Zu Beginn des 20. Jahrhunderts zählte Zürich rund 150 000 Einwohner*innen. Mit der zweiten Eingemeindung im Jahr 1934 wuchs die Stadt sprunghaft: Die Bevölkerungszahl stieg von 264 000 auf 316 000 Einwohner*innen. Bis in die 1960er-Jahre nahm die Bevölkerungszahl kontinuierlich zu und erreichte 1962 mit 440 180 Einwohner*innen einen vorläufigen Höchststand. In den 1970er- und 1980er-Jahren nahm die Bevölkerungszahl ab. Erst ab den 2000er-Jahren wuchs die Stadt wieder. Ende 2022 wurde die bisherige Höchstmarke aus dem Jahr 1962 übertroffen. Und das Wachstum setzte sich fort: Per Ende 2025 lebten 452 421 Einwohner*innen in Zürich, so viele wie nie zuvor.
Der Ausländer*innen-Anteil variierte in den letzten 120 Jahren stark. Lag er 1912 noch bei 34,2 Prozent, so sank er bis 1945 – dem Ende des Zweiten Weltkriegs – auf 6,8 Prozent. Seither stieg er wieder an. Ende 2025 betrug der Anteil der ausländischen Wohnbevölkerung 33,9 Prozent.
Von 2014 bis 2019 wuchs die Stadt Zürich jährlich um mehr als 5000 Personen (Grafik 2). In den Jahren 2020 und 2021, die von der Corona-Pandemie geprägt waren, fiel das Bevölkerungswachstum hingegen deutlich geringer aus. Seit 2022 verzeichnet Zürich wieder ein stärkeres Wachstum. Im Jahr 2025 nahm die Bevölkerungszahl um 3757 Personen zu.
Bei den Geburten gab es 2022 eine Zäsur: Während 2021 noch 5261 Geburten zu verzeichnen waren, wurden 2022 nur noch 4538 Babys mit Wohnsitz in der Stadt Zürich geboren. 2025 gab es 4535 Geburten. Das sind zwar leicht mehr als 2024, aber deutlich weniger als noch vor 2022. Die Geburtenzahl hat sich also auf niedrigerem Niveau stabilisiert. Im Jahr 2025 verzeichnete die Stadt Zürich 3043 Todesfälle, 40 123 Zuzüge und 37 858 Wegzüge. Damit beträgt der natürliche Saldo (Geburten minus Todesfälle) +1492 Personen und der Wanderungssaldo (Zu- minus Wegzüge) +2265 Personen.
In den Jahren 2015 bis 2019 – den fünf Jahren vor der Corona-Pandemie – kamen im Mittel pro Monat 434 Neugeborene mit Wohnsitz in Zürich zur Welt. Seit 2022 liegen die Geburtenzahlen deutlich unter diesem Wert (Grafik 3). Das war auch 2025 der Fall: In diesem Jahr wurden ungefähr gleich viele Babys geboren wie in den vier vorherigen Jahren. Von 2022 bis 2025 gab es im Mittel 372 Geburten pro Monat. Zwar leben heute in Zürich mehr Frauen im Alter von 15 bis 49 Jahren als noch vor 2022. Die Zahl der Geburten pro Frau in dieser Altersgruppe, die Fertilitätsrate, war in den letzten vier Jahren jedoch geringer als zuvor.
Im Jahr 2022 sind die Geburtenzahlen stark eingebrochen. Wie ist diese markante Veränderung in der Langzeitperspektive einzuordnen? Dazu werden die Geburten und Fertilitätsraten der letzten 130 Jahre betrachtet:
- 1900 bis 1920, Einbruch der Fertilitätsrate: Um 1900 wurden knapp 5000 Kinder mit Wohnsitz in der Stadt geboren. Innerhalb von nur zwei Jahrzehnten brach diese Zahl jedoch deutlich ein: Bis 1920 sank die jährliche Zahl der Geburten auf rund 3000 Neugeborene. Ausschlaggebend für diesen Rückgang war weniger die Bevölkerungsentwicklung als ein massiver Rückgang der Fertilitätsrate. Lag diese um 1900 noch bei über 100 Promille pro Jahr, reduzierte sie sich bis 1920 auf 40 Promille pro Jahr.
- 1934, zweite Eingemeindung: Im Jahr 1934 kam es zu einem deutlichen Anstieg der Geburtenzahlen. Dieser Zuwachs war jedoch nicht das Resultat eines demografischen Aufschwungs, sondern die Folge eines politischen Entscheids, der zweiten Eingemeindung. Der Anstieg markiert somit keinen Babyboom, sondern spiegelt vor allem die veränderten räumlichen Grenzen der Stadt Zürich wider.
- 1939 bis 1945, zweiter Weltkrieg: Zwischen 1939 und 1945 verzeichnete die Stadt Zürich eine ausgeprägte Zunahme der Geburten. Während der Kriegsjahre stieg die Fertilitätsrate an und führte zu einem spürbaren Wachstum der Geburtenzahlen. Dieser Anstieg lässt sich mit der besonderen gesellschaftlichen Situation erklären: Trotz – oder gerade wegen – der politischen Unsicherheit und der angespannten Lage rückten Familie und private Lebensplanung stärker in den Mittelpunkt.
- 1961, Geburtenhöchstwert: Das Jahr 1961 markiert einen Höhepunkt in der Geburtenstatistik der Stadt Zürich. Mit insgesamt 6147 Geburten pro Jahr wurde der bis heute höchste Wert erreicht. Dieser Rekord steht exemplarisch für den Babyboom der Nachkriegszeit. Begünstigt wurde dieser Höchststand nicht nur durch die hohe Fertilitätsrate, sondern auch durch die demografische Struktur der Stadt. 1961 lebten in Zürich fast 120 000 Frauen im Alter zwischen 15 und 49 Jahren. Die Geburtenzahlen von 1961 sind damit Ausdruck einer einmaligen demografischen Konstellation aus Bevölkerungsgrösse, Altersstruktur und dem gesellschaftlichen Optimismus der Nachkriegszeit.
- 1960er- und 1970er-Jahre, Pillenknick und Abwanderung: In den 1960er- und 1970er-Jahren setzte in Zürich ein deutlicher Rückgang der Geburtenzahlen ein. Dieser sogenannte «Pillenknick» markiert einen tiefgreifenden Wandel in der Familienplanung. Mit der Einführung der Antibabypille erhielten Frauen ein verlässliches Mittel zur Kontrolle der eigenen Fertilität; Kinder wurden bewusster geplant. Verstärkt wurde dieser Effekt durch die demografische Entwicklung. In jener Zeit lebten insgesamt weniger Menschen in Zürich, und insbesondere die Zahl der Frauen im gebärfähigen Alter nahm ab. Abwanderung in die Agglomeration sowie veränderte Wohn- und Arbeitsbedingungen führten dazu, dass immer mehr junge Familien die Stadt verliessen. Der Geburtenrückgang der 1960er- und 1970er-Jahre ist damit das Resultat eines Zusammenspiels aus medizinischen Entwicklungen und strukturellem Wandel der Stadtbevölkerung.
- 1976, Geburtentiefstand: 1976 erreichte die Geburtenentwicklung in der Stadt Zürich einen Tiefpunkt: Mit lediglich 2880 geborenen Babys wurde der niedrigste Wert seit der zweiten Eingemeindung von 1934 registriert. Dieser Tiefstand steht sinnbildlich für die langfristigen Folgen des demografischen Wandels des vorangehenden Jahrzehnts.
- 2000 bis 2015, der neue Babyboom: Zwischen 2000 und 2015 erlebte die Stadt Zürich einen neuen Babyboom. Die Zahl der Geburten stieg in diesem Zeitraum von 3577 auf 5191 Neugeborene pro Jahr an. Anders als in früheren Boomphasen handelte es sich dabei nicht um einen kurzfristigen Ausschlag, sondern um einen über Jahre anhaltenden Trend. Getragen wurde dieser Anstieg von zwei einander verstärkenden Effekten. Zum einen lebten wieder deutlich mehr Frauen im sogenannten gebärfähigen Alter in der Stadt – eine Folge der wachsenden Attraktivität Zürichs als Wohn- und Arbeitsort. Zum anderen nahm auch die Fertilitätsrate zu.
- 2021, letzter Höchstwert: Im Jahr 2021 erreichten die Geburtenzahlen in der Stadt Zürich eine vorläufige Höchstmarke. Mit 5261 Babys wurde im zweiten Jahr der Corona-Pandemie eine letzte hohe Geburtenzahl verzeichnet. Ausschlaggebend dafür war vor allem eine leicht erhöhte Fertilitätsrate von 44,5 Promille pro Jahr. Die besonderen Lebensumstände während der Pandemie spielten dabei eine zentrale Rolle. Lockdowns, Homeoffice und eingeschränkte Mobilität rückten das private Umfeld stärker in den Fokus. Der Geburtenanstieg von 2021 lässt sich damit auch als gesellschaftliche Momentaufnahme lesen.
- 2022 bis 2025, markant tiefere Geburtenzahlen: Zwischen 2021 und 2022 brachen die Geburtenzahlen in der Stadt Zürich ein. Von 5261 Geburten im Jahr 2021 sank die Zahl auf 4538 im Jahr 2022 – ein Minus von 723 Geburten. Eine solch starke Reduktion der Geburtenzahl ist einzigartig in den 130 Jahren seit der ersten Eingemeindung. Anteilsmässig gingen die Geburten um 13,7 Prozent zurück. Dieser Wert wurde seit 1894 nur einmal übertroffen (1914, Beginn des ersten Weltkriegs, minus 17,3 Prozent). Beim Geburtenrückgang von 2022 handelt es sich offensichtlich um ein aussergewöhnliches Ereignis in der Geschichte der Stadt Zürich. Seit dem Jahr 2022 liegen die Geburtenzahlen deutlich unter dem Niveau der Vorjahre. Hauptursache dieses Niedergangs war der Rückgang der Fertilitätsrate, die nach dem Pandemiehoch deutlich sank und 2022 nur noch bei 37,6 Promille pro Jahr lag. Es sind verschiedene Gründe möglich: Globale politische Unsicherheiten, wirtschaftliche Belastungen oder steigende Lebenshaltungskosten können die Familienplanung beeinflussen. Und beim Thema Kinderwunsch haben sich die Erwartungen verändert: Heute müssen mehr Bedingungen erfüllt sein als noch vor zehn Jahren.
Die historische Entwicklung der Geburtenzahlen und Fertilitätsraten der Stadt Zürich der letzten 130 Jahre zeigt, dass diese beträchtlich variierten. Rückgänge wie in den 1960er-Jahren oder jüngst ab 2022 verdeutlichen, dass gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Faktoren kurzfristig stark wirken können. Wichtig ist allerdings, den Blick nicht nur auf kurzfristige Schwankungen zu richten, sondern das langfristige Bild zu betrachten.
Nicht nur die historischen Daten, sondern auch die damaligen Darstellungen können inspirieren: Das Statistische Amt der Stadt Zürich – heute Statistik Stadt Zürich – hat an der Landesausstellung 1914 in Bern unter anderem Grafiken zur Bevölkerung der Stadt Zürich präsentiert. Wie Mühlemann (1915) berichtete, zeigte das Statistische Amt «an drei Wänden eine wahre Musterkollektion graphischer Darstellungen in vorzüglicher Ausführung und gut sichtbarer Anordnung. In die Augen fielen namentlich die Tabellen über Säuglingssterblichkeit und eheliche Fruchtbarkeit». Mit ehelicher Fruchtbarkeit ist die Fertilitätsrate verheirateter Frauen gemeint – also die Zahl der Neugeborenen pro verheiratete Frau in einer bestimmten Altersklasse (Grafik 5). In dieser Darstellung wurden die Geburtenzahlen dabei über mehrere Jahre gemittelt. Die Ergebnisse zeigten klare Altersunterschiede: Um 1900 lag die Fertilitätsrate bei den 25- bis 30-jährigen verheirateten Frauen doppelt so hoch wie bei den 35- bis 40-jährigen.
Wie würde diese Grafik mit aktuellen Daten aussehen? Und zwar nicht nur für die verheirateten, sondern für alle Frauen unabhängig vom Zivilstand; und nicht bloss über 30 Jahre hinweg, sondern über die 130 Jahre seit der ersten Eingemeindung im Jahr 1894. Grafik 6 zeigt eine entsprechende Aktualisierung und Erweiterung der historischen Darstellung. Dabei stechen bei zwei Altersgruppen besonders relevante Veränderungen heraus:
- 25- bis 29-Jährige: Um 1900 lag die Fertilitätsrate der Frauen dieses Alters bei fast 200 Promille pro Jahr. Bis 1930 sank sie auf unter 100 Promille pro Jahr, bevor sie um 1960 noch einmal ein Zwischenhoch von rund 120 Promille erreichte. Seither geht die Fertilitätsrate markant zurück, und beträgt aktuell 21 Promille pro Jahr. Auch die absolute Zahl der Geburten in dieser Altersgruppe hat sich stark verändert. Während die 25- bis 29-Jährigen im Jahr 1960 noch die geburtenstärkste Altersklasse waren, ist ihr Anteil an der Gesamtzahl der Geburten heute nur noch gering.
- 30- bis 34-Jährige: Anfangs des 20. Jahrhunderts sank bei dieser Altersklasse die Fertilitätsrate stark. Aber anders als bei den jungen Frauen unter dreissig Jahren änderte sich der Trend: In den letzten fünf Jahrzehnten stiegen die Fertilitätsrate und die Geburtenzahl dieser Altersgruppe wieder deutlich an. Umso mehr überrascht es, dass es bei dieser geburtenrelevanten Altersklasse im Jahr 2022 zu einem deutlichen Einbruch kam: 2020 gebaren die 30- bis 34-jährigen Frauen 2073 Babys; 2025 nur noch 1692.
Gesamthaft lässt sich festhalten: Bei den jüngeren Frauen unter dreissig Jahren ist die Fertilitätsrate seit Jahrzehnten kontinuierlich gesunken. Entsprechend spielen heute die Geburten der Mütter dieser Altersgruppen anzahlmässig kaum noch eine Rolle. Bei den Frauen ab dreissig Jahren hingegen stieg die Fertilitätsrate zwischen 2000 und 2020 deutlich an, sodass sie lange Zeit die geburtenstärksten Altersgruppen stellten. Doch ausgerechnet bei diesen setzte nun der grösste Geburteneinbruch ein – wie gewonnen, so zerronnen.
Fertilitätsrate
Anzahl Geburten pro Zeiteinheit (beispielsweise Jahr oder Monat) pro Frau im Alter von 15- bis 49-Jahren.
Altersspezifische Fertilitätsrate
Anzahl Geburten der Frauen einer bestimmten Altersklasse geteilt durch die Anzahl Frauen dieser Altersklasse.
Eheliche Fertilitätsrate
Anzahl Geburten der verheirateten Frauen geteilt durch die Anzahl verheirateter Frauen (üblicherweise im Alter von 15 bis 49 Jahren). Die eheliche Fertilitätsrate ist meistens deutlich höher als die Fertilitätsrate aller Frauen unabhängig von deren Zivilstand.
Provisorische Daten
Alle Daten bis und mit 2024 sind definitiv. Für das Jahr 2025 sind die wichtigsten Jahresdaten (Bestand, Geburten, Todesfälle, Zuzug, Wegzug) ebenfalls definitiv; die restlichen Daten für das Jahr 2025 sind provisorisch.
Mühlemann, C. (1915). Die amtliche Statistik an der schweizerischen Landesausstellung 1914 in Bern mit einem Ausblick auf die amtliche Statistik überhaupt. Zeitschrift für schweizerische Statistik, 1915‑I(21), 255–267. https://www.sgvs.ch/papers/sjesBackIssues/1915_PDF/1915-I-21.pdf