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Instandsetzung Strandbad Wollishofen

Das 1939 vom Architekten und damaligen Stadtbaumeister Hermann Herter erbaute Strandbad Wollishofen ist ein architekturhistorisch wertvolles Beispiel der Badekultur und des Neuen Bauens der vierziger Jahre in der Stadt Zürich. Die sanierungsbedürftige Anlage wurde unter Berücksichtigung ihrer denkmalpflegerischen Bedeutung einer Gesamterneuerung unterzogen und den Anforderungen an einen zeitgemässen Badebetrieb angepasst.

Charakteristische Ansicht des Strandbads: rundes Vordach mit Pilzstützen und Sonnenterrasse (© Roger Frei, Zürich)
Charakteristische Ansicht des Strandbads: rundes Vordach mit Pilzstützen und Sonnenterrasse (© Roger Frei, Zürich)

Die im kommunalen Inventar der Denkmalpflege aufgeführte Anlage hat im Laufe der Zeit aufgrund kontinuierlich veränderter Nutzungsanforderungen verschiedene Anpassungen erfahren. Vor dem Hintergrund der aktuellen Bedürfnisse bestanden die Ziele der Gesamterneuerung neben der baulichen und technischen Instandsetzung auch in der Erhaltung und Klärung der architektonischen Qualitäten der Anlage.

Im Laufe der Zeit waren verschiedene Elemente eingefügt und bauliche Eingriffe durchgeführt worden, welche nicht dem Sinn und Geist der Anlage entsprachen. Mit dem Entfernen dieser Elemente sowie massvollen Ergänzungen und Transformationen erfährt die Gesamtanlage eine Aufwertung und präsentiert sich wieder in alter Frische.

Das Erdgeschoss des Strandbades wurde zum Teil neu organisiert, so dass das Überangebot von ursprünglich bedienten Garderoben zugunsten eines neuen Gastraumes sowie eines Mehrzwecksaales und zusätzlicher Lagerfläche reduziert werden konnte. Zudem wurde die gesamte Gebäudetechnik und der Gastronomiebereich inklusive Kücheneinrichtung, Kühlräumen und Speiseliften erneuert.

Es wurde eine weitgehende Rückkehr zur ursprünglichen Farb- und Materialwahl im Innen- und Aussenraum angestrebt. Charakteristische, das Strandbad Wollishofen prägende Bauteile wie die Pilzstützen mit der filigran auskragenden Decke wurden im Rahmen der Betonsanierung wiederhergestellt, so dass auch weiterhin Beton und Lärchenholz die Grundstimmung des Strandbades bestimmen.

Architekturportrait

Architekturportrait Strandbad Wollishofen mit Philipp Sigg.

0:02 Das Strandbad steht für eines von vielen Bauteilen,
0:07 die zur Zürcher Bäderkultur beigetragen haben.
0:11 Im Zusammenhang mit der Zürcher Bäderkultur
0:14 kamen auch noch ergänzende Bauten dazu wie das Letzibad, das Strandbad Tiefenbrunnen.
0:19 Die tragen sicher zur Lebensqualität in der Stadt Zürich bei.
0:43 Die Herausforderung bei diesem Bauvorhaben war
0:48 die Auseinandersetzung mit Hermann Herter, der lange Zeit Stadtbaumeister war.
0:54 Und sich mit einem solchen Gebäude auseinanderzusetzen.
0:57 Was bedeutet dieses Gebäude genau?
1:00 Natürlich war eine weitere grosse Thematik,
1:03 all die addierten Elemente, die an dem Gebäude hingen,
1:09 wegzudenken, zu entfernen.
1:11 Die Grundstruktur wieder spürbar zu machen,
1:16 damit man überhaupt das Grundkonzept, die Grundidee dieses Gebäudes erkennt.
1:43 Das Gebäude steht an einer stark befahrenen Strasse
1:47 und zieht sich in einer unglaublichen Länge der Seestrasse entlang.
1:52 Über zwei Endkörper oder Abschlüsse fasst es einen Raum,
1:57 der die Badewiese ist,
1:59 die von dieser unglaublich grossen Kastanie ergänzt wird.
2:03 Es vermag abseits der Hektik der Stadt Zürich einen Ort zu schaffen,
2:07 der eine gewisse Mystik ausstrahlt.
2:10 Der vom Lärm abgewandt ist und eine ganz neue Atmosphäre schafft, am See.
2:15 Der in kurzer Zeit Ferienstimmung näherbringt.
2:20 Das ist sicher eins der spannenden Themen.
2:24 Das haben wir angetroffen, das hat schon bestanden.
2:29 Es war die Intention, einschliesslich der Umgebung,
2:32 alles im Geist der damaligen Zeit wieder herzurichten,
2:38 der Zeit des Neuen Bauens, dieser Luft-Licht-Sonne-Körperkultur-Thematik.
2:43 Und auch die Materialien zu verwenden,
2:46 die aus der Zeit stammen, um dort zu versuchen weiterzustricken.
2:56 Das hat uns im ganzen Prozess beschäftigt:
2:59 das Thema Entfernen, Restaurieren,
3:03 Neumachen.
3:06 So zu restaurieren oder neu zu machen, dass man nicht sieht, dass es neu ist,
3:10 und doch ist es neu.
3:13 Es hat sich aber möglichst am Bestand angepasst.
3:16 Wie zum Beispiel dieses Geländer, das den heutigen Normen entsprechen musste.
3:22 Zuerst mussten wir herausfinden, wie wir das schaffen,
3:25 an einer feinen Betonkante ein Geländer zu montieren,
3:28 das den heutigen Anprall-Lasten Stand hält.
3:31 Es aber so erscheinen zu lassen, dass es aussieht, als wäre es von 1939.
3:52 Dann gibt es auch Elemente, die bewusst neu hinzugefügt wurden.
3:57 Damit man auch sieht, dass sie neu sind. Etwa der gewellte Beton.
4:01 Oder die grossflächig eingeführten Wandverschalungen und Türen aus Holz.
4:10 Wir versuchten, die bestehenden Materialien weiterzuverwenden oder herauszuschälen.
4:15 Das Holz herauszuschälen,
4:18 das wie der Beton dick mit Farbschichten und Kunststoff belegt war.
4:23 Das hervorzuholen und das Gebäude mit den gleichen Materialien zu ergänzen,
4:29 damit es für die neuen heutigen und hoffentlich auch zukünftigen Bedürfnisse,
4:33 für die nächsten 20 Jahre tauglich ist.
4:46 Früher wie heute gab es getrennte Damen- und Herrengarderoben.
4:52 Zusätzlich gab es Herren- und Knaben-, Damen- und Mädchengarderoben.
4:59 Früher gab man seine Kleider einer Empfangsperson ab,
5:04 die die Gegenstände entgegennahm.
5:07 Diese Flächen waren relativ gross.
5:09 Die wurden in der Form nicht mehr benötigt.
5:12 Das bot also eine neue Chance,
5:15 mit den so verbliebenen Flächen innerhalb des Gebäudes
5:19 zusätzliche Nutzungen anzubieten.
5:22 Wie etwa das gedeckte Restaurant unten, das über die Küche bedient wird,
5:27 oder ein Mehrzweckraum, den man mieten kann.
5:31 So besteht bei schlechtem Wetter die Möglichkeit,
5:36 den Betrieb des Bads weiterzuführen.
5:38 Damit nicht wieder das ganze Haus mit Plastik eingedeckt wird,
5:42 weil es zu kalt ist. So schafft man eine geschützte Atmosphäre,
5:47 damit die Leute kommen.
5:49 Es gibt jetzt das gedeckte Freiluftrestaurant.
5:54 Da kann man an einem warmen, sonnigen Nachmittag
5:57 im Schatten einen Snack geniessen.
6:00 Wo man Schiffsdeck-artig im ersten Obergeschoss sitzen kann,
6:04 den See vor sich hat und den Betrieb geniessen kann.
6:07 Und gleichzeitig hat man die Möglichkeit mit dem gedeckten Mehrzweckraum,
6:12 auch wenn es kälter ist, drinnen zu sitzen und etwas essen und im Bad zu sein.
6:31 Wenn es uns gelungen ist, im Geiste Hermann Herters
6:37 die Badeanstalt wieder so weit zu bringen, dass man sie als solche wahrnimmt,
6:41 nicht als verstaubtes Gebäude, das vor vielen Jahren gebaut wurde
6:46 und ein bisschen vergammelt, dann freut uns das. Wir haben es geschafft,
6:51 ein Baudenkmal dorthin zu bringen, dass es wieder als positiver Ort,
6:56 als stadtprägender Ort wahrgenommen wird.
7:00 Und wenn es diese Qualität hat, bleiben wir gerne etwas im Hintergrund.
7:07 Wir wissen aber schon, dass wir einen Beitrag dazu geleistet haben,
7:11 dass das Gebäude wieder da ist, wo es vielleicht vor 80 Jahren gestanden hat.

  • Bauherrschaft: Stadt Zürich
  • Eigentümervertretung: Immobilien Stadt Zürich, Grün Stadt Zürich
  • Bauherrenvertretung: Amt für Hochbauten
  • Betrieb: Stadt Zürich, Schul- und Sportdepartement
  • Architektur: Niedermann Sigg Schwendener Architekten AG, Zürich
  • Kreditsumme: 7.6 Mio. Franken
  • Bauzeit: 2013 – 2014

Standort

Strandbad Wollishofen
Seestrasse 451
8038 Zürich

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