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Neubau Schulanlage Blumenfeld

Mit der Schulanlage Blumenfeld erhält das Neubaugebiet Ruggächer eine für alle zugängliche Mitte. Das grosse, Ruhe und Gelassenheit ausstrahlende Schulhaus wird vielfältigen Ansprüchen gerecht und ist deshalb weit mehr als eine Bildungsstätte.

Nordfassade (© Reinhard Zimmermann, Baar)
Nordfassade (© Reinhard Zimmermann, Baar)

Das Grundstück der Schulanlage liegt nicht direkt im Zentrum des Neubaugebiets, strahlt dafür aber – und das ist für das ganze Quartier von Bedeutung – weit über Ruggächer hinaus. Es liegt an der Blumenfeldstrasse, welche die Bahnlinie kreuzt (seit 2015 mit Personenunterführung) und somit eine wichtige Querverbindung schafft. Das Schulhaus präsentiert sich mit seinen umlaufenden Fassadenbändern als breit gelagertes Gebäude und verströmt Ruhe und Gelassenheit. Zu der horizontalen, liegenden Ausrichtung passen als landschaftliche Elemente die Terrassen, die rund um das Haupthaus angeordnet sind. Zur Anbindung an die umliegenden Überbauungen trägt ein öffentlicher Weg bei, der am Sportplatz vorbei quer durch das Gelände führt. Am Weg liegen wie selbstverständlich die Haupteingänge in das Gebäude: über grosszügige mehrgeschossige Foyers und Treppenhäuser kann man in die Tiefe zur Mehrzweckhalle und den Turnhallen steigen oder hoch in die Bibliothek und zu den Schulräumen. Mit dem Kunst-und-Bau-Werk «Ratio vs. Emotio» im Eingangsfoyer der Schule des Künstlers Costa Vece erhält der Neubau ein Wandbild mit starkem farbigen und assoziationsreichen Akzent.

Zeigt sich die Schulanlage von aussen kompakt und einheitlich, offenbart sich im Inneren ein komplexes Gefüge mit allerlei unterschiedlichen Räumen, Zonen und Nischen: So zweigen etwa kurze «Gassen» von der «Hauptstrasse» ab und führen auf kleine «Plätze» an Innenhöfen. Alle Zonen können möbliert und somit aktiv genutzt werden. Die Schulzimmer stehen quer zur Fassade und werden zusätzlich über den Innenhof von zwei Seiten belichtet. Die Kindergartenräume im ersten Obergeschoss sind über vier Meter hoch, damit das Tageslicht bis in die hinterste Ecke dringen kann. Jedem Kindergartenzimmer ist ein Gruppenraum zugeteilt, jeweils zwei Zimmer teilen sich eine gemeinsame Vorzone mit Garderobe. Über eine «Gasse» gelangt man hinaus auf eine weitere breite «Strasse» und gegenüber liegen sieben Horträume für die Tagesbetreuung. Die benötigten Flächen für eine Tagesschule wurden schon früh eingeplant und stehen jetzt zur Verfügung. Die Schulanlage Blumenfeld wird nach dem strengen Standard Minergie-P-Eco zertifiziert.

Architekturportrait

Architekturportrait Schulanlage Blumenfeld mit Reto Pfenninger.

0:09 Wir wollen eigentlich ein Schulhaus planen,
0:13 das ein bisschen Werkstatt-Charakter hat.
0:15 Sozusagen ein Gewerbebau ist.
0:18 Der hat einerseits viele Möglichkeiten in der Funktionalität eines Schulhauses.
0:23 Zudem beinhaltet er auch den geschichtlichen Aspekt dieses Areals.
0:40 Die Herausforderung bestand darin, in einem Neubaugebiet,
0:43 das noch nicht so belebt ist,
0:45 den öffentlichen Bau in diesem Quartier zu implementieren.
0:49 Das beschäftigte uns. Wir gingen dann auch ganz klassisch vor.
0:53 Wir fragten uns, wie man das früher in den Städten gemacht hat.
0:57 Da hatte man eine Parzelle und stellte ein Haus in die Mitte.
1:02 Weil wir es so tief und flach gebaut haben
1:05 gegenüber den anderen Bauten, die hier teilweise sieben Etagen hoch sind,
1:12 entstand der Charakter des Institutionellen durch diesen tiefen, flachen Bau.
1:16 Und rund um das Schulhaus ergaben sich öffentliche Freiräume.
1:25 Dieser erwähnte Aspekt des Äusseren, die öffentlichen Freiräume, Durchwegungen,
1:32 die informellen Wege über den Bach,
1:34 durchs Quartier, der Bahn entlang
1:37 oder die klassisch gestalteten Strassenräume...
1:40 Die Idee dieser Durchwegung und Vernetzung des Areals
1:44 haben wir im Schulhaus weitergeführt. Es ist wie in einem kleinen Dorf.
2:12 Da hinten sieht man die Hauptgasse.
2:15 Sie zweigt links und rechts auf diese Plätze ab.
2:17 Da gibt es auf einer Seite Garderoben. Das sind die kleinsten Häuser.
2:23 Die sind so gemacht, dass die Kinder da drin ihren eigenen Massstab haben.
2:28 Sie können sich dahin zurückziehen, in kleinen Gruppen sein.
2:31 Und die Lehrer sehen sie nicht. Das ist so ein Aspekt.
2:36 Bei diesem Schulhaus im Blumenfeld war ein wichtiger Aspekt -
2:41 das war schon in der Ausschreibung durch die Stadt Zürich so formuliert -,
2:45 dass man versuchen möchte, "Lernlandschaften" zu implementieren.
2:51 Ein Lehrer ist auch ein Lernbegleiter.
2:53 Er ist für verschiedene Aspekte des Unterrichts da.
2:57 Beim Gruppenunterricht gibt es bis zu drei Lehrpersonen im Zimmer.
3:03 Die holen dann gewisse Schüler raus und gehen mit ihnen in die Gruppenräume.
3:07 Das ist auch die Idee hinter Dorf, Gasse und Platz:
3:12 Man kann die Kinder in Gruppen einteilen.
3:14 Vor den Schulzimmern gibt es grosse Plätze, auf denen man unterrichten kann.
3:19 Die kann man aber auch sonst benützen.
3:23 Sie sollen auch einen anderen Aspekt des Unterrichtens ermöglichen
3:27 als den klassischen Frontalunterricht.
3:30 Dort gibt es auch Begegnungszonen.
3:34 Klassische Gruppenräume gibt es nach wie vor.
3:38 Aber die Landschaften sollen so sein, dass es wie in einer Gesellschaft ist:
3:43 Man begegnet sich, man tauscht sich aus.
3:46 Man schaut, was die andern tun; man kann sich konzentrieren,
3:49 wenn man sich zurückzieht usw.
3:59 Dann war die Frage, wie sich die Kinder in dem grossen Schulhaus zurechtfinden.
4:03 Wir hatten die Vorstellung, und die hat sich bestätigt,
4:08 dass Kinder sehr schnell lernen, wo sie hin müssen.
4:13 Wir boten Hilfestellungen wie diese Kacheln.
4:16 Die haben etwas Haptisches. Sie sind bombiert
4:20 oder konkav, konvex. Sie haben drei Rillen, oder zwei.
4:24 Das sind Feinheiten, die Kindern eher auffallen als Erwachsenen.
4:28 Solche Dinge versuchten wir zu integrieren.
4:31 Das sind Dinge, die man vielleicht erst beim zweiten Hinsehen entdeckt.
4:35 Kinder sind da sehr viel wacher und offener dafür, solche Dinge zu erkennen.
4:39 Sie nutzen das auch.
4:41 Was uns besonders Freude macht:
4:43 Durch die Konfiguration der quergestellten Klassenzimmer,
4:48 bei denen nicht die Längsseite am Fenster liegt, sondern die Breitseite,
4:52 konnten wir höher bauen, mehr Raum umfassen.
4:55 Die höchsten Räume sind die Kindergärten.
4:58 Die haben bis 4 m hohe Räume. Das ist eine tolle Sozialisierung zum Raum hin,
5:03 wenn man im Kindergarten die höchsten Räume hat.
5:06 Im Verhältnis haben sie viermal ihre Körpergrösse über sich.
5:14 Wir haben versucht, das Geld für ein Schulhaus dieser Grösse,
5:20 für 450 bis 500 Kinder, in Raum umzusetzen.
5:26 Und zurückhaltend zu sein bei den Materialien.
5:29 Und dafür einen räumlichen Hintergrund zu schaffen
5:33 für die verschiedenen pädagogischen Unterrichtsformen.
5:39 Es gibt verschiedene Formen der Nachhaltigkeit, die Architekten anwenden können.
5:44 Es gibt die energetischen. Da müssen wir die Energiestandards erreichen.
5:49 Bis hin zur sozialen Nachhaltigkeit, und da sagten wir uns:
5:54 Der Boden ist kontaminiert, und da, wo man den Untergrund entfernen muss,
6:00 wollen wir das nicht versiegeln, sondern nehmen das heraus und entsorgen es.
6:05 Weil da ein grosses Loch ist, stellen wir die Turnhalle rein.
6:09 Da kommt wieder der Mehrfach-Aspekt ins Spiel:
6:12 Das Dach der Turnhalle ist der Fussballplatz,
6:15 der "Bolzplatz" des Quartiers
6:18 für die Kinder am Wochenende oder abends.
6:24 Wir wollten die Erschliessung, die Tragstruktur
6:30 und die Raumstruktur zur Kohärenz bringen.
6:32 Wir wollten das roh, rau und robust machen.
6:36 Die Idee war, dass die Benutzer, die Lehrer, die Schüler,
6:40 die Pädagogen die Räume mit ihren Dingen füllen.
7:01 Wir hätten uns vorstellen können, noch offener zu gestalten,
7:04 es skandinavischer zu machen, Lernkonzepte aus Skandinavien zu übernehmen,
7:08 wo Schulzimmer teilweise nicht abgetrennt sind, wo mit Vorhängen gearbeitet wird.
7:13 Wo man fast zurück in eine Gewerbehalle gehen und dort unterrichten könnte.
7:18 Da ist der Bogen über die Gewerbehalle wieder gespannt.

  • Bauherrschaft: Stadt Zürich
  • Eigentümervertretung: Immobilien Stadt Zürich
  • Bauherrenvertretung: Amt für Hochbauten
  • Architektur: Oester Pfenninger Architekten AG, Zürich
  • Landschaftsarchitektur: Nipkow Landschaftsarchitektur, Zürich
  • Kunst und Bau: Costa Vece
  • Erstellungskosten: 57.8 Mio. Franken
  • Bauzeit: 2013 – 2016

Standort

Schulanlage Blumenfeld
Blumenfeldstrasse 50
8046 Zürich

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