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16. April 2019

«Autofahren: die unvergessene Leidenschaft»

Ältere Menschen im Auto
Ältere Menschen verursachen nicht mehr Autounfälle als jüngere.

Es vergeht kaum eine Woche, in der nicht eine Zeitung mit News über einen schlimmen Verkehrsunfall aufwartet, für den ein Senior verantwortlich sein soll. Gemäss Statistiken ein völlig verzerrtes Bild. Doch wie und ab wann wird die Fahreignung bei älteren Menschen kontrolliert?

Autofahren bedeutet nicht nur Freiheit und Unabhängigkeit, sondern auch, dabei sein zu können, zu leben und noch dazu zu gehören. Diese Punkte nennen Senioren häufig, wenn sie gefragt werden, weshalb ihnen das Autofahren so wichtig ist.

Ältere Menschen dürften in den nächsten Jahren noch weit häufiger auf Schweizer Strassen anzutreffen sein. Dafür sorgt die demographische Entwicklung der Bevölkerung. Seniorinnen und Senioren sind gesünder, aktiver und mobiler als früher. Werden dadurch die von betagten Menschen verursachten Unfälle zunehmen?

Harte Fakten

Die Statistiken zeigen ein anderes Bild: Senioren verunfallen vor allem dann, wenn sie zu Fuss unterwegs sind. Die Hälfte aller tödlich verunglückten Fussgänger sind über 75 Jahre alt. Das hängt natürlich auch damit zusammen, dass der Körper im Alter verletzlicher ist als in der Jugend.

In der Unfallstatistik nehmen die autofahrenden Senioren eine eher untergeordnete Stellung ein. Nur bei etwa zehn Prozent aller im Strassenverkehr tödlich verunglückten Personen war ein Autofahrer im Alter von über 70 Jahren in den Unfall verwickelt. Ebenso Fakt ist es, dass das Unfallrisiko mit zunehmenden Alter steigt, wenn man den zurückgelegten Weg berücksichtigt. Man kann dies dadurch erklären, dass Autofahrer, die weniger Kilometer pro Jahr absolvieren, vor allem auf unsichereren Strassen innerorts und auf gefährlichen Landstrassen unterwegs sind.

Probleme im Alter

Senioren fahren kaum zu schnell, sind seltener alkoholisiert oder ohne Gurten unterwegs, haben aber Probleme mit komplexen Verkehrssituationen. Und sie verursachen häufiger Unfälle beim Parkieren. Woran liegt das? Dazu Dr. Irene Bopp-Kistler, Leitende Ärztin der Universitären Klinik für Akutgeriatrie am Stadtspital Waid: «Im Alter nehmen die Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit etwas ab. Betagte Menschen werden rascher müde und brauchen mehr Erholungszeit. Die Reaktionszeit nimmt altersabhängig etwas zu. Doch viel gravierender sind Begleiterkrankungen: Allen voran die Demenz, doch auch Krankheiten wie zum Beispiel Diabetes, Arthrose der Halswirbelsäule, Herzerkankungen sowie Einschränkungen des Seh- und Hörvermögens können die Fahrtauglichkeit herabsetzen.»

Ein Kapitel für sich sind die zahlreichen Medikamente, die das Unfallrisiko am Steuer steigern. Informationen dazu liefert www.mymedi.ch. Darauf sind rund 3500 Medikamente und Wirkstoffgruppen mit einem Warnhinweis für Verkehrsteilnehmende versehen.

Neue Richtlinien

Seit 1. Januar 2019 müssen sich Senioren erst ab 75 und nicht schon ab 70 Jahren einer ärztlichen, verkehrsmedizinischen Kontrolluntersuchung unterziehen. «Dies ist alle zwei Jahre notwendig. Wenn verkehrsmedizinisch relevante Erkrankungen bestehen oder wenn Mindestanforderungen nur knapp erreicht wurden, kann der Rhythmus auch kürzer sein», betont Dr. Irene Bopp-Kistler. Aber jeder Arzt kann schon früher eine Meldung ans Strassenverkehrsamt machen, wenn er Bedenken wegen der Fahreignung hat. Es wird dann eine weitere Abklärung im Rechtsmedizinischen Institut oder bei einem Verkehrsmediziner veranlasst.

Je nach Resultat erhält der Patient zusätzlich die Möglichkeit, eine Probefahrt durchzuführen. «Doch eigentlich sollte es das Ziel sein, dass möglichst viele Personen freiwillig den Fahrausweis abgeben, sollte die Fahreignung nicht mehr gegeben oder fraglich sein. Es ist wichtig, dass dies zum Beispiel schon zu Beginn einer Demenz mit den Patienten so diskutiert wird», sagt die Leitende Ärztin der Memory Clinic am Stadtspital Waid.

 

Veranstaltungshinweis: Angehörigen-Forum zur «Fahreignung bei Demenzerkrankten»

Gemeinsam mit der Alzheimervereinigung Kanton Zürich organisiert die Memory Clinic des Stadtspitals Waid am 9.5.2019 von 17.00–18.30 Uhr ein Angehörigen-Forum zum Thema «Fahreignung bei Demenzerkrankten». Referentinnen sind die Neuropsychologin Andrea Grubauer und die Oberärztin Dr. Karen Schwab. Der Anlass richtet sich an Familienmitglieder, Bekannte und Betreuungspersonen von Menschen mit Demenz. Es besteht zudem die Möglichkeit, sich im Anschluss mit dem ganzen Team der Memory Clinic auszutauschen. 

Weitere Informationen finden Sie in diesem Flyer: