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Leerwohnungen in der Stadt Zürich

17. Oktober 2012 - Michael Böniger

Am 1. Juni 2012 standen in der Stadt Zürich 206 Wohnungen leer. Somit stand jede tausendste Wohnung leer.

Aktuelle Leerwohnungsziffer

In der Stadt Zürich stieg 2012 die Zahl der Leerwohnungen gegenüber dem Vorjahr. Die Leerwohnungsziffer hat sich seit 2011 fast verdoppelt und beträgt 0,10 Prozent. Die Entlastung für den Wohnungsmarkt ist moderat; in der Stadt Zürich ist die Nachfrage nach Wohnungen ungebremst. Zum Vergleich: Im Kanton Zürich liegt die Leerwohnungsziffer bei 0,56 Prozent (Vorjahr 0,65). Im Gegensatz zur Stadt Zürich nahm die Leerwohnungsziffer ab.

Seit dem Jahr 2000 befinden wir uns in einer Phase tiefer Leerstandsquoten. Doch ein Blick zurück zeigt, dass dies nicht die erste Phase eines «ausgetrockneten» Wohnungsmarktes ist. Auch zwischen 1956 und 1973 bewegte sich die Leerwohnungsziffer fast durchgehend auf tiefem Niveau.

Für einen funktionierenden Wohnungsmarkt ist eine gewisse Anzahl leerer Wohnungen unumgänglich. In der Theorie wird ein Anteil leer stehender Wohnungen von etwa einem Prozent erwartet. Werte darunter zeigen eine Wohnungsknappheit an. Dieser Wert wurde in der Stadt Zürich zuletzt im Jahr 1941 überschritten. Dennoch kam es seither nicht zu einem Zusammenbruch des Marktes. Ein Grund hierfür ist der vielfältige Zugang zu vermietbaren Wohnungen, der über neue Medien wie Internet oder mobile Applikationen vereinfacht wird. Deshalb kann auch ein Markt mit einer tiefen Leerwohnungsziffer funktionieren.

Leerwohnungsziffer seit 1907
Grafik 1: Leerwohnungsziffer seit 1907

Erhöhter Leerstand bei Neubauwohnungen

Am 1. Juni 2012 waren im Vergleich zum Gesamtwohnungsbestand überdurchschnittlich viele Wohnungen mit Baujahr 2001 und jünger nicht belegt. Rund 30 Prozent der leer stehen Objekte waren Neubauwohnungen (Baujahr nach 2010). Viele Leerwohnungen gab es auch bei Wohnungen, welche zwischen 2001 und 2009 wurden. In den 1990er-Jahren wurden im Mittel pro Jahr 720 neue Wohnungen erstellt. Im neuen Jahrtausend stieg diese Zahl markant: 2011 wurde mit 2307 fertig gestellten Wohnungen die höchste Marke seit Ende der 1960er-Jahre erreicht.

Vergleich Gebäudebestand und Leerwohnungen 2012, nach Bauperiode der Wohnungen
Grafik 2: Vergleich Gebäudebestand und Leerwohnungen 2012, nach Bauperiode der Wohnungen
Neubauwohnungen und Anteil leerer Neubauwohnungen am Total aller Leerwohnungen (in Prozent)
Grafik 3: Neubauwohnungen und Anteil leerer Neubauwohnungen am Total aller Leerwohnungen (in Prozent)

Mehr leere 2-Zimmer-Wohnungen

Auffallend ist 2012 der Anstieg der leer stehenden 2-Zimmer-Wohnungen. Diese Zahl hat sich gegenüber 2011 verdreifacht und liegt nun bei 56 Wohnungen. Nur eine der leeren 2-Zimmer-Wohnungen kostet weniger als der städtische Durchschnitt 1080 Franken pro Monat für diese Wohnungsgrösse. Dabei dürfte auch die Wohnungsfläche ein Preistreiber sein. Drei Viertel der leeren 2-Zimmer-Wohnungen verfügen mehr als 56 Quadratmeter Wohnungsfläche, dem städtischen Durchschnitt für diesen Wohnungstyp.

Anzahl leerer Wohnungen nach Zimmerzahl
Grafik 4: Anzahl leerer Wohnungen nach Zimmerzahl

In Kürze

In der Stadt Zürich hat sich im Jahr 2012 die Zahl der Leerwohnungen gegenüber dem Vorjahr beinahe verdoppelt. Erstmals seit 2006 wurden wieder mehr als 200 leere Wohnungen gezählt. Trotz des Anstiegs der Leerwohnungsziffer auf 0,10 Prozent bleibt der Wohnungsmarkt weiterhin angespannt. Die aktuelle Leerstandziffer ist im historischen Kontext immer noch sehr tief. Somit wird in den nächsten Monaten weiterhin stark in den Wohnungsbau investiert werden. Dies zeigen auch die aktuell im Bau stehenden 4379 Wohnungen. Wird man jedoch neue Wohnungen im Hochpreissegment anbieten, dann wird die Zahl der leeren Neubauwohnungen in den kommenden Jahren wohl weiter ansteigen. Dies wäre jedoch nicht gleichzusetzen mit einer Entspannung im Wohnungsmarkt. Denn teure Wohnungen bieten ein Angebot für eine spezifische Kundschaft und das nachfragebedingte Wohnungswachstum würde nicht alle Bevölkerungsschichten und Altersgruppen berücksichtigen.

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