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Instandsetzung Jugendkulturhaus Dynamo

Mit präzisen Eingriffen wurden die drei Gebäude des «Jugendkulturhaus Dynamo» an gegenwärtige Bedürfnisse angepasst. Der bisher komplizierte Weg durch das Haupthaus wurde verbessert und die Präsenz am Limmatufer gestärkt. Der ganz eigene Charakter des Ortes konnte erhalten bleiben.

3 Gebäude des «Jugendkulturhaus Dynamo» (© Georg Aerni, Zürich)
3 Gebäude des «Jugendkulturhaus Dynamo» (© Georg Aerni, Zürich)

Das Dynamo mit seinem Haupthaus und den beiden Nebengebäuden bildet ein Ensemble das direkt am Zusammenfluss von Limmat und Sihl liegt. Auf der rückwärtigen Seite braust der Verkehr, entlang des Wassers führt der idyllische Kloster-Fahr-Weg vorbei zum Oberen Letten. Als Jugend- und Kulturhaus bietet es Obdach für Musik, Tanz und Theater, für die Bearbeitung von Metall, Medien und Textilien und ist ein wichtiger Treffpunkt. Das Hauptgebäude aus den 1980er Jahren markiert als «Grosses Haus» mit seinem prägnanten Satteldach den Ort und die besondere Nutzung. Die nun erfolgte Sanierung und Instandsetzung vom Architekturbüro Kaufmann Widrig aus Zürich konnte die internen Abläufe erheblich verbessern und passte alle drei Gebäude an etliche technische Normen u.a. an die Erdbebensicherheit an. Die Gebäudevolumen werden nun optisch zu einer Einheit zusammengefasst, sodass die Wirkung der Häuser als Gruppe gestärkt wird.

Im Haupthaus wurde der Eingangsbereich zweigeschossig. Die Treppe, die hinauf in den Saal führt, ist nun klar erkennbar, grasgrün gestrichen und endet im dritten Obergeschoss neu direkt vor dem Eingang zum Saal. Die Fassade des Haupthauses wurde silberfarbig gestrichen und wird vom übereck Schriftzug «Dynamo» gekrönt. Im grossen Konzertsaal rückte die Bühne wieder an die schmale Gebäudeseite. Zudem wurde der Raum mit aktueller Veranstaltungstechnik ausgerüstet. Das Rauchverbot führte zum Einbau von zwei Fumoirs (eines auf der Galerie des Saales, das andere im Untergeschoss bei der Disco) und der Lärmschutz verlangte die Einrichtung so genannter Lärmausgleichszonen. Mit einem neuen Fluchtweg werden nun auch die gültigen Brandschutzvorschriften erfüllt. Die dafür erforderliche neue Fluchttreppe ist das einzige zusätzliche Bauteil, welches im Rahmen der Sanierung hinzugefügt wurde. Diese fügt sich auf selbstverständliche Weise als neues Element in das heterogene Konglomerat am Limmatufer ein. Einiges hat sich dort verändert, und doch ist vieles so geblieben wie es war. Der Charme dieses aussergewöhnlich urbanen Ortes konnte erhalten werden.

Architekturportrait

Architekturportrait Jugendkulturhaus Dynamo mit Daniel Kaufmann und Michael Widrig.

0:13 Das Gebäude wird von den Jugendlichen sehr stark genutzt.
0:18 Es war sehr wichtig für uns, dass es genutzt werden und altern kann.
0:24 Dass die Patina, die hier drin entsteht,
0:27 nicht dazu führt, dass es desolat wird,
0:29 sondern dass sie zum Konzept gehört.
0:41 Das Gebäude wurde 1988 eröffnet.
0:46 Es war in mehreren Etappen erbaut worden.
0:49 Es steht auf den Kellern einer alten Brauerei.
0:53 Die Etappierung der Baugeschichte führte dazu, dass es ziemlich auseinandergefallen war.
0:59 Für uns war es wichtig, dass das Gebäude wieder eine Einheit wird.
1:06 Wir haben uns überlegt, was man tun müsste,
1:11 damit das Haus ein positives Zeichen im städtischen Raum wird.
1:16 Das wurde zum Leitgedanken für die Planung.
1:21 Alles, was wir machten, unterwarfen wir diesem Gedanken.
1:31 Es war spannend, sich in die Welt der 80er-Jahre hineinzudenken.
1:35 Wir entschieden uns, quasi mit dieser Welt weiterzustricken.
1:39 Wir machten ja eine Instandstellung. Wir hatten sehr wenige Mittel.
1:45 Der wichtigste Eingriff war die Erdbeben-Aussteifung.
1:49 Dabei fanden wir eine Möglichkeit,
1:51 das Gebäude, das vorher eine Art horizontale Trennfuge hatte,
1:56 zu einem einheitlichen Gebäude zusammenzusetzen.
1:59 Wir setzten V-förmige Stützen ein
2:01 und verbanden so den zweigeschossigen Sockelbau
2:05 mit dem darüberliegenden Konzertgebäude.
2:14 Wir versahen die Büroräume mit grösseren Fenstern,
2:18 weil die Fensterflächen laut Gesetz zu klein waren.
2:21 Wir machten Nutzungs-Rochaden bei Werkstatt- und Lagerräumen,
2:26 was auch da den Betrieb optimierte.
2:37 Wir schufen Backstage-Bereiche, die man bislang improvisiert hatte.
2:41 Die werden nun dem Begriff Backstage gerecht.
2:45 Es gibt eine Dusche, eine Toilette.
2:49 Wir haben die ganzen Bars neu organisiert.
2:52 Die Infrastruktur der Bars wurde verbessert.
2:56 Das waren ganz kleine Summen,
2:58 aber wir haben sie stets mit dem Bestand genutzt, also eingebaut.
3:02 Wir nahmen keine grossen strukturellen Veränderungen vor,
3:07 eher auf der Sezierebene: lauter kleine Schnitte.
3:13 Eine weitere Massnahme, die wir ergriffen haben:
3:17 Der Zugang, der auf der Limmatseite im Erdgeschoss liegt,
3:22 erschliesst einen Konzertsaal für 600 Leute, der im dritten Obergeschoss liegt.
3:28 Das Treppenhaus und der Eingang
3:33 waren überhaupt nicht adäquat für diese Nutzung.
3:37 Wir haben den Eingang neu gestaltet, ihn zweigeschossig gemacht,
3:42 die Treppenläufe optimiert.
3:45 So wurde der Eingang zum Konzertsaal erkennbar.
3:50 Der Konzertsaal wurde neu ausgerichtet.
3:53 So kann der Zugang in den Konzertsaal viel optimierter ablaufen.
4:20 Dazu gehörte auch die Bereinigung der Fluchtwege.
4:24 Das führte zu einer neuen Treppe an der Fassade, die der Stadt zugewandt ist.
4:32 Es gab einen Wettbewerb unter jungen Kulturschaffenden
4:36 für die Gestaltung der Fassade.
4:39 Man konzentrierte sich relativ schnell auf einen Beitrag.
4:43 Das ist, was man heute wahrnimmt, den Strichlinienraster.
4:49 Das sind zwei junge Künstler,
4:52 Simon Speckert und Alexandre Cottier. Sie haben das Projekt gemacht.
4:57 Die Farbgebung verwendeten wir nicht nur am Haupthaus,
5:01 sondern auch bei den Anbauten, den historisch geschützten Gebäuden.
5:06 Die Anbauten aus den 80er-Jahren sollten dieselbe Farbgebung bekommen.
5:10 Das ergibt eine Klärung in der ganzen Struktur.
5:13 Die beiden Künstler, die das Kunst-am-Bau-Projekt realisierten,
5:18 haben das mit uns diskutiert.
5:21 So haben wir ihr Kunstprojekt auf die Anbauten, die Häuser aus den 80er-Jahren ausgeweitet.
5:27 So tritt der Zusammenhalt,
5:29 die geschichtliche Klärung stärker in Erscheinung.
6:03 Das Dynamo ist ein Produktionsbetrieb.
6:08 Mit der Metallwerkstatt entwickelten wir eine Leuchte für die Eingangshalle.
6:15 Die Grafik im Gebäude machten wir gemeinsam mit der Grafikwerkstatt.
6:20 Der Einbezug der Benutzer sowohl als Sparringpartner,
6:25 aber auch direkt im kreativen Prozess, war für uns ganz toll.
6:53 Für mich ist dieses Gebäude eins,
6:57 das bisher hinter dem Platzspitz versteckt war.
7:02 Es hatte keine selbstbewusste Erscheinung.
7:05 Es war zwar ein Ort, den die Jugendlichen sehr stark nutzten und bearbeiteten,
7:11 aber es hatte nicht den Wert, den es hätte haben sollen.
7:31 Ich hoffe, das Dynamo tritt heute positiv in Erscheinung.
7:35 Dass es ein Ort ist,
7:38 den man als Jugendkulturort erkennt
7:41 und auch positiv wahrnimmt.

  • Bauherrschaft: Stadt Zürich
  • Eigentümervertretung: Immobilien Stadt Zürich
  • Bauherrenvertretung: Amt für Hochbauten
  • Architektur: Kaufmann Widrig Architekten GmbH, Zürich
  • Erstellungskosten: 12.8 Mio. Franken
  • Bauzeit: 2013 – 2015

Standort

Jugend- und Kulturhaus Dynamo
Wasserwerkstrasse 21
8006 Zürich

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