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Die ersten 200 Tage der Co-Direktion

Am 1. Mai 2021 haben Mauro Baster und Michael Grüebler die Leitung von Statistik Stadt Zürich gemeinsam übernommen. Die beiden Co-Direktoren geben Auskunft über ihre Zusammenarbeit und ziehen eine erste Bilanz zur neuen Führungsform.

Mauro und Michi, vor etwas mehr als einem halben Jahr habt ihr die Leitung von Statistik Stadt Zürich gemeinsam übernommen. Wie funktioniert das bisher?

Michael Grüebler: Wir konnten die Co-Leitung schon vorher ad interim ausprobieren. Ich finde, es läuft sehr gut. Ungewöhnlich bei uns ist im Vergleich zu anderen Job-Sharing-Modellen, dass wir je 100 Prozent arbeiten. Dadurch können wir beide neben der Amtsleitung noch ein eigenes Team führen und bleiben so recht nah am Tagesgeschäft dran.

Mauro Baster: Im Juni 2019 haben wir die Leitung interimistisch übernommen. Wir haben damals ein Konzept verfasst, in dem wir festhielten, wie wir uns die Zusammenarbeit vorstellen. Das haben wir so umgesetzt und bis heute in etwa beibehalten. Wir haben uns die Arbeit klar aufgeteilt und auch überlegt, welche Aussenwirkung wir erzielen wollen. Uns war wichtig, dass die Stadtpräsidentin als unsere Vorgesetzte keinen Zusatzaufwand hat. Wir haben entschieden, wie wir in Gremien teilnehmen wollen. Bei den Sitzungen von Statistikorganisationen wechseln wir uns ab, und dasselbe gilt für städtische Kaderveranstaltungen – mit Ausnahme einiger Anlässe, wo beide dabei sind.

Wie reagiert man in den Gremien, wenn einmal der eine von euch teilnimmt, dann wieder der andere?

Michael Grüebler: Ich habe nie eine negative Rückmeldung bekommen. Es hat etwas gedauert, bis sich die Leute daran gewöhnt haben, dass sie uns immer beide einladen sollen. Das war anfangs etwas holprig.

Mauro Baster: Die Leute sind sehr interessiert an diesen neuen Führungsformen. Die Abteilung Kultur hat ebenfalls eine Co-Leitung (Anm. d. Redaktion: Co-Direktorinnen Rebekka Fässler & Murielle Perritaz), sie teilen sich das Amt mit Arbeitspensen von je 60 Prozent. Die meisten wollen wissen, wie unser Modell funktioniert, und finden es spannend. Die Zeit wird zeigen, ob sich das Modell der Co-Leitung durchsetzt.

Wo seht ihr die Vorteile einer Co-Leitung?

Michael Grüebler: Ich sehe so gut wie nur Vorteile. Wenn ich heute in die Ferien gehe, weiss ich, dass Mauro alles übernehmen kann. Es ist hundertprozentig alles abgedeckt. Das ist ein Riesengewinn. Im Weiteren ist jeder Entscheid auf Stufe Direktion abgestimmt. Und wie bereits erwähnt, haben wir durch die Teamleitung einen engen Bezug zum Tagesgeschäft, sind den Mitarbeitenden daher vielleicht auch etwas näher als andere Dienstchefs.

Mauro Baster: Das sehe ich auch so. Einer von uns beiden ist immer da. Alles, was geschäftlich relevant ist, wird stets mit einer zweiten Person besprochen, es gibt immer noch eine weitere Perspektive. Die Entscheidungen werden dadurch besser, und es kommt zu keinen Schnellschüssen.

Was macht ihr, wenn ihr euch mal nicht einig werdet. Werft ihr dann eine Münze?

Michael Grüebler: Alle strategischen Entscheidungen werden in der Geschäftsleitung getroffen. Dort sind wir zu dritt. Alle haben dann die gleiche Stimme.

 

Wo liegen die grössten Herausforderungen?

Michael Grüebler: Wir müssen uns viel abstimmen. Wir tauschen uns einmal wöchentlich darüber aus, was gerade läuft. In der Geschäftsleitung haben wir einen Zweiwochen-Rhythmus. Der Koordinationsaufwand ist schon leicht grösser. Entscheidungen dauern unter Umständen etwas länger. In unserem Arbeitsumfeld ist allerdings selten etwas so dringend, dass dies zu einem Problem wird. Eine Herausforderung ist die Situation sicher auch für Daniel Baumgartner, unser drittes Geschäftsleitungsmitglied. In der Geschäftsleitung hat er zwar die gleichen Rechte, aber er hat nicht die Kompetenzen eines Dienstchefs. Wir haben dies mit ihm besprochen, und bis jetzt funktioniert es gut für ihn.

Mauro Baster: Die Kommunikation ist eine grosse Herausforderung. Immer auf dem gleichen Stand zu sein einerseits, andererseits das gleiche Führungsverständnis zu haben. Wir müssen sicherstellen, dass die Mitarbeitenden gleich behandelt werden, egal, an wen von uns sie sich wenden. Darum reden wir oft über Personelles oder über unsere Haltung zu einem bestimmten Thema. Natürlich ist es da praktisch, dass wir recht ähnliche Vorstellungen haben. Dies kann aber auch problematisch sein.

Michael Grüebler: Wir müssen aufpassen, dass unsere Entscheidungen genug divers ausfallen. Wir haben keine Frau in der Geschäftsleitung; wir sind alle sehr technikaffin. Solche Eigenschaften können den Entscheidungen ja auch einen bestimmten Drall geben. Da muss man einfach schauen, dass andere Seiten genug berücksichtigt werden.

Mauro Baster: Eine weitere Herausforderung ist das Thema Sichtbarkeit. Darum haben wir auch nicht einen Aussenminister und einen Innenminister bestimmt. Auch wenn der eine vielleicht kommunikativ etwas stärker ist. Dies ist manchmal etwas anstrengend, aber es funktioniert gut. Ich bin absolut überzeugt von dieser Form der Co-Leitung und finde, dass sich das Modell in der Stadtverwaltung ruhig noch stärker durchsetzen könnte. Wir sind hier sicher in einer Pionierrolle und möchten unsere Aufgabe darum möglichst gut machen. Die Co-Leitung setzt sich auf unteren Führungsstufen oder in Projektleitungen immer mehr durch.

 

Gibt es Aufgaben, die nur einer von euch erledigt?

Michael Grüebler: Ja, zum Beispiel alles Personelle, den Austausch mit dem HR-Team, das macht Mauro. Alles Vertragliche mache ich, die Finanzen sind auch eher bei mir. Für die Jahresplanung ist Mauro zuständig. Hie und da müssen wir uns kurz absprechen, wer eine Aufgabe übernimmt, aber meistens ist es klar.

 

Welche Eigenschaft schätzt ihr am anderen am meisten?

Michael Grüebler: Ich schätze Mauros Fachwissen, er versteht unser Arbeitsgebiet, er ist auch schon lange dabei. Er ist darum in der Lage, seine Mitarbeitenden ideal zu unterstützen. Was ihn auszeichnet, ist seine Klarheit. Er ist sehr fokussiert, hinterfragt alles, was er unnötig findet. Ihm geht es stark darum, wie man etwas umsetzen kann. Manchmal bremst er mich auch, wenn ich allzu sehr spintisiere. Trotzdem ist immer eine grosse Diskussionsbereitschaft da. Wir können Sachen ausdiskutieren, und er lässt sich mit guten Argumenten auch überzeugen.

Mauro Baster: Was niemand so gut kann wie Michi: Sachverhalte einfach erklären. Im Film «Philadelphia» sagt Denzel Washington als Anwalt: «Erklär es mir, als ob ich fünf Jahre alt wäre.» Michi macht das genau so, aber auf eine Art und Weise, dass sich das Gegenüber ernst genommen fühlt. Das ist wirklich bewundernswert. Was ich ausserdem sehr schätze, ist seine Visionskraft. Michi hat immer Ideen, in welche Richtung es gehen könnte. Ich bin eher der, der dann bremst, aber ich glaube, das braucht es auch. Wenn Michi von etwas richtig überzeugt ist, dann zieht er so stark, dass wir uns trotzdem in diese Richtung bewegen. Wenn wir diskutieren, merke ich manchmal, dass man gewisse Dinge auch ganz anders betrachten kann. Wir arbeiten schon seit 15 Jahren zusammen. Unsere Zusammenarbeit hat schon immer gut funktioniert. Wir haben in den wichtigen Punkten dasselbe Führungsverständnis. Die Zusammenarbeit ist extrem angenehm. Michi ist absolut zuverlässig. Unsere Zusammenarbeit erfordert dies auch. Noch ein Plus ist seine IT-Affinität. Er hat früher bei SAS gearbeitet, kann programmieren und interessiert sich auch in der Freizeit für diese Themen. Vieles hat einen Bezug dazu, was wir hier machen. Er liest sehr gern. Ich zwar auch, aber ich lese eher historische Romane. Michi liest viele Sachbücher, die er mir dann empfiehlt. Er ist einfach ein super Partner.

 

Wollt ihr sonst noch etwas sagen?

Michael Grüebler: Einfach, dass diese Co-Leitung die absolut richtige Entscheidung war, ich kann diese Form der Zusammenarbeit allen nur empfehlen. Es ist ein sehr zeitgemässes Führungsmodell, das sich lohnt.

Mauro Baster
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Michael Grüebler
Michael Grüebler

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