Seit dem Jahr 2022 liegen die Geburtenzahlen deutlich unter dem Niveau der Vorjahre. Naheliegend ist daher die Frage, ob sich dieser markante Rückgang in der Zahl der Vorschulkinder widerspiegelt – also bei Kindern im Alter von null bis vier Jahren.
Ende 2025 lebten in der Stadt Zürich 20 049 Kinder im Alter von 0 bis 4 Jahren. Das sind deutlich weniger als noch im Jahr 2018, als diese Altersgruppe über 23 000 Kinder zählte (Grafik 1). Auf den ersten Blick könnte man vermuten, dass der Rückgang primär eine Folge der sinkenden Geburten seit 2022 war. Die zeitliche Entwicklung zeichnet jedoch ein differenzierteres Bild. Zwei Aspekte überraschen: Erstens setzte der Rückgang der Anzahl Vorschulkinder nicht erst mit dem Geburteneinbruch im Jahr 2022 ein, sondern schon 2018. Zweitens war es keine abrupte, sondern eine kontinuierliche Abnahme.
Was hat zu diesem Rückgang geführt? Sind in den letzten Jahren weniger Vorschulkinder zugezogen als früher? Das ist nicht der Fall: Ungefähr 90 Prozent der null- bis vierjährigen Kinder wurden in Zürich geboren, lediglich 10 Prozent sind zugezogen. Die zugezogenen Vorschulkinder verteilen sich ungefähr zu gleichen Teilen auf Zuzüge aus der Schweiz und aus dem Ausland. Jedenfalls hat sich der Anteil der zugezogenen Vorschulkinder seit dem Jahr 2000 kaum verändert.
Was hat dazu geführt, dass die Zahl der Vorschulkinder in der Stadt Zürich seit 2018 abgenommen hat? Zur Beantwortung dieser Frage lohnt sich ein Blick auf die zentralen demografischen Komponenten: die Geburten, Todesfälle und Wanderungsbewegungen der Vorschulkinder.
Die Geburten spielen für die Anzahl 0- bis 4-Jähriger eine wichtige Rolle. Im Jahr 2021 erreichten sie mit über 5200 Neugeborenen ein besonders hohes Niveau (Grafik 2). Bereits ein Jahr später folgte jedoch ein markanter Einbruch, der sich seither in den jüngsten Jahrgängen bemerkbar macht. Todesfälle fallen heutzutage bei den null- bis vierjährigen Kindern anzahlmässig kaum ins Gewicht. So verstarben beispielsweise im Jahr 2025 sechs Kinder im Vorschulalter.
Der Wanderungssaldo – die Differenz zwischen Zu- und Wegzügen – war bei den Vorschulkindern seit dem Jahr 2000 durchgehend negativ. Das bedeutet, dass in dieser Altersgruppe mehr Kinder die Stadt verlassen als neu zuziehen. Dieser Saldo schwankte von Jahr zu Jahr teils erheblich und sollte daher nicht überinterpretiert werden. Gründe dafür können unter anderem zeitlich gebündelte Wohnungsbezüge im Zuge grösserer Bauprojekte oder internationale Migrationsbewegungen sein. Auffällig ist, dass im Jahr 2021 – als die Geburtenzahl besonders hoch war – der Wanderungssaldo besonders stark negativ ausfiel. Die Veränderungen im Wanderungssaldo lassen sich nicht eindeutig auf die Zu- oder Wegzüge zurückführen; in den vergangenen Jahren waren bei den Vorschulkindern beide Prozesse rückläufig.
In der Gesamtbetrachtung zeigt sich: Bei der gesamten Wohnbevölkerung der Stadt Zürich sind die Zu- und Wegzüge in der Stadt Zürich zahlenmässig deutlich bedeutender als die Geburten. Bei den 0- bis 4-Jährigen hingegen dominieren die Geburten die Entwicklung der Bestände und nicht die Bewegungen. Weniger Geburten könnten theoretisch zu mehr verfügbaren Familienwohnungen führen – und damit zu einer geringeren Abwanderung von Familien mit kleinen Kindern. Die Daten zeigen jedoch ein anderes Bild: Der Einbruch der Geburtenzahlen wird nicht durch Wanderungsgewinne kompensiert, im Gegenteil: Der Wanderungssaldo der Vorschulkinder blieb klar negativ und verstärkte damit den rückläufigen Trend der 0- bis 4-Jährigen in der Stadt Zürich. Die beiden Prozesse wirkten in die gleiche Richtung: Sowohl die sinkenden Geburtenzahlen wie der zunehmend negative Wanderungssaldo trugen dazu bei, dass die Zahl der Vorschulkinder in der Stadt Zürich abnahm.
Die Stadt Zürich ist populär: Jährlich ziehen ungefähr 40 000 Menschen zu. Es gibt nur wenige freie Wohnungen; im Jahr 2025 betrug die Leerwohnungsziffer 0,1 Prozent. Daher könnte man die folgende Hypothese wagen: Solange in der Stadt Zürich dank gemeinnützigem Wohnen ausreichend bezahlbarer Wohnraum für Familien vorhanden ist, bleibt die Zahl der Vorschulkinder auch bei stark sinkenden Geburtenzahlen stabil. Weniger Neugeborene könnten durch die geringere Abwanderung von Familien ausgeglichen werden. Doch stimmt diese Hypothese?
Diese Frage lässt sich mit den Bevölkerungsdaten nach Eigentumsart beantworten (Grafik 3): Die Hypothese bestätigt sich nicht. Der Rückgang der Zahl von Vorschulkindern zeigt sich sowohl bei den Bewohner*innen gemeinnütziger wie privater Wohnungen. In beiden Kategorien hat von 2018 bis 2025 die Anzahl 0- bis 4-Jähriger abgenommen (-15 Prozent bei Gemeinnützigen, -14 Prozent bei Privaten). In den vergangenen drei Jahren hat sich der Rückgang der Vorschulkinder bei den Privaten deutlich verstärkt, bei den Gemeinnützigen jedoch abgeschwächt.
Bei den Privaten war der Wanderungssaldo der Vorschulkinder seit dem Jahr 2000 stark negativ. Bei den Gemeinnützigen war der Wanderungssaldo fast ausgeglichen; im Jahr 2025 war er sogar positiv. Weil die Geburten bei den Gemeinnützigen aber ebenfalls geringer sind als noch vor fünf Jahren, nimmt die Anzahl Vorschulkinder auch in dieser Eigentumskategorie ab.
In Kürze: Sowohl bei Familien in gemeinnützigen wie in privaten Wohnungen sind die Geburtenzahlen gesunken. Der Wanderungssaldo der Vorschulkinder ist bei den Privaten stark negativ. Bei den Gemeinnützigen war dieser im Jahr 2025 hingegen sogar leicht positiv. Das reicht aber nicht aus, um den Geburteneinbruch zu kompensieren. Daher ist die Anzahl Vorschulkinder sowohl in gemeinnützigen wie privaten Wohnungen rückläufig.
Eigentumsart
Als Eigentumsart «gemeinnützig» werden die Wohnungen der Wohnbaugenossenschaften und der öffentlichen Institutionen wie beispielsweise der Stadt Zürich bezeichnet; als «privat» alle anderen. Damit können die Personenanteile leicht von anderen Publikationen der Stadtverwaltung abweichen.
Vorschulkinder
Kinder im Alter von null bis vier Jahren.
Provisorische Daten
Alle Daten bis und mit 2024 sind definitiv. Für das Jahr 2025 sind die wichtigsten Jahresdaten (Bestand, Geburten, Todesfälle, Zuzug, Wegzug) ebenfalls definitiv; die restlichen Daten für das Jahr 2025 sind provisorisch.