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Öffentlicher Raum

«Der öffentliche Raum steht allen Bewohnerinnen und Bewohnern gleichermassen zur Verfügung, unabhängig von ihrem Geschlecht, der Geschlechtsidentität, der sexuellen Orientierung, der Hautfarbe, ob mit oder ohne Behinderung. In der Stadt Zürich können sich alle sicher und frei im öffentlichen Raum bewegen, ohne Angst vor sexuellen und sexistischen Belästigungen. » (Vision Stadt Zürich)

Gegen sexuelle, sexistische, homo- und transfeindliche Belästigungen im öffentlichen Raum und im Nachtleben

Ein departementsübergreifendes Projekt

Wie eine Erhebung von gfs.bern im Auftrag von Amnesty International Schweiz zeigt, sind in der Schweiz viele Frauen von sexueller Belästigung und sexueller Gewalt betroffen. Am häufigsten passieren Belästi­gungen auf der Strasse (56 Prozent der Frauen, die belästigt wurden) oder im öffentlichen Verkehr (46 Prozent). Belästigungen geschehen jedoch nicht nur aufgrund des Geschlechts, sondern auch aufgrund der sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität.

Mit einem departementsübergreifenden Projekt setzt die Stadt Zürich ein klares Signal gegen Sexismus, Homo- und Transfeindlichkeit sowie sexuelle Gewalt im öffentlichen Raum und im Nachtleben. Stadtpräsidentin Corine Mauch und Sicherheitsvorsteherin Karin Rykart haben im Dezember 2019 den Auftrag erteilt, in den folgenden drei Jahren Massnahmen in den Bereichen Prävention, Sensibilisierung, Schulung und Meldemöglich­keiten zu entwickeln und umzusetzen. Das Projekt wird vom Sicherheitsdepartement und von der Fachstelle gemeinsam geleitet.

Die Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen sowie gegen Schwule, Lesben, Bisexuelle und trans Menschen ist auch eines der Ziele des Gleichstellungsplans der Stadt Zürich 2019–2022.

Handlungsbedarf in der Stadt Zürich

Bevölkerungsbefragung 2019

Im Hinblick auf das verstärkte Engagement der Stadt gegen sexistische und sexuelle Belästigungen im öffentlichen Raum wurden in der Bevölkerungsbefragung Stadt Zürich 2019 beim Themenblock «Sicherheit» erstmals auch Fragen nach Belästi­gungen ausserhalb der eigenen vier Wände gestellt. Bei dieser Befragung gaben 33 Prozent der Zürcherinnen zwischen 18 und 29 Jahren an, in den vergangenen 12 Monaten mindestens einmal ausserhalb des Zuhause belästigt worden zu sein, mehr als die Hälfte davon mehrfach – vor allem auf der Strasse. Als zweithäufigste «Tatorte» folgen Bars, Clubs und Restaurants, danach Tram und Bus. Auch die Männer derselben Altersgruppe fühlen sich nicht immer sicher: 11 Prozent gaben an, im vergangenen Jahr auf der Strasse belästigt worden zu sein.

Bei der nächsten Befragung im Jahr 2021 wird die Bevölkerung der Stadt Zürich auch zu homo- und transfeindlichen Belästigungen und Übergriffen befragt werden.

Recherche und Auftaktveranstaltung

Die Fachstelle hat 2018 die Hochschule Luzern beauftragt, eine Recherche zu Good Practice im Umgang mit sexueller und sexistischer Belästigung im öffentlichen Raum und im Nachteben durchzuführen.

Es braucht vielfältige und sich ergänzende Massnahmen

Als Auftaktveranstaltung organisierten die Projektverantwortlichen im Mai 2019 ein World Café. Die Ergebnisse sowie ein Good Practice-Beispiel aus der Stadt Lausanne wurden an der Auftaktveranstaltung präsentiert. Sie dienten als Grundlage für die anschliessende Diskussion. Über vierzig Ver­treterinnen und Vertreter von Beratungsstellen, Fachorganisationen, Jugendeinrichtungen, der Stadtverwaltung und weiteren interessierten Kreisen bearbeiteten die folgenden Fragestellungen: Wie sieht die Situation in Zürich aus? Was wird bereits getan? Wo gibt es weiteren Handlungsbedarf? Was sollte die Stadt Zürich tun? Die Teilnehmenden waren sich einig, dass es vielfältige und sich ergänzende Massnahmen braucht, damit ein respektvolles Zusammenleben im öffentlichen Raum gelingen kann.

Workshop mit Personen aus der Zivilgesellschaft

Gefragt: Kreative Ideen

Im Januar 2020 luden die Fachstelle und das Sicherheitsdepartement gemeinsam mit dem staatslabor 30 zumeist junge Personen aus der Zivilgesellschaft zu einem Kreativ-Workshop ein. Unter den Teilnehmenden befanden sich unter anderen ein Türsteher, eine Bademeisterin oder eine Vertreterin der Bar & Club Kommission der Stadt Zürich. Im Zentrum des Workshops stand die Frage, was die Teilnehmenden als unterstützend empfänden, wenn sie im öffentlichen Raum oder im Nachtleben sexuelle, sexistische, homo- oder transfeindliche Belästigungen und Übergriffe erleiden würden.

Soforthilfe, aber auch Prävention

Die Teilnehmenden entwickelten und diskutierten verschiedene Ideen. Dazu gehörten beispielsweise ein Online-Tool mit Verhaltentipps und Adressen von Beratungsstellen oder eine Meldestelle, die Opfern einen sicheren Raum bietet und rund um die Uhr geöffnet ist. Als Begleitmassnahmen nannten die Teilnehmenden Kampagnen, die auf Belästigungen im öffentlichen Raum aufmerksam machen und die Bevölkerung ermutigen, bei Vorfällen einzuschreiten. Diskutiert wurden auch präventive Massnahmen: So sollten Themen wie Grenzverletzungen und Respekt möglichst früh – zum Beispiel in der Schule – mit den Kindern und Jugendlichen behandelt werden.

Melde-Tool «Zürich schaut hin»

Aufbauend auf den Ergebnissen des Kreativ-Workshops organisierte die Projektleitung gemeinsam mit Smart City Zürich im Juni 2020 einen sogenannten «Design Sprint». An einem Design Sprint werden zusammen mit Projektbeteiligten und potentiellen Nutzerinnen und Nutzern für konkrete Fragen und Probleme Lösungen gesucht und Prototypen erstellt und getestet. Der Design Sprint im Juni hatte zum Ziel, eine niederschwellige Meldemöglichkeit bei sexueller und sexistischer, homo- und transfeindlicher Belästigung im öffentlichen Raum und im Nachtleben zu entwickeln und zu testen.

Ein engagiertes Team aus Vertreterinnen und Vertretern des Sicherheitsdepartements, der Fachstelle, der Frauenberatung sexuelle Gewalt und Pink Cross entwickelte dazu den Prototypen eines Online-Melde-Tools. Ganz an den Bedürfnissen der Nutzerinnen und Nutzer orientiert, hat das Melde-Tool primär zum Ziel, Belästigungen sichtbar zu machen, Betroffenen Handlungsoptionen aufzuzeigen und sie auf die im konkreten Fall geeignete Anlaufstelle hinzuweisen. Ein sekundäres Ziel ist die Dokumentierung der gemeldeten Belästigungen in der Stadt Zürich.

Die Programmierung des Melde-Tools wird durch den Innovationskredit der Stadt Zürich finanziell unterstützt. Es wird im Frühjahr 2021 lanciert werden.

Umfrage der Bar & Club Kommission

Nebst der Entwicklung der Meldemöglichkeit gab die Projektleitung 2020 bei der Bar & Club Kommission Zürich eine Umfrage in Auftrag. Dabei wurden Bars, Clubs und andere Zürcher Veranstalterinnen und Veranstalter nach ihren präventiven Massnahmen und ihren Vorgehensweisen bei Belästigungen und Übergriffen im Nachtleben befragt. Die Ergebnisse werden in einem Bericht präsentiert und bilden die Basis für Masnahmen-Empfehlungen.

Kontakt

Fachstelle für Gleichstellung
Stadthausquai 17
Stadthaus
8001 Zürich
Postadresse:
Postfach
8022 Zürich

Weitere Kontakte

Martha Weingartner, Fachstelle für Gleichstellung, Präsidialdepartement

      
Kontaktformular

Dayana Mordasini, Delegierte Quartiersicherheit / Projekte, Sicherheitsdepartement

   
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