Luft

Hohe Belastung entlang der Verkehrsachsen
Im internationalen Vergleich steht die Stadt Zürich bezüglich der Luftqualität sehr gut da. Die Luftbelastung ist jedoch insbesondere an stark verkehrsexponierten Lagen noch deutlich zu hoch. Zürich setzt schwerpunktmässig beim motorisierten Verkehr, bei den Feuerungen und Baustellen an, um die Bevölkerung vor übermässiger Luftbelastung zu schützen.

Aktuelle Situation

Die Luftqualität hat sich in den letzten Jahrzehnten bezüglich aller Luftschadstoffe deutlich verbessert. So stellen Kohlenmonoxid (CO), Schwefeldioxid (SO2) und Staubniederschlag heute kein Problem mehr dar. Sämtliche Grenzwerte werden eingehalten. Ebenfalls eingehalten werden die Grenzwerte der Schwermetallgehalte im Feinstaub PM10. Probleme bereiten weiterhin Luftverunreinigungen durch Stickstoffdioxid (NO2), Feinstaub (PM10 und PM2.5) und Ozon (O3). Entlang städtischer Verkehrsachsen liegt die chronische Belastung durch Stickstoffdioxid weiterhin, teilweise massiv, über dem Grenzwert. Der Jahresgrenzwert von Feinstaub PM10 wird noch punktuell, derjenige von Feinstaub PM2.5 in zentralen Lagen häufig überschritten. Vereinzelt kommt es noch zu Überschreitungen der Kurzzeitgrenzwerte von Stickstoffdioxid und Feinstaub PM10. Die Grenzwerte für Ozon werden praktisch auf dem gesamten Stadtgebiet überschritten.

Entwicklung der Luftschadstoffbelastung

Die Stadt hat sich zum Ziel gesetzt, die Bevölkerung bis 2025 flächendeckend vor zu hoher Feinstaub- und Stickstoffdioxidbelastung zu schützen. Die Immissionsgrenzwerte sollen also auch in der Nähe von stark befahrenen Strassen jederzeit eingehalten werden. Um dieses Ziel zu erreichen, muss der Schadstoffausstoss markant gesenkt werden. Die aktuelle Entwicklung der Luftschadstoffe NO2, PM10 und O3 auf dem Stadtgebiet ist in interaktiven Karten zu finden. 

Luftqualität im Covid-Jahr 2020

Die globale Covid-Situation und die in diesem Zusammenhang in der Stadt Zürich veranlassten Massnahmen hatten vor allem während der ersten Lockdown-Phase einen Einfluss auf die Luftqualität. Dies wird anhand der Stickoxid-Belastung (NOx) an hochfrequentierten Strassen, wie zum Beispiel der Rosengartenstrasse, besonders deutlich. 

 Lockdown bringt weniger Verkehr

An der Rosengartenstrasses brach der Verkehr während des ersten Lockdowns im März 2020 fast um einen Drittel ein. Ende Mai stiegen die Verkehrszahlen jedoch bereits wieder auf ein Niveau an, wie vor der Covid-Krise. Die Sommerferien und die Weihnachtszeit führten zwei weitere Male zu Abnahmen der Verkehrszahlen.

Durchschnittlicher wöchentlicher Tagesverkehr an der Rosengartenstrasse im Jahr 2020

Weniger NOx-Belastung

NOx bezeichnet die Summe aus Stickstoffmonoxid (NO) und dem giftigen Stickstoffdioxid (NO2). An der Rosengartenstrasse wird NOx in grossen Mengen durch den Strassenverkehr ausgestossen. Dabei wird primär NO emittiert, das sich in der Atmosphäre rasch zu NO2 umwandelt. Mit der Messung von NOx können die durch den lokalen Verkehr ausgestossenen Abgase daher sehr gut beschrieben werden.

An der Rosengartenstrasse zeigte sich, dass die NOx-Belastung an Werktagen während der Lockdown-Phase durchschnittlich 43 Prozent und im Mittel über das ganze Jahr 26 Prozent niedriger war als im Mittel des Vergleichszeitraums 2015 bis 2019. Bei genauerer Betrachtung der Belastungssituation im Tagesverlauf wird deutlich, dass während des Lockdowns die stärkste prozentuale Differenz zum Vergleichszeitraum in den Abendstunden zu verzeichnen war, dann, wenn der Feierabend- mit dem Freizeitverkehr überlappte.

Ursachen und Belastungen

Stickoxide, Feinstaub und weitere Luftschadstoffe

Luftschadstoffe stammen hauptsächlich aus dem motorisierten Strassenverkehr sowie aus Feuerungen, Industrie und Gewerbe. Baustellen und Holzfeuerungen tragen wesentlich zu den Belastungen auf Stadtgebiet bei. Dabei lässt sich unterscheiden: Stickoxide (NOx) entstehen aus Verbrennungsprozessen in Motoren und Feuerungen. Feinstaub (PM10 und PM2.5) stammt aus Motoren von Fahrzeugen, Baumaschinen und Feuerungsanlagen. Bei den Feuerungsanlagen stehen schlecht betriebene Holzfeuerungen im Fokus. Feinstaub bildet sich aber auch aus Vorläufersubstanzen (z. B. flüchtigen organischen Verbindungen VOC) oder gelangt durch Aufwirbelung in die Luft, z. B. auf der Strasse bei trockener Witterung. VOC-Emissionen sind vorrangig das Ergebnis von Prozessen in Industrie und Gewerbe sowie Anwendungen in Haushalten (Lösemittel etc.). 

Auswirkungen

Mit zunehmender Belastung durch Feinstaub treten vermehrt Symptome chronischer Erkrankungen der Atemwege auf (Atemnot, Husten, Auswurf oder Infektionen der Atemwege). Damit verbunden sind Einschränkungen der Lungenfunktion, entzündliche Reaktionen und Herz-/Kreislauferkrankungen.

Luftschadstoffe beeinträchtigen die Gesundheit.

Stickstoffdioxid wirkt stark reizend, führt zu Schädigungen von Zellen des Atemtrakts und begünstigt in der Folge Atemwegserkrankungen. Stickoxide schädigen zusammen mit weiteren Schadstoffen Pflanzen und Ökosysteme, führen über den Bodeneintrag zu Überdüngung und beeinträchtigen die Biodiversität.

Hohe Ozon-Belastungen reizen die Atemwege und haben Einschränkungen der Lungenfunktion zur Folge. Neuere Studien zeigen Zusammenhänge zwischen der Luftverschmutzung und Diabetes, Atemwegsallergien und niedrigem Geburtsgewicht.

Die feinstaubbedingte Luftverschmutzung führt allein in der Stadt Zürich zu jährlichen Gesundheitskosten von rund 330 Millionen Franken (Studie Econcept 2018). Die Gesundheitskosten der Stickstoffdioxid-Belastung betragen im Minimum weitere 290 Millionen Franken. Hinzu kommen 10 Millionen Franken pro Jahr für Schäden an Gebäuden.

Massnahmen der Stadt

Massnahmenplan Luftreinhaltung

Der städtische Massnahmenplan Luftreinhaltung beinhaltet deutlich strengere Emissionsvorschriften als die eidgenössische Luftreinhalte-Verordnung. Bei Holzfeuerungen, die saniert werden müssen, werden die Feinstaubfrachten durchschnittlich etwa um den Faktor Vier reduziert.  

Der Massnahmenplan wird 2019 überprüft und auf den neusten Stand gebracht. Die bestehenden Massnahmen werden an die veränderten Rahmenbedingungen angepasst und durch neue Massnahmen ergänzt. Realisierte oder in übergeordnetem Recht abgedeckte Massnahmen werden abgeschrieben. Der Schwerpunkt der Revision liegt bei stationären Anlagen. Die Emissionsbegrenzungen vor allem bei Holzfeuerungen, stationären Motoren und Baustellen sollen dem aktuellen Stand der Technik angepasst werden. Die Ziele bleiben unverändert. 

Reduktion der Luftbelastung aus dem Strassenverkehr

Ein zentraler Ansatzpunkt ist der motorisierte Strassenverkehr. Mit der Strategie «Stadtverkehr 2025» hat die Stadt ein Bündel von Massnahmen eingeleitet, damit sich die Bevölkerung vermehrt mit dem öffentlichen Verkehr, dem Velo oder zu Fuss fortbewegt und schadstoffarme, effiziente Fahrzeuge benutzt. Die Aktionen aus dem Programm «Stadtverkehr 2025» sind die zentralen Massnahmen der Stadt Zürich, um die Luftbelastung aus dem Strassenverkehr zu reduzieren.

Zürich steht vor vielfältigen Herausforderungen in Bezug auf eine gute Erreichbarkeit und eine nachhaltige Mobilität.

Die Stadt geht bei der eigenen Fahrzeugflotte mit gutem Beispiel voran

Die Beschaffungen von Linienbussen der VBZ erfolgen im Rahmen der Vorgaben aus der Elektrobusstrategie «eBus VBZ», mit dem Ziel eines weitgehend emissionsfreien Busbetriebs bis 2030. Mittelfristig sollen je nach Liniencharakteristik nur noch Trolley- und Batteriebusse in Einsatz kommen. Seit 2017 werden Hybridbusse als Übergangstechnologie beschafft.

Motorisierte Dienstfahrzeuge werden nur neu beschafft oder ersetzt, wenn Alternativen wie Dienstvelos, öffentlicher Verkehr oder Car-Sharing nicht möglich sind. Seit 2017 müssen die beschafften Personenwagen über einen alternativen Antrieb verfügen (z. B. Elektromobile, Plug-In-Hybride).

Auch an Lastwagen und Maschinen, zum Beispiel für den Unterhalt von Grünflächen oder die Reinigung, stellt die Stadt strenge Anforderungen. Dieselbetriebene Arbeitsmaschinen müssen mit einem Partikelfilter ausgerüstet sein. Ist dieser nicht Teil des Grundangebotes, wird er nachgerüstet. Die gleichen Massstäbe gelten bei Aufträgen an Dritte.