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24. Juni 2019

«Vor allem ältere Menschen sind gefährdet!»

Hitze

Sommer und Hitzetage haben auch ihre Schattenseiten. Die Hundstage belasten Herz und Kreislauf. Das ist vor allem für gesundheitlich angeschlagene Menschen ein Problem. Das Stadtspital Waid und Triemli ist darauf vorbereitet.

Erhöhter Puls, tiefer Blutdruck, Schwindel, Kopfschmerzen, Schwäche, Übelkeit und erhöhte Körpertemperatur – das sind mögliche Symptome, wenn der Körper mit der sommerlichen Hitze zu kämpfen hat. Sie sind nicht ungefährlich!

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BABS) klassifizierte in seinem Risikobericht 2015 Hitzewellen als eine der grössten Bedrohungen für die Schweiz. Dazu zählen auch die gesundheitlichen Folgen und die dadurch erhöhte Sterblichkeit. Verlässliche Daten dazu gibt es aber nur wenige. Nach dem Hitzesommer 2003 gingen die Experten beispielsweise von bis zu 1'000 zusätzlichen Todesfällen wegen der grossen Hitze aus. Vor allem Personen im Alter von über 65 Jahren waren betroffen.

Wie ein Heizkörper

Der menschliche Körper stellt eine Art Heizkörper dar. Die Heizleistung beträgt etwa 100 Watt. Wenn wir unsere Muskeln bewegen, produzieren wir Wärme. Auch bei vielen Stoffwechselvorgängen in den inneren Organen entsteht Energie, die nach aussen abgegeben werden muss. Denn unsere Kernkörpertemperatur sollte immer etwa 37 Grad Celsius betragen. Der Grund dafür ist, dass die komplexen, biochemischen Prozesse im Körper bei dieser Temperatur am effizientesten ablaufen. Ist die Temperatur zu hoch, verändern die Eiweisse ihre Struktur und verlieren ihre Funktion – wie ein Spiegelei in der Pfanne. Dr. med. Patrick Sidler, Leiter a. i. des Instituts für Notfallmedizin, Stadtspital Waid und Triemli, erklärt: «Je grösser der Unterschied zur Umgebungstemperatur ist, desto besser kann unser Körper die überschüssige Wärme abgeben.»

Wer ist gefährdet?

Wenn es während mehrerer Tage tagsüber mehr als 30 Grad und nachts über 20 Grad warm bleibt, bekommen vor allem ältere und chronisch kranke Menschen gesundheitliche Probleme. Aber auch schwangere Frauen und Kleinkinder sind gefährdet. «Die beeinträchtigte Wärmeregulation kann bei diesen Risikogruppen zu Herz-Kreislauf-Problemen führen», so Notfallmediziner Sidler. 

Wärmeregulation durch Schwitzen

Unser körpereigener Thermostat im Gehirn, der Hypothalamus, reguliert die Körpertemperatur. Wenn wärmeempfindliche Nervenzellen, unter anderem in der Haut, feststellen, dass die Temperatur zu hoch ist, reagiert der Hypothalamus und reguliert den Kreislauf. Blut aus dem Körperinnern wird an die Körperoberfläche verlagert, indem sich dort die Blutgefässe erweitern. Dadurch sinkt der Blutdruck, der Puls steigt und die Haut sondert Schweiss ab. Damit der Flüssigkeitsfilm verdunsten kann, braucht es Energie, die dem Körper in Form von Wärme entzogen wird. Dieser kühlt dadurch ab.

«Beispielsweise für Menschen mit Herzschwäche wird die Hitze schnell zu einer Belastung. Wenn sich die Gefässe zu stark erweitern und der Blutdruck dadurch deutlich sinkt, bekommt das Gehirn nicht genug Blut und Sauerstoff. Es droht ein Kreislaufkollaps mit Bewusstseinsverlust», sagt Internist Sidler. Starkes Schwitzen führt aber auch zu einem Mineralstoffverlust. Ohne Elektrolyte (Salze) können die Muskeln nicht arbeiten und verkrampfen sich. Auch Kopfweh, Übelkeit und Schwindel bis hin zu einer lebensbedrohlichen Hirnschwellung können die Folge sein.

Massnahmen im Spital

Eine genügend grosse Trinkmenge sowie ausreichend Kühlung sind entscheidend. Bei Hitze sollte man trinken, bevor man Durst hat – sicher einen halben Liter mehr als sonst. Im Spital wird am Morgen gut gelüftet und dann werden auf der Sonnenseite die Rolladen geschlossen. Mit Paravents in den offenen Zimmertüren entsteht zudem ein leichter, kühlender Luftzug. Dazu kommen individuelle Massnahmen. Sidler empfiehlt: «Patienten, die wegen ihrer Grunderkrankung nur wenig trinken dürfen, können sich mit einer Sprayflasche oder mit Lutschstengeln regelmässig die Mundschleimhaut befeuchten. Zudem setzten wir Coldpacks sowie kühlende Fuss- und Handbäder ein. Das hilft.»
 

Gut zu wissen 

Die wichtigsten Tipps von Dr. med. Patrick Sidler:

  • Trinken Sie mindestens eineinhalb bis zwei Liter Wasser pro Tag.
  • Vermeiden Sie Tätigkeiten, die den Kreislauf belasten.
  • Machen Sie Sport nur frühmorgens oder spätabends.
  • Essen Sie leichte Kost mit Salaten, Obst und Gemüse.
  • Duschen Sie lauwarm.
  • Lassen Sie kaltes Wasser über die Handgelenke laufen.
  • Legen Sie kühlende Waschlappen auf die Stirn oder den Nacken.


Hitze-Telefon der Stadt Zürich für betagte Menschen

Unter Tel. +41 44 412 00 60 erhalten betagte Menschen zu Hause während Hitzeperioden Beratung und Unterstützung.
 

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