Raum umzusetzen.
5:26 Und zurückhaltend zu sein bei den Materialien.
5:29 Und dafür einen räumlichen Hintergrund zu schaffen
5:33 für die verschiedenen pädagogischen Unterrichtsformen.
5:39 Es gibt verschiedene Formen der Nachhaltigkeit, die Architekten anwenden können.
5:44 Es gibt die energetischen. Da müssen wir die Energiestandards erreichen.
5:49 Bis hin zur sozialen Nachhaltigkeit, und da sagten wir uns:
5:54 Der Boden ist kontaminiert, und da, wo man den Untergrund entfernen muss,
6:00 wollen wir das nicht versiegeln, sondern nehmen das heraus und entsorgen es.
6:05 Weil da ein grosses Loch ist, stellen wir die Turnhalle rein.
6:09 Da kommt wieder der Mehrfach-Aspekt ins Spiel:
6:12 Das Dach der Turnhalle ist der Fussballplatz,
6:15 der "Bolzplatz" des Quartiers
6:18 für die Kinder am Wochenende oder abends.
6:24 Wir wollten die Erschliessung, die Tragstruktur
6:30 und die Raumstruktur zur Kohärenz bringen.
6:32 Wir wollten das roh, rau und robust machen.
6:36 Die Idee war, dass die Benutzer, die Lehrer, die Schüler,
6:40 die Pädagogen die Räume mit ihren Dingen füllen.
7:01 Wir hätten uns vorstellen können, noch offener zu gestalten,
7:04 es skandinavischer zu machen, Lernkonzepte aus Skandinavien zu übernehmen,
7:08 wo Schulzimmer teilweise nicht abgetrennt sind, wo mit Vorhängen gearbeitet wird.
7:13 Wo man fast zurück in eine Gewerbehalle gehen und dort unterrichten könnte.
7:18 Da ist der Bogen über die Gewerbehalle wieder gespannt.

Alterszentrum Dorflinde

Architekturportrait mit Barbara Neff – Das Alterszentrum Dorflinde wurde zwischen 1973–1977 als Teil des Zentrums Dorflinde durch die Architekten Funk und Fuhrimann im Auftrag der Stadt Zürich errichtet. Prägend für den Bau aus dieser Zeit sind das Kunst-und-Bau-Projekt von Franz Grossert in der Eingangshalle und das Wandbild von Rolf Lipski im Speisesaal. Zwischen 2011–2012 wurde das Innere des Alterszentrums von neff neumann architekten ag im Auftrag der Stadt Zürich umfassend umgebaut und erneuert.

0:02 Die grösste Faszination war die Architektur aus den 70er-Jahren.
0:06 Was mich ebenfalls sehr fasziniert hat,
0:10 was dann wohl auch unsere Arbeit prägte,
0:13 war die enge Verbindung von Kunst und Architektur.
0:17 Eine Verknüpfung und ein gegenseitiges Bedingen von Kunst und Architektur.
0:38 Es sind Kunstwerke die viel Leichtigkeit und Kraft ausstrahlen.
0:44 Das hat uns auch inspiriert, weiter so zu denken.
0:50 Oder so zu arbeiten.
0:52 Intuitiv und spielerisch das eigene Werk weiterzuführen,
0:57 im Zeitgeist der 70er-Jahre.
1:01 Die Rundungen in den oberen Etagen gab es vorher nicht.
1:04 Die haben wir eingeführt, erfunden.
1:08 Wer neu das Haus betritt, kommt kaum darauf,
1:10 dass die Rundungen nicht aus den 70er-Jahren stammen,
1:14 sondern von uns aus unserer Zeit eingeführt wurden.
1:17 Es gibt im Speisesaal diese Filterelemente.
1:21 Die Wand zwischen Korridor und Speisesaal,
1:26 die wir aufbrechen wollten.
1:30 Heute gibt es diese Betonelemente. Die waren vorher auch nicht da.
1:34 Auch die haben jetzt eine Selbstverständlichkeit,
1:37 bei der man nicht denkt: Ah, das ist die Intervention von 2015,
1:42 die hier neu eingeführt wurde.
1:45 Wir kokettieren mit den Elementen aus jener Zeit.
1:49 Zwischen zwei Stützen haben wir Spiegel eingeführt.
1:53 Auch ganz niederschwellig. Man merkt es kaum.
1:57 Die Gläser selber spiegeln auch ein bisschen.
2:00 Beim Hinausgehen noch zwei Spiegel zu haben,
2:03 das ist mit einem Augenzwinkern gemeint:
2:06 Wer aus dem Speisesaal geht, guckt vielleicht noch kurz in den Spiegel.
2:09 Oder sie sehen wie im Rückspiegel, wer hinter ihnen geht.
2:13 Das ist ein spielerisches Element, bei dem wir uns vorstellten,
2:18 das könnte der eine oder andere mit Humor in den Alltag integrieren.
2:27 Der Speisesaal hatte nur zwei Fensterachsen, war also viel kleiner.
2:33 Wegen der viel grösseren Anzahl Bewohner
2:37 mussten wir einen viel grösseren Speisesaal machen.
2:41 Beim Fokus, den der Raum hat, dem Wandbild,
2:44 fragten wir uns, ob dessen Ausstrahlung ausreicht
2:48 für einen Raum, der fast viermal so gross ist wie vorher.
2:55 Ähnlich die Eingangshalle. Die war ein geschlossener Raum.
2:59 Wir fragten uns, ob der funktioniert, wenn er sich so öffnet.
3:03 Verliert er seine fast sakrale Wirkung oder Kraft?
3:07 Auch hier haben wir mit Modellen gearbeitet, um das überprüfen zu können.
3:14 Das Haus lädt aber dazu ein, etwas unakademisch oder anders zu arbeiten.
3:20 Das hat uns viel Freude gemacht.
3:35 Wenn man heute eingeschossige Anbauten macht,
3:38 ist der erste Gedanke immer: Was geschieht auf dem Dach?
3:41 Auf dem Dach des Speisesaals war ein Dementen-Garten geplant.
3:45 Alle Fenster zur Dachfläche hin hatten eine hohe Brüstung.
3:50 Die Idee war nie, dass irgendwer auf die riesige Fläche hinaustritt.
3:55 Wir mussten alle Fenster dementsprechend hinunterschneiden,
4:01 bis auf den Boden hinab, damit ein Bezug zwischen innen und aussen entstehen konnte.
4:07 Es waren kleine Zimmerfenster, die auf einen grossen Garten hinausgingen.
4:13 Damit der Dementengarten für die Benutzer eine grosse Chance würde,
4:19 musste das Innen-Aussen architektonisch wieder funktionieren.
4:55 Früher waren das Alterswohnungen und ein Altersheim,
4:59 zwei Betriebe unter einem Dach.
5:02 Die Alterswohnungen sind ausgezogen, das Ganze ist nun ein Altersheim,
5:06 mit fast doppelt so vielen Bewohnern.
5:09 Die Verschiebung zu Bewohnern, die Bedürfnisse haben ...
5:16 Man hat Korridore zusammengelegt, damit die Leute sich mehr begegnen.
5:20 Sonst hätte auch die Gefahr einer Anonymisierung entstehen können.
5:25 Dem wollten wir Rechnung tragen,
5:27 indem wir Etagen-Lounges auf jedem Geschoss einführten.
5:31 Damit es nicht nur den Speisesaal und die Eingangshalle gibt,
5:34 sondern auch ein niederschwelliges Angebot eines Aufenthaltsbereichs
5:39 für die älteren Menschen, damit sie sich dorthin zurückziehen können,
5:44 vielleicht mal aus ihren vier Wänden, aber nicht ganz hinaus.
5:52 Es darf nicht nur in den 70er-Jahren diese enge Zusammenarbeit gegeben haben
5:56 zwischen Künstler und Architekt.
5:58 Wir hätten das jetzt, in unserer Zeit, auch gern.
6:03 Das ist die etagenübergreifende Kunst von Vreni Spieser.
6:07 Sie ging von der Volière aus
6:10 und suchte für jede Etage einen Vogel aus.
6:15 Uns faszinierte, dass sich die Stockwerke entwickeln.
6:19 Die Korridore werden kleiner.
6:21 Das Haus wird gegen oben immer schmaler.
6:25 Es gibt aber eine Wiederholung von gleichen räumlichen Situationen.
6:31 Die Architektur und der Raum bleiben sich gleich,
6:36 aber aufgrund der verschiedenen Farben gibt es eine ganz andere Raumwahrnehmung.
6:41 Das hat uns als Architekten sehr interessiert.
6:44 Es ergibt aber auch eine gewisse Komplexität
6:49 und eine Vielfalt für einen Bewohner, der sich in dem Konglomerat bewegt.
6:53 Wenn er in die Aktivierung geht,
6:56 hat der Korridor eine ganz andere Wirkung
6:59 als das, was er aus seinem Geschoss kennt und mitnimmt.
7:02 Es war für uns berauschend, mit diesen Elementen zu arbeiten
7:07 und das Haus fast wie ein Skulpteur weiter zu modellieren.
7:17 Das halte ich für einen wichtigen Beitrag,
7:19 den die Gesamtinstandsetzung leisten kann:
7:23 Dass man diesen - aus meiner Sicht -
7:26 imposanten und wichtigen Zeitzeugen aus Zürichs 70er-Jahren
7:29 auf diese Weise integral erhalten konnte.
7:34 Dass man ihm ein neues Leben einhauchen konnte,
7:38 das für längere Zeit eine grosse Ausstrahlung haben wird.

Zentrum Dorflinde

Architekturportrait mit Detlef Schulz – Das Zentrum Dorflinde wurde zwischen 1973–1977 durch die Architekten Funk und Fuhrimann im Auftrag der Stadt Zürich errichtet. Zwischen 2011–2012 wurden das Gebäudeensemble sowie der Zentrumsplatz unter der Gesamtleitung von GfA Gruppe für Architektur GmbH im Auftrag der Stadt Zürich umfassend instandgesetzt. Die Gesamtwirkung der «Dorflinde» mit ihren charakteristischen Farben und Materialien blieb bei der Erneuerung intakt. Alle Gebäude wurden energetisch saniert.

0:11 Die Bauten der 70er-Jahre haben vor allem eine Eigenschaft: Sie sind kolossal.
0:17 Wir versuchten, dieser kolossalen Schwere,
0:20 die ein bisschen schwierig zu lesen und zu akzeptieren ist, eine neue Spur zu geben.
0:25 Eine zusätzliche Spur, wie eine Tonspur bei einem Film.
0:37 In den 70er-Jahren hat man ein Konglomerat aus achtzehn alten Häusern abgerissen,
0:43 um eine neue Vision, eine neue Utopie zu bauen.
0:47 Ein neues Dorfzentrum für einen neuen Stadtteil.
0:50 Dieses Zentrum hat nicht funktioniert.
0:52 30, 40 Jahre später ging es nun darum, nicht nur technisch zu sanieren,
0:57 sondern: Welche baulichen Massnahmen können wir treffen -
1:01 dabei ging es nur um eine Art Akupunkturen,
1:04 kleine Arbeiten -, um das Areal so umzukrempeln, zu transformieren,
1:10 dass es diese Attraktivität zurückerhält.
1:12 Es soll nicht nur als Ort einer Dienstleistung wahrgenommen werden, sondern als Treffpunkt.
1:21 Ein Problem war: Die Architektur der 70er-Jahre hat Grünraum und Platzraum vermischt.
1:28 Das war damals eine Vision:
1:30 Man schuf Platzräume, müllte sie aber gleich mit Grünzeug zu.
1:34 Das erzeugte dunkle Winkel, verborgene Winkel.
1:38 Das mag romantisch und pittoresk sein.
1:41 Für einen öffentlichen Raum in den 90er-Jahren, schon in den 80er-Jahren, war es unhaltbar.
1:47 Hier ist ein Beispiel: Wir sagten, auf der Strassenebene gibt es noch Bäume,
1:53 aber nur einzelne Bäume. Aber Grün als Masse und Buschwerk
1:58 kommt nach oben ins erste Obergeschoss, wo die schönen Gärten sind,
2:02 rund um das Altersheim und das Junge Wohnen. Da stärken wir das Grün.
2:07 Hier unten dünnen wir es aus.
2:31 Eine grosse Frage war: Wie behandeln wir den Bodenbelag zwischen all den Häusern?
2:36 Wir haben Grün entfernt, mehr Platz geschaffen.
2:40 Das ergab mehr Fläche zum Nutzen, Begehen, Befahren, was auch immer.
2:45 Was also macht man mit dem Boden? Bautechnisch gab es kaum Möglichkeiten.
2:50 Bei so wenig Platz brauchten wir Asphalt.
2:55 Etwas anderes ging nicht, weder Naturstein noch Kunststein.
2:59 Es gab keine Alternative zu Asphalt,
3:02 denn die Asphaltschicht ist zugleich die Abdichtung.
3:05 Das war nicht wie heute: Zuerst kommt Abdichtung, dann Dämmung, dann Aufbau;
3:10 dann kann man machen, was man will.
3:12 Damals hat man das ganze Untergeschoss bloss mit 3 cm Asphalt abgedichtet.
3:20 Wir konnten also nur neuen Asphalt machen.
3:23 Dann stiessen wir auf einen Textilkünstler, den wir kannten:
3:27 Gilbert Bretterbauer in Wien.
3:30 Wir fingen an mit ihm zusammenzuarbeiten. Am Ende ist das übriggeblieben,
3:35 was hier umgesetzt ist: ein Muster aus verschieden grossen Kreisen.
3:40 Das hilft, den Massstab dieser sehr grossen städtischen Räume
3:46 auf die menschliche Ebene herunterzuholen, einen Massstabssprung einzuführen,
3:51 über eine Platz-Zeichnung, die mit 3 cm Asphalt gemacht werden musste.
4:05 Der Boden verläuft übrigens durchgehend, durch das Café.
4:10 Das Café steht auf der Mitte des Platzes.
4:13 In den 70er-Jahren stand es nicht in der Mitte, sondern am Rand.
4:18 Wir haben es nicht verschoben, aber auf einer Seite war ein Urwald.
4:23 Es hatte nur eine Fassade zum Platz hin.
4:25 Jetzt steht das Café frei auf dem Platz.
4:28 Das bewirkt auch der Bodenbelag, der durch das Café hindurch verläuft.
4:34 Dieselbe Zeichnung kommt im Café vor und läuft auf der andern Seite des Cafés raus.
4:39 Im Café sitzt man also auch auf dem Platz, aber unter dem Schutz des Daches.
4:54 Was die Farbigkeit der Anlage angeht,
4:58 so gingen wir stark von den Ursprungsfarben aus.
5:01 Sie haben eine Stärke und gehören zu den Häusern.
5:04 Es wäre sinnlos, die Häuser blau zu malen, nur weil man das schöner fände.
5:09 Wir haben uns mit den vorhandenen Farben auseinandergesetzt.
5:12 Wir haben sie aber leicht angepasst.
5:17 Im Ursprungsbau war der ganze Sockel dunkelbraun.
5:22 Das haben wir in ein Rotbraun verwandelt,
5:27 um eine gewisse Freundlichkeit zu erzeugen.
5:30 Es ist aber im selben Farbkanon vorhanden.
5:33 Dann tupften wir auf dem rauen Verputz die Spitzen des Verputzes
5:39 ganz leicht goldfarben.
5:43 Das bewirkt einen enormen Effekt.
5:46 Dadurch, dass die Spitzen hell werden,
5:49 wird das "Tal", der hintere Teil des Verputzes dunkler.
5:54 Rein relativ.
5:56 Das erzeugt eine enorme Tiefe.
5:59 Das war ein Element, das uns interessierte.
6:04 Es gibt den glatten Beton, den rauen Verputz Kann man das noch verstärken?
6:09 Das hat man mit dieser Massnahme erreicht.
6:12 Eine weitere feine Massnahme ist,
6:15 dass diese Gebäude aus den 70er-Jahren ganz dicke Kittfugen aufweisen.
6:19 Die sind klassischerweise grau.
6:21 Wir sagten uns, das interessiert uns nicht.
6:23 Wenn die grau sind, fällt das auseinander; es gibt diesen grauen Raster.
6:27 Wir überstreichen sie
6:29 mit der Farbe des Verputzes oder des Betons.
6:32 Einzelne streichen wir blau heraus.
6:36 Das Blau und das Gold auf den Spitzen sind zwei kleine Massnahmen,
6:40 die vielleicht nicht bewusst wahrgenommen werden,
6:43 für die Gesamterscheinung aber eine enorme Bedeutung haben.
6:52 Wir erklärten das Parkhaus unterhalb des Strassenniveaus zur öffentlichen Ebene.
6:57 Das ist auch Teil der Öffentlichkeit.
6:59 Wir haben also dieselben Farben, das gleiche Lichtkonzept,
7:02 das gleiche Signaletik-Konzept verwendet.
7:05 Das waren Massnahmen,
7:07 um die drei Ebenen Garten, Platz und öffentliches Parkhaus aneinanderzubinden
7:13 und alle drei je auf eigene Art attraktiv zu machen.
7:38 Es ist nicht ein blosses Make-up, keine Retusche.
7:42 Es ist eine Art Facelifting im positiven Sinne.
7:46 Die Substanz bleibt erhalten, aber man versucht über feine Veränderungen
7:51 ein Plus herauszuholen, bei dem es nicht nur darum geht,
7:55 etwas in die Jahre Gekommenes wieder ansehnlich zu machen,
7:59 sondern ihm eine neue Chance zu geben.

Jugendkulturhaus Dynamo

Architekturportrait mit Daniel Kaufmann und Michael Widrig – Die drei zum Betrieb des «Jugendkulturhaus Dynamo» gehörigen Gebäude wurden im Rahmen der Instandsetzung zwischen 2013–2015 von Kaufmann Widrig Architekten GmbH im Auftrag der Stadt Zürich optisch zu einer Einheit zusammengefasst. Die Gesamtwirkung der Häuser als Gruppe und ihre Präsenz an der Limmat wurden damit gestärkt. Das Haupthaus aus den 1980er-Jahren mit seinem prägnanten Satteldach markiert als «Grosses Haus» den Ort am Wasser und bietet Raum für Begegnung, Werkstätten und Konzerte.

0:13 Das Gebäude wird von den Jugendlichen sehr stark genutzt.
0:18 Es war sehr wichtig für uns, dass es genutzt werden und altern kann.
0:24 Dass die Patina, die hier drin entsteht,
0:27 nicht dazu führt, dass es desolat wird,
0:29 sondern dass sie zum Konzept gehört.
0:41 Das Gebäude wurde 1988 eröffnet.
0:46 Es war in mehreren Etappen erbaut worden.
0:49 Es steht auf den Kellern einer alten Brauerei.
0:53 Die Etappierung der Baugeschichte führte dazu, dass es ziemlich auseinandergefallen war.
0:59 Für uns war es wichtig, dass das Gebäude wieder eine Einheit wird.
1:06 Wir haben uns überlegt, was man tun müsste,
1:11 damit das Haus ein positives Zeichen im städtischen Raum wird.
1:16 Das wurde zum Leitgedanken für die Planung.
1:21 Alles, was wir machten, unterwarfen wir diesem Gedanken.
1:31 Es war spannend, sich in die Welt der 80er-Jahre hineinzudenken.
1:35 Wir entschieden uns, quasi mit dieser Welt weiterzustricken.
1:39 Wir machten ja eine Instandstellung. Wir hatten sehr wenige Mittel.
1:45 Der wichtigste Eingriff war die Erdbeben-Aussteifung.
1:49 Dabei fanden wir eine Möglichkeit,
1:51 das Gebäude, das vorher eine Art horizontale Trennfuge hatte,
1:56 zu einem einheitlichen Gebäude zusammenzusetzen.
1:59 Wir setzten V-förmige Stützen ein
2:01 und verbanden so den zweigeschossigen Sockelbau
2:05 mit dem darüberliegenden Konzertgebäude.
2:14 Wir versahen die Büroräume mit grösseren Fenstern,
2:18 weil die Fensterflächen laut Gesetz zu klein waren.
2:21 Wir machten Nutzungs-Rochaden bei Werkstatt- und Lagerräumen,
2:26 was auch da den Betrieb optimierte.
2:37 Wir schufen Backstage-Bereiche, die man bislang improvisiert hatte.
2:41 Die werden nun dem Begriff Backstage gerecht.
2:45 Es gibt eine Dusche, eine Toilette.
2:49 Wir haben die ganzen Bars neu organisiert.
2:52 Die Infrastruktur der Bars wurde verbessert.
2:56 Das waren ganz kleine Summen,
2:58 aber wir haben sie stets mit dem Bestand genutzt, also eingebaut.
3:02 Wir nahmen keine grossen strukturellen Veränderungen vor,
3:07 eher auf der Sezierebene: lauter kleine Schnitte.
3:13 Eine weitere Massnahme, die wir ergriffen haben:
3:17 Der Zugang, der auf der Limmatseite im Erdgeschoss liegt,
3:22 erschliesst einen Konzertsaal für 600 Leute, der im dritten Obergeschoss liegt.
3:28 Das Treppenhaus und der Eingang
3:33 waren überhaupt nicht adäquat für diese Nutzung.
3:37 Wir haben den Eingang neu gestaltet, ihn zweigeschossig gemacht,
3:42 die Treppenläufe optimiert.
3:45 So wurde der Eingang zum Konzertsaal erkennbar.
3:50 Der Konzertsaal wurde neu ausgerichtet.
3:53 So kann der Zugang in den Konzertsaal viel optimierter ablaufen.
4:20 Dazu gehörte auch die Bereinigung der Fluchtwege.
4:24 Das führte zu einer neuen Treppe an der Fassade, die der Stadt zugewandt ist.
4:32 Es gab einen Wettbewerb unter jungen Kulturschaffenden
4:36 für die Gestaltung der Fassade.
4:39 Man konzentrierte sich relativ schnell auf einen Beitrag.
4:43 Das ist, was man heute wahrnimmt, den Strichlinienraster.
4:49 Das sind zwei junge Künstler,
4:52 Simon Speckert und Alexandre Cottier. Sie haben das Projekt gemacht.
4:57 Die Farbgebung verwendeten wir nicht nur am Haupthaus,
5:01 sondern auch bei den Anbauten, den historisch geschützten Gebäuden.
5:06 Die Anbauten aus den 80er-Jahren sollten dieselbe Farbgebung bekommen.
5:10 Das ergibt eine Klärung in der ganzen Struktur.
5:13 Die beiden Künstler, die das Kunst-am-Bau-Projekt realisierten,
5:18 haben das mit uns diskutiert.
5:21 So haben wir ihr Kunstprojekt auf die Anbauten, die Häuser aus den 80er-Jahren ausgeweitet.
5:27 So tritt der Zusammenhalt,
5:29 die geschichtliche Klärung stärker in Erscheinung.
6:03 Das Dynamo ist ein Produktionsbetrieb.
6:08 Mit der Metallwerkstatt entwickelten wir eine Leuchte für die Eingangshalle.
6:15 Die Grafik im Gebäude machten wir gemeinsam mit der Grafikwerkstatt.
6:20 Der Einbezug der Benutzer sowohl als Sparringpartner,
6:25 aber auch direkt im kreativen Prozess, war für uns ganz toll.
6:53 Für mich ist dieses Gebäude eins,
6:57 das bisher hinter dem Platzspitz versteckt war.
7:02 Es hatte keine selbstbewusste Erscheinung.
7:05 Es war zwar ein Ort, den die Jugendlichen sehr stark nutzten und bearbeiteten,
7:11 aber es hatte nicht den Wert, den es hätte haben sollen.
7:31 Ich hoffe, das Dynamo tritt heute positiv in Erscheinung.
7:35 Dass es ein Ort ist,
7:38 den man als Jugendkulturort erkennt
7:41 und auch positiv wahrnimmt.

Friedhof Forum Sihlfeld

Architekturportrait mit Meritxell Vaquer i Fernàndez und Daniel Bosshard – Der Friedhof Sihlfeld wurde im Jahr 1877 nach den Plänen des Zürcher Stadtbaumeisters Arnold Geiser angelegt und ist heute im Inventar der schützenswerten Bauten aufgeführt. Das monumentale Friedhofstor ist beidseitig über schmale Bogenhallen mit zwei kreuzförmigen Hallenbauten verbunden. Um den Betrieb des Städtischen Friedhof Forums – für Fragen rund um die Themen Sterben, Tod und Trauern – zu ermöglichen, wurde das linke Gebäude im Jahr 2012 vom Architekturbüro Daniel Bosshard und Meritxell Vaquer i Fernàndez im Auftrag der Stadt Zürich umgebaut.

0:12 Wir wollten mit unserem Projekt einen Vorschlag machen,
0:16 der mit diesem Raum arbeitet,
0:19 und alles, was sonst verloren gegangen war, nochmals zum Leben erwecken.
0:44 Das Haus bildet den Auftakt zum Friedhof Sihlfeld,
0:49 diesem "Zentralfriedhof".
0:52 Dieses Konzept, das es bereits in Wien gab, war das Vorbild.
0:56 Diese Toranlage,
0:59 die relativ monumental ist in einem klassizistischen Sinn,
1:04 wurde von Stadtbaumeister Geiser gebaut.
1:08 Geiser war ein Schüler Sempers.
1:11 Das spürt man in diesen Räumen.
1:14 Das Konzept der Innenräume
1:19 und auch die Farbstimmungen ...
1:22 Das lehnt sich stark an die Theorien von Gottfried Semper an.
1:29 Was hier speziell ist:
1:31 Dieses Haus, das jetzt 150 Jahre alt ist,
1:34 hat immer noch diese Farben.
1:37 Das ist etwas Besonderes für Zürich.
1:41 Dass es einen Raum gibt, wo Farbe abblättern darf, wo es Risse gibt.
1:47 Dass das geschützt wurde, inspirierte uns
1:51 und die Weise, wie wir daran ergänzt und weiter gearbeitet haben, im Sinne Arnold Geisers.
1:57 Aber auch im Sinne dieser neuen Nutzung,
2:02 als Friedhof-Forum, das eine Begegnungsstätte sein soll,
2:07 wo man sich über die Fragen zum Tod austauscht.
2:12 Wo man vielleicht auch froh ist,
2:15 wenn die Stimmung eine lebendige ist und nicht eine sehr düstere.
2:20 Es gab eine gewisse Menge an Überlagerungen von Nutzungen,
2:24 was sehr interessant war
2:27 für so einen kleinen Ort. Es ist eigentlich ein kleines Häuschen.
2:36 Hier findet administrative Arbeit statt.
2:39 Es kommen aber auch Leute, die eine Auskunft brauchen.
2:43 Es gibt Veranstaltungen und Ausstellungen.
2:48 In diesem Sinne ging es darum, den Raum so zu denken, wie wir es kannten
2:53 aus unserem Beruf: wie ein Atelier, zum Beispiel ein Architekturbüro.
2:57 Wo vieles auch separat geschieht, Ereignisse von verschiedenen ...
3:03 ... sagen wir: Gattungen im selben Raum.
3:07 Das erzeugt diese Stimmung eines Ateliers.
3:11 Man kann es sogar Unordnung nennen.
3:15 Aber genau das suchten wir.
3:17 Wir fanden diese Stimmung unglaublich schön.
3:24 Die wollten wir weiter entwickeln, aber fröhlich machen.
3:28 Mit diesen silbrig schimmernden Lineamenten an den unteren Wandpartien.
3:33 Aber auch mit den Lampen und den Tischen,
3:36 die frei im Raum stehen.
3:39 Sie müssen einerseits Arbeitstische sein, für die Leute, die hier arbeiten.
3:46 Es müssen aber auch Vitrinentische sein, denn hier finden Veranstaltungen statt.
3:51 Künstler stellen Gegenstände aus.
3:54 Es gibt auch Vorträge und Lesungen.
3:57 Man sollte auch um diese Tische herum sitzen können.
4:03 Und gemeinsam etwas erleben.
4:07 Die Lampen sind ein ganz besonderes Moment, weil sie modern sind.
4:12 Sie sind modern, nicht nur weil es so sein darf.
4:17 Sie dürfen den Moment von heute auch zeigen.
4:21 Aber was auch wichtig war: Als das Gebäude gebaut wurde, gab es keine Elektrizität.
4:26 Als wir in diesen Raum kamen,
4:30 gab es keine elektrischen Installationen,
4:35 die fix waren.
4:37 Da muss man natürlich entscheiden:
4:41 Wann macht man die Elektrizität neu?
4:44 Und wie macht man das? Wir entschieden uns für zwei Strategien.
4:49 Eine galt den Lampen, die spektakulär sein mussten.
4:53 Sie mussten auch, wie andere Aktionen, Fröhlichkeit in den Raum bringen.
4:58 Die andere aber galt der Elektrifizierung des Mobiliars.
5:03 Alle Steckdosen sind im Mobiliar versteckt oder platziert,
5:07 aber nicht an den Wänden.
5:12 Erstens würde man die Wand technisch verletzen.
5:16 Aber dafür war es damals auch nicht vorgesehen.
5:21 Im Keller sieht man die Elektrifizierung, die wir jetzt erklären.
5:27 Die ganze Verteilung der Kabel für dieses Geschoss
5:32 passiert unten, in dieser Spinnennetz-artigen Anlage:
5:36 den Leitungen an der Decke im Keller, wo die Veranstaltungen passieren.
6:01 Wir fanden, es müsse ein Gleichgewicht geben
6:06 zwischen dem kleinen Eingangsraum, der grossartigen Aufbahrungshalle in der Mitte
6:11 und dem ehemaligen Gärtnerzimmerchen,
6:17 das ganz am Anfang ein Sezierzimmer war. Die waren gar nie öffentlich.
6:22 Die Frage war, wie machen wir das.
6:25 Dieser Raum war nie repräsentativ.
6:29 Er war weiss gekalkt ohne besonderen Boden. Er ist auch nicht hoch
6:37 und völlig flach. Nicht ornamentiert.
6:42 Obwohl das fast unmöglich ist, war das Ziel,
6:47 den drei Räumen gleich viel Bedeutung zu geben.
6:50 Das machten wir durch das Ultramarinblau mit den goldfarbenen Streifen.
6:56 Mit den Möbeln,
6:59 die die Gliederung des Hauptraumes aufnehmen.
7:04 Aber auch mit einer Malerei an der Decke,
7:08 die einen Bezug schaffen will
7:10 zu der grossartigen Stuckaturdecke der Aufbahrungshalle.
7:32 Hier haben wir einen Innenraum,
7:35 von dem zuerst niemand wusste, dass es ihn gibt.
7:39 Der ist nun öffentlich geworden.
7:42 Man kommt nicht mehr nur durch das Portal und geht daran vorbei.
7:48 Wir haben hier nun drei Räume,
7:53 eigentlich ein Haus, das für alle da ist.
8:00 Das man besuchen darf.
8:02 Jederzeit.
8:05 Zudem verortet es die Gedanken zum Tod.
8:11 Wir verdrängen das Thema sehr häufig.
8:14 Man will nicht daran denken, bis der Moment kommt.
8:17 Hier gibt es ein Angebot,
8:22 darüber nachzudenken, wenn man will und sich traut.
8:25 Und wenn man muss. Und das ist eine sehr schöne Idee.

Hallenbad City

Architekturportrait mit Ursina Fausch – Das Hallenbad City, vom damaligen Stadtbaumeister Hermann Herter geplant und von 1939–1941 erbaut, befindet sich im Inventar schützenswerter Bauten. Die zwischen 2010–2013 von Ernst Niklaus Fausch Partner AG im Auftrag der Stadt Zürich ausgeführte Gesamtsanierung umfasste nicht nur den Ersatz der veralteten Gebäude- und Badwassertechnik aus den 1980er-Jahren, sondern auch bauliche Anpassungen an aktuelle Bedürfnisse.

0:09 Es gibt nur ein Hallenbad City.
0:11 Es war das erste Hallenbad der Schweiz mit einem so grossen Becken.
0:15 Es ist durchtränkt, bei Wasser würde man sagen, durchspült
0:20 von drei Generationen Baukultur.
0:31 Die Herausforderung war:
0:34 Wie integrieren wir aktuelle Technik in ein über 70-jähriges Gebäude?
0:42 Wir fanden das Hallenbad in Betrieb vor. Die Leute gingen ein und aus.
0:46 Es war seit langer Zeit im Gebrauch.
0:49 Wir wussten, dass es jederzeit soweit kommen könnte,
0:53 dass man schliessen muss, weil etwas kaputt geht.
0:55 Es war vor 25, 30 Jahren umgebaut worden.
1:02 Damals - was typisch war für jene Zeit,
1:05 die 70er-Jahre - hatte man die ganze Gebäudetechnik, die zu erneuern war,
1:10 sichtbar gemacht.
1:14 Das war für uns aus heutiger Sicht die falsche Antwort
1:20 für dieses Gebäude aus den 30er-Jahren.
1:23 Es ist eine Ikone für das Neue Bauen in der Stadt Zürich.
1:27 Das Neue Bauen ist geprägt von Transparenz,
1:30 vom Umgang mit dem Programm, das man sieht,
1:34 von der Funktionalität, von der Nutzungsidee.
1:39 Und vor allem von der Begeisterung für Technik.
1:44 Man hat die neuesten Dinge eingebaut, die auf dem Markt waren.
1:49 Etwa eine Wärmepumpenanlage.
1:52 Die wurde in eine Maschinenhalle eingebaut, wo die Bevölkerung sie sehen konnte.
1:58 Aber man hat das nicht nach aussen gestülpt, wie wir es vorfanden.
2:20 Das Programm sieht man gut anhand der Vielfalt der Nutzungen im Gebäude.
2:25 Es wurde nicht nur gebadet. Es gab ein Café mit Blick auf die Stadt.
2:30 Es gibt eine Gymnastikhalle, wo man sich bewegen konnte,
2:34 und eine Liegewiese für das Sonnenbad.
2:37 Es gibt den Hauptraum nach Süden, die Schwimmhalle.
2:40 Es gibt die zudienenden Räume zur Stadt hin, mit den Garderoben.
2:45 Die wurden damals auch so gebaut,
2:50 dass man Metallfenster hatte, also edle Fenster, in der Schwimmhalle,
2:54 und Holzfenster, also das Alltagsmaterial, zum Vorplatz hin.
3:02 Dort drin, und nun entferne ich mich vom Credo der Moderne, ist die Eingangshalle,
3:07 die eigentliche Schöpfung des Architekten Hermann Herter.
3:11 Mit der Eingangshalle, die etwas vorsteht,
3:14 hat er die Adresse zur Stadt formuliert.
3:17 Das Gebäude steht in zweiter Reihe, hat eine nicht so gute Adresse.
3:23 Mit dieser Schöpfung, die vorsteht, und mit den edlen Fenstern aus Metall
3:27 hat er es geschafft, dass man von hier vorne, von der Sihlporte, das Gebäude sofort erkennt.
3:41 Wir gingen so vor, dass wir zuerst mal schauten,
3:44 was finden wir vor, in welchem Zustand ist es? Was ist noch brauchbar?
3:48 Das brachte uns dann dazu,
3:51 dass wir sagten, als wesentliches Element muss die Lüftung neu konzipiert werden.
3:56 Die Lüftung wurde in den 70er-Jahren als Abluftanlage gut sichtbar gefasst
4:01 unter dem alten Oberlicht.
4:06 Sie wurde quer durch die Eingangshalle in den Keller geführt.
4:11 Es galt, die Lüftung neu und anderswo zu konzipieren,
4:14 damit man die Schwimmhalle mit dem Oberlicht wiederherstellen
4:17 und die Eingangshalle freiräumen kann.
4:20 Sodass man hereinkommt und einen freien Raum vorfindet
4:24 und die ganze Dramaturgie des Badens, wenn man als Badegast durchs Haus geht,
4:29 wieder erlebbar wird.
5:04 Das Oberlicht in der Schwimmhalle transportiert in der Raumstimmung
5:10 einerseits ein Element der Bäder aus dem 19. Jh.:
5:13 die Thermentypologie, wo das Licht von oben einfällt.
5:17 Wenn man die alten Bilder ansieht, war das eine einmalige Situation:
5:23 Es gab eine Verglasung auf der unteren Seite, die gewellt war.
5:31 Bei der Wiederherstellung gingen wir vor wie bei allen Massnahmen bei dem Projekt:
5:37 Wir schauten immer zuerst, was noch vorhanden ist.
5:41 Wie kann man es noch verwenden?
5:43 Wie kann man es neu interpretieren, um wieder dem Wesen der Architektur nahezukommen,
5:50 das Hermann Herter damals postulierte.
6:04 Beim Oberlicht war es so,
6:07 dass wir ein voll funktionsfähiges Tragwerk vorgefunden haben.
6:13 Das sind Fachwerkträger aus Stahl.
6:16 Vorhanden waren auch noch die Träger,
6:19 in denen die ursprünglichen Gläser standen.
6:22 Also die Stahlträger.
6:25 Heutige Verglasungen sind aber um ein Vielfaches schwerer.
6:28 Heute gelten andere normative Vorgaben,
6:32 also andere Gesetze, was ein Glas über dem Kopf erfüllen muss.
6:35 Es darf nicht herunterfallen, wenn es bricht.
6:37 Das war früher nicht so.
6:39 Bei all unseren Überlegungen, was wir machen könnten,
6:43 mussten wir stets die Rechnungsmaschine dabei haben
6:47 und bedenken: Das wird schwerer, geht nicht.
6:49 Das originale Tragwerk trägt eine gewisse Anzahl Kilo.
6:53 Wenn es schwerer wird, geht es nicht.
6:55 Das war die Herausforderung: Wie kriegen wir das hin,
6:59 dass es geht, ohne das Tragwerk zu verstärken.
7:02 Denn das hätte es zerstört. Wir wollten es aber erhalten.
7:06 Die Lösung war die: Das Glas hält sich selber.
7:10 Es steht in den alten Stahlträgern, auf die natürlich Korrosionsschutz kam,
7:18 Dann haben wir am Rand die Wellen kleiner gemacht,
7:22 und in der Mitte werden sie steiler.
7:24 Das ist so zurückhaltend, dass viele, die zum ersten Mal hier sind, es nicht sehen.
7:30 Wer aber täglich im 50m-Becken auf dem Rücken schwimmt,
7:34 hat es wohl unterdessen entdeckt.
7:36 Dass die Faltung nicht über die ganze Länge denselben Winkel aufweist.
7:51 In Bezug auf die Nutzung
7:54 und den Umstand, dass es auch ein denkmalpflegerisches Schutzobjekt ist,
7:59 war diese Aufgabe fast ein Glücksfall für uns.
8:04 In der Denkmalpflege hat man oft das Problem, ein Gebäude umnutzen zu müssen,
8:09 weil es nicht mehr so genutzt wird, wie es mal vorgesehen war.
8:12 Hier war in Bezug auf die Nutzung vor allem das die Aufgabe -
8:19 und jetzt komme ich auf das Architektonische zu sprechen:
8:22 das Ursprüngliche des Badeerlebnisses wieder spürbar zu machen.
8:26 Die Atmosphäre, die diesen Räumen innewohnt, wieder spürbar zu machen.

Wohnsiedlung Kronenwiese

Architekturportrait mit Armon Semadeni – Die zwischen 2014–2017 von Armon Semadeni Architekten GmbH im Auftrag der Stadt Zürich realisierte «autoarme» Wohnsiedlung Kronenwiese bietet nebst Gewerberäumen, Kindergarten und Hort 99 in Grösse und Zuschnitt höchst unterschiedliche Wohnungen. Geschickt ist der Neubau in das steile Terrain eingebettet und reagiert mit seinen Wohnungsgrundrissen gekonnt auf die unterschiedlichen Umgebungssituationen.

0:05 Für eine starke Baukultur
0:08 ist der gesamte gesellschaftliche Prozess notwendig:
0:12 die ökonomische Seite, die ökologische Seite,
0:16 dann natürlich die soziologischen Aspekte, die gesellschaftlichen Aspekte.
0:20 Die politische Auseinandersetzung ist auch Teil davon:
0:23 Wie geht man mit den letzten Grünflächen um?
0:26 Man kann dafür oder dagegen sein. Baukultur ist aber auch Diskussionskultur.
0:33 Ich denke, das ist sehr wichtig.
0:47 Das Besondere an der Aufgabe war sicher der Ort.
0:50 Eine spezieller Ort, mitten in der Stadt Zürich.
0:54 Mit vielen Qualitäten,
0:57 mit der Südlage, dem Park nebenan, der Nähe zur Limmat
1:01 und zum öffentlichen Verkehr.
1:03 Aber auch ein Ort, der ein paar Schwierigkeiten mit sich brachte.
1:08 Ein sehr stark abfallendes Terrain.
1:11 Nebenan ist eine sehr stark befahrene Strasse, eine Kantonsstrasse.
1:16 All diese Wohnungen - am Ende haben wir 99 Wohnungen gebaut -
1:21 alle Wohnungen sollten einen Teil dieser Qualitäten abholen können,
1:26 an der Südlage, am Park, am Aussenraum teilhaben können.
1:32 Andererseits mussten wir auch die Herausforderungen mit dem Lärm
1:36 und mit der hohen Dichte, die gefordert war, umsetzen können.
1:43 Eine grosse Frage war sicher,
1:45 wie die halbprivate Wohnsiedlung mit dem öffentlichen Park umgeht.
1:51 Der Schindlerpark, wie er historisch gewachsen ist und in der Stadt steht,
1:56 findet seinen Abschluss mit der Kronenstrasse.
2:00 Dort endet er. Die Wohnsiedlung ist ein privates Bauwerk,
2:05 das mehrheitlich privat genutzt wird, natürlich mit öffentlichen Einflüssen.
2:09 Wir versuchten, durch die halb-offene Gebäudefigur
2:13 eine städtebauliche Typologie zu finden, die diese Qualitäten vereinen kann,
2:17 einerseits einen Abschluss schafft zum Park, andererseits aber einen offenen Raum hat,
2:21 zum Park und zu dieser Orientierung hin.
2:34 Was die Lärmtypologie angeht: Wir haben an den Grundrissen gearbeitet.
2:39 Entlang der Strasse entwickelten wir eine Lärmtypologie, die es hoffentlich schafft,
2:45 dass die Strasse nicht primär als störendes Element wahrgenommen wird,
2:52 sondern dieser Wohnsiedlung auch eine zusätzliche Qualität verleiht.
2:57 Die Wohnungen haben doppelgeschossige Wohnküchen,
3:01 gegen Westen orientiert.
3:03 Unsere Hoffnung ist, dass dies die Akzeptanz dieser beiden Aspekte stärkt.
3:09 Dass beide gleichzeitig Einfluss nehmen können auf die Qualität der Wohnungen.
3:38 Es ist kein luxuriöser Wohnungsbau, sondern ein städtischer Wohnungsbau
3:42 mit relativ knappen Wohnflächen.
3:45 Alle haben aber einen grosszügigen Aussenraum.
3:51 Sie sind zu 90 Prozent nach Süden orientiert oder nach Westen.
3:56 Ein paar Wohnungen sind mit ihrem Aussenraum nur gegen die Nordstrasse orientiert.
4:00 Die haben dafür im Sommer eine attraktive Morgensonnenseite.
4:05 Sie tragen natürlich dazu bei,
4:07 dass das Gebäude gegenüber der Stadt offen ist und kommunizieren kann.
4:13 Sodass nicht alles auf einen Punkt fokussiert,
4:15 sondern das Gebäude allseitig orientiert ist.
4:20 Neben den ganz öffentlichen und den privaten Räumen
4:23 gibt es die wichtigen halbprivaten Erschliessungsräume.
4:28 In der Wohnsiedlung Kronenwiese sind das neun Treppenhäuser.
4:34 In einem mehrstufigen Wettbewerbsverfahren für Kunst am Bau
4:39 wurde der Beitrag von Christian Kathriner ausgewählt.
4:44 Der setzt sich sehr stark mit den Räumen auseinander.
4:48 Dadurch gab es eine selbstverständliche Verflechtung
4:52 mit dem künstlerischen Element,
4:55 das den Umgang mit dem Material sehr stark thematisiert.
4:59 Hoffentlich ermöglicht das auch eine Akzeptanz und eine Annäherung auf verschiedenen Ebenen.
5:20 Durch das stark abfallende Gelände entstehen viele Terrassensituationen.
5:24 Es gibt eine für die Kinderkrippe oder den Kindergarten.
5:28 Da zwingt einen das Programm, ebene Flächen zu schaffen,
5:32 mit den heutigen Ansprüchen an die Aussenräume.
5:35 Durch diese Abtreppung ergab sich der Umgang
5:40 mit der gestalteten Umgebung. Die ist ja nicht natürlich gewachsen.
5:45 Die Kronenwiese, die vorher hier war, hatte nicht schon immer so ausgesehen.
5:51 Das war eher eine künstliche Natur.
5:55 In dieser Logik haben wir die Implementierung der Wohnsiedlung
6:00 und der öffentlichen Nutzung im Erdgeschoss weiterentwickelt.
6:04 Sodass jeder Teile des Erdgeschosses nutzen und für sich in Anspruch nehmen kann.
6:09 Der Innenhof ist primär für die Bewohner da.
6:12 Er steht aber der Öffentlichkeit offen.
6:15 Es gibt ans Gebäude angelagerte Nutzungen wie den Kindergarten und die Kinderkrippe.
6:21 Oder auf der Strassenseite eine gewerbliche Nutzung.
6:24 In dem Aussenraum können sich kleine Gewerbebetriebe präsentieren.
6:35 Dadurch, dass sie so zentral gesetzt ist
6:38 und in ein bestehendes Quartier implementiert wird,
6:41 gab es für uns immer zwei Seiten:
6:44 Es gab einerseits die primäre Nutzung für die zukünftigen Bewohner.
6:48 Die Wohnnutzung und die Wohnqualität stehen sicher an erster Stelle.
6:52 Andererseits gab es auch die halböffentlichen und öffentlichen Nutzungen.
6:57 Im Erdgeschoss waren die sehr wichtig.
7:00 Das war ein politischer Auftrag.
7:03 Das war die löbliche Vorarbeit derer, die den Wettbewerb ausgeschrieben haben.
7:07 Unsere Aufgabe war, die Nutzungen möglichst präzise im städtischen Kontext zu setzen.
7:12 Sie so logisch zu setzen, dass Verbindungen zum Quartier entstehen.
7:17 Dass sich das Gebäude möglichst schnell mit dem Quartier verbindet
7:21 und Akzeptanz findet innerhalb der gebauten Strukturen.
7:29 Der baukünstlerische Ansatz in diesem breiten baukulturellen Blickpunkt
7:35 war unser Bemühen,
7:38 einerseits alle Ansprüche der Gesellschaft an ein gebautes Umfeld
7:42 zu vereinen und abzubilden.
7:44 Die Ansprüche sind sehr unterschiedlich.
7:48 Andererseits hatten wir den Anspruch als Architekten und "Baukünstler",
7:55 diese in einem Gesamtkonzept zu vereinen,
7:59 damit sich ein gesamtheitliches Bild ergibt.
8:02 Dieses weist auch Brüche und Unwägbarkeiten auf.
8:05 Das gehört auch zu der Gesellschaft, in der wir uns befinden.
8:16 Es ist nicht mehr das harmonisch geschlossene Stadtbild des 19. Jh.,
8:20 sondern ein diverses und diversifiziertes Bild
8:23 der Gesellschaft und der Bauten, die wir erstellen.

OIZ Hauptstandort Albis

Architekturportrait mit Bruno Krucker – Mit dem Neubau und der Instandsetzung des Gebäudekomplexes an der Albisstrasse wurde von vonBallmoos Krucker Architekten AG im Auftrag der Stadt Zürich ein neuer Hauptsitz für Organisation und Informatik Zürich (OIZ) entworfen. Rund 400 Büroarbeitsplätze, Rechenzentren und ein Seminarzentrum für die Schulung von Mitarbeitenden der Stadtverwaltung wurden während der Bauzeit zwischen 2010–2012 geschaffen.

0:08 Wie die meisten Architekten haben auch wir noch nie ein Rechenzentrum gebaut.
0:13 Das gibts ja nicht häufig, was schön war.
0:16 Das bedeutet auch ein Riesenteam mit technischen Spezialisten:
0:20 Ingenieuren, Elektrotechnikern, IT-Leuten.
0:23 Die Architektur läuft eher nebenher, obwohl man sie am Ende am meisten sieht.
0:45 Am Anfang sah es nach einer reinen Umbaulösung aus.
0:48 Das heisst, die bestehenden Gebäude umzunutzen.
0:52 Das geschah teilweise auch: Das Rechenzentrum ist ein bestehendes Gebäude.
0:56 Doch die technischen Bedürfnisse -
1:00 neue Fluchtwege, neue Abluftanlagen und Kamine
1:03 für die Notdieselanlagen - führten dazu,
1:06 dass man das ganze Gebäude neu einpacken musste.
1:10 Es war ein relativ unansehnlicher Würfel, was die Proportionen angeht.
1:15 Das mussten wir eh verändern.
1:17 Das schafften wir auch mit dem Zwischenbau, der ebenfalls notwendig wurde.
1:23 Hier war verseuchtes Gebiet;
1:26 Siemens hatte hier bereits im 19. Jahrhundert Labors.
1:30 Wir fanden relativ viele Schadstoffe im Boden.
1:33 Darum konnten wir zwischen den bestehenden Gebäuden den Neubau machen.
1:39 So konnten wir den alten Würfel des Serverzentrums
1:45 mit dem Altbau verbinden, über die Architektur, die man jetzt nur von aussen sieht.
1:49 Über Abkantungen und über das gemeinsame Material, das Blech,
1:54 wird ein grosser Zusammenhang geschaffen:
1:57 eine plastische Ausformulierung der Architektur.
2:01 Das führt dazu, dass man die diversen Volumen und Bedürfnisse im selben Gebäude unterbringt.
2:09 Da es ein Laborgebäude war, hatte es eine Geschosshöhe von 5.5 m.
2:13 Ebenso der Rechenzentrumsteil.
2:15 Das passte lustigerweise zusammen.
2:18 So konnten wir im Zwischenbau die gleiche Geschosshöhe übernehmen.
2:23 Im ersten Obergeschoss gab es ja auch eine Ausweitung der Büroetagen.
2:28 Wir konnten also Räume schaffen, die im Umbaubereich die volle Höhe haben.
2:32 Wir haben immer gesagt: "Wir machen Loftbüros."
2:35 Es sind eigentlich Grossraumbüros,
2:38 enorm grosse Büros bezüglich der Grundfläche.
2:47 Nutzungsmässig reagierten wir auf diese Fragen.
2:50 Im Umbauteil gibt es so etwas wie eine innere Mitte,
2:55 wo Utilityräume sind, Toiletten, Serviceräume.
2:59 Daneben brachten wir dort auch kleine Sitzungszimmer unter.
3:02 Zum Teil nur sogenannte Think Tanks für knapp zwei Personen.
3:06 Das sollte als Alternative zu dem grossen Raum
3:11 eine Rückzugsmöglichkeit sein,
3:13 wo nicht unbedingt private, aber ungestörte Gespräche geführt werden können.
3:18 Man kann da auch telefonieren, was mit Handys kein Problem ist.
3:21 Da führten wir zusätzlich Vorhänge ein, ein Mittel,
3:27 um Transparenz zu steuern.
3:29 Eigentlich mag man es offen,
3:31 aber es gibt Situationen, in denen man es schätzt, wenn es etwas intimer ist.
3:36 Oder wenn man am Computer arbeiten muss.
3:39 Die mobilen Mittel wie Vorhänge und Lichtsteuerung erlauben es,
3:42 diese Bereiche sehr individuell zu nutzen.
3:52 Es war wichtig, möglichst flexible Räume zu schaffen.
3:56 Das bedeutete für uns, dass wir alle Installationen offen führen.
4:00 Man kann sie daher schnell wieder umbauen
4:03 und hat dazu ökologische Vorteile:
4:05 Es ist nicht eingepackt. Es ist nur da, was nötig ist, mehr nicht.
4:09 Wir setzten das aber auch als Ästhetik ein.
4:14 So hat es nicht nur eine technische Funktion;
4:17 man findet gleichzeitig einen Ausdruck und eine Atmosphäre
4:22 in den Räumen selber.
4:24 Man sieht also ganz wohlgeordnet diese Technik,
4:27 die ganz verschiedene Aspekte annehmen kann.
4:29 Als blickte man von hinten in einen Fernseher, oder unter die Kühlerhaube eines Autos.
4:34 Das hat eine ganz eigene Ästhetik, einen eigenen Ordnungsgrad.
4:38 Den finde ich interessant.
4:40 Der ermöglicht auch, gewisse Komponenten nach ein paar Jahren auszutauschen.
4:44 Es gibt dann andere, die einen anderen Ausdruck bewirken.
4:55 Es gab die beiden bestehenden Bauten.
4:58 Dazwischen war es einerseits nötig, einen Neubau zu machen,
5:01 andererseits aber auch erwünscht,
5:03 da die Stadt Zürich ein recht komplexes Raumprogramm hatte.
5:07 Die Dichte des Programms führte dazu, dass wir es über zwei Geschosse organisierten.
5:11 Zudem ist das Gebäude so dick, dass wir einen Lichthof einführten,
5:15 der in der tiefen Mitte einen räumlichen Zusammenhang gibt
5:19 und auch wieder Licht hereinbringt.
5:22 Was ich am Lichthof besonders interessant finde, ist,
5:25 dass er den geschlossenen Kubus des Serverraums zeigt.
5:28 Es hilft dem ganzen Gebäude, das leicht Labyrinthische etwas zu überwinden,
5:34 die Struktur zu klären und Orte zu bilden, an denen man wieder weiss, wo man ist.
6:15 Wir dachten, wenn man den ganzen Tag in diesen Gebäuden ist,
6:18 will man verschiedene Atmosphären haben.
6:20 Darum das Erdgeschoss mit dem Holzzementboden und den Farben.
6:25 In den Büros gibt es recht kräftige Grüntöne.
6:29 Es gibt überall die Holzzementplatten.
6:32 Und als dritte Stimmung gibts das Café, das wieder eine andere Welt ist.
6:36 Die stehen alle miteinander in Bezug,
6:38 bringen aber gleichzeitig genug Differenz ein.
6:42 Verbringt man den ganzen Tag in einem solchen Haus,
6:45 können wir als Architekten diesen Aspekt beeinflussen oder steuern.
6:56 Gerade weil die ganze Anlage aus so vielen verschiedenen Teilen besteht,
6:59 konnten wir über die Konturen das Volumen beeinflussen,
7:05 über die notwendigen Anbauten, über den Zwischenbau.
7:09 Damit haben wir auch ein gemeinsames Material verbunden.
7:13 Wir verwendeten ein reines Aluminium-Streckmetall.
7:17 Das ist auch recycelbar, ein wichtiges Kriterium für die Stadt Zürich.
7:21 Der ganze Bau ist sehr ökologisch. Dafür haben wir auch gekämpft.
7:27 Das Alu-Blech war einfaches, günstiges Mittel, um das Ganze in einen Zusammenhang zu bringen.
7:33 Wenn man genau hinsieht, zeigen wir die Alu-Teile nicht als Einzelteile,
7:37 sondern haben sie überlappend verlegt,
7:39 so dass es fast wie ein Stoff aussieht, also geradezu textile Qualitäten annimmt.
7:45 Das verleiht ihm eine beachtliche Leichtigkeit,
7:48 obwohl gerade der Serverteil ein ziemlich massives Volumen ist.
7:53 Wir sind hier nicht in einem Industriegebiet. Es wird mehr und mehr Wohngebiet.
7:58 Also fanden wir, da müssen wir gewisse Feinheiten schaffen.
8:01 Die sollten von weitem funktionieren, so als grobes Volumen in den Proportionen,
8:06 zum andern auch, wenn man näher kommt,
8:09 andere Aspekte, fast haptische Qualitäten bilden.

Strandbad Wollishofen

Architekturportrait mit Philipp Sigg – Das 1939 vom Architekten und damaligen Stadtbaumeister Hermann Herter erbaute Strandbad Wollishofen ist ein architekturhistorisch wertvolles Beispiel der Badekultur und des Neuen Bauens der vierziger Jahren. Die sanierungsbedürftige Anlage wurde unter Berücksichtigung ihrer denkmalpflegerischen Bedeutung zwischen 2013–2014 von nusus – Niedermann Sigg Schwendener Architekten AG im Auftrag der Stadt Zürich umfassend instandgesetzt.

0:02 Das Strandbad steht für eines von vielen Bauteilen,
0:07 die zur Zürcher Bäderkultur beigetragen haben.
0:11 Im Zusammenhang mit der Zürcher Bäderkultur
0:14 kamen auch noch ergänzende Bauten dazu wie das Letzibad, das Strandbad Tiefenbrunnen.
0:19 Die tragen sicher zur Lebensqualität in der Stadt Zürich bei.
0:43 Die Herausforderung bei diesem Bauvorhaben war
0:48 die Auseinandersetzung mit Hermann Herter, der lange Zeit Stadtbaumeister war.
0:54 Und sich mit einem solchen Gebäude auseinanderzusetzen.
0:57 Was bedeutet dieses Gebäude genau?
1:00 Natürlich war eine weitere grosse Thematik,
1:03 all die addierten Elemente, die an dem Gebäude hingen,
1:09 wegzudenken, zu entfernen.
1:11 Die Grundstruktur wieder spürbar zu machen,
1:16 damit man überhaupt das Grundkonzept, die Grundidee dieses Gebäudes erkennt.
1:43 Das Gebäude steht an einer stark befahrenen Strasse
1:47 und zieht sich in einer unglaublichen Länge der Seestrasse entlang.
1:52 Über zwei Endkörper oder Abschlüsse fasst es einen Raum,
1:57 der die Badewiese ist,
1:59 die von dieser unglaublich grossen Kastanie ergänzt wird.
2:03 Es vermag abseits der Hektik der Stadt Zürich einen Ort zu schaffen,
2:07 der eine gewisse Mystik ausstrahlt.
2:10 Der vom Lärm abgewandt ist und eine ganz neue Atmosphäre schafft, am See.
2:15 Der in kurzer Zeit Ferienstimmung näherbringt.
2:20 Das ist sicher eins der spannenden Themen.
2:24 Das haben wir angetroffen, das hat schon bestanden.
2:29 Es war die Intention, einschliesslich der Umgebung,
2:32 alles im Geist der damaligen Zeit wieder herzurichten,
2:38 der Zeit des Neuen Bauens, dieser Luft-Licht-Sonne-Körperkultur-Thematik.
2:43 Und auch die Materialien zu verwenden,
2:46 die aus der Zeit stammen, um dort zu versuchen weiterzustricken.
2:56 Das hat uns im ganzen Prozess beschäftigt:
2:59 das Thema Entfernen, Restaurieren,
3:03 Neumachen.
3:06 So zu restaurieren oder neu zu machen, dass man nicht sieht, dass es neu ist,
3:10 und doch ist es neu.
3:13 Es hat sich aber möglichst am Bestand angepasst.
3:16 Wie zum Beispiel dieses Geländer, das den heutigen Normen entsprechen musste.
3:22 Zuerst mussten wir herausfinden, wie wir das schaffen,
3:25 an einer feinen Betonkante ein Geländer zu montieren,
3:28 das den heutigen Anprall-Lasten Stand hält.
3:31 Es aber so erscheinen zu lassen, dass es aussieht, als wäre es von 1939.
3:52 Dann gibt es auch Elemente, die bewusst neu hinzugefügt wurden.
3:57 Damit man auch sieht, dass sie neu sind. Etwa der gewellte Beton.
4:01 Oder die grossflächig eingeführten Wandverschalungen und Türen aus Holz.
4:10 Wir versuchten, die bestehenden Materialien weiterzuverwenden oder herauszuschälen.
4:15 Das Holz herauszuschälen,
4:18 das wie der Beton dick mit Farbschichten und Kunststoff belegt war.
4:23 Das hervorzuholen und das Gebäude mit den gleichen Materialien zu ergänzen,
4:29 damit es für die neuen heutigen und hoffentlich auch zukünftigen Bedürfnisse,
4:33 für die nächsten 20 Jahre tauglich ist.
4:46 Früher wie heute gab es getrennte Damen- und Herrengarderoben.
4:52 Zusätzlich gab es Herren- und Knaben-, Damen- und Mädchengarderoben.
4:59 Früher gab man seine Kleider einer Empfangsperson ab,
5:04 die die Gegenstände entgegennahm.
5:07 Diese Flächen waren relativ gross.
5:09 Die wurden in der Form nicht mehr benötigt.
5:12 Das bot also eine neue Chance,
5:15 mit den so verbliebenen Flächen innerhalb des Gebäudes
5:19 zusätzliche Nutzungen anzubieten.
5:22 Wie etwa das gedeckte Restaurant unten, das über die Küche bedient wird,
5:27 oder ein Mehrzweckraum, den man mieten kann.
5:31 So besteht bei schlechtem Wetter die Möglichkeit,
5:36 den Betrieb des Bads weiterzuführen.
5:38 Damit nicht wieder das ganze Haus mit Plastik eingedeckt wird,
5:42 weil es zu kalt ist. So schafft man eine geschützte Atmosphäre,
5:47 damit die Leute kommen.
5:49 Es gibt jetzt das gedeckte Freiluftrestaurant.
5:54 Da kann man an einem warmen, sonnigen Nachmittag
5:57 im Schatten einen Snack geniessen.
6:00 Wo man Schiffsdeck-artig im ersten Obergeschoss sitzen kann,
6:04 den See vor sich hat und den Betrieb geniessen kann.
6:07 Und gleichzeitig hat man die Möglichkeit mit dem gedeckten Mehrzweckraum,
6:12 auch wenn es kälter ist, drinnen zu sitzen und etwas essen und im Bad zu sein.
6:31 Wenn es uns gelungen ist, im Geiste Hermann Herters
6:37 die Badeanstalt wieder so weit zu bringen, dass man sie als solche wahrnimmt,
6:41 nicht als verstaubtes Gebäude, das vor vielen Jahren gebaut wurde
6:46 und ein bisschen vergammelt, dann freut uns das. Wir haben es geschafft,
6:51 ein Baudenkmal dorthin zu bringen, dass es wieder als positiver Ort,
6:56 als stadtprägender Ort wahrgenommen wird.
7:00 Und wenn es diese Qualität hat, bleiben wir gerne etwas im Hintergrund.
7:07 Wir wissen aber schon, dass wir einen Beitrag dazu geleistet haben,
7:11 dass das Gebäude wieder da ist, wo es vielleicht vor 80 Jahren gestanden hat.

Rio Bar

Architekturportrait mit Bruno Schneebeli und Sigi Stucky – Mit dem Umbau des ehemaligen Dienstgebäudes von Hermann Herter aus dem Jahre 1935 zu einer kleinen Bar ist die Halbinsel am Zusammenfluss von Sihl und Schanzengraben zu neuem Leben erwacht. Vor dem baulichen Eingriff noch als Rückseite der Stadt wahrgenommen, hat sich der Ort am Quartiersübergang zwischen City und Aussersihl nach dem Umbau (2008–2009) vom Haus und Platz zu einem beliebten Treffpunkt gewandelt. S2 Stucky Schneebeli Architekten haben das Dach als charakteristisches Element des Herter Baus betont erhalten. Ganz der Nutzung entsprechend wurde das Haus jedoch mit der dreiseitig umlaufenden Verglasung geöffnet.

0:40 Müsste ich jetzt das Projekt in einem Wort, einem Satz zusammenfassen, würde ich sagen:
0:47 Das ist die Entdeckung eines unbekannten Orts mitten in der Stadt.
1:01 Das Haus wurde 1932 von Hermann Herter gebaut.
1:05 Hermann Herter war in der Stadt Zürich eine spannende Figur. Er war Stadtbaumeister.
1:12 Er zeichnete für viele kleine und grosse Infrastrukturbauten.
1:18 Das Haus bildet den Brückenkopf, eine Art Eingangssituation zum Zentrum.
1:24 Typische Elemente des Hauses sind einerseits die gestockte Betonmauer
1:31 und andererseits das auskragende Dach, ein Element, das bei Herter häufig vorkommt.
1:38 An diese zwei Hauptelemente knüpfte unser Entwurf an.
1:50 Die Aufgabe des Planwahlverfahrens verlangte, dass wir an diesem Ort ein Take-away bauen.
1:58 Nachdem wir den Auftrag bekommen hatten,
2:03 sahen wir, dass das Potenzial an diesem Ort riesig ist.
2:08 Hier kommen die beiden Flüsse zusammen,
2:13 der Kanal und der Fluss, die grossen Platanen ...
2:17 So nah am Zentrum,
2:19 30 Sekunden vom Löwenplatz und so weiter.
2:23 Es ist eigentlich ein ganz toller Ort.
2:30 Wir sagten uns: Daraus müssen wir mehr als ein Take-away machen.
2:34 Wir konnten unsere Überzeugung dann mit der Stadt Zürich diskutieren.
2:41 Wir konnten die Stadt als Bauherrin davon überzeugen,
2:46 dass hier mehr möglich ist.
2:50 Dass mehr als ein Take-away möglich ist.
2:52 Es war ein langer Prozess. Wir mussten viele Stellen überzeugen.
2:57 Aber das haben wir geschafft.
3:01 Auf allen Ebenen waren alle überzeugt von dieser Idee.
3:07 Wir stellten uns die Frage,
3:10 wie setzt man die Aufgabe, die Themen um.
3:14 Wie verwandelt man ein solches Haus
3:17 in einen öffentlichen, attraktiven Treffpunkt mitten in der Stadt?
3:22 Wir machten eine dreiseitig durchgehende Glasfront.
3:28 Wir haben das Haus stark geöffnet.
3:31 Das Ziel war, möglichst viel Grosszügigkeit zu schaffen.
3:35 Im Innern und nach aussen.
3:43 Der Platz, den es schon immer gab,
3:46 war eigentlich ein Asphaltplatz.
3:50 Dadurch nahm man ihn auch nicht als Platz wahr.
3:55 Es war eine Asphaltfläche, auf der zwar zwei riesige Platanen standen,
4:01 aber völlig unbedeutend.
4:04 Ungenutzt, ohne Aufenthaltsqualität.
4:09 Wir konnten dem Schanzengraben entlang das Nebengebäude bauen,
4:16 in dem die Container sind.
4:19 So schufen wir die Intimität des Platzes. Es braucht dieses Spiel:
4:23 Aus einem intimen Raum heraus betrachtet man die Stadt.
4:26 Genau gleich, wenn man im Gebäude drin ist.
4:29 Durch die Verglasung sitzt man geschützt im Gebäude,
4:33 aber da läuft sozusagen ein Film.
4:41 Wir haben einen sehr grossen Eingriff gemacht, aber so wie es nun geworden ist,
4:46 wirkt die Lösung sehr einheitlich.
4:50 Es wirkt so, als sei es immer schon so dagewesen.
4:54 Dafür haben wir uns die Referenzen von Hermann Herter genau angesehen.
5:00 Aber auch von anderen zeitgenössischen Bauten und Architekten.
5:06 Das geht bis zur Profilierung der ganzen Fensterfront,
5:09 die als Element ins Gebäude eingeschnitten ist,
5:14 von der Machart her aber eher etwas Traditionelles hat.
5:23 Die Oberfläche des Betons war auch ein Thema.
5:27 Das kam vom bestehenden Haus, das aus gestocktem Beton gebaut war.
5:31 Das ist ein sehr starkes und schönes Element.
5:35 Das haben wir im Innern weitergezogen.
5:39 So dass auch dort eine Art Neuinterpretation des Alten und des Bisherigen stattfindet.
5:46 Daraus entsteht eine neue Qualität, eine neue Einheit von Alt und Neu.
5:53 Durch unseren starken Eingriff, der das Haus sehr geöffnet hat,
5:58 aber gleichzeitig mit der Integration neuer Massnahmen ins Ganze
6:04 entstand ein sehr kräftiges Haus, ein kleines, aber starkes Haus.
6:10 Es markiert diesen schwierigen Ort.
6:15 Selbstbewusst und als wichtiger Punkt in diesem Quartier,
6:20 an diesem Ort. Eine Art Brennpunkt.
6:25 Die Leute kommen gern hierher. Man hält sich gern hier auf.
6:38 Wenn wir ein Take-away gemacht hätten, hätte man diesen Ort nicht entdeckt.
6:43 Das Take-away wäre noch auf der Rückseite der Stadt gewesen,
6:47 ein Ort, der nicht so klar ist.
6:50 Aber wir haben nun mal gesagt: Nein,
6:54 das ist keine Rückseite der Stadt, das ist mitten drin,
6:58 das muss man öffnen zur Stadt.
7:01 Das ist die Quintessenz des Projekts:
7:05 die Entdeckung dieses Orts.

Stadion Letzigrund

Architekturportrait mit Eraldo Consolascio und Marie-Claude Bétrix – Der Neubau Stadion Letzigrund wurde zwischen 2005–2007 erbaut. Für den Spitzensport auf Weltniveau konzipiert, dient es auch dem Breitensport und der Bevölkerung ausserhalb der Betriebszeiten. Der Entwurf, den Bétrix & Consolascio Architekten und Frei & Ehrensperger Architekten zusammen mit dem Bauingenieurbüro Walt + Galmarini AG im Auftrag der Stadt Zürich erarbeiteten, fügt sich sensibel in seine Umgebung ein. Nur wenig ragt das Stadion über das Niveau der umliegenden Strassen hinaus und überrascht die Besuchenden beim Nähertreten mit dem weiten, in die Erde eingelegten Zuschauerraum.

0:10 Das vorliegende Gebäude entzieht sich dem Modell
0:15 der üblichen grossen Stadien, die geschlossen sind.
0:20 Die undurchsichtig sind, durch die man nicht hindurchschauen kann.
0:24 Es ist eine andere Sache. Es ist eher eine begehbare Skulptur.
0:45 Das Stadion bot eine Aufgabe, die interessant war:
0:50 verschiedene Aktivitäten, verschiedene Betriebsabläufe.
0:56 Weltklasse Zürich, natürlich.
0:59 Fussball, national und international.
1:01 Konzerte.
1:03 Und es war natürlich auch für den Breitensport gedacht,
1:07 vor allem für die Öffentlichkeit.
1:10 Diese vier verschiedenen Betriebsabläufe
1:16 waren vielleicht die Herausforderung, aber auch irgendwie ein Antrieb,
1:21 die ganze Anlage zu vereinfachen.
1:29 Es war auch ein Bau,
1:32 der das Gleichgewicht zwischen Fülle oder Masse
1:36 und Leere finden musste.
1:41 Wir liegen sieben Meter tief.
1:43 Dadurch ist das Stadion eigentlich in der Stadt geradezu getarnt.
1:51 Wenn man draussen ist, sieht man das Stadion fast nicht.
1:55 Wenn man mit dem Tram kommt:
1:57 Ist es noch eine Haltestelle weiter?
2:01 Oder gibt es da etwas mehr?
2:04 Aus der Nähe merkt man: Es gibt etwas mehr.
2:15 Drinnen aber steht man auf einer Bühne und hat einen Punkt,
2:21 von dem man in dem grossen Fenster oben ein Stück Stadt und den Himmel sehen kann.
2:29 Wir haben von hier eine Aussicht, die man von aussen nicht ahnen würde.
2:49 Eraldo und ich haben früher viel Sport getrieben.
2:53 Ich erinnere mich an Turnhallen beim Fechten,
2:58 die extrem grau und kühl waren.
3:02 Die Frage beim Bau von Sportstätten ist meistens die:
3:07 Baut man sie so wie Fabriken? Sie haben etwas Industrielles.
3:14 Etwas Industrielles auch im guten Sinne.
3:17 Aber es fehlt ihnen dann eine andere Dimension.
3:22 Was ist, wenn man nicht gerade im Wettkampf oder beim Training ist?
3:26 Dazwischen muss man warten. Bei vielen Sportarten gibt es Wartezeiten.
3:32 Und dann gibt es das Publikum.
3:35 Und in diese Ebene,
3:37 in diesen Bereich wollten wir etwas Wärme bringen.
3:42 Denn letztendlich stellte sich die Frage:
3:46 Bauen wir ein Stadion oder eine Oper?
3:49 Es gab grosse Diskussionen wegen der Farbe der Sitze.
3:54 Zürich ist doch blau und weiss, oder?
3:57 Solche Fragen konnten wir entscheiden, nicht allein, denn das ist ein Prozess.
4:04 Aber es war möglich, auf anderen Ebenen gewisse Entscheidungen zu treffen.
4:28 Es gibt noch weitere Elemente, die einen Mehrwert bringen können.
4:33 Etwa die Proportionen. Wie sind die Proportionen?
4:37 Wenn man in die Runde blickt,
4:42 wie gross ist die Distanz zwischen der Linie der Sitzreihen
4:48 und dem Dach?
4:50 Das Dach darf nicht zu hoch sein.
4:52 Wenn es zu hoch wäre, würde es an Massivität verlieren.
4:57 Was meiner Meinung nach dem Stadion Mehrwert bringt,
5:02 ist, dass das Dach ziemlich drückt aber trotzdem leicht wirkt.
5:07 Die Stützen sind sehr massiv,
5:10 aber durch den grossen Abstand wirken sie proportioniert.
5:14 Bei jedem Bauteil gibt es Proportionen,
5:18 die nicht nur von der Statik bestimmt sind, sondern auch von den visuellen Proportionen.
5:26 Diese warme Atmosphäre entstand
5:29 auch sehr stark im Dialog mit dem Schlachthof
5:33 und den Hardau-Hochhäusern.
5:37 Es ging auch um eine Wiederentdeckung dieser Hochhäuser.
5:41 Als ich studierte, waren sie etwas verpönt.
5:44 Die wieder im Kontext zu erleben,
5:49 auch zu integrieren und den Dialog mit denen zu schaffen,
5:52 durch alle Fenster, die unteren und die oberen,
5:57 das war wirklich eine atmosphärische Angelegenheit.
6:01 Mehr als eine rein architektonische.
6:07 Es ist ganz klar eine radiale, also runde Form.
6:12 Diese Form muss man einfach tragen.
6:16 In der ersten Phase des Wettbewerbs, in der wir relativ wenig gearbeitet haben,
6:21 aber vielleicht mit einer guten Idee,
6:24 da waren die tragenden Elemente Betonscheiben von 6 Meter Tiefe, ein Horror.
6:32 Zum Glück kamen wir in die zweite Phase,
6:36 in der nur vier Architektengruppen daran arbeiteten,
6:40 Da wurde ganz klar: Diese Scheiben können nicht so sein.
6:44 Man kann nicht eine Rampe, die ein Fluss sein will,
6:49 aufteilen, alle zwanzig Meter mit Hindernissen unterbrechen.
6:56 Die 6 Meter Tiefe mussten auf ein Minimum reduziert werden,
7:00 um die Auskragung von 36 Metern noch mehr zu dramatisieren.
7:06 Man sieht da, dass auf zwei solchen Fingerchen so viel herausragt.
7:11 Komprimieren. Und dann muss man die Ebene verlassen.
7:15 Wie Finger, die immer anders sind.
7:19 Mit dem Ingenieur war es ein ganz harter Kampf.
7:24 Aber auf Augenhöhe.
7:26 Wir als Architekten hatten Argumente,
7:30 die gut waren, aber natürlich nicht messbar.
7:34 Aber am Ende haben wir uns miteinander durchgerungen
7:39 zu einer Situation,
7:42 die beide Seiten befriedigt.
7:58 Es ist also nicht eine Monokultur,
8:01 bei der eine Minderheit von Fussballern jeden Samstag für zwei Stunden hingeht,
8:06 sondern eine plurikulturelle Angelegenheit.
8:10 Dadurch wollten wir einen hohen Wert an Öffentlichkeit erzeugen.
8:15 Auch mit gewissen Formen, etwa mit dem riesigen Dach,
8:20 das drei Meter länger auskragt als beim KKL in Luzern.
8:27 Die Stützen, die Rampe, die Durchlässigkeit.
8:30 Und natürlich diese Beleuchtung -
8:33 nach oben, wie die Stempel einer Blume -,
8:36 die einfach "un richiamo" ist, ein Aufruf,
8:39 wenn sie brennen, diese Leuchten.
8:41 Das war für uns ein wichtiges Element,
8:45 um einen Charakter von Öffentlichkeit zu schaffen,
8:49 wie bei einer Markthalle, wie bei einer Bahnhofshalle.

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