Margarete Susman

Auf Augenhöhe mit den Philosophen ihrer Zeit
Margarete Susman (1872–1966) war Dichterin, Essayistin und Journalistin. Sie engagierte sich politisch gegen den Nationalsozialismus und lebte ab 1933 als Emigrantin in Zürich.

Videoporträt Margarete Susman

Linda Christinger vom Frauenstadtrundgang erzählt über das Leben und Wirken von Margarete Susman.

Wer war Margarete Susman?
Eine beeindruckende Frau,
die in der 2. Hälfte
des 19. Jahrhunderts
 in Deutschland zur Welt kam,
aber schon als Mädchen
nach Zürich zog
und hier dann
die Höhere Töchterschule besuchte.
Nach dem Schulabschluss
fragte sie ihren liebsten Lehrer,
ob sie nicht auch noch
ein Studium machen solle.
Er sagte ihr dann sehr deutlich,
dass sie zwar eine gute Feder habe,
aber sie solle doch zuerst
Frau und Mutter werden.
Auch ihr Vater
war gegen das Studium.
In Zürich,
eine der ersten Universitäten,
an der Frauen studieren durften,
studierten viele
Russinnen und Polinnen:
Sozialistinnen,
deren Lebenswandel
skeptisch beäugt wurde.
So durfte sie erst studieren
als ihr Vater verstarb
und die Familie
nach Deutschland zurückzog.
Zuerst studierte sie Kunst
und schloss dann noch Philosophie an.
Am Anfang des 20. Jahrhunderts
heiratete sie
und lernte dann sowohl durch ihren Mann
als auch
durch ihre akademischen Bemühungen
wichtige Philosophen ihrer Zeit kennen,
wie z. B. Georg Simmel.
Danach fing sie an,
als literarische Korrespondentin
für die Frankfurter Zeitung zu arbeiten.
In dieser Zeit
wechselte sie fleissig hin und her
zwischen Deutschland
und der Schweiz.
Sie bekam aber direkt mit
wie 1918 die Frauen in Deutschland
das Stimmrecht erhielten.
Dazu sagte sie:
"Endlich hört Deutschland
nicht nur die Stimmen seiner Männer,
sondern die Stimmen seiner Menschen.
Als dann 1933
Hitler an die Macht kam,
entschied sich Margarete Susman
endgültig dazu,
nach Zürich zu ziehen.
Sie kehrte nie mehr
nach Deutschland zurück,
auch nicht dann,
als ihr die Freie Universität Berlin
die Ehrendoktorinnenwürde verlieh.
Stattdessen fand sie in der Schweiz
u.a. ihren literarischen Stil,
indem sie für "Neue Wege" schrieb,
eine Zeitschrift
für religiöse Themen.
Sie schrieb
religionsphilosophische Essays
und genau dafür
steht auch ihr Grabstein.
Sie wurde
ganz in der Nähe von hier bestattet
und als Jüdin
wurde ihr Grab auch nie aufgehoben.
Man kann es also noch besuchen
und man liest darauf:
"Dichterin, Denkerin, Deuterin".
Schön, dass sie nun endlich
mit dieser Strassenwidmung
für ihren wichtigen Beitrag
geehrt wird.

Über Margarete Susman

Margarete Susman kam 1872 in Hamburg zur Welt. Ab ihrem zehnten Lebensjahr lebte sie mit ihrer Familie in Zürich, wo sie die Höhere Töchterschule besuchte und nach dem Tod des Vaters wieder nach Deutschland übersiedelte. 1894 begann sie ein Studium der Malerei in Düsseldorf und Paris, später der Philosophie in München und Berlin. Von 1907 bis 1932 arbeitete sie als literarische Korrespondentin der Frankfurter Zeitung. 1933 wanderte sie nach Zürich aus. Wegen ihrer politischen Aktivitäten gegen den Nationalsozialismus legte ihr die Schweizer Fremdenpolizei ein Rede- und Publikationsverbot auf. Margarete Susman gehörte zum Kreis um Leonhard Ragaz, an dessen Zeitschrift «Neue Wege» sie ab 1935 mitarbeitete. Anfänglich tat sie sich als Lyrikerin hervor, später als religionsphilosophische Essayistin, unter anderem mit «Das Buch Hiob und das Schicksal des jüdischen Volkes» (1946). Ihr Interesse galt dem Zusammenspiel der jüdischen und christlichen Kultur. 1959 erhielt sie die Ehrendoktorinnenwürde der Freien Universität Berlin. Nach dem Zweiten Weltkrieg reiste sie nie mehr nach Deutschland. Sie starb 1966 in Zürich und wurde auf dem jüdischen Friedhof Oberer Friesenberg beigesetzt.

Foto: Margarete Susman, 1965. Leo Baeck Institute, New York.