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25. Februar 2014

Eindrückliche archäologische Funde mitten in Zürich

Im Rahmen der letzten Ausgrabungsetappe im Fraumünsterquartier, die noch bis April 2014 dauern wird, sind die Stadtarchäologen wiederum auf archäologische Fundstücke gestossen. Eine sehr gut erhaltene Mauer der ehemaligen Klosteranlage sowie verschiedene Skelettfunde geben Einblick in das mittelalterliche Zürich. Stadtrat André Odermatt hat die neuesten Funde heute gemeinsam mit Fachleuten der Stadtarchäologie an der Ausgrabungsstelle vor dem Stadthaus vorgestellt.

Seit Januar 2013 begleitet die Stadtarchäologie Zürich die laufenden Werkleitungssanierungen des Tiefbauamts im Fraumünsterquartier. Nun ist das 30-köpfige Team bei den letzten Ausgrabungsetappen vor dem Stadthaus angelangt und hat erneut zahlreiche eindrückliche archäologische Hinterlassenschaften zu Tage gebracht. Die Funde zeugen von einer etwas verhalten beginnenden Nutzung des Gebiets in römischer und frühmittelalterlicher Zeit und lassen eine Siedlungsverdichtung ab dem Hochmittelalter (10.–12. Jahrhundert) erkennen. Im 19. Jahrhundert erfolgten der schrittweise Abbruch des mittelalterlich geprägten Kratzquartiers und der Bau des modernen Fraumünsterquartiers. Als eine der letzten Etappen dieser Neugestaltung wurde die Klosteranlage der einst mächtigen Fraumünsterabtei abgebrochen. An ihrer Stelle steht heute das Stadthaus von Zürich.

Gründungsmythos Fraumünsterkloster

Die legendhafte Gründung des Frauenklosters geht auf die Zeit von König Ludwig dem Deutschen, einem Enkel Karl des Grossen, ins 9. Jahrhundert zurück. Nach der Legende gingen dessen tiefgläubige Töchter jede Nacht in Begleitung eines Hirsches zu einer Kapelle um zu beten. Da sie auf eigenen Wunsch unverheiratet blieben und ihr Leben Gott widmen wollten, liess ihr Vater an Stelle der Kapelle ein Kloster für sie errichten. Gott selbst musste als Baumeister eingreifen, um den unwirtlichen Platz nutzbar zu machen. Er schickte ein grünes Seil vom Himmel, das einen Ring auf dem Boden bildete, und so den Bauplatz für das Kloster markierte. An genau diesem Ort wurde das Fraumünsterkloster errichtet. Legende und Historie finden hier zusammen: Tatsächlich hat Ludwig der Deutsche ein bereits bestehendes Kloster in Zürich mit Gütern und Privilegien ausgestattet und seiner Tochter Hildegard übertragen. Eine 853 n. Chr. in Aachen verfasste königliche Urkunde zeugt davon.

Gut erhaltene Zeugen der Vergangenheit

Im Graben für die neue Frischwasserleitung vor dem Stadthaus konnten nun in den letzten Wochen Mauern freigelegt werden, die zum äusseren Hof des Klosters gehört haben müssen. Darunter eine bis 25 Meter lange und beeindruckend gut erhaltene Mauer. Ihr leicht kurviger Verlauf erinnert an den legendenhaften Gründungsakt, in dem der Baugrund des Klosterbezirks durch ein Seil abgesteckt worden sein soll. Der wahre Grund für ihren Verlauf dürfte in der Rücksichtnahme auf die topografischen Verhältnisse vor Ort liegen: Die Fraumünsterkirche und die Klosteranlage befanden sich ursprünglich auf einer leichten Geländeerhebung und somit in einer halbinselartigen Position zwischen Limmat und See.

Ort der letzten Ruhe

Erwartungsgemäss kamen in den Werkleitungsgräben auch Bestattungen zu Tage. Diese stammen vom kleinen Friedhof des äusseren Klosterhofs, der bis 1845 benutzt wurde. Die bis jetzt frei gelegten Bestattungen zeigen eine überaus dichte Belegung an. Neben sorgfältigen Einzelbestattungen, beispielsweise von einem 9 bis 10 Jahre alten Jungen, finden sich auch rasch und unsorgfältig angelegte Gräber mit mehreren Verstorbenen. Diese stammen wohl aus der Zeit des 16. oder 17. Jahrhunderts, als auch in Zürich die Pest grassierte.

Die Grabungsarbeiten im Fraumünsterquartier dauern noch bis April 2014. Gleich im Anschluss daran wird eine kleine temporäre Ausstellung im Schweizerischen Nationalmuseum zu sehen sein. Sie ermöglicht einen Einblick in die archäologische Untersuchung und präsentiert eine Auswahl der besten Fundstücke aus dem Fraumünsterquartier.




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