Licht

Lichtverschmutzung zunehmend eine Belastung
Die nächtliche Lichtbelastung hat in den letzten Jahren zugenommen. Licht kann sich negativ auf den Lebensrhythmus von Menschen, Tieren und Pflanzen auswirken. Die Antwort der Stadt ist das Beleuchtungskonzept Plan Lumière und Empfehlungen zum Umgang mit Beleuchtung im öffentlichen Raum.

Aktuelle Situation

Satellitenbild zeigt die Lichtverschmutzung in der Schweiz.
Lichtverschmutzung in der Schweiz. Zum Vergrössern bitte auf das Bild klicken. (Quelle: Earth Observation Group, NOAA National Centers for Environmental Information)

Satellitenbilder zeigen, dass die Lichtemissionen in den letzten zwanzig Jahren parallel zum Siedlungswachstum zugenommen haben. Auch wenn die Situation in den Bergregionen besser ist als im Mittelland und in den städtischen Agglomerationen, gibt es in der Schweiz kaum mehr einen Ort, an dem die Nacht einzig durch natürliche Dunkelheit und das Licht von Mond und Sternen bestimmt ist. Die Stadt Zürich ist in der Aufnahme sehr gut sichtbar und weist gemäss früheren Messungen eine sehr hohe Belastung durch künstliches Licht auf.

Ursachen & Belastungen

Zu stark und rund um die Uhr beleuchtet

Der Trend zur 24-Stunden-Gesellschaft ist die Ursache für die zunehmende Lichtverschmutzung in der Stadt. Das rege Freizeitangebot erfordert auch abends und nachts eine Beleuchtung. Läden haben längere Öffnungszeiten als früher. Schaufenster, Reklametafeln und zunehmend auch Bürohäuser bleiben nachts beleuchtet. Künstliches Licht, das über die eigentlich zu beleuchtenden Stellen hinausgeht, kann blenden oder wird an Luft- und Staubteilchen in der Atmosphäre gestreut. Letzteres wird sichtbar als sogenannte Lichtglocke, die in der Nacht über Siedlungsgebieten strahlt. 

Der Einsatz von Lichtquellen nimmt auch durch den Fortschritt bei der Lichttechnik stark zu. So sind LED-Leuchten in nahezu jeder Grösse erhältlich und sehr flexibel einsetzbar, wodurch an viel mehr Orten und Gelegenheiten Leuchten eingesetzt werden können.

Auswirkungen

Licht regelt den Biorhythmus von allen Lebewesen. Durch nächtliche Beleuchtung kann dieser durcheinandergeraten. Menschen werden im Schlaf gestört, Pflanzen im Wachstum beeinträchtigt und nachtaktive Tiere bei Nahrungssuche oder Fortpflanzung beeinflusst. 

Nächtliche Beleuchtung kann lebenswichtige Prozesse bei Menschen, Tieren und Pflanzen stören.

Die Auswirkungen der Lichtemissionen sind nicht nur lokal: Wenn Licht ungehindert in den Nachthimmel strahlt, ist es sogar vom Weltraum aus ersichtlich. Auch die Nachtlandschaft verändert sich, wodurch Zugvögel von ihrem Weg abkommen können.

Massnahmen der Stadt Zürich

Plan Lumière

In der Stadt Zürich richtet sich die Beleuchtung des öffentlichen Raums seit 2004 nach dem Gesamtkonzept Plan Lumière. Dies gilt für ausgewählte Brücken, Bauten und Anlagen und ist auch für die übrige Beleuchtung massgebend. Das Ziel ist, eine stimmungsvolle Atmosphäre zu schaffen und die Gegebenheiten des jeweiligen Stadtviertels zu berücksichtigen. Licht soll gezielt und bewusst eingesetzt werden, wobei auch die ökologischen Aspekte einfliessen. Dies heisst insbesondere, dass unnötiges Licht vermieden und möglichst wenig Energie verbraucht wird. In einzelnen Interventionsgebieten wird in Zukunft weniger Licht eingesetzt, so soll beispielsweise die Beleuchtung des Seeufers oder des Schanzengrabens dezenter werden und weniger blenden. Die Beleuchtungsstärke und die tägliche Beleuchtungsdauer werden in Zürich auf das notwendige reduziert und den saisonalen Gegebenheiten angepasst. Lichtimmissionen, die entstehen, wenn Lichtquellen in den Nachthimmel strahlen, werden vermieden. Alte Beleuchtungsanlagen, die diesen Ansprüchen nicht mehr genügen, werden in den nächsten Jahren sukzessive abgebaut oder durch neue Technologien ersetzt.

Strassenbeleuchtung

Beim Ersatz der bestehenden Strassenbeleuchtung setzt die Stadt auf sparsame Technologien wie LED. Bis Ende 2020 waren von den rund 45 000 Leuchten 35 Prozent auf LED umgestellt. Diese sind sparsam im Verbrauch und können wesentlich dazu beitragen, Lichtemissionen zu vermindern, da das Licht gezielter ausgerichtet wird. Zudem lassen sie sich ohne Verzögerung einschalten, stufenlos dimmen und bieten auch mehr Möglichkeiten für Nachtabsenkungen, Nachtabschaltungen oder eine bedarfsgerechte Steuerung. Seit anfangs 2020 werden neue Strassen- und Wegbeleuchtungen grundsätzlich bedarfsabhängig gesteuert. Dabei wird die Beleuchtung im «Ruhezustand» auf ein Minimum gedimmt. Sobald Personen oder Fahrzeuge die Strassen passieren, wird das Licht auf das notwendige Niveau «hochgefahren». Auch alle Kugelleuchten, die 70 bis 90 Prozent ihres Lichtes in den Nachthimmel abstrahlten, wurden mit LED-Leuchten ersetzt.

Bewilligungsverfahren

Die Stadt Zürich setzt die gesetzlichen Bestimmungen und gültigen Normen bei Bewilligungsverfahren und Bearbeitung von Lichtklagen konsequent um. Wird die nächtliche Lichtsituation von Bauten und Anlagen verändert, braucht es eine Baubewilligung. Erleichterte Verfahren gibt es für Leuchtreklamen und temporäre Anlagen wie zum Beispiel Weihnachtsbeleuchtungen. Massgebende Grundlagen zur Beurteilung sind folgende Gesetze und Normen. 

  • Besondere Bedeutung hat das Umweltschutzgesetz. Zur Vermeidung von schädlichen und lästigen Einwirkungen sind Lichtimmissionen frühzeitig und möglichst an der Quelle zu begrenzen.  
  • Auch die Polizeiverordnung hält fest, dass eine ungerichtete Abstrahlung von Licht in die Umgebung und störende Lichtemissionen zu vermeiden sind.
  • Zudem gibt die SIA-Norm-491 vor, was bei Aussenbeleuchtungen für private und öffentliche Zwecke zur Vermeidung von unnötigen Lichtemissionen im Aussenraum zu berücksichtigen ist.